Journalisten und Geschenke: Jeder ist käuflich!

Journalisten und Geschenke: Jeder ist käuflich! – Gastbeitrag von Thomas Keup, langjähriger PR- und Social-Media-Specialist: Und ich meine … jeden! Auch Blogger und Journalisten. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin selbst […]
Journalisten und Geschenke: Jeder ist käuflich!

Journalisten und Geschenke: Jeder ist käuflich! – Gastbeitrag von Thomas Keup, langjähriger PR- und Social-Media-Specialist: Und ich meine … jeden! Auch Blogger und Journalisten. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin selbst seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich publizistisch in Hörfunk, Fernsehen und online unterwegs. Und mit meiner Überschrift setze ich mich heute “im Vollbesitz meiner Kräfte” bewusst zwischen alle Stühle.

Bevor mich Deutschlands Netzaktivisten und alle “furchtbar betroffenen Edelfedern” lynchen wollen: Es ist überhaupt nicht schlimm, “käuflich” zu sein! Wer zahlt denn Eure Miete? Die Frage ist vielmehr: Wie weit lasse ich mich als Publizist von Zuwendungen in meiner Arbeit beeinflussen?

Die Mär von der Objektivität

Wie kann ein Motor-Journalist objektiv über Autos berichten, wenn er selbst Dauerleihgaben fährt? Wie kann ein Tech-Blogger objektiv über Smartphones urteilen, wenn er selbst ständig Testgeräte nutzt? Und wie kann eine Fashion-Journalistin objektiv über Mode schreiben, wenn Sie bemustert wird?

Meine Antwort: Vergesst Objektivität! Und in diesem Zusammenhang am Besten auch gleich den “objektiven Qualitätsjournalismus” (womit ich kurz davor bin, mir die erste Abmahnung von DJV und Verdi einzufangen). Fakt ist: Wenn Publizisten schreiben oder senden, bringen sie ihre Erfahrungen und ihre Meinung ein – und die ist nie objektiv! Und das ist auch gut so.

Kleine Geschenke …

Manch ein MBA’ler wird jetzt fragen: “Wenn Objektivität ein Trugschluss ist, kann ich Journalisten kaufen?” Der clevere PRler antwortet darauf: “Du musst niemanden kaufen!” Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Und dafür gibt es einen ganzen Katalog von Aufmerksamkeiten in der Pressearbeit – von legal bis … egal:

Erste Kategorie: Presse-Events

1. Hintergrund-Gespräch
Die Einladung von CEO, CMO und Pressesprecher zum Lunch ist tägliche Praxis. Als PR-Verantwortliche/r solltet Ihr Journalisten aber nicht systematisch “abfüttern”. Man trifft sich zum Recherche- oder Hintergrundgespräch. Dabei dürft Ihr auch die Rechnung übernehmen! Ein Gutschein zum Testen des Online- oder Mobile-Services darf auch über den Tisch wandern – schließlich geht es ums Testen.

2. Häppchen-Termin
Eine der sinnvollsten Maßnahmen in den PR sind “Presse-Treffs”, auch als Stammtisch, Pressedinner oder Fachgespräch “getarnt”. Unter Journalisten werden diese heiß begehrten Vor-/Abendveranstaltungen als “Häppchen-Termine” gehandelt. Und damit ist klar, worum es geht: Kollegen (wieder)treffen, Fachsimpeln, gut Essen und Trinken und ein gutes Gefühl zum Gastgeber bekommen. Alles absolut legal und von Transparency International nicht zu beanstanden. Mein absoluter “Geheimtipp”!

3. Presse-Reisen
Ein koreanischer Handy-Hersteller lädt gern mal “ausgewählte” Medienvertreter nach Seoul ein, um sie zu “bekuscheln”. Alternativ gibt es das auch als Kostenübernahme für Flug und Hotel zur Produktpräsentation. Das ist die “hohe Schule” der PR. Denn wer als Journalist nicht mitdarf, ist schnell angep.sst. Und das kann ins Auge gehen. Wichtig: Der Anlass muss relevant sein, z. B. ein globaler Roll-out. Sonst bekommt’s “Geschmäckle”.

Zweite Kategorie: Presse-Vorteile

4. Presse-Accounts
Ebenfalls harmlos sind kostenlose Presse-Accounts der eigenen Services – insbesondere, wenn sie fachlich relevanten Journalisten und Bloggern angeboten werden. Schließlich sind Medienvertreter die reinsten “Quatschtanten” – also interessante Multitplikatoren. Presse-Accounts können bereits in der Beta-Phase eingerichtet werden – verbunden mit der Exklusivität, als “Presse-Fuzzi” vor allen anderen seine Nase reinstecken zu dürfen.

5. Presse-Rabatte
Jetzt wird brenzlig: Denn mit dem offiziellen Presseausweis können Medienvertreter so gut wie alles günstiger bekommen – von Neu- bis Mietwagen und von Handy- bis DSL-Verträgen. Jeden Monat wird allein auf pressekonditionen.de bis zu 600.000 mal zugegriffen. Womit das Märchen von der Objektivität endgültig im Eimer ist. Ich würde in den PR von Rabatten abraten, auch wenn ich sie selbst nutze. Die gewünschte Wirkung ist eher schwach.

6. Test-Stellungen
Unproblematisch sind zeitlich begrenzte Tests, z. B. von Geräten oder Premium-Services. Dabei können Testzeiten auch verlängert werden. Ein Trick böser PRler: Um Journalisten längerfristig positiv zu stimmen, können Autos oder Handys auch schon mal zu “Geschenken” werden. Wie das legal auch bei großen Konzernen geht, verrate ich gern im vertraulichen 4-Augen-Gespräch.

5. Echte Geschenke…
…sind viel zu selten und meist eher peinlich. Mit Notizblöcken, Kugelschreibern und USB-Sticks lockt man keinen Journalisten mehr hinterm Ofen vor. Aber es geht auch anders: Ein nettes Päckchen mit ansprechenden Proben fürs Bad und ein paar feine Pralinen kosten nicht viel, sind damit sicher keine Bestechung und symbolisieren auf nette Weise Wertschätzung! So hat das ein bekannter Smartphone-Hersteller zum MWC in Barcelona gemacht. Ganz legal und unverfänglich.

Wichtiges Kapitel: Reputation & Rehabilitation
Als Letzter hat der Controller das Wort: “Was erreiche ich mit all dem PR-Aufwand?” Ganz einfach: Günstige Reputationskosten, die helfen, VC-Geld nicht zu verbrennen. Und niedrige Rehabilitationskosten, wenn Euer halbfertiges Produkt durch einen Shitstorm in schweres Wetter gerät. Dann zahlt sich jedes Presse-Event doppelt und dreifach aus.

PR zahlen auf die Marke und damit auf das Image – sprich den Voreindruck – ein. Also nix mit Kaufen! Denn kein Journalist lässt sich auf Dauer mit ein paar Häppchen, einem Geschenk oder einer Reise “bestechen”. Außer er schätzt die Marke oder ein bestimmtes Produkt bereits zuvor. Aber das ist eine andere (PR-)Geschichte.

Foto: istockphoto

Im Fokus: Weitere Artikel über PR, gibt es in unserem Themenspecial PR-Tipps für Gründer

Zur Person
Thomas Keup ist langjähriger PR- und Social-Media-Specialist in Berlin und Barcelona. Mit Spreefactory betreut er Start-ups und Tech-Companies in Corporate Communications. Zu den Schwerpunkten des gelernten Journalisten zählen PR-Strategien, Storytelling und Social Media Relations. Mit mehr 8 Jahren Know-how in der IT- und Telekommunikationsindustrie als Pressesprecher und Social Media Officer übersetzt Thomas Keup technische Themen für Nutzer. Thomas Keup pflegt ein bundesweites Netzwerk persönlicher Medienkontakte.

  1. Den angegebene Link ist falsch. Ich denke http://www.pressekonditionen.de/ ist der richtige.

  2. Lieber Thomas Keup, wenn Du Dir so einen goldenen Hintern verdient hast, sei es Dir gegönnt. Ein Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, lässt sich durch derlei “Wertschätzunngen” nicht korrumpieren, sondern behält auch dann noch seine eigene Meinung. Schließlich geht es hier um die eigene Glaubwürdigkeit und Selbstachtung.

    Es gibt genügend Beispiele, wo PR-Leute wie Du versucht haben, durch verschiedenste Formen der Einflussnahme (die dussligste war: “Ich kenne Ihren Verleger sehr gut”) kritische Berichterstattung zu verhindern – was meistens nach hinten losging. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

    Ich war vor Jahren einmal gemeinsam mit vier Kollegen großer, renommierter Zeitungen zu einem “Hintergrundgespräch” mit der Hamburger Gesundheitssenatorin eingeladen, die uns mit einem fürstlichem Mahl in Cöllns Austernkeller davon überteugen wollte, dass die Schließung eines kompletten Krankenhauses dringend notwendig sei. Danach wurden unsere Kommentare nur noch schärfer. Übrigend: Heute ist es das größte Krankenhaus Hamburgs. Und nu kommst Du…



  3. Anon

    Also ich kenne eine Gruppe von Bloggern die sind nicht käuflich.
    Anonblogger!
    Das sind die, die euch Hundsfotts eines auf die Griffel geben wenn wir euch bei oben genannten Schweinereien erwischen.
    Und das ihr uns fürchtet, dass wissen wir. :lol:

  4. Pingback: Lastest Günstigen Mietwagen NewsAuto Mieten USA | Auto Mieten USA



  5. C. Holowaty

    Ich habe das Gefühl, dass völlig in Vergessenheit zu geraten scheint, worum es heutzutage geht: Leser mit Inhalten interessieren. Leser mit Qualität binden. Die Tage des “Wer schreibt, bleibt” sind längst vorbei, falls Ihnen das entgangen sein sollte.

    Es geht in erster Linie darum, Klicks und Auflage zu erreichen und dauerhaft zu halten.

    Praktisch jeder Redakteur muss seine Geschichte intern “verkaufen”, und da geht es nicht darum, ob die Tasse Kaffee auf Kosten des Hauses ging.

    Ich würde PR-Managern eher empfehlen, sich einfach einmal ernsthaft in das Thema des vertretenen Unternehmens oder der jeweiligen Institution einzuarbeiten.

    Das Hauptproblem ist nämlich, dass nach meiner Erfahrung eine große Zahl an Pressesprechern eigentlich nicht wirklich Ahnung davon hat, was sie erzählen und oft nicht einmal die richtigen Ansprechpartner vermitteln können.

    Ich brauche keine Gratis-Handys oder illustre Reisen, sondern spannende Themen, kompetente Ansprechpartner und einen PR-Manager als Organisationstalent, der das alles zusammenführt.



  6. nadja

    Wer Subjektivität im Journalismus mit Käuflichkeit gleichsetzt, hat es nicht verdient zuende gelesen zu werden.

  7. Herr Keup macht einen grundsätzlichen Fehler. Er setzt die Entgegennahme von Produkten und Leistungen gleich mit der Käuflichkeit – und das ist Unsinn. Natürlich gibt es Journalisten, die sich von Zuwendungen beeinflussen lassen, ja, es gibt sogar komplette Journalistengruppen. Doch zu Zusammenhänge sind komplexer. Sind es im Autobereich die Pressereisen, die so wenig Kritik an deutschen Autos aufkommen lassen – oder die Anzeigenaufträge? Im Reisebereich dagegen sind Freie unterwegs, die keine andere Chance haben, als positiv zu schreiben. Anderenfalls werden sie nicht mehr eingeladen, zahlen aber können sie die Reisen nicht.

    Doch es geht eben auch anders. Und meine Erfahrung aus meinen 14 Jahren als Journalist zeigt: Geschenke und Reisen bewirken wenig bis gar nichts. Bestechlich machen Emotionen: Wenn man den Sprecher oder die Sprecherin sympathisch findet, sich gut mit ihm oder ihr versteht – dann ist man offener für ihre Argumente. Und ganz schlimm wird es, wenn sich der/die JournalistIn in den/die SprecherIn verliebt. Und das passiert regelmäßig.



  8. Von wegen

    Interessant, dass die Mehrheit der Kommentatoren hier im Forum einerseits zugibt, sich durch den Empfang von Geschenken komprimittieren zu lassen, andererseits aber überzeugt davon ist, dass dies aber GAR KEINEN Einfluss auf die Berichterstattung habe.

    Jeder Psychologe schüttelt da amüsiert den Kopf. Nein, meine lieben Damen und Herren, wenn Sie schon unabhängig bleiben möchten, dann lehnen Sie Ihnen abgebotene Geschenke ab. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht; da können Sie sich ihre kuschelige Journalistenwelt noch so verzweifelt rosarot malen.



  9. Viscera

    Kann sein, dass jeder käuflich ist. Ich bin mir da nicht ganz sicher. Aber so zu tun, als wäre Käuflichkeit vollkommen in Ordnung ist einfach lachhaft.

    Dieser Artikel sagt mehr über den Verfasser, als über das Thema an sich aus. Vor allem ist es offensichtlich, dass er selbst sehr bestechlich ist (es wäre seltsam so eine positive Ansicht von Bestechung zu haben und dann nicht selbst käuflich zu sein).

    Aber passend, das er so auf Objektivität rumhackt. Immerhin basiert dieser Artikel fast nur auf persönliche (oder eher verkaufte) Meinung und wenig auf Fakten.

  10. Wenn Thomas Keup und seine Freunde und Kollegen käuflich sind (wie er sagt), ist das seine Sache.
    Mir als Blogger gleiche Schweinerei unterschieben zu wollen ist eine Frechheit. Fühlen Sie sich von mir geohrfeigt, Herr Keup.



  11. Jeeves

    @Von wegen: “Interessant, dass die Mehrheit der Kommentatoren hier im Forum einerseits zugibt, sich durch den Empfang von Geschenken komprimittieren zu lassen”
    .
    Welche Mehrheit? Von den gerade mal 6 (sechs) Kommentaren davor sagen alle sechs (6!) das Gegenteil.



  12. Roland Heck

    Also als jemand der einen Journalist bestechen will, würde ich einfach auf http://www.12Present.com reinschauen und dann abchecken was ihm gefällt.



  13. Von wegen

    Nein, nicht jeder ist käuflich. Diese persönliche, leider nicht beweisbare Weltsicht (meine eigene Person mal ausgenommen) möchte ich mir nicht von den offensichtlich sehr vielen bestechlichen Kollegen kaputt machen lassen.

    Allerdings sprechen die Kommentare hier Bände – ein offenbar selbst bestechlicher “PR-Spezialist” und Ex-Journalist namens Keup erzählt aus seinem Nähkästchen – und keiner kommt auf die Idee, ihm grundsätzlich(!) zu widersprechen. Wohl, weil Keup im Grunde nicht so falsch liegt.

    Lediglich die Wertung der offenbar total versauten Zustände ist unterschiedlich (Allgemeiner Tenor der hier Versammelten: “Gut, ich lass mir gern was schenken, aber deswegen bin ich doch nicht gleich befangen… ICH doch nicht!!!”).

    Wann spricht endlich jemand das aus, was eigentlich jeder seriöse Journalist antworten müsste: “Sobald Du Dir vom Objekt Deiner Berichterstattung auch nur einen Müsliriegel oder eine Busfahrt schenken lässt, lässt Du Dich korrumpieren und bist nicht mehr glaubwürdig!” – Ja, wann sagt das endlich mal jemand? Oder besser: Warum sagt’s eigentlich bisher niemand …? Weil Keups Thesen vielleicht doch in 80 oder 95 % der Fälle zutreffen? Gott bewahre…



  14. Hase

    Meine Güte, was für ein Aufriss – zum x-ten Mal. Journalismus kann nicht objektiv sein – und dass hat nix mit Geschenken und Gefälligkeiten zu tun. Stichwort hier (was einem PR-Profi geläufig sein sollte): Gatekeeper. Und diese Funktion hat – wie “nadja” bereits anmerkte – nix mit Käuflichkeit zu tun. Was für ein Thema und wie es bearbeitet in die Zeitung gehoben wird oder auf Sendung geht, hängt auch von der Persönlichkeit des einzelnen Journalisten ab und ist somit subjektiv geprägt. Zum Glück gibt es in Deutschland eine breite Medienlandschaft, die es den Lesern, Zuschauern, Hörern ermöglicht, sich aus vielen sublektiven Mosasiksteinchen ein objektives Gesamtbild zu erlesen, zu erschauen, zu erhören.

  15. Pingback: Die Woche im Rückblick: Offline!, Preloved Fashion, 22 Start-up-Namen :: deutsche-startups.de

  16. Ich gehe auch davon aus, dass derartige Dinge einen nicht unwesentlichen Teil der Arbeit darstellen.

  17. Pingback: Die 10 peinlichsten Pressestellen Deutschlands :: deutsche-startups.de

Anzeige

Aktuelle Meldungen

Abschalten!Wir wünschen allen ruhige und ganz sonnige Ostern

7 Tage - 10 ArtikelPutzfrauen, Nischenshops (und mehr News der Woche)

4 neue DealsGeldwerte News zu uberall, Flowkey, trans­paro und Co.

LesenswertWir brauchen mehr Gründer mit Mut (und noch mehr)