“Wir haben am Anfang billige Versandkartons verwendet” – Julia Bösch von Outfittery

Seit rund einem Jahr versorgt das Berliner Start-up Outfittery (www.outfittery.de) shopping-unbegeisterte Männer und gestresste Manager aller Art per Post mit neuen Klamotten. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Outfittery-Mitgründerin Julia Bösch (Foto: links), die […]
“Wir haben am Anfang billige Versandkartons verwendet” – Julia Bösch von Outfittery

Seit rund einem Jahr versorgt das Berliner Start-up Outfittery (www.outfittery.de) shopping-unbegeisterte Männer und gestresste Manager aller Art per Post mit neuen Klamotten. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Outfittery-Mitgründerin Julia Bösch (Foto: links), die das Start-up gemeinsam mit Anna Alex gegründet hat, über deutsche Durchschnitts–Männer, Komplimente und Vampire als Kunden.

Sechs Monate nach dem Start hatte Outfittery 3.000 Boxen verschickt. Wie sieht es knapp ein Jahr nach dem Start aus?
Wir sind in den letzten Monaten sehr schnell gewachsen, vor allem dadurch, dass unsere Kunden uns so begeistert weiterempfehlen. Sie teilen Fotos von ihrer Outfit-Box auf Facebook und oft bestellen dann die Kollegen, Väter oder Freunde unserer Kunden kurze Zeit später auch bei uns. Wir haben z.b. einen Unternehmer als Kunden, der so begeistert von unserem Service ist, dass er jetzt seine komplette Sales Mannschaft bei uns einkleiden lässt.

Konkrete Zahlen wollen Sie diesmal offenbar leider nicht nennen. Deswegen weiter mit den alten Zahlen: Nach einem halben Jahr im Markt hieß es, die Kunden wählten aus den Boxen “Artikel im Wert von 300 Euro aus”. Hat sich diese Zahl bewährt?
Ja, wir sehen nach wie vor, dass unsere Kunden überdurchschnittlich viel behalten im Vergleich zu dem was der deutsche Durchschnitts-Mann im Einzelhandel ausgibt. Das erreichen wir durch unsere sehr intensive persönliche Beratung, die unsere Kunden offensichtlich sehr schätzen.

Offen bleibt dabei, was in diesem Zusammengang „Überdurchschnittlich“ bedeutet. Wie viele Waren zu welchem Wert sind denn in der Regel in einer Box, die die Nutzer bekommen?
Ein Kunde bekommt von uns zwei bis drei komplette Outfits zugeschickt, d.h. von Schuhe über Hose, Hemd und Accessoires wird er voll von uns ausgestattet. Das Preisniveau der Artikel stimmt seine Stylistin darauf ab, was er bereit ist auszugeben.

Und was möchten ihre Kunden in der Regel ausgeben?
Das kommt ganz auf den Anlass an. Kunden kaufen bei uns Outfits für „Jeden Tag“, aber auch für besondere Anlässe wie Hochzeiten, das erste Treffen mit der Schwiegermutter oder auch wichtige Investoren-Pitches. Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass die meisten Kunden von ihrer Outfittery Erfahrung so begeistert sind, dass sie bei uns mehr ausgeben als sie anfangs geplant haben. Und: Viele Kunden erzählen uns, dass sie Komplimente bekommen, wenn sie ihre neuen Outfits tragen: Es lohnt sich also!

Wie oft möchten die Nutzer eine neue Box?
Die Häufigkeit orientiert sich am persönlichen Bedarf des Kunden. Die Stylistin meldet sich auch in regelmäßigen Abständen mit Outfit Vorschlägen bei ihren Kunden. D.h. Mann muss sich um nichts mehr kümmern, sondern kann sich darauf verlassen, dass die Stylistin das wie eine persönliche Assistentin übernimmt. D.h. sie sorgt dafür, dass man immer gut gekleidet ist und rechtzeitig den Kleiderschrank mit den passenden Looks für die jeweilige Saison oder Anlass füllt.

Wie verhindern Sie, dass ein solcher Kunde Outfits, die er schon einmal abgelehnt hat, nicht noch einmal bekommt?
Wir haben natürlich ausgetüftelte Systeme dahinter, die das verhindern. Die Stylisten beschäftigen sich genau mit der Historie des Kunden bevor sie ihm ein neues Outfit schickt. Das ist ja unser großer Vorteil: Der Kunde muss nur sagen „Bitte schick mir Shorts und Schuhe für den Sommer“ und wir wissen genau was ihm passt und ihm gefällt. Nirgends sonst kann man so einfach wiederbestellen.

Wer ist überhaupt die Zielgruppe von Outfittery: Nur gestresste Karriere-Männer, die keine Zeit für gar nichts haben?
Unsere Kunden sind Unternehmer, Berater, Banker oder Manager, die gut aussehen möchten, aber ihre Samstage lieber mit Freunden und Fußball verbringen als mit Shopping. Zu unseren Kunden gehören auch deutsche Schauspieler und Vampire, Stars aus dem Musical Tanz der Vampire, und wir haben bereits eine Outfittery-Box an den deutschen Bundestag geliefert.

Und wie lange hat ein Kunde dann Zeit, die Outfittery-Vorschläge zu sichten und zu entscheiden, was er behalten möchte und was nicht?
Ab Erhalt der Outfittery-Box hat der Kunde eine Woche lang Zeit, um seine Outfits anzuprobieren. Wir empfehlen zur Anprobe ein kühles Bier. Viele unserer Kunden machen dann zu Hause eine private Modenschau vor Freundin oder Familie.

Wie unterscheidet sich Outfittery von anderen Anbietern wie beispielsweise Modomoto?
Wir legen sehr viel Wert auf die persönliche Beratung. Im Vergleich zur Konkurrenz wird jeder Kunde bei seiner ersten Bestellung persönlich am Telefon individuell von seiner Stylistin beraten. Außerdem fokussieren wir uns auf den erfolgreichen Mann ab 30, Modomoto zielt eher auf eine jüngere Zielgruppe ab.

Mit Österreich nehmen Sie den ersten Auslandsmarkt in Angriff: Warum gerade Österreich?
Wir hatten schon viele Fans in Österreich, die lange darauf gewartet haben, dass Outfittery auch nach Österreich kommt. Außerdem bin ich selbst Österreicherin, da ergibt sich das ganz natürlich.

Blicken Sie bitte einmal zurück: Was ist im vergangenen Jahr so richtig schief gegangen?
Wir haben am Anfang ganz billige Versandkartons verwendet. Die sind dann halb auseinandergefallen beim Kunden angekommen. Mittlerweile haben wir sehr hochwertige Kartons in Kofferoptik, die gegen Wind und Wetter standhalten und dazu noch sehr stylisch aussehen.

Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach alles richtig gemacht?
Wir haben nie lange diskutiert, sondern immer alle Ideen direkt am Kunden A/B getestet. Das Feedback unserer Kunden hat uns geholfen, sehr schnell besser zu werden. Bei uns gewinnt nicht, wer am lautesten schreit, sondern wessen Idee am Ende die besseren Zahlen beim Kunden erzielt.

Wo steht Outfittery in einem Jahr?
In einem Jahr haben wir Outfittery als die neue Art des Männer Shoppings etabliert und machen international Männer mit unserem Service glücklich. Denn echte Männer lassen shoppen.

Hausbesuch bei Outfittery

ds-Haus- und Hoffotograf Andreas Lukoschek durfte sich Outfittery im August des vergangenen Jahres einmal ganz genau umsehen. Er fand neben dem erwähnten Bürohund, viele stylische Klamotten und zwei knutschende Mini-Schweine. Alle Eindrücke in unserer Fotogalerie.

ds_outfittery

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* Gründerinnen. „I have the time of my life“ – Anna Alex von Outfittery

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Stephan

    Ich habe gehört, dass Outfittery die Klamotten gar nicht selbst da hat sondern einfach nur für den Kunden bei Zalando bestellt. Stimmt das?



  2. Ben

    Ich habe ja gehört, dass der Service sehr gut sein soll – und kann mich dem auch nur anschließen. Hat ein bisschen länger gedauert, bis die Box dann da war, aber alles super gewesen. Und für diesen Extraservice, kann es auch mal die eine Mark extra sein.



  3. Daniel

    Man was für stillose Kunden müssen die haben,wofür verdienen die soviel geld um geschmacklose sachen zu kaufen ich glaub sowas kann nur in Deutschland gut funktionieren viel erfolg!



  4. Julien

    @Stephan: Interessanter Ansatz. Wäre natürlich genial vom Oli Samwer, wenn er hier über einen Zalando-Ableger nochmal mehr Kunden abgreift. Callcenter hingestellt und extra Versandkartons.
    Bestell doch mal dort und lass das Paket retour gehen, leg aber einen GPS-Peilsender rein.
    => Dann siehst du ja, wo es “wirklich” hingeht.



  5. Michi

    Die Sache mit Zalando stimmt. Da gibt es wohl einen Deal und Outfittery packt die Kisten einfach nur um! Ist natürlich schon hart, weil die “Stylisten” die Klamotten ja nie wirklich gesehen haben. Und bei Zalando bestellen kann ich auch selber!



  6. Anyonymps

    das mit zalando wäre lustig, könnte aber durchaus stimmen. anders macht es aber auch keinen sinn, die leute die so einen dienst in anspruch nehmen (welcher erwachsene mann kann sich bitte nicht selber einkleiden?!) merken auch nicht dass sie zalando 08/15 kleidung bekommen.



  7. Obelix

    Die AGB von Outfittery beinhalten übrigens keine ausreichende Belehrunge bezüglich Widerruf. Es heisst zwar “5.1. Nachstehend erhält der Kunde die gesetzlich erforderliche Belehrung über die Voraussetzungen und Folgen des Widerrufsrechts.” Aber wirklich viel kommt dann nicht mehr.

    Also: Husch, husch, bevor der erste Abmahn-Anwalt aktiv wird ;)



  8. Anwalt

    @Obelix: Danke für den Hinweis…werde mich bei den Mädels mal schriftlich melden :)



  9. Ivo

    Es ist doch super, wenn man sich Empfehlungen geben lassen kann. Ich halte mich selber für modisch interessiert, hab aber keine Lust und andere Prioritäten als meine Zeit auf shoppen zu verwenden. Vermutlich haben die meisten “hater” hier keine Kinder. Wie dem auch sei – das ist ja auch subjektiv.

    Objektiv macht es aber ne Menge Sinn die Ware nur in Kommission zu haben. Sonst würde sich der persönliche Aufwand wohl kaum rechnen lassen.

  10. Pingback: Berlin ValleyOnline-Nachrichten aus Berlin - vom 12. Juni 2013

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