Vorbestellplattform Mit aponow in der Apotheke vor Ort online shoppen

aponow bringt die Apotheken des Landes ins Internet. Das frisch gestartete Projekt bündelt auf einen Schlag alle deutschen Vor-Ort-Apotheker auf einer Plattform. Über aponow können Nutzer nun in jeder deutschen Apotheke Medikamente vorbestellen, sich die Ware sofort liefern lassen.
Mit aponow in der Apotheke vor Ort online shoppen

Schon Dedendo und vitabote wollten den Apothekenmarkt erobern und die vielen kleinen und großen Apotheken des Landes fit fürs Internet-Zeitalter machen. Es ging dabei um das beliebte Thema Lieferdienstvermittlung – in diesem Fall rund um Apothekenprodukte. Dedendo wollte gemeinsam mit SevenVentures sogar zum zalando für Medikamente aufsteigen. Es klappte nicht, schon wenige Wochen nach dem Start, zog sich der Venture-Arm der ProSiebenSat.1 Gruppe beim Start-up schon wieder zurück. Zum Jahreswechsel schlitterte das ambitionierte Unternehmen dann in die Insolvenz. Bei Vitabote zog Betreiber Otto Anfang des Jahres den Stecker. “Aufgrund der ausgebliebenen Kooperation mit einem Partner zur deutschlandweiten Expansion muss VitaBote jedoch den Service nun einstellen”, heißt es seitdem auf der Website. In grauer Internet-Vorzeit war auch Aponet einmal in diesem Segment aktiv.

ds-aponow

Nun folgt mit aponow der nächste Versuch, die Apotheken des Landes fit fürs Internet-Zeitalter zu machen. ordermed-Gründer Markus Bönig sicherte sich dazu die Überreste von dedendo und kombinierte diese mit seiner Technologie Klick A, einem Service, der Werbung von Pharma-Herstellern in Richtung Apotheken verlängert und zwar zu einer beliebigen deutschen Apotheke im Umkreis des jeweiligen Nutzers. Genau dieses spannende Prinzip wendet Bönig nun auf aponow an. Das frisch gestartete Projekt bündelt auf einen Schlag alle deutschen Vor-Ort-Apotheker auf einer Plattform. Über aponow können Nutzer nun “in jeder deutschen Apotheke Medikamente vorbestellen, sich die Ware binnen weniger Stunden vor Ort abholen, oder auch liefern lassen”. Damit schafft Bönig das, was die Vorgängerversuche nicht geschafft haben: Masse zu erzeugen.

Die entsprechende Apotheken werden bei diesem Vorbestellprinzip über die Bestellung informiert – und zwar per Fax (ältere Leserinnen uns Lesern werden sich noch an diese einst moderne Kommunikationsart erinnern). Der eigentliche Kaufvorgang findet erst bei Übergabe zwischen Patient und Apotheke statt. Nimmt eine Apotheke die Vorbestellung nicht entgegen, wird der Kunde informiert, er muss sich dann eine andere Apotheke aussuchen. Ein interessantes Konzept, immerhin bekommen die Apotheker so quasi kostenlos neue Kunden. Wohlgemerkt Kunden, die vermutlich ohnehin in der Umgebung der Apotheke wohnen und diese vermutlich auch sonst immer nutzen. Denn es geht bei aponow nicht um einen Preisvergleich. Auf vergleichbare Vorbestellungen setzen auch “Apotheke vor Ort” vom Wort & Bild-Verlag sowie apotheken.de vom Deutschen Apothekerverlag. Die Apotheker des Landes kennen das Prinzip somit bereits. Niemand hat es bisher aber in den Massenmarkt getragen. aponow setzt dabei unter anderem auf eine Partnerschaft mit dem Medienhaus Springer. Wenn aponow erst einmal in der Bild auftaucht, dürfte das Konzept schnell an Fahrt aufnehmen.

Bei der Monetarisierung seiner “nationalen Vorbestellplattform” setzt Bönig unter anderem auf Listungsgebühren für Apotheken, die bei den Suchergebnissen oben stehen möchten und Gebühren für Apotheken, die ihre eigenen Preise in das aponow-System einpflegen wollen. Jeder dieser Services kostet 19,95 Euro im Monat. Beide zusammen kosten 29,95 Euro. Für Apotheker ist die Plattform ansonsten komplett kostenlos, es wird auch keine Provision pro verkaufter Ware fällig (ist rechtlich auch kaum möglich). Langfristig soll es zudem Werbung auf aponow geben. Für Pharmaunternehmen dürfte diesen Umfeld sicherlich interessant sein. Daneben ist aponow aber auch mit Bönigs ordermed verknüpft. Patienten, die ein rezeptpflichtiges Arzneimittel auswählen, werden automatisch zum Rezeptdienst ordermed weitergeleitet. Diese besondere Lieferung können dann nur Partnerapotheken des Unternehmens übernehmen (rund 800). ordermed wurde im 2011 gegründet. Das Start-up organisiert die Versorgung mit Medikamenten, holt dabei sogar das Rezept beim Arzt abholt, und verdient an Nutzungsgebühren, Transaktionsprovisionen sowie Honoraren für Apotheken-Werbeservices. Für Patienten und Ärzte ist ordermed.de kostenlos, Apotheken bezahlen für die einen Betrag, eine Monatsgrundgebühr sowie einen kleinen Betrag pro abgegebener Packung. Auf jeden Fall eine interessante Kombi.

Foto: Closeup of a blurred female pharmacist holding out tablets in bottle at drugstore from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Andreas Frank

    Der Sinn für den Kunden erschließt sich mir nicht.

    Ich bezahle bei Bestellung über Aponow den identischen Preis, wie bei einem Einkauf vor Ort. Und in die Apotheke muss ich ja zur Abholung ja eh.

    Bestelle ich aber über den Wettbewerber einen Mausklick nebenan, erhalte ich meist so um die 30 bis 50%.

    Weshalb soll ich nun also Aponow nutzen?

  • Aures Gabriela

    Es sind nicht ( mehr) alle Apotheken gelistet.Einige haben sich der ungefragten ” Zwangsbeglückung” durch den rührigen Herrn entzogen. Noch bin ich es, die entscheidet ! Und meine Apothekendaten einfach irgendwo einzupflegen akzeptiere ich nicht .

    • azrael74

      Schade eigentlich, denn als Kunde kann ich so etwas nicht nachvollziehen.

  • http://qwerpaul.com/ paul

    Was für ein unglaublicher Quatsch! So etwas kommt dabei raus, wenn Ideen am “Grünen Tisch” von Marktfremden entwickelt werden. Unabhängig von den zum Mitmachen gezwungenen Apotheken, die natürlich die gesamte Zeche zahlen sollen, ist der Nutzen für den Verbraucher nicht nachvollziehbar. Ich wundere mich immer wieder, wofür einige “Investoren” ihr Geld zum Fenster rausschmeissen ….

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