Selbstversuch Mit weniger als 1.000 Euro zum eigenen Start-up?

Ob als Start-up oder Solopreneur: Viele Gründer wollen ihre Idee ohne Fremdkapital umsetzen. Wer darüber hinaus auch kein Eigenkapital hineinstecken kann oder will, muss „bootstrappen“: wenig Geld ausgeben, früh Erlöse erzielen. Welche Geschäftsmodelle […]
Mit weniger als 1.000 Euro zum eigenen Start-up?
  • Von Yvonne Ortmann
    Dienstag, 17. September 2013
  • 14 Kommentare
  • 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
    Loading ... Loading ...

Ob als Start-up oder Solopreneur: Viele Gründer wollen ihre Idee ohne Fremdkapital umsetzen. Wer darüber hinaus auch kein Eigenkapital hineinstecken kann oder will, muss „bootstrappen“: wenig Geld ausgeben, früh Erlöse erzielen. Welche Geschäftsmodelle dafür geeignet sind und wie man auch mit 1.000 Euro ein Start-up hochzieht, weiß Thorsten Kucklick: Der Gründer hat es im Selbstversuch getestet.

UltraPress (www.ultrapress.de) heißt das neue Start-up von Thorsten Kucklick, der bereits MeinSpiel.de (www.meinspiel.de) ohne Fremdkapital auf die Beine stellte und sich nun als Solopreneur der Herausforderung stellt, sein aktuelles Projekt – ein Baukasten für WordPress-Services – mit weniger als 1.000 Euro umzusetzen. Die Vorteile dieses Vorgehens, erklärte der Hamburger auf dem ersten deutschen Solopreneur Day (siehe auch: “Als Einzelgründer durchstarten – aber wie?“), seien vor allem der Zeitvorteil und die eigene Unabhängigkeit. „Natürlich kann Fremdkapital zu einem späteren Zeitpunkt erforderlich sein, um das Unternehmen auf eine höhere Stufe zu heben. Aber wenn man ohne fremdes Geld startet und etwas schafft, das funktioniert, ist man später in einer besseren Position für VC-Gespräche.“

“Great ideas will kill you!”

Dass nicht jedes Konzept dafür geeignet ist, davon ist Kucklick in Anlehnung an Seth Godin überzeugt: „Great ideas will kill you!“ Wer schnell und mit wenig Geld etwas aufbauen und rasch Erlöse erzielen will, sollte ein Geschäftsmodell wählen, das erwiesenermaßen funktioniert. Beim Bootstrapping gehe es eben nicht darum, mit einer ausgefallenen Idee Businessplan-Wettbewerbe zu gewinnen, sondern etwas zu machen, das zu den eigenen Fähigkeiten passt und einen Wert für andere Menschen schafft. Denn: „Als Solopreneur, der bootstrappt, kann man nicht erst eine große Nutzerschar aufbauen, sondern muss den Fokus auf erste Erlöse setzen.“

Drei Geschäftsmodelle seien besonders geeignet, um schnell Erlöse zu erzielen:

SAAS-Modelle: Software mit begrenztem Funktionsumfang anbieten, Produkt nach und nach ausbauen. Funktionen zunächst improvisieren und erst dann, wenn sie angenommen werden, konventionell programmieren. Hat man erste User gewonnen, gibt es einen relativ stabilen Erlösstrom. Nach diesem Prinzip ging das Zeiterfassungs-Tool mite (www.mite.yo.lk) vor.

Agentur- und Projektgeschäft: Etwas anbieten, das man selbst leistet oder das andere Auftragnehmer nach dem Kauf oder Auftrag ausliefern – eventuell auch nur als Nebenprodukt, um Erlöse zu erzielen. So machte es MeinSpiel.de und organisierte neben dem Kernprodukt für Firmenkunden die Produktion von Großauflagen als Werbemittel.

E-Commerce: Eine passende Nische finden, Shop aufsetzen, Produkte on demand herstellen oder direkt vom Großhändler verschicken lassen. Ein Beispiel dafür ist Hasenfarm (www.hasenfarm.com), ein kleiner Shop für T-Shirts mit lustigen Hasenmotiven.

Wenn es dann um die konkrete Idee geht, sollten sich bootstrappende Solopreneure möglichst auf die eigenen Interessen und Fähigkeiten konzentrieren – schließlich sind sie zunächst für alles selbst verantwortlich. Auch zur Zielgruppe des Produkts sollten Gründer eine eigene Affinität haben, um sie gut verstehen zu können, und sie sich als eine reale Person – den „idealen Kunden“ – vorstellen. Um zu prüfen, ob der angestrebte Bereich wirklich Potential hat, hilft der Amazon-Check: Gibt es zum ausgesuchten Thema bereits Bücher in den Top 50?

Eine gute Vorgehensweise zur Ideen-Generierung sei außerdem das Scamper-Modell:

S wie substitute: Teile eines bestehenden Produktes durch Neues ersetzen
C wie combine: Zwei Produkte so kombinieren, dass sie etwas Neues ergeben
A wie adapt: Die Funktionalität eines Produktes anpassen, auf neues Medium übertragen
M wie modify: Ein bestehendes Produkt modifizieren
P wie put to another use: Ein bestehendes Produkt für etwas ganz anderes nutzen
E wie eliminate: Ein Produkt auf seine Kernfunktion reduzieren
R wie reverse: Ein Produkt auf den Kopf stellen

Und dann?

„Bloß keine Businesspläne erstellen! Das dauert viel zu lange, die Inhalte sind unrelevant und vernebeln meist die Realität.“ Besser als die typischen Fragen nach möglichen Marktanteilen sei es, sich mit „Bottom up-Zahlen“ zu beschäftigen, die auf realen Gegebenheiten basieren: Anzahl der Mitbewerber, welche Preise lassen sich durchsetzen, wie viele Verkäufe sind zu schaffen? Dann das eigene Unternehmen in Bausteine zerlegen (Website, Infrastruktur, Einkauf, Kundenbetreuung,…), diese priorisieren und in konkrete Aktionspläne umsetzen. Und überlegen, für welche Bausteine externe Partner, Tools und Dienstleister benötigt werden.

Schwierig ist natürlich das Thema Marketing: Hier müsse einiges ausprobiert werden, bekennt Kucklick. Er selbst hatte das Glück, dass sein Blog zu einem Artikel bei Spiegel Online führte, was ihm einiges an Traffic einbrachte – ohne jegliche Kosten. Und so bewege er sich mit UltraPress noch immer knapp unter 1.000 Euro, was nicht bedeutet, dass er nicht schon mehr Geld für sein Start-up ausgegeben habe: „Aber die Anschubkosten bewegten sich tatsächlich unter 1.000 Euro. Alles andere konnte ich aus den laufenden Erlösen finanzieren.“

Foto: pocket from Shutterstock

Artikel zum Thema
* Als Einzelgründer durchstarten – aber wie?

Yvonne Ortmann

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

  1. “The domain ultrapress.com is for sale. To purchase, call BuyDomains at 866-812-7337 or +1 339-222-5125. Click here for more details.”

    ultrapress.de wäre ne Alternative. :P

  2. Stimmt. Haben die Alternative eingetragen ;-)



  3. thorsten

    im Artikel wird auf die falsche domain bei ultrapress verlinkt. Es müsste http://www.ultrapress.de und nicht com lauten.

  4. Ist schon geändert – siehe Kommentar zuvor. Danke.

  5. Zum Konzept hinter dem “1.000-Euro-Startup” gibt´s hier ein kostenloses Ebook: http://www.digitalbetrieb.de/2012/12/13/das-1-000-euro-startup/



  6. steve

    das ist so lächerlich, dass ihr diese aktion promotet – auch, dass ihr IHN promotet.

    er hat sein 1000€ startup entspannt gegründet, weil er von meinspiel.de genug geld zum leben hatte.

    diese ganze story ist sinnlos, da es nicht wirklich 1000€ waren ;)



  7. Dieter

    Ich will demnächst mein Startup mit weniger als 30 Euro gründen.
    Das Geld nutze ich um mir einen Gewerbeschein auf dem Bürgeramt zu organisieren.
    Achja, leben tue ich bei meinen Eltern, Geld bekommt ich vom Staat (H4), aber Leute, ich schwöre, mit 30 Euro könnt ihr das auch !

    Ok ok, etwas übertrieben, aber wenn er von 1.000 Euro alles bezahlen müsste (Miete, Essen, usw.) und dann noch zig Baustellen angehen muss (Website, Shop, was auch immer), wie soll das bitte funktionieren?
    Alleine der Zeitfaktor alles rudimentär umzusetzen verschlingt schon das Geld, da hat man noch keine Werbung.

    Und seine Aktion jetzt auf andere zu übertragen funktioniert schon zweimal nicht, würde Spiegel Online oder DS jetzt über jeden berichten, der mit 2,50 Euro so tut, als könnte er was großes aufziehen ?
    Das wäre natürlich prima diiese kostenlose Werbung, die wünscht sich jeder.

  8. Sehe ich genauso. Businesspläne sind Zeitverschwendung. Nicht-Kapital-Intesive Gründungen liegen im Trend und sind möglich.

    MfG.



  9. Horst G.

    Für ein einfallsloses Web-me too reicht sogar weniger Geld aus. Startups sind aber nicht immer Webportale, und nicht immer me-toos.

  10. Liest sich ja echt toll, aber obs denn wirklich so einfach wäre? Wenn, dann würds wohl jeder so machen, aber ich schließ mich meinen Vorrednern an. Es klappt vielleicht, wenn man die 1.000 Euro so nebenbei in ein Projekt oder in ein weiteres Standbein investieren kann, aber sicherlich nicht, wenn man als Newbie einsteigt und gleich mal von seinen Einnahmen leben möchte oder muss ;)

  11. interessant wäre noch gewesen, was denn im Vergleich für Umsätze generiert worden sind, gleich zu Beginn :)

  12. Pingback: Das Mindset zum Bootstrapping und ein kleiner Rückblick auf den Solopreneurday » Digitalbetrieb

  13. Pingback: Mit weniger als 1.000 Euro zum eigenen Start-up...

  14. Pingback: Breaking Rules: Als Gründer die Regeln brechen, um innovativ zu bleiben :: deutsche-startups.de

Aktuelle Meldungen

5 neue Deals emmasbox, RhodeCode, vaamo und Co. sammeln Geld ein

Kahlke und Kress übernehmen Bleckwenn und Dreiling verlassen Zimmervermittler Wimdu

#StartupTickerHamburg No. 24 Und wie ist bei Euch das Betriebsklima?

Lean zur Gewohnheit machen Warum Start-ups in die Lean-Falle tappen