600 % Umsatzwachstum! Ein Appell gegen Jubelmeldungen und blanke Scheinzahlen

Immer wieder erreichen uns Meldungen, in denen Start-ups einen tiefen Einblick in ihre Zahlen versprechen. Leider sind diese Zahlen fast immer nur prozentuale Umsatzwachstumsangaben – ohne konkrete Zahlen zu nennen. Was bringt es, […]
600 % Umsatzwachstum! Ein Appell gegen Jubelmeldungen und blanke Scheinzahlen

Immer wieder erreichen uns Meldungen, in denen Start-ups einen tiefen Einblick in ihre Zahlen versprechen. Leider sind diese Zahlen fast immer nur prozentuale Umsatzwachstumsangaben – ohne konkrete Zahlen zu nennen. Was bringt es, über Zahlen und 300 % Wachstum zu reden, wenn die Grundlage dafür fehlt? Zumindest die Angabe von Größenordnungen wären vielerorts schon einmal ein Anfang.

Geht es um einen bisher sechsstelligen Umsatz oder weniger oder gar mehr? So sind solche Meldungen nur nervige Jubelmeldungen, von denen keiner etwas hat – weder die Start-ups, noch Plattformen, die diese Scheinzahlen veröffentlichen, noch die Leser, die mit solchen Scheinzahlen auch nichts anfangen können. Gründerinnen und Gründer im Lande: Habt Mut – und nennt uns eure echten Zahlen! Anbei drei Beispiele, die mit konkreten Zahlen oder Größenordnungen deutlich besser wären und sicherlich mehr Verbreitung, mehr Aufmerksamkeit bekommen würden – nicht nur bei uns!

Plista
Während der Markt für Online-Werbung im vergangenen Jahr um 13 % zulegen konnte (Quelle: OVK Online-Report 2013), wuchs plista beim Umsatz klar im dreistelligen Bereich. Nach nur fünf Jahren hat sich das Berliner Unternehmen zum Marktführer für Content Marketing und Native Advertising in der DACH-Region entwickelt und arbeitet hochprofitabel.

Goodgame Studios
Die Erfolgsgeschichte von Goodgame Studios setzt sich unaufhaltsam fort. Der Hersteller von Onlinespielen ist weiter hochprofitabel und konnte bereits in den ersten vier Monaten 2013 den Umsatz des gesamten Vorjahres erzielen – das mit einem Umsatzwachstum auf 600 % ebenfalls ein Rekordjahr war. Auch seit Mai zeigt die Entwicklungskurve weiter steil nach oben.

GameGenetics
GameGenetics, der führende Distributor von digitalen free-to-play Games, feiert im August vierjähriges Bestehen. Pünktlich zum Jubiläum konnte Alexander Piutti, Gründer und CEO des Unternehmens, das beste Halbjahr seit Firmengründung verkünden: „Die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2013 zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2012 konnten wir uns im gleichen Zeitraum 2013 um mehrere hundert Prozent steigern. Wir wollen uns auch zukünftig fokussiert weiterentwickeln und peilen für das laufende Jahr erneut ein Wachstum von mehr als 300 % an.“

Foto: picture of woman hand with calculator and papers from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Christian

    Warum werden wohl die richtigen Zahlen nicht veröffentlicht?
    Kann sich doch jeder denken. Häufig wird auch Wachstum gleichgesetzt mit Kunden, aber was bringen mir Kunden, wenn ich kein Geschäftsmodell habe und keine Kaufbereitschaft vorhanden ist. Man kann alles im Leben irgendwie gut darstellen.



  2. Dieter

    Die Zahlen sind doch Glasklar!

    Folgendes ist natürlich nicth ernst gemeint ;-)

    Plista:
    Ich schätze ca. 500 Euro Umsatz (3-stellig). Es werden einfach keine Gehälter Bezahlt und auch sonst keine Rechnungen, ergo: man ist hoch profitabel.

    Goodgame Studios:
    Letztes Jahr 20 Euro mit AdWords, diese Jahr sinds dann schon über 100 Euro !

    GameGenetics:
    Erst 1 Euro, dann mehrere hundert Prozent Steigerung auf 3,50 Euro und jetzt will man endlich die 10 Euro Hürde packen und 2-stelligie Umsätze einfahren.

    Das eigene Unternehmen positiv darzustellen ist natürlich vollkommen logisch, aber mit Prozentzahlen ohne Basis erreicht man doch nichts.

    Leute, die sich damit nicht auskennen, interessiert die Zahl eh nicht und alle anderen haben was zum Schmunzeln.

    Man hat es doch auch schon wie oft gesehen: da werden Umsätze, Benutzerzahle, Besucher, usw. im unendlich Summen gesteigert und 1 Jahr später sind die Unternehmen dann weg vom Fenster.
    Und dann kommt der Spruch “Es sah alles super aus, aber der Investor hatte bei der nächsten Finanzierungsrunde nicht mitgemacht”. Im Kleingedruckten “Dabei wären nur noch 20 Runden nötig, bis wir Geld verdienen”.

    Ja ich weiß, recht negativ und das passt auch nicht zum Konzept vieler StartUps, aber bei uns in Deutschland ist man halt etwas bodenständiger und will die Konkreten Umsätze und Gewinne als Maßstab sehen und nicht die Zahl der nichtzahlenden Nutzer.



  3. Roland

    @Alexander: Sehr guter Artikel!
    Das hättest Du noch einmal mitveröffentlichen sollen:

    1. Plista Jahresabschluss 2011:
    II. Verlustvortrag 1.623.601,26
    IV. Jahresfehlbetrag 998.661,93 (so hoch wie noch nie zuvor)

    Was heißt “hochprofitabel arbeiten”?

    2. Altigi GmbH (Goodgame Studios) Jahresabschluss 2011:
    Jahresfehlbetrag 242.836,73

    Was heißt in dem Zusammenhang “weiter hochprofitabel”?

    3. GameGenetics GmbH Jahresabschluss 2011:
    V. Jahresfehlbetrag 478.770,86
    V. Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag 538.316,11

    Was ist unter Einbezug dieses Fakts das “beste Halbjahr seit Firmengründung”?

    @Vielleicht melden sich die verantwortlichen GFs / PR-Verantwortlichen einmal mit konkreten Informationen. Wenn wollt ihr damit täuschen? Warum macht ihr sowas (hirnloses, sorry)?



  4. rabe

    @Roland

    Du hast das ganze Prinzip nicht verstanden. “Hochprofitabel” bedeutet, dass der Gründer selber gut verdient.

    Wayne interessiert, ob die Firma Gewinn macht?



  5. Sven

    Was auch interessant ist, ist wenn anscheinend Startups Facebook Fans kaufen. z.B. http://www.facebook.com/bavarianstufforiginal

    Zu prüfen hier: http://www.sterntv-experimente.de/FacebookLikeCheck/

    Nur knapp 30% kommen aus Deutschland, der Rest aus Brasilien, Ungarn, Ukraine, Russland & Co.

    Traurig.

  6. Pingback: Kurzmitteilungen: Lieferheld, Springstar, AWS, betterplace, Startup Sparring :: deutsche-startups.de

Aktuelle Meldungen

Alle