15 Fragen an Nicolaj Armbrust von Traum “Borussia Dortmund ist für mich ein Vorzeige-Start-up”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Nicolaj Armbrust von Traum-Ferienwohnungen.
“Borussia Dortmund ist für mich ein Vorzeige-Start-up”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Als mein eigener Chef habe ich vor allem die Möglichkeit großartige Ideen, die mir begegnen, direkt zur Umsetzung zu bringen. Es braucht keine langen Abstimmungen und Meetings mit Analysten. Deswegen war es mir immer wichtig, dass Traum-Ferienwohnungen unabhängig bleibt.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee entstand zum Ende der Schulzeit bzw. Anfang des Studiums. Die Mutter meines Mitgründers Sebastian Mastalka hatte eine Ferienwohnung am Ammersee. Er hat schnell festgestellt, dass es eine ziemlich Zeit und Nerven raubende Aufgabe ist, eine Homepage für diese Ferienwohnung zu erstellen und sie dann auch noch gut in den Suchmaschinen zu positionieren. Ich hatte zu dieser Zeit schon für eine Hand voll Ferienwohnungen in meinem Heimatort Webseiten erstellt und so kamen wir gemeinsam auf die Idee, einen Marktplatz für Ferienwohnungen aufzubauen, der von Urlaubern leicht gefunden wird und die eigene Homepage ergänzt.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir brauchten zunächst einmal nur 3,24 EUR. Die waren recht leicht zu beschaffen. Mit diesem Betrag haben wir die Domain www.traum-ferienwohnungen.de gesichert. Danach haben wir das Portal neben dem Studium selbst programmiert und die Werbetrommel unter Vermietern gerührt. Nach wenigen Monaten waren wir in der Gewinnzone und haben sie nie wieder verlassen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Uns lagen keine wirklichen Steine im Weg. Rückblickend waren unsere wichtigsten Assets aber “Zeit” und “Sorglosigkeit”. Wir hatten keinen Druck, haben uns für alles eben soviel Zeit genommen, wie nötig war und waren bereit, aus unseren Fehlern zu lernen und Dinge einfach nochmal zu machen. Ich glaube viele Start-ups nehmen sich nicht die Zeit, sich über den Kern ihrer Idee klar zu werden und sie dann auf eben diesen Kern zu reduzieren. Die Jungs von 37signals haben viele unserer gemeinsamen Denkweisen wunderbar in ihrem Buch “rework” beschrieben.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich bin sehr zufrieden wie es damals gelaufen ist. Schwer wurde es, als wir die ersten Mitarbeiter verpflichtet haben. Ich bin froh, dass wir jetzt viel besser darin geworden sind, Abläufe und die interne Kommunikation zu organisieren. Als wir zu dritt waren verstanden wir uns blind. Es war ein Lernprozess, zu erkennen, dass das mit immer mehr Mitarbeitern irgendwann so nicht mehr funktioniert. Heute arbeiten wir mit rund 70 Personen im Team ausgesprochen effektiv zusammen. Ich würde jedem Gründer raten, sich zu Beginn hierfür Hilfe zu holen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
An dem Ort und zu der Zeit wo Menschen nach Ferienwohnungen suchen, wollten wir präsent sein. So haben wir uns die ganze Zeit auf eine gute Platzierung in den Suchmaschinen konzentriert (es gab 2001 wirklich auch noch andere als Google!). Für uns ist ein begeisterter Kunde aber immer noch die beste Werbung. Also haben wir uns seit Beginn stets darauf konzentriert, ein tolles Produkt zu erschaffen, das unsere Kunden begeistert.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Sebastian, Marc und ich haben uns gegenseitig wohl am meisten unterstützt. Wenn mal wieder einer von uns müde wurde, sind die anderen eingesprungen und haben die Nachtschicht zu Ende geführt. Dazu bin ich sehr froh, dass meine Tante uns als Steuerberaterin so ziemlich alle administrativen Aufgaben von den Schultern genommen hat.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Bleibt euer eigener Herr, nehmt nicht gleich Fremde mit ins Boot. Findet erst heraus, was eure Idee wirklich ist. Oft sieht man zuerst nur einen kleinen Ausschnitt oder gar nur das Spiegelbild. Lasst euch Zeit, den Kern eurer Idee und die beste Zielgruppe zu ermitteln. Und am Ende setzt euch als Ziel, ein tolles Produkt zu schaffen, welches eure Kunden wirklich begeistert. Bleibt euch treu. Dann werdet ihr Erfolg haben!

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Meine Brüder haben Anfang des Jahres auch ihr erstes Start-up gegründet. Damit sie autark bleiben können, haben sie den Gründungszuschuss des Arbeitsamts beantragt. Die Antwort hat mich schockiert: Es wurde ihnen tatsächlich gesagt, sie seien zu überqualifiziert, um ein Unternehmen zu gründen. Diese Fördermittel seien nur für unvermittelbare Arbeitskräfte gedacht. Ich würde mir wünschen, dass es viel mehr jungen kreativen Köpfen möglich wäre, ihre Ideen ohne Venture-Manager am Tisch umzusetzen. Hier könnte der Bundeswirtschaftsminister sicherlich helfen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Eigentlich gab es für mich nur diesen Weg. Ich komme aus einer typischen Unternehmer-Familie und so habe ich nur dieses Leben kennengelernt. Mein Opa produziert seit 50 Jahren Trecker-Schaufeln und hat fast jede Maschine zur Produktion damals selbst entworfen und gebaut. Er war immer mein großes Vorbild.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Am liebsten würde ich mal bei Borussia Dortmund reinschauen und lernen, wie Jürgen Klopp jeden einzelnen in seinem Team derart außergewöhnlich verbessert und motiviert. Für mich ist der Verein ein deutsches Vorzeige-Start-up, weil er aus praktisch nichts nur mit Begeisterung und viel Arbeit etwas ganz Großes erschaffen hat.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde genau dorthin reisen, wo Owen Wilson von Woody Allen in “Midnight in Paris” geschickt wurde: In das Paris der 20er Jahre. Es wäre einfach fantastisch, Hemingway, Dali, Picasso und all den anderen einmal zu begegnen und zu erfahren, wie sie wirklich dachten.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ganz ehrlich. Ich wüsste wahrscheinlich erst mal nichts damit anzufangen. Um den ganzen Regenwald der Erde zu kaufen, ist es wahrscheinlich etwas zu wenig. Und für mich selbst ist Geld nur insofern wichtig, als das es einem viele Sorgen und Ängste nimmt. Und so würde ich es in die Ecke legen und mich freuen, mich voll auf die Entwicklung neuer Ideen konzentrieren zu können, die möglichst vielen Menschen wirklich Freude machen. Vielleicht ist die Million dann ja mal sinnvoll, um eine von diesen Ideen umzusetzen…

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Meine Mutter hat früher an jedem Sonntag ein unglaublich übertriebenes Brunch-Buffet vorbereitet. Seither ist der Sonntag für mich nur komplett, wenn er mit einem Brunch anfängt. Und auch danach sollte die größte Herausforderung des Tages mit dem Anbraten des Bacons schon erledigt sein.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Das Bier (oder auch zwei) würde ich Jürgen Klopp am Ende meines Praktikums bei ihm ausgeben und den Kaffee würde ich gern mit Tim Okamura (zeitgenössischer, kanadischer Maler, A.d.R.) in seinem Atelier in Brooklyn trinken.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Nicolaj Armbrust gründete 2001 bereits während des Studiums der Wirtschaftsinformatik an der Universität Bremen gemeinsam mit seinen Partnern Sebastian Mastalka und Marc Kornmann das Unternehmen Traum- Ferienwohnungen, ein Portal zur Vermietung von Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Als Geschäftsführer verantwortet Nicolaj Armbrust alle strategischen Prozesse und ist Leiter der Produktentwicklung.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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