Online-Pfandhaus iPfand will die “diskrete Alternative zu Bankkrediten” sein

Mit iPfand will Achim Illner (ehemals DJTunes) quasi "eine konservative, diskrete Alternative zu Bankkrediten anbieten". Startpunkt des simplen Online-Pfandhauses ist ein sogenannter Pfandassistent. iPfand-Kunden sind nach Angaben des jungen Start-ups "Unternehmer oder Selbstständige.
iPfand will die “diskrete Alternative zu Bankkrediten” sein

Eigentlich ist es merkwürdig, dass es bisher kein richtig großes Online-Pfandhaus gibt – zumal das Thema schon 2008 ein kleines Thema in Deutschland war – damals versuchte Pfandy sein Glück (leider ohne Erfolg). Auch andere Versuche wie Cashit.com gingen dagegen gar nicht erst online. Nun will iPfand das Segment erobern. “Wir sind stolz darauf, mit iPfand.de das erste Online-Pfandhaus Deutschlands eröffnet zu haben“, sagt Achim Illner (ehemals DJTunes), Vorstandsvorsitzender des Betreiberunternehmens Deutsche Pfandkredit (DPKAG), dass in Essen ein Pfandhaus betreibt. Mit Hinblick auf Pfandy sollte das Unternehmen aber noch einmal die Sache mit dem ersten Online-Pfandhaus Deutschlands überdenken – dies aber nur Rande.

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Mit dem digitalen Ableger will sich die DPKAG vor allem aus dem “klassischen Umfeld lösen und neu platzieren”. Startpunkt des Online-Pfandhauses ist ein sogenannter Pfandassistent, mit dem “eine unkomplizierte Pfandanfrage” möglich ist. Dafür müssen die Nutzer zunächst einmal nur einige Knöpfe drücken, einige Rubriken auswählen und eine kurze Beschreibung eingeben. “Die an iPfand.de übersandten Daten werden daraufhin von Experten für Pfandleihe und Pfandkredite analysiert. Ein unverbindliches Angebot mit dem möglichen Pfandkreditvolumen erreicht den Kunden innerhalb kurzer Zeit per E-Mail. Ist der Kunde von den vorgeschlagenen Konditionen überzeugt, werden seine Wertgegenstände versichert über den Logistikdienstleister UPS oder spezielle Valorenversender abgeholt, wodurch eine hohe Transportsicherheit gewährleistet ist”, teilt das Unternehmen mit. Anschließend bekommen die Nutzer ihr Geld. Nach Rückzahlung der Summe – zuzüglich der angefallenen Zinsen – schickt iPfand die Pfandgegenstände zurück. Bei 300 Euro fallen bei iPfand monatliche Gebühren von 9,50 Euro an. Ab einer Kreditsumme von 10.000 Euro erhält der Kunde ein individuelles Angebot. “Unsere Kunden leihen sich das Geld quasi bei sich selbst”, sagt Illner. Mit iPfand will der Essener quasi “eine konservative, diskrete Alternative zu Bankkrediten anbieten”.

iPfand-Kunden sind nach Angaben des jungen Start-ups, das sein Online-Pfandhaus im vergangenen Jahr startete, “Unternehmer oder Selbstständige, die sich Ihre Wertgegenstände bereits in der Vergangenheit erfolgreich erarbeitet haben”. Der durchschnittliche Leihwert liegt bei rund 3.500 Euro. Die Leihdauer beträgt im Schnitt drei Monate. Am häufigsten werden Luxusuhren und Schmuck beliehen. Eigentlich sollte das Konzept aufgehen – immerhin ist es ein etabliertes – wenn auch angestaubtes – Offlinemodell.

Foto: Illustration of a lady standing beside the pawnshop from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Andreas Frank

    “(…) Mit Hinblick auf Pfandy sollte das Unternehmen aber noch einmal die
    Sache mit dem ersten Online-Pfandhaus Deutschlands überdenken (…)”

    Ach, mit den Formulierungen nimmt man es da nicht so genau.

    Unter “Team” ist auch ein Aufsichtsrat zu finden, dem zugeschrieben wird, auch im Aufsichtsrat “bei einem der zehn grössten privaten Arbeitgeber der Welt” zu sein. Da er aber nach den Angaben in seinen öffentlichen Profilen bei der deutschen Tochter und nicht im Mutterkonzern im Aufsichtsrat sitzt, ist die Formulierung schlicht falsch. Was mich umso mehr wundert, da er Jurist ist. ;-) Aber ok, sollen sie mit Superlativen arbeiten … ich halte es für unnötig, seine Vita ist auch ohne diese sehr gefällig.

    Und zum Geschäftsmodell selbst: Es sind zu viele Handlungen notwendig. Anfragen, Angebot erhalten, hinsenden, bewerten, benachrichtigen ob Angebot stimmt, bei Einigung auszahlen, zurückzahlen, versenden … – puuh, da bleibt viel Geld im Ablauf hängen.

    Bei 300,- € erhält iPfand 9,50 € Zinsen und Gebühren im Monat, bei 500 € sind es 20,- € und bei 1.000 € dann 40,- €.

    Für 40 € Zinsen und Gebühren – was kann da groß bewegt werden? Wenn nur ein Mitarbeiter ein Paket annimmt, öffnet und den Eingang protokolliert, sind die 40 € schon weg. Und dann ist noch keine Kapitalverzinsung drin, keine üblichen Kosten, keine Rücksendekosten, und noch ganz viele weitere …

    Viel Glück dem Team. Ich bin skeptisch.

  • Nelson Holzner

    Borro.com in UK und USA geht durch die Decke. Man muss das Geschäft nur richtig positionieren. Und jeder der etwas von Banking & Lending versteht, wird erkennen, dass 9,50 / Monat bei EUR 300 Darlehnssumme ein fantastischer Zins ist im Vergleich zu Zinsen, die herkömmliche Darlehensgeber erheben. Die Frage scheint vielmehr, ob eine Offline-Pfandleiher den Sprung in die Online-Welt schafft. .

    • Andreas Frank

      Rechne einmal die einzelnen Prozeßkosten nach und Du wirst sehen, die ach so fantastischen Zinsen werden schon durch die Grundkosten jedes einzelnen Falles vernichtet. Bis das Pfandstück jemand in die Hand nimmt, ist das Geld schon verbrannt. Und so etwas ist unabhängig von Positionierungs-Gequatsche. Ja, in der Theorie kann ich solch ein Geschäftsmodell prima hinkalkulieren – in der Praxis sehen dann die meisten Modelle dann aber ganz anders aus. Eines der Hauptprobleme der Szene. Beispiele wirst Du selbst genügend kennen. :-)

      • Andreas Frank

        Nachtrag: Borro – das ja angeblich durch die Decke geht (worauf stützt Du Deine Aussage, wegen den 100+ Millionen Verbrennungsgeld?) hat eines erkannt, nämlich dass 9,50 € im Monat bei 300 € Darlehen nicht so super sind, wie Du es Dir als “Banking & Lending-Experte” ausmalst. Unter ca. 1.200 € auszuzahlende Darlehenssumme nehmen die kein Pfand an. Warum? Weil sie wohl auch zuerst in Stückkosten rechnen und nicht auf irgendwelche Utopie-Skalierungseffekte setzen. Wenn Du bei fast jedem Auftrag draufzahlst, dann wird das nicht ertragreicher, wenn Du es 1.000 x machst; das Minus entwickelt sich nur rasanter. :-)

  • Christian von Bach

    Ich habe in den USA gelebt und kenne http://www.borro.com aus dem dortigen TV. Das Problem mit der Firma ist, dass die keine hochwertige Elektronik annimmt. Bei http://www.beleihes.de ist das schon anders.

    • Andreas Frank

      Auf “beleihes” ist NICHTS, aber auch gar NICHTS. Nicht einmal ein Impressum. Unsinniger Linkspam.

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