Ende oder Wende! Zapitano stellt Antrag für Insolvenzprüfungsverfahren

Zapitano trat 2011 an, um das junge Social TV-Segment zu erobern. Dies alles steht nun auf der Kippe - das Unternehmen stellte gerade einen Antrag für ein Insolvenzprüfungsverfahren. "Wir sind aber weder insolvent noch zahlungsunfähig", sagt Geschäftsführerin Sandra Wheeler.
Zapitano stellt Antrag für Insolvenzprüfungsverfahren

Das junge Berliner Social-TV-Start-up Zapitano, das von Gunnar Gläser, Jens Hegenberger, Marc Mogalle und Hans-Detlef Schulz gegründet wurde, kämpft ums Überleben. Die Jungfirma trat 2011 an, um das Social TV- bzw. Second Screen-Segment zu erobern. Zapitano positionierte sich dabei als “TV-Begleiter” bzw. als “logische Weiterentwicklung der klassischen Fernsehzeitung”. Vor, während uns nach einer Sendung will Zapitano die Plattform sein, auf der sich Zuschauer über das Gesehene austauschen etc. können.

Dies alles steht nun auf der Kippe – das Unternehmen stellte einen Antrag für ein Insolvenzprüfungsverfahren. “Wir sind aber weder insolvent noch zahlungsunfähig. Vielmehr ist das Zapitano-Team weiterhin jeden Tag dabei, zapitano.de weiter zu entwickeln und neue Inhalte auf die Seite zu stellen. Der Geschäftsbetrieb geht also ganz normal weiter”, sagt Geschäftsführerin Sandra Wheeler, die das junge Unternehmen seit Anfang des Jahres führt. Sehr offen berichtet das Start-up über die Hintergründe des Antrags für ein Insolvenzprüfungsverfahren: Die Entwicklungen der vergangenen Monate hätten dazu geführt, dass der Kapitalbedarf von Zapitano in größerem Umfang finanziert werden müsse als dies ursprünglich geplant gewesen sei. “Daher entschied sich die Geschäftsführung gemeinsam mit den Gesellschaftern einen Sanierungsplan zu erarbeiten und umzusetzen. Notwendiger Teil des Plans ist es, dass Zapitano einen Antrag für ein Insolvenzprüfungsverfahren stellen musste. Diesen formalen Schritt ist das Unternehmen nun gegangen”,teilt das Unternehmen weiter. Wohl auch, weil noch Geld vorhanden ist, aber absehbar ist, wie lange es noch ausreicht.

ds-zapitano

Investoren wie Media Ventures, German Startups Group, der Ex-Sat.1-Geschäftsführer Guido Bolten, HR Alpha Venture Partners, die trivago-Gründer und die Investitionsbank Berlin (ProFit-Programm) investierten bisher über 2 Millionen Euro in die Jungfirma. Zudem sammelte das Start-up 106.895 Euro via Companisto ein. Momentan führe das Unternehmen “Finanzierungsgespräche mit alten und potentiellen neuen Gesellschaftern, um den Kapitalbedarf des Unternehmens zu decken, einen neuen Businessplan aufzustellen und das neue Produkt-Konzept voran zu bringen”. Als Bestandteil des Insolvenzprüfungsverfahrens sei der Geschäftsleitung ein vorläufiger Insolvenzverwalter zur Seite gestellt worden. Wenn dies alles nicht klappt, wäre Zapitano eine weitere Crowd-Pleite – wie zuvor BluePatent, Sportrade und betandsleep.

“Ich habe Medien und Psychologie studiert, also bin ich vorbelastet, was das Thema Fernsehwirkung betrifft. Während meines letzten Jobs bei einer großen Privatsendergruppe habe ich gesehen, wie diese Wirkung im Internet aufschlägt”, sagte Zapitano-Macher Jens Hegenberger im Oktober des vergangenen Jahres über die Gründe für die Gründung von Zapitano. Ebenso wie Mitgründer Mogalle ist auch Hegenberger aber nicht mehr an Bord bei Zapitano. Mal sehen, ob Zapitano noch einmal die Kurve kriegt. Andere Anbieter wie mcCheckin sind schon längt von der Bildfläche verschwunden.

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Foto: young woman with old retro tv from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Micha

    Es gibt ja auch genügend Konkurrenten, die erfolgreicher unterwegs sind. Nehmen wir nur mal Couchfunk und Tweek…

  • Andreas Frank

    Second Screen ist auch mehr Wunschdenken und Ergebnis schöner “Studien”, als Realität. Ja, der Fernsehzuschauer surft nebenbei, aber auf anderen Seiten, die nichts mit dem Sender / der Sendung zu tun hat. So zumindest meine Umfrageergebnisse. Klar, nicht nachweisbar repräsentativ, aber wahrscheinlich dennoch eher der Realität entsprechend.

  • Eric Schreyer

    Aus guten Gründen muss die Frage gestellt werden, ob Zapitano bereits vor dem Crowdfunding insolvenzgefährdet war. Laut Bilanz war das Unternehmen zum 31.12.2012 bilanziell überschuldet, das ist ein Insolvenzgrund. Zapitano ist ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit einer Selbstregulierung der Crowdfunding-Vermittler. Wenn die Plattform-Betreiber das nicht schaffen, muss auf europäischer Ebene schärfer reguliert werden als man es jetzt erwarten würde. Einzelheiten zu diesem unsäglichen Fall gibt es bei Parabanking: “Ist Zapitano noch zu retten?” http://parabanking.blogspot.de/2014/03/ist-zapitano-noch-zu-retten.html

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