Medexo: Zweitmeinungs-Portal für ärztliche Diagnosen

“Medizinische Experten Online”, kurz Medexo (www.medexo.com), präsentiert sich als Plattform, auf der sich Patienten eine Zweitmeinung zu Erstdiagnosen einholen können. Fragen wie “Ist die Operation wirklich nötig oder gibt es Alternativbehandlungen?” sollen unter […]
Medexo: Zweitmeinungs-Portal für ärztliche Diagnosen

“Medizinische Experten Online”, kurz Medexo (www.medexo.com), präsentiert sich als Plattform, auf der sich Patienten eine Zweitmeinung zu Erstdiagnosen einholen können. Fragen wie “Ist die Operation wirklich nötig oder gibt es Alternativbehandlungen?” sollen unter Berücksichtigung bestehender Dokumentation und Erstbefunde nochmals von einem Spezialisten unter die Lupe genommen werden und so den Erstbesuch ergänzen.

Im Zweifelsfall sollen so unnötige Operationen, Fehldiagnosen und Kosten verringert werden. Das Konzept ruft allerdings auch Kritik hervor. Medexo besteht aus einem Spezialisten-Netzwerk verschiedener ärztlicher Fachbereiche, aktuell sind die Orthpädie und erste Zweige der Gynäkologie vertreten. Um tätig werden zu können, benötigen diese Spezialisten genaue Informationen wie bestehende Dokumentation und medizinisches Bildmaterial, die Patienten über ein Upload-Tool zum Dienst hochladen können. Ein webbasierter Anamnesebogen erfragt zusätzlich gezielt, welche Probleme vorliegen.

Sind alle nötigen Informationen eingereicht, wird der Fall dann einem Arzt zugeteilt, der innerhalb von einigen Tagen mit seiner Begutachtung antwortet. Zur Qualitätssicherung wird jedes Gutachten durch zwei weitere Ärzte aus dem Netzwerk gegengeprüft, im Schadensfall haftet der Zweitgutachter mit seiner Berufshaftpflichtversicherung – wie der normale Arzt auch.

Ferndiagnose vs persönlicher Arztbesuch?

Das Konzept sieht sich Kritik gegenüber, da es sich um eine unpersönliche Ferndiagnose handele. Medexo-Mitgründer und Geschäftsführer Dr. Jan-Christoph Loh hält dagegen und bringt seine Meinung zum Ausdruck, dass es in Kliniken nicht viel anders laufe: “Letzten Endes wenden wir das gleiche Verfahren an, das in großen Kliniken tagtäglich immer wieder durchgeführt wird. Dort erstellt in den meisten Fällen ein Assistenz- bzw. Facharzt in der Aufnahme oder ersten Hilfe eine erste Arbeitsdiagnose. Der Fall wird dann später in der Fachbereichsbesprechung dem Entscheidungsträger (Oberarzt, Chefarzt) anhand der Erstuntersuchung mit den erhobenen Befunden vorgestellt. Die endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen trifft der Verantwortliche, in den allermeisten Fällen ohne den Patienten noch einmal untersucht zu haben.”

Medexo als Weiterentwicklung einer bestehenden Plattform

Medexo ist die Weiterentwicklung der 2011 gestarteten Zweitmeinungs-Plattform “Vorsicht!Operation”, die in Zukunft als Informationsportal dienen soll. Die Medexo GmbH wurde 2012 in Berlin gegründet, zu den Gründern und Gesellschaftern zählen Loh, Dr. Heinrich Blase, Thomas Geitner, Jan Dzulko, Dr. Mark Dzulko, Karsten Schröder und Prof. Hans Pässler. Bislang wird Medexo mit privaten Mitteln gestemmt, eine Series-A-Finanzierung ist für 2014 geplant.

Medexo erhält eine feste Pauschale

Medexo rechnet nach der “Gebührenordnung der Ärzte” ab, es kommt darüber hinaus  noch eine feste Servicepauschale hinzu. Eine Zweitmeinung kostet 300 Euro beziehungsweise 400 Euro für Probleme auf beiden Seiten, ein Eilzuschlag für eine Beurteilung innerhalb von drei Tagen schlägt mit 80 Euro extra zu Buche. Aktuell übernimmt die Deutsche BKK die kompletten Kosten für die Medexo-Nutzung, die Debeka in bestimmten Fällen; weitere Krankenkassen sollen folgen.

Screenshot des Medexo-Anamnesebogens

Mitbewerber konzentrieren sich auf bestimmte Fachbereiche

Im deutschsprachigen Markt gibt es mit “Zweitmeinung Schulteroperation” (www.zweitmeinung-schulteroperation.de) einen Mitbewerber, der sich auf den medizinischen Bereich der Schulter spezialisiert hat und ein ähnliches Konzept zu Medexo verfolgt. Das Gutachten kostet dort knapp 50 Prozent weniger. Mit “Die Zweitmeinung Krebs” (www.krebszweitmeinung.de) findet sich im Tumorbereich eine Zweitmeinungs-Plattform – später wird Medexo auch Zweitmeinungen zu diesem Thema erstellen. Von der Konkurrenz will sich Medexo durch sein Spezialisten-Netzwerk und die vielfältigen Bereiche herausstellen.

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Kommt beruflich aus den Bereichen der Mediengestaltung und der Betreuung demenziell erkrankter Menschen. Seit Ende 2012 ist er freier Journalist mit dem Schwerpunkt Start-ups, interessiert sich aber auch für E-Reading und Open Source.



  1. Kai

    Sehr interessant fände ich hier eine Zweitmeinung zur medikamentösen Behandlung von Bluthochdruck.
    Ich kenne sehr viele Leute, die medikamentös falsch von ihrem Hausarzt eingestellt sind und nicht weiter wissen was sie noch tun sollen, außer dss zu machen und nehmen, was der Hausarzt verschreibt.



  2. A.L.

    40% der MedizinerInnen sind weiblich, Tendenz stark steigend. Trotzdem gucken einen oben nur fünf Herren älteren Semesters an. Und da wundert es einen, warum eine eine Debatte zur Frauenquote gibt. Hallo 2013.

    Literatur:
    http://www.aerzteblatt.de/archiv/59406/Arztberuf-Die-Medizin-wird-weiblich

    (PS: Bin ein Mann)

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