Social TV So kämpft wywy um die Nutzer auf dem Second Screen

Die Social-TV-Dienste mcCheckin, TunedIn und Zapitano sind am Ende. wywy dagegen lebt noch. Zum Start positionierte sich das Start-up noch als "mobiler Fernseh-Begleiter". Inzwischen kümmert sich das Unternehmen um synchronisierte Online-Werbung zu TV-Spots. Ein notweniger Schwenk!
So kämpft wywy um die Nutzer auf dem Second Screen

Trotz der Pleiten von TunedIn und Zapitano sowie der Abschaltung von mcCheckin sieht Andreas Schroeter, Gründer des Social-TV-Start-ups wywy, keinen Grund für Katzenjammer – weder für junge, einstige Boom- und Hype-Segment, noch für sein eigenes Unternehmen. “Es hat sich allerdings herausgestellt, dass senderunabhängige Social-TV-Apps sehr schwer eine große und damit relevante Reichweite aufbauen können”, sagt Schroeter gegenüber deutsche-startups.de. Oftmals stünden die Nutzeraktivitäten auf dem Second Screen zudem überhaupt nicht in direktem Zusammenhang mit dem TV-Programm.

Auch aus diesen Gründen habe sich wywy (Start-up des Jahres 2012) bereits im vergangenen Jahr weg von Social-TV-Apps entwickelt. Stattdessen setzt das Münchner Unternehmen nun auf das “Zusammenspiel von TV und Online-Werbung”. “Wir konzentrieren uns inzwischen darauf, TV-Zuschauer direkt über mit dem TV-Spot synchronisierte Online-Werbung zu erreichen und auch den Einfluss von TV-Werbung auf die Webseite von Werbetreibenden zu messen. Agenturen und Marken leiden unter dem Aufmerksamkeitsverlust durch den Second Screen und haben händeringend nach einer Lösung gesucht”, sagt Schroeter weiter. Im Grunde erkennt wywy nur, welche Werbung gerade läuft und schaltet parallel die passende Werbung auf dem Second Screen des Zuschauers. Ein sehr harter, aber notwendiger Schwenk des Geschäftsmodells.

Zum Start vor zwei Jahren positionierte sich das Start-up noch ausschließlich als “mobiler Fernseh-Begleiter”. Damals hieß es: “Ohne Aufwand kann man man per automatischer Inhaltserkennung in diejenige Fernsehsendung ‘einchecken’, die man gerade schaut. Dort trifft man auf Gleichgesinnte, um sich mit Ihnen im Chat über das Programm auszutauschen, oder via Facebook und Twitter seinen Freunden mitzuteilen, was man gerade schaut. Für seine Check-ins erhält der Benutzer lustige Trophäen und Punkte. Da wir aufgrund unserer ‘Audio Fingerprinting’ Technologie verifizieren können, dass Benutzer die Sendungen in welche sie sich einchecken auch wirklich schauen, sind wir in der Lage, für die gesammelten Punkte attraktive Prämien in Form von Gutscheinen an die Benutzer zurückzugeben”.

Damit das Dienstleisterkonzept von wywy funktioniert, müssen die Nutzer somit aber weiter vor der Glotze hängen und irgendwas im Netz machen – etwa parallel surfen bzw. über irgendeine Castingshow ablästern, den Mörder beim Tatort suchen bzw. die Tore der Nationalmannschaft virtuell bejubeln. Genau bei diesen Formaten sieht Schroeter überhaupt Potenzial für das klassische Rudelgucken: “Die Sender springen bei Formaten, wie Live-Sendungen, wichtigen Sport-Veranstaltungen oder Casting-Shows, immer mehr auf den Trend zur Interaktivität an. Und auch Facebook und Twitter – Deutschlands größte Social-TV-Player – versuchen sehr stark im TV-Markt Fuß zu fassen.

Ein Paradebeispiel sei ganz aktuell die Fußball-Weltmeisterschaft. Beim Halbfinale Brasilien-Deutschland seien, auch dank des unglaublichen Spielverlaufs, vor allem Twitter und Facebook fast explodiert: Im Durchschnitt verfolgten etwa 32,57 Millionen Fans das Spiel und setzten insgesamt 35,6 Millionen Tweets ab. Als weiteres internationales Beispiel nennt er Olympia und den Eurovision Song Contest. Social TV funktioniert somit, aber nicht als Alleinstellungsmerkmal, den die Nutzer, die über das Geschehen auf der Glotze reden wollen, machen dies da, wo sie ohnehin gerade sind (etwa Twitter). Und die anderen machen ohnehin irgendwas anderes.

Passend zum Thema: “‘Der Teufel steckt immer im Detail’ – 15 Fragen an Andreas Schroeter von wywy

Foto: Couple looking for tv program on internet from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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