Neustart geplant Möbel-Shop avandeo rutscht in die Insolvenz

avandeo steht vor dem Aus - das Unternehmen ist insolvent. Nun sucht die Firma, die 2009 an den Start ging, nach Investoren, die das Start-up im "hart umkämpften Online-Möbelmarkt" begleiten möchten. Gerüchte über eine Insolvenz geisterten schon einige Wochen durch die Gründerszene.
Möbel-Shop avandeo rutscht in die Insolvenz

Unter der harmlosen Überschrift “Designwelt GmbH verkauft Tochter in China und restrukturiert Europa-Geschäft” verkündet der Online-Shop avandeo mal eben seine Insolvenz. “Mit diesem Schritt hat sich das im Jahr 2009 gegründete Start-up für eine umfassende Restrukturierung entschieden, um sich mit einem neuen Investor erfolgreich auf dem hart umkämpften Online-Möbelmarkt positionieren zu können. Hierzu wird die Marken- und Produktstrategie überarbeitet und neu ausgerichtet”, teilt das Unternehmen mit. In Europa suche das Unternehmen, das unter dem Namen design2desire an den Start ging, nun nach strategischen Investoren. Man befinde sich bereits “in Gesprächen mit einer Reihe von potenziellen Interessenten, die einen ernsthaften und langfristigen Einstieg in das Unternehmen erwägen”.

Gerüchte über eine Insolvenz des Unternehmens geisterten schon einige Wochen durch die deutsche Gründerszene. Weder das avandeo-Team noch die Investoren des Start-ups wollten sich bisher aber dazu äußern. An diesem Dienstag wurde nun aber das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens am Amtsgericht München eröffnet. Gegründet wurde avandeo von den Brüdern Burkhard und Ulrich Gersch sowie Brigitte Wittekind. Gemeinsam wollte das Trio “Designmöbel in Premium-Qualität zum bestmöglichen Preis anbieten”. Finanziell unterstützt wurde das Start-up unter anderem von Partech International, Mountain Super Angel, dem High-Tech Gründerfonds (HTGF), LBBW Venture Capital und der KfW Bankengruppe. Mehrere Millionen flossen in das Start-up – siehe unter anderem “Partech steigt bei avandeo ein“.

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Bleibt noch der Blick auf das angesprochene Geschäft in China: Bereits Ende des vergangenen Jahres verkaufte das Start-up seine dortige Tochtergesellschaft an die chinesische Haier Group. Mit dem Kauf plane die Haier Group, die Marke avandeo, “die für die nächsten zehn Jahre lizenziert wurde, nun auch großflächig in China, Taiwan, Macau und Hong Kong einzuführen und handverlesenes Design sowie konfigurierbare Großmöbel über ihr breit gestreutes Filialnetz und das Internet zu vertreiben”. Das verbliebene Unternehmen avandeo will sich auf die Kernmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz konzentrieren. Man darf gespannt sein, ob die Rettung gelingt. Offen bleibt, woran genau avandeo gescheitert ist -immerhin sind Möbel im Netz ein Boomsegment. Aber offenbar kein Selbstläufer.

Passend zum Thema: “‘Wir erwirtschaften bereits heute operativ schwarze Zahlen’ – Burkhard Gersch von avandeo im Interview

Hausbesuch bei avandeo

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Für deutsche-startups.de öffnete avandeo 2012 seine Pforten – und es fühlte sich glatt wie im richtigen Einrichtungshaus an. Einige Eindrücke gibt es in unserer Fotogalerie.

Foto: Decorative pillow natural Fabric from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • unbekannt

    Offen bleibt, woran genau avandeo gescheitert ist…

    –> Ganz eindeutig an dem großen TV Flight mit einem schlechten Spot der nicht funktioniert hat….

    • wasauchimmer

      Hat bei Avandeo nicht auch Prosieben mit drin gesteckt? dann nehme ich an werden Sie bessere Konditionen bekommen haben.

      Ich denke ja dass es eher daran lag das Möbel eben keine alltäglichen Gebrauchsprodukte sind die man nach ein paar Monaten wieder wegwirft und Sie deswegen im realen Leben lieber zu erst sehen will.

      Was sicher auch nicht unerheblich war ist der Preiskampf zu IKEA (zahlen in Deutschland ja kaum Steuern) und die hohen Lagerkosten.

  • Hans

    Möbel = Boom-Markt ganz bestimmt. Ist ja auch ein Produkt bei dem ich mir in jedem Online-Shop sofort vorstellen kann wie es in Real aussieht.
    Nicht mal die großen schreiben mit diesem Produkt schwarze Zahlen und dann sprechen wir von Boom-Markt :-)

  • Peter B.

    Habe in November noch eine Couch bestellt. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir gesagt, dass Kreditkartentransaktion momentan nicht möglich sind – jetzt weiß ich auch warum (das grenzt an Betrug!!!!!). Habe weder die Couch noch das Geld gesehen. Jetzt kann ich mich mit Anwälten rumschlagen. Gerschs ihr seit zwei wirkliche rückgradlose Vollpfeifen

    • Claudia

      Hi Peter mir geht es ebenso…haben wir da überhaupt eine chance? Ich hab mit meinem RA gesprochen der sieht rot….

  • Lu Yao Xin

    Letztendlich scheiterte avandeo an unternehmerischer und sozialer Inkompetenz, Größenwahn und fehlender Reflektion. Solange man die Schuld immer bei den “Anderen” sucht, kann man nicht erfolgreich sein. Die Kunden (und wohl auch die Mitarbeiter) werden seit Monaten hingehalten und belogen und Perspektiven in Aussicht gestellt, die zu keiner Zeit realistisch waren. Es gab und gibt keine wirklichen Kaufinteressenten (die Branche spricht ja auch miteinander), höchstens hat mal jemand nachgefragt und sich die vermutlich mehr oder weniger polierten Zahlen angesehen und hat dann wohl schnell das Weite gesucht.

  • KönigvonHamburg

    In Deutschland wird nur in diesen E-Commerce Schwachsinn investiert. Kein Wunder dass keine skalierbare Start-ups aus Deutschland kommen. Es gibt immer Investment für das 100. Shop unter anderem von HTGF und KFW. Ich frage mich langsam ob die Jungs von HTGF und KFW nur Online Shops kennen.

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