Seth Iorio von Funanga “Es gibt einen starken Trend, „Prepaid“ einzukaufen”

Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Funanga-Günder Seth Iorio über Sicherheitsbedenken, junge Zielgruppen und Prepaidkarten-Anbieter als Konkurrenten. Funanga will mit Cash-to-Code Prinzip digitale Prepaid-Karten in der App als mobile Bezahlmethode anbieten.
“Es gibt einen starken Trend, „Prepaid“ einzukaufen”

Funanga ist der erste Anbieter von digitalen Prepaid-Karten und startete im Juni 2013. Das Modell bietet den Online-Anbietern von Waren und Diensten eine Kostenersparnis gegenüber herkömmlichen Prepaid-Karten, den Usern einen erhöhten Gegenwert für ihr Geld und den Vertriebsstellen einen Zusatzerlös ohne damit verbundene Aufwendungen sowie zusätzliche Kundenfrequenz. Mit dem Gründer, Seth Iorio, spricht deutsche-startups.de im Gründerinterview über Sicherheitsbedenken, junge Zielgruppen und Prepaidkarten-Anbieter als Konkurrenten.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Viele Menschen haben bereits schlechte Erfahrungen beim Online-Einkauf gemacht. Beinahe täglich hört man von entwendeten Kreditinformationen oder gestohlenen Personendaten sowie horrenden Abbuchungen aufgrund des Missbrauches dieser Daten. Laut aktueller Studien hegt ein Großteil der Deutschen massive Sicherheitsbedenken bezüglich Online-Bezahlsystemen und scheut sich, seine Daten im Netz preiszugeben. Gleichzeitig gibt es einen starken Trend, „Prepaid“ einzukaufen, also Waren und Dienstleistungen im Voraus zu bezahlen. Gerade in der „jungen Zielgruppe“ ist diese Zahlungsweise in den letzten Jahren sehr populär geworden.

Genau an dieser Stelle setzt die Funanga AG mit „Cash to Code“ an. Denn wir verbinden den Online-Einkauf mit einem der sichersten Bezahlvorgänge überhaupt – der Barzahlung. Für den Kunden ändert sich dabei kaum etwas. Er bestellt seine Ware einfach über die „Cash to Code“-App, egal ob unterwegs oder von zuhause aus, und bezahlt sie beim nächsten Einkauf in einer der vielen Verkaufsstellen in ganz Deutschland. Die Auslieferung der Produktcodes erfolgt sofort, der Kunde kann sein Produkt also direkt einlösen. Mit dieser mobilen Bezahlmethode wollen wir eine Lücke des e-Commerce schließen und den Kunden gleichzeitig den bestmöglichen Schutz bieten. Um das gewährleisten zu können, haben wir bei der Konzeption der App darauf Wert gelegt, dass keinerlei personen- oder zahlungsrelevante Daten erhoben werden müssen. Gleichzeitig nutzt die App zur Auslieferung der Gutscheincodes an den Kunden modernste Verschlüsselungsmethoden, um Diebstähle und Missbrauch zu verhindern.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich Ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Der Grundgedanke des „Cash to Code“-Prinzips, nämlich die Verknüpfung der Vorzüge von Prepaid-Zahlungen zusammen mit der Sicherheit und Flexibilität des Bargeldes in den breiten Onlinehandel zu bringen, ist weitgehend stabil geblieben. Natürlich mussten wir im Laufe der Prototyp-Entwicklung einige technische, logische und logistische Veränderungen am Kaufprozess und am Geschäftsmodell vornehmen, schließlich betreten wir hier unerforschtes Neuland – das hat aber das Produkt in meinen Augen besser und einfacher gemacht.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von Ihnen ab?
Da wir mit unserem Produkt Neuland im Paymentsektor betreten, ist es schwierig von Mitbewerben zu sprechen. Natürlich sehen wir hier vor allem die Prepaidkarten-Anbieter als unsere direkte Konkurrenz. Deren Kunden sind es gewohnt, physische Codeträger an Tankstellen oder im Einzelhandel zu erwerben, um dann das erworbene Guthaben einzulösen. Unsere Aufgabe wird es sein, eben solche Kunden vom „Cash to Code“-Prinzip und seinen Vorteilen zu überzeugen. Die Vorzüge liegen auf der Hand. Zum einen ist „Cash to Code“ ohne störende und langwierige Anmeldung sofort nutzbar und verzichtet dabei auf die Eingabe von Konto- oder Kreditkartendaten. Die Privatsphäre ist also bestens geschützt.

Zum anderen muss man nicht erst ein Prepaid-Guthaben aufladen, das vielleicht über dem eigentlichen Wert des gewünschten Produktes liegt. Wozu soll ich ein Guthaben von 15€ erwerben, wenn das Produkt, das ich kaufen will, nur 5€ kostet? Bei „Cash to Code“ zahlt der Kunde also nur das, was er wirklich benötigt. Der dritte Vorteil ist der eigentliche Bezahlvorgang. Kunden können ihre Online-Artikel einfach beim nächsten Einkauf in einer der vielen Vertriebsstellen in ganz Deutschland bezahlen, ohne auf langwierige Überweisungen warten zu müssen. Alles geschieht in Echtzeit und lässt dadurch keinen Raum mehr für Betrüger oder Datendiebe.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Ich glaube an den Erfolg des „Cash to Code“-Prinzips, weiß allerdings auch von den Tücken und Markteintrittsbarrieren, die uns erwarten werden. Ich denke, unsere Hauptaufgabe wird es sein, die Kunden von den Vorteilen unserer neuen Bezahlmethode zu überzeugen. Informationen dazu direkt zugänglich zu machen, um den Kunden zu informieren, ist also essentiell. Was ist „Cash to Code“, welchen Vorteil bringt es mir, wie und vor allem wo kann ich es nutzen? Diese Fragen gilt es meiner Meinung nach zu beantworten, um einen Durchbruch zu schaffen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben Sie schwarze Zahlen?
Wir werden unsere Umsätze aus Gebühren, die pro Transaktion erhoben werden, ziehen. Es ist unser Ziel, vom Preis genauso attraktiv zu sein wie andere Bezahlmethoden, dem Kunden aber noch mehr Vorteile bzw. Komfort zu bieten. Dabei gilt bei uns der Triple-Win-Ansatz: Vorteile für den Endkunden, Vorteile für den Händler und Vorteile für die PoS-Partner.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Mittelfristig zielt „Cash to Code“ auf den Gaming-Markt und die immer populäreren Micro-Transactions. Hier konnten wir bereits namhafte Partner gewinnen, die zum Produktstart den „Cash to Code“-Service anbieten werden. Langfristig planen wir aber auch in Richtung des Online-Einzelhandels, um „Cash to Code“ als generelle und länderübergreifende Bezahlmethode zu etablieren.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Unsere Hauptaufgaben liegen zum einen in der Fertigstellung unserer App für iOS- und Android-Smartphones und natürlich im erfolgreichen Markteintritt. Da wir in den letzten Monaten rasante Fortschritte gemacht haben, glaube ich fest daran, dass wir beides in den nächsten zwölf Monaten schaffen werden.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterview.

Zur Person:
Seit Anfang 2013 lenkt Seth Iorio als CEO die Geschicke der Funanga AG. In der Berliner Start-up-Landschaft ist er schon seit längerem als Business Angel bekannt und begleitet die erfolgreiche Entwicklung junger Unternehmen. Als Pionier der deutschen Internetszene gründete er bereits 1996 sein erstes Internet-Service- und Webhosting-Unternehmen. Von 2007 bis 2012 war er als COO der Gameforge AG und als CEO der Frogster Interactive Pictures AG maßgeblich am Aufbau der deutschen Online-Gaming-Industrie beteiligt. Insbesondere entwickelte er für die Kunden beider Unternehmen funktionierende Zahlungsabwicklungsprozesse im Micropayment-Bereich. Unter seiner Leitung optimierten die Unternehmen transaktionsbasierte In-Game-Zahlungsmethoden für Digital Goods und rollten diese zusammen mit Partnern erfolgreich am Markt aus.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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