Mieten statt Besitzen: Warum noch Dinge kaufen?

Die Sharing-Economy hat Deutschland erfasst: Immer mehr Menschen nutzen Gebrauchsgegenstände gemeinsam. Im zweiten Teil der Serie geht es um „Mieten statt besitzen“ – ein Trend, der sowohl mit der Sharing-Economy als auch mit […]
Mieten statt Besitzen: Warum noch Dinge kaufen?

Die Sharing-Economy hat Deutschland erfasst: Immer mehr Menschen nutzen Gebrauchsgegenstände gemeinsam. Im zweiten Teil der Serie geht es um „Mieten statt besitzen“ – ein Trend, der sowohl mit der Sharing-Economy als auch mit dem Wunsch nach Flexibilität zu tun hat. Denn was nur gemietet wird, kann auch wieder zurückgegeben oder eingetauscht werden. Was kann man in Deutschland alles mieten? Wir zeigen einige Beispiele vom Gemüse-Garten über Spielzeug bis hin zu Kunst.

Mieten statt kaufen – oft im Abo-Modell

Es gibt so vieles, was man nicht alleine besitzen muss, sondern beispielsweise mit dem Nachbarn oder mit Freunden teilen und sich gegenseitig ausleihen kann (siehe Artikel „Sharing Economy: Alle Konzepte und Plattformen auf einen Blick“). In Teil zwei geht es nun um den Bereich „Mieten statt Kaufen“ – ein Trend, der in in vielen Lebensbezügen schon verbreitet und nicht mehr wegzudenken ist. So wird in Deutschlands Haushalten nicht nur fleißig Musik, Filme und Speicherplatz gemietet, sondern auch Autos, Fahrräder und Büroplätze (Coworking). Seit 2003 ist das Urgestein erento (www.erento.com) online, über das Nutzer Gegenstände aller Art mieten können. Nun erreicht die Entwicklung auch Randgebiete, in denen das Prinzip bisher nicht vorherrschend war – und kommt dabei teilweise mit einem Abo-Modell daher.

Gemüse-Gärten

Ein eigener Garten ist nicht vorhanden, für den Schrebergarten fehlen Zeit, Muße und Erfahrung: Bei meine-ernte.de (www.meine-ernte.de) lassen sich fertig bepflanzte Gemüse-Gärten mieten, die nur noch gepflegt und geerntet werden müssen. Neben den über 20 Gemüsesorten ist auch noch etwas Platz für eigene Gemüsewünsche. Im gemeinsamen Gartenschuppen stehen schon alle benötigten Geräte bereit und regelmäßige Aushänge informieren über das, was aktuell an Arbeit ansteht, damit das Gemüse nicht eingeht. In der wöchentlichen Gärtner-Sprechstunde erhalten die Stadt-Gärtner Tipps und Tricks für ihre Gemüse-Beete. Die Gemüse-Acker gibt es bereits in zahlreichen deutschen Städten, sie kosten pro Saison 179 Euro (kleiner Garten) oder 329 Euro (Familiengarten).

Spielzeug

Bei Spielzeug ist die Halbwertszeit relativ hoch – warum es also besitzen? Eltern können bei MeineSpielzeugkiste (www.meine-spielzeugkiste.de) Spielsachen einfach mieten und es dann, wenn es für die Kleinen uninteressant geworden ist oder diese einfach zu alt dafür geworden sind, wieder kostenlos zurückschicken und gegen neue Spielsachen eintauschen. Die Spielzeugkisten enthalten zwei bis sechs Spielzeuge und kosten zwischen 14 und 34 Euro im Monat (Abo-Modell). Falls ein Spielzeug so gut gefällt, dass die Kinder es behalten wollen, geht das auch – mit einem Rabatt von 30% auf den Neupreis. Ein ähnliches Konzept bietet auch die Wummelkiste (www.wummelkiste.de) – allerdings werden die Spielsachen hier nicht gemietet, sondern gekauft.

Camper

Viele Menschen träumen davon, einen eigenen Camper zu besitzen – für spontane Wochenend-Trips, romantische Urlaube oder aufgrund der Wassersport-Leidenschaft. Neben den üblichen Carsharing-Plattformen gibt es mit PaulCamper (www.paulcamper.com) nun auch einen Anbieter, der sich auf die gemütlichen Busse spezialisiert und über den Bulli-Liebhaber deutschlandweit verfügbare Camper finden, die sie mieten können. Demnächst ergänzt noch Campanda (www.campanda.de) das Segment.

Kunst

Auch an Kunst wollen sich viele Menschen nicht mehr langfristig binden sondern diese nur für bestimmte Zeit „besitzen“ – um sie dann wieder abzugeben oder gegen andere Objekte einzutauschen. Eine Möglichkeit, Kunstgegenstände zu mieten, bietet allyoucanart (www.allyoucanart.de). Für 5% des Verkaufspreises pro Monat kommen teure Kunstgegenstände ins eigene Wohnzimmer – so lange, bis sie nicht mehr gefallen. Gefallen sie doch, kann man sie auch kaufen. Auch A Space for Art (www.aspaceforart.com) ist auf diesen Zug aufgesprungen, wendet sich aber an eine finanzkräftigere Zielgruppe: Unternehmen, Restaurant- oder Hotelbesitzer können ganze Galerien für eine bestimmte Zeit mieten und in den eigenen Räumen ausstellen.

Parkplätze

Ähnlich wie die Idee, Autos während ungenutzter Zeiten zu vermieten, funktioniert das Konzept Parkplatz-Sharing: Nutzer können die Parkplätze anderer Menschen zeitweise mieten, wenn diese selbst gerade nicht vor Ort sind. Autofahrer können sich beispielsweise bei ParkingList (www.parkinglist.de) auf einer Karte freie Parkplätze anzeigen lassen und über die Website oder die entsprechende App buchen und bezahlen. Auch ampido (www.ampido.com), ParkAtMyHouse.com (www.parkatmyhouse.com) und Parkplace (http://www.parkplace.de) setzen in Deutschland auf dasselbe Modell. In der Schweiz gibt es darüber hinaus noch Parku (www.parku.ch) und park it (www.parkit.ch).

Was kann man noch mieten statt kaufen?

Symbolbild: Maridav / Shutterstock

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* Sharing Economy trifft Campingplatz: Bei PaulCamper Camper mieten und vermieten
* “Der Spielwarenmarkt gleicht dem Interessensspektrum eines Kleinkindes” – Florian Spathelf von MeineSpielzeugkiste.de
* Parkplatzsharing: Mit ampido, ParkingList und Co. Parkplätze mieten und vermieten
* “Unsere Vision ist es, die größte Ausstellungsfläche der Welt aufzubauen” – Christian Kaul von A Space For Art

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. Cornelius

    Wenn schon, dann bitte exakt. Auch ein Mieter “besitzt” eine Mietsache. Statt “Besitz” in der Überschrift wird wohl “Eigentum” gemeint. Ansonsten macht die Überschrift keinen Sinn.



  2. Bernd Lessing

    Alles schön und gut. Aber mal drüber nachgedacht, dass IMMER irgendjemand das Eigentum hat? Und gegenüber diesem Eigentümer ist man als “Ausleihender” quasi tributpflichtig. Auf Eigentum zu verzichten und auf Ausleihen zu setzen, basiert vor allem auf der Annahme, dass man selbst immer liquide ist, um sich etwas auszuleihen. Insofern ist Eigentum auch immer eine Investition in künftige Freiheit (sofern es nicht auf Kredit erworben wird).

  3. Die Idee von “All you can Art” ist ja wunderbar. Aber 5% des Verkaufspreises als Monatsmiete? Bei einem Gegenstand, der deutlich über 20 Jahre nutzbar ist? Und er sogar im Wert eher gewinnt, statt verliert? Wenn ich bei einer Autovermietung 5% des Kaufpreises als monatliche Miete zahlen müsste, wären dass (BLP 50.000 Euro) schnell 2.500 Euro/Monat – statt vielleicht 1.000 Euro. Und Autos haben einen massiven Wertverlust, der ausgeglichen werden muss. Realistisch wäre also für die Bilder wohl eher ein Mietpreis von 0,25% pro Monat…

  4. Es ist schon okay, wenn man vom “Mieten statt Besitzen” spricht. bei dieser Art des kollaborativen Konsums (=KoKonsum) ist ja gemeint, dass man etwas nicht besitzt, sondern nur “mietet” oder “leiht”.

    Mehr zum Sharing-Trend auf http://KoKonsum.org

  5. Ich finde leihen oder austauschen statt besitzen noch besser. Das fördert die Gemeinschaft, findet aber wohl nur im kleinen Kreis statt. Schön wäre es auch, wenn alle Dinge wieder etwas langlebiger ausgelegt wären.

  6. Wie wäre es denn mit mieten statt kaufen? Und auch der Mitbewerb, wenn auch ein Jahr jünger, freut sich über eine Erwähnung ;-) http://www.miet24.de

  7. Auch Bücher kann man mieten oder leihen – auf http://www.leih-ein-buch.de … wir kämpfen noch etwas mit den Gesetzen aber bald werden die Bücher wieder für Geld und nicht für Punkte vermietet.

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