pcfritz.de: Razzia wegen illegaler Windows-7-Kopien

Eigentlich wollten wir pcfritz.de (www.pcfritz.de), einen Online Shop für Software, Hardware und Windows-Produkte, schon längst einmal in unserer-Rubrik “5 neue Start-ups” vorstellen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen, denn das Unternehmen um […]
pcfritz.de: Razzia wegen illegaler Windows-7-Kopien
  • Von Alexander Hüsing
    Donnerstag, 19. September 2013
  • 16 Kommentare
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Eigentlich wollten wir pcfritz.de (www.pcfritz.de), einen Online Shop für Software, Hardware und Windows-Produkte, schon längst einmal in unserer-Rubrik “5 neue Start-ups” vorstellen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen, denn das Unternehmen um Maik Mahlow machte heute wegen einer Razzia von sich reden – es geht um Raubkopien des Microsoft-Betriebssystems Windows 7, die der Shop angeblich als Originale verkaufte.

Die Staatsanwaltschaft für Organisierte Kriminalität in Halle durchsuchte am 18. September Geschäfts- und Lagerräume der Firma pcfritz.de Onlinestore GmbH sowie Privatwohnungen in Berlin und Halle – das gab Microsoft selbst per Presseerklärung bekannt. Dabei seien rund 100 Beamte der Zollfahndungsämter Dresden und Berlin-Brandenburg im Einsatz gewesen. Über 100.000 verdächtige Datenträger mit Microsoft-Programmen wurden dabei sichergestellt, teilt der Softwareriese mit. pcfritz.de werde verdächtigt, illegale Kopien des Microsoft-Betriebssystems Windows 7 als Originale verkauft zu haben. Microsoft war nach eigenen Angaben durch Kundeneinsendungen auf die gefälschte Software aufmerksam geworden, “ermittelte zunächst selbst gegen die Beschuldigten und erstattete Strafanzeige”. Der Schaden für den US-Konzern belaufe sich laut Microsoft “auf einen siebenstelligen Betrag”.

“Wir sind erleichtert, dass dem Treiben von pcfritz.de vorerst ein Ende gesetzt worden ist”, sagt Joachim Rosenögger, Ermittlungsleiter Produktpiraterie bei Microsoft. “Mit dem Verkauf gefälschter Computerprogramme werden nicht nur die Hersteller geschädigt, sondern vor allem unschuldige Kunden betrogen. Das Vorgehen der Ermittlungsbehörden zeigt, dass Wirtschaftskriminalität im Bereich des Urheber- und Markenrechts konsequent verfolgt wird. Softwarepiraterie ist eine ernstzunehmende Straftat.” Die gefälschten Datenträger seien Sicherungskopien nachempfunden, die der Computerhersteller Dell zuweilen PCs beifügt, auf denen das Betriebssystem Microsoft Windows 7 legal vorinstalliert ist, berichtet Microsoft weiter. Die den Unternehmen vorliegenden Raubkopien seien von pcfritz.de demnach “mit einer eigenen Verpackung und einem ebenfalls gefälschten Echtheitszertifikat versehen und zu weit unter dem Marktpreis liegenden Konditionen vertrieben” worden. Windows 7 in der Professional 64-Bit-Version wird von pcfritz.de auf der Website weiter für 29,90 Euro angeboten.

Eine Stellungnahme von pcfritz.de liegt bislang nicht vor. Zuvor teilte das Unternehmen mit: “Achtung!! Aufgrund technischer Probleme sind wir telefonisch vorübergehend nicht erreichbar”. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens heißt es inzwischen: “Die seitens Microsoft verbreiteten Anschuldigungen haben wir zur Kenntnis genommen. Zur Stunde bereiten wir eine Stellungnahme dazu vor. Diese werden wir euch natürlich schnellstmöglich zur Verfügung stellen. Viele Grüße, euer pcfritz.de Team”. pcfritz.de ging Anfang dieses Jahres offiziell an den Start. Gründer und Geschäftsführer Mahlow verkündete zuletzt einen erwarteten Jahresumsatz von 10 Millionen Euro. Nun dürften die pcfritz.de-Macher aber ganz andere Probleme haben.

Update (20. September): “Bei den von uns angebotenen Produkten handelt es sich ausschließlich um Microsoft Originalprodukte, die Datenträger sind alle mit einem fälschungssicheren Mould Code IFPI Nummer versehen. Dieser befindet sich im Innenring des Datenträgers. Die Echtheitszertifikate werden ausschließlich über den Microsoft Service online oder telefonisch aktiviert”, sagt pcfritz.de-Geschäftsführer Mahlow laut Computerwoche in einem Statement zu den Vorgängen. Der Wiederverkauf von Recovery-Datenträgern sei laut Rechtsprechung des BGH ausdrücklich für legal befunden worden. Der Online-Shop will nun juristisch gegen Microsoft vorgehen: “Die von Microsoft veröffentlichte, verleumderische und rufschädigende Mitteilung lassen wir von unseren Anwälten überprüfen und werden eine Einstweilige Verfügung gegen diese Behauptung erwirken”.

Update (25. September): pcfritz.de reicht eine Einstweilige Verfügung gegen die Berliner Morgenpost ein. “In der aktuellen Angelegenheit zwischen pcfritz.de und Geschäftsführer Maik Mahlow sowie Microsoft reagiert pcfritz.de nun auf Medienberichte, die das Unternehmen verurteilen, ohne die Fakten recherchiert zu haben”, teilt das Unternehmen per Presseaussendung mit. Weiter heißt es: “Die Berliner Morgenpost hatte so einen faktenlosen Beitrag veröffentlicht und wird auf Antrag von pcfritz.de verpflichtet, es zukünftig zu unterlassen, pcfritz.de zu beleidigen und im allgemeinen Persönlichkeitsrecht zu verletzen sowie in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbetrieb von pcfritz.de einzugreifen”. pcfritz.de-Geschäftsführer Mahlow dazu: “Bei uns sind massiv Arbeitsplätze gefährdet und wir werden alles dafür tun, um gegen fakten- und haltlose Berichterstattung vorzugehen.”

Update (30. September): Von einem “Doppelschlag gegen Microsoft” spricht pcfritz.de in einer erneuten Mail. Zum Inhalt der Mail: pcfritz.de erwirkte vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Microsoft. Der US-Konzern darf nun unter anderem nicht mehr behaupten, dass pcfritz.de gefälschte Software und Raubkopien verbreitet – sowie dass, pcfritz.de mit einer eigenen Verpackung und gefälschten Echtheitszertifikaten versehen und zu weit unter dem Marktwert liegenden Konditionen vertrieben habe.

Foto: Microsoft Deutschland

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Julien

    Naja, die ganze Inszenierung mit den Ammer-Parties und dem schnellen Reichtum innerhalb weniger Monate war dann wohl doch wieder nur eine Luftnummer. War irgendwie klar.

  2. @Julien:

    > Naja, die ganze Inszenierung mit den Ammer-Parties und dem schnellen Reichtum innerhalb weniger Monate war dann wohl doch wieder nur eine Luftnummer.

    Ach hier gilt: Wer mitreden will, muss informiert sein.

    Wer informiert ist, weiß: Der PC-Fritz- Inhaber ist todkrank, und wird vermutlich nur noch ein paar Monate leben.

    Da ist es absolut eine gute Idee, noch soviel Party wie möglich zu machen, und sein Geld rauszuhauen. Ob er wegen der Windows- 7 Sache 3 Jahre hinter Gitter muss (falls MS vor Gericht Recht bekommt), ist ihn so was von Schnuppe.



  3. wigger

    wenn es so sein sollte ist es aber ein unterschied ob ich prollparties feiere mit zweifelhaften mitfeiernden und diese mit betrug finanziere oder mit möglichem genuss im verborgenen noch etwas erleben will und dieses mit meinem geld mache, aber bei dem thema natürlich sehr schwierig, kann den laden ohnehin nicht einschätzen, wer bei pc software so viel überhat um diese assiparties zu feiern, da schaut man schon mal genauer hin.



  4. Toto

    Ich meine die Marketingmasche ist genial. Mich würde aber mal echt interessieren woher hat der Junge die ganze Kohle dafür? Ich glaube eh kaum, dass Microsoft so ein TamTam einfach aus Spaß macht. Und wenn da nichts hinter ist, dann ist das ja eine noch bessere PR für den Fritz als der sonst hatte. Immerhin hatten viele von dem Laden noch nichts gehört, die den jetzt aber zum ersten Mal auf den Schirm haben.

  5. Noch geiler ist jawohl dass die diese Aktion zum Anlass genommen haben die Preise noch weiter auf 19,90 Euro zu senken

  6. @wigger:
    Es halte es auch für Unterschichten- Niveau, wie der todkranke PC- Fritz seine letzten Tage mit gemieteten C- Promis verbringt. Aber wenn es ihm Spaß macht, ist das doch o.k. Ich selber würde wahrscheinlich das Ged für bestmögliche Behandlung ausgeben, und mein Leben diskret genießen.

    BTW:
    Natürlich steckt Gerüchten zufolge jemand anderes hinter PC- Fritz als der todkranke Geschäftsführer. Dieser dritte hat dann später einen bekannten Onlineshop, und verkauft mehr. Alle außer Microsoft sind die Gewinner der Aktion.

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  8. ansi4713

    So leid es mir auch tut,
    ich habe 2 auf den ersten Blick identische Lizenzaufkleber unter dem Mikroskop verglichen…
    Der Aufkleber von PCFritz sieht dann an 2 Stellen anders aus:

    1) Rosa Mikroschrift als Hintergrund unter dem eigentlichen Lizenzkey fehlt, statdessen nur bunte Punkte.
    2) Einfaches Rechteckmuster im Hologramm des silbernen Streifens anstatt Hologrfischer Buchstaben und ausgetanztem MICROSOFT Schriftzug.

    Mir gibt das jedenfalls genug zu Denken, das Microsoft plötzlich auf Sicherheitsmerkmale verzichtet kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.



  9. Thomas Holst

    Woher die Kohle kommt die pcfritz für die Events verjubelt : Seit ca. 3 Wochen wird fleißig verkauft und kassiert, aber nichts mehr ausgeliefert. Auf Nachfrage wird man, wenn überhaupt jemand erreichbar ist, mit vorgefertigen emails vertröstet :
    “technische Schwierigkeiten”, “unerwarteter Lieferverzug”, “Probleme mit der Schnittstelle zu unserem Logistikpartner…”
    Das hat nichts mit den Vorwürfen von microsoft bzw. der Staatsanwaltschaft zu tun.
    Und das Abkassieren geht weiter.
    Selbst jetzt nach der Razzia bietet pcfritz Win 7 mit 4-5 Tagen Lieferzeit an. Wer das bestellt, kann sein Geld wohl abschreiben.

  10. Und passenderweise sucht PCFRITZ, wie man gerade hier auf DS nachlesen kann, nach einem Social Media Manager. :-)

    http://www.deutsche-startups.de/startups-jobs/stellenangebote/1754/social-media-manager-berlin/

  11. Noch einmal ein Update zum Bericht: “pcfritz.de reicht eine Einstweilige Verfügung gegen die Berliner Morgenpost ein” (siehe oben).

  12. Pingback: PcFritz.de: Razzia, illegaler Windows-7-Kopien! | SeoBase.at – News rund ums Web!

  13. Und erneut ein Update: pcfritz.de erwirkte vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Microsoft (siehe oben).



  14. Jay

    Sollte der Typ wirklich “todkrank” sein und nun seine letzten Monate/ Jahre hinter Gitter verbringen müssen, wird er es bitter bereuen, dass er es nicht doch als ehrlicher Bürger probiert hat.

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