Bundesregierung schenkt privaten Investoren 20 % ihrer Investitionssumme

Gute Nachrichten für Business Angels: Mit dem „Investitionszuschuss Wagniskapital“ will die Bundesregierung – wie bereits mehrfach angekündigt – private Investitionen in innovative deutsche Start-ups fördern. Nun geht das Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“, das vom […]
Bundesregierung schenkt privaten Investoren 20 % ihrer Investitionssumme

Gute Nachrichten für Business Angels: Mit dem „Investitionszuschuss Wagniskapital“ will die Bundesregierung – wie bereits mehrfach angekündigt – private Investitionen in innovative deutsche Start-ups fördern. Nun geht das Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“, das vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Zusammenarbeit mit Wagniskapital-Investoren entwickelt wurde, endlich an den Start.

Private Venture Capital-Geber bekommen pro Start-up 20 % ihrer Investitionssumme – bis zu einer Maximalsumme von 250.000 Euro – erstattet. Erste Einzelheiten zu diesem Programm, das mit 150 Millionen Euro dotiert ist, sind auf den Internetseiten der BAFA verfügbar. Flyer zum Investitionszuschuss Wagniskapital (PDF). Merkblatt für Investoren (PDF), Merkblatt für Unternehmen (PDF). Weitere Infos in der Richtlinie zur Bezuschussung von Wagniskapital privater Investoren für junge innovative Unternehmen (PDF).

“Start-ups auf die Beine helfen”

“Junge innovative Unternehmen mit neuen Marktideen sind Treiber unseres technischen Fortschritts. Diesen dynamischen Unternehmen fehlt es jedoch häufig an externen Finanzierungsquellen, Stichwort Wagniskapital. Deshalb mobilisieren wir mit unserem Investitionszuschuss Wagniskapital ab sofort zusätzliches privates Kapital. Damit können wir jungen innovativen Unternehmen und Start-ups auf die Beine helfen und verleihen der Business Angel-Szene in Deutschland Auftrieb”, sagt Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.

Die Eckpunkte des Programms: “Gefördert werden private Investoren (natürliche Personen), die Gesellschaftsanteile an jungen innovativen Unternehmen erwerben. Die Anteile müssen vollumfänglich an Chancen und Risiken beteiligt sein. Der private Investor erhält 20 % des Kaufpreises für den Anteilserwerb über den Zuschuss zurückerstattet – die Beteiligung muss für mindestens drei Jahre gehalten werden”. Der jeweilige Investor muss dem Start-up zudem mindestens 10.000 Euro investieren. Und weiter: “Ist die Zahlung des Kaufpreises an die Erreichung von Meilensteinen durch das Unternehmen geknüpft, muss jede einzelne Zahlung des Investors mindestens 10.000 Euro betragen. Jeder Investor kann pro Jahr Zuschüsse für Anteilskäufe in Höhe von bis zu 250.000 Euro beantragen. Pro Unternehmen können Anteile im Wert von bis zu 1 Million Euro pro Jahr bezuschusst werden”.

Wahnsinn

“Dass Business Angels profitieren, liegt auf der Hand”, schreibt Rechtsanwalt Christian Musfeldt in seinem Blog. “Dass Start-ups profitieren, liegt ebenfalls auf der Hand, aber ein Detail der Regelung muss einfach begeistern. Denn die Richtlinie sieht vor, dass nur “gewöhnliche, voll risikotragende Anteile an einer Kapitalgesellschaft” gefördert werden. Der Begriff wird in der Anlage A zur Richtlinie näher erklärt. Im Kern steckt dahinter, dass die Beteiligung zu marktüblichen Bedingungen erfolgen muss. Ist dies nicht der Fall, gibt es die 20 % nicht”. Konkret erwähnt seien Verwässerungsschutz und Erlösvorzug. Mit anderen Worten prüfe die BAFA, ob die Beteiligung des Business Angels marktüblich oder unfair zu seinen Gunsten ausfalle. “Wahnsinn!”, kommentiert Musfeldt diese Prüfstelle für “Deal Terms”. Wahnsinn lautet auch unser Fazit. Die Wirksamkeit des Investitionszuschusses Wagniskapital bleibt aber abzuwarten. Ein durchschlagender Erfolg wäre aber wünschenswert.

Foto: number 20 painted on pavement from Shutterstock



  1. Kai

    Offenbar folgt die Begeisterung über die BAFA als Prüfinstanz hinsichtlich der “Marktüblichkeit” dem Bild des bösen, auf seinen eigenen Vorteil fokussierten, Investors a la Gorden Gecko auf der einen Seite und dem armen, unbedarften und schützenswerten Gründer auf der anderen Seite?! Das geht an der Realität und der Praxis vorbei.

  2. Klingt mir ja sehr nach “Gummiparagraphen”, die sich je nach Bedarf interpretieren lassen. Man sollte also wohl besser im Blick behalten, ob hier wieder hauptsächlich gute Bekannte profitieren…



  3. Thorsten Meul

    Am Ziel(?) vorbei! Bzw. Diese Entscheidung hatte wohl nicht zum Ziel Innovationen zu fördern.

    Es gibt kaum bis kein Wagniskapital in Deutschland und daher brauchen diese Geldgeber derartige Geldgeschenke auch nicht. Es wäre sinnvoller gewesen diese Gelder direkt an die Gründer für “neue Ideen und Geschäftsmodelle” fliessen zu lassen, anstatt an der üblichen Geldpolitik (Ich gebe Geld an die, die eh Geld haben!) festzuhalten. Mal wieder typisch für diese Regierung. Ahnungslos im Tal der Ahnungslosen :-)



  4. Joe

    Unser Wirtschaftsminister hat ja in den letzen Monate viele Startups und deren Anteilseigner besucht und sich selbst ein Bild gemacht.

    Ich verstehe nicht, dass im Ergebnis privaten Investoren 20% einer Investitionssumme geschenkt wird.

    Der Motor im Unternehmen besteht aus deren Mitarbeitern und dem Gründerteam. Direkt hier ist eine Förderung vom der Bundesregierung zu platzieren, wenn Sie Innovationen in Deutschland direkt unterstützen möchte.

    Warum werden Dritte begünstigt, welche nicht einmal aktiv im Unternehmen mitarbeiten. Ein Investor, der Gänsehaut bei einer Geschäftsidee hat benötigt keine 20% vom Staat.

    Hier wird Steuergeld an natürliche Personen verschenkt. Was ist das in diesem Land nur für eine unfassbare Lobby.

  5. Wie man es auch immer bewerten mag, Zuschüsse sind immer auch an Anreiz und dies ist mal ein interessantes neues Programm. Ob es angenommen wird – das wird sich zeigen. Es gibt für Gründer und bestehende Unternehmen diverse Fördermittelprogramme für fast jede Phase.

  6. Schön, dass überhaupt in die unterstützende Richtung gearbeitet wurde. Allerdings setzt die Förderung tatsächlich an falscher Stelle an. Eine Wiedereinführung der Ich-AG oder ein allgemeiner Förderfonds für Gründer, die finanzielle Mittel bei Vorlage eines durchdachten und von mehreren Stellen geprüften Businessplans erhalten, wäre idealer.

  7. Pingback: Bundesregierung schenkt privaten Investoren 20 % ihrer Investitionssumme ‹ startupundvcnews



  8. steve

    würd mich interessieren, wie die vorr. für die 20% aussehen.. steht das wo?



  9. steve

    aja – grad mal im artikel geschaut… frage hat sich erledigt



  10. Kai

    @Thorsten: nach der Richtlinie zu dem Programm ist dessen Ziel die Förderung privater Investitionen durch Business Angel in innovative Unternehmen. Der Investor muss min. EUR 10k investieren, um die Förderung (EUR 2k) zu erhalten. Insgesamt stehen aus diesem Programm EUR 150 Mio. (=20%) zur Verfügung. Wenn der Topf voll ausgeschöpft wird, dann sind insgesamt EUR 750 Mio. investiert worden. Augenscheinlich mehr, als wenn die Fördersumme direkt an die Unternehmen gewährt wird.

    @Joe: geht man mit Thorsten davon aus, dass vermeintlich kein/kaum Venture Capital (privates Investitionsgeld) zur Verfügung stehe und man gedanklich unterstellt, dass Wirtschafsförderung nicht gänzlich vom Steuerzahler sondern zumindest auch (in erheblichem) Masse durch private Personen getragen werden sollte, so kann dieses Modell entsprechende Anreize setzen (@Dr. Schulte hat dies zutreffend angemerkt). Ich frage mich, wieviele Start-ups ohne Angel-Investoren, gar nicht erst entstanden sind oder zukünftig nicht entstehen. Die Investorenseite ist auch ein Aspekt erfolgreicher Unternehmen, die mit ihrem Beitrag dazu beitragen (allein auf die Gründer und Mitarbeiter abzustellen ist etwas romantisch). Ich denke, ein Investor, der Gänsehaut bei einem erfolgsbersprechenden Geschäftsmodell bekommt, macht seine Investitionsentscheidung nicht vom Zuschuss abhängig. Denkbar ist, dass er diesen Betrag zusätzlich investiert oder weitere Unternehmen unterstützen kann.

    @Fabio: das klingt nach einem ziemlichen und teuren Verwaltungsaufwand und Bürokratiemonster. Das vorliegende Förderprogramm lastet den Unternehmern keine Pflichten oder Verwaltungsaufwand auf. Das muss der Investor alles in seiner Sphäre erledigen. Das Unternehmen kann sich auf seine unternehmerische Tätigkeit konzentrieren. Auch Investoren werden die Geschäftsannahmen im ganz eigenen Interesse prüfen, warum also staatliche Ressourcen binden und lange Antragsprozesse forcieren?



  11. Thomas

    tja, ein weiterer Beleg für meine Theorie “Geld fällt nach oben”.

  12. Pingback: Silicon Valley Tour: Unterwegs mit Philipp Rösler – Artikel, Tweets, Fotos und mehr :: deutsche-startups.de

  13. Interessant ist ja auch, dass das völlig der Ideologie widerspricht, die die FDP mal angeblich hatte.



  14. steve

    ich kenne Business angels der FDP.. sind viele unterwegs dort ;)



  15. Thorsten Meul

    @Kai: Invesitionen in Copycats und sonstige Nullinnovationsaberhauptsachesichergeschäftsmodelle sind keine “Wagniskapitalgeber” und erst recht keine Innnovation. Trotzdem ist das Geld dann doch nur allzuoft durch völlige Inkompetenz (=Viel Kohle/Reichweite aber nix können!) verloren gegangen. Das Geld fließt hier mal wieder in die völlig falsche Richtung und wird wieder nur nach oben verteilt. Das ist ein völlig falsches Signal an die Gründer dieses Landes. Deutschland bildet sich hier etwas ein, was es definitiv nicht ist “Innovationsfreudig”. Danke du völlig schwachsinnige Politik/Regierung!

  16. Pingback: Der Investitionszuschuss Wagniskapital ist gut gemeint – muss aber mit weiteren Maßnahmen ergänzt werden :: deutsche-startups.de

  17. Pingback: Hunderte private Kapitalgeber beantragen Staatskohle – Nach 14 Tagen schon 35 Zusagen :: deutsche-startups.de

  18. Pingback: Wie miBaby vom brandneuen Investitionszuschuss profitiert: Angel erhöht sein Investment dank Staatskohle um 25 % :: deutsche-startups.de

  19. Pingback: Gründer wählen! #gehtwählen :: deutsche-startups.de



  20. BigBob

    Diese Idee ist gut gemeint, verkennt aber vollkommen die Ursachen für die Investitionsflaute. Es ist eben nicht das fehlende Investitionsvermögen, denn Vermögen gibt es reichlich in Deutschland. Vielmehr ist das Problem die Rendite-Erwartung der Kapitalgeber. Wenn ich erwarte, dass meine Investition 30% Rendite (in Anlehnung an Ackermanns legendäres Interview) bringt, dann finde ich garantiert Kreditgeber. Ein Zuschuss vom Staat braucht hier niemand. Wenn ich aber nur 2% Rendite bei dem Start-Up erwarte, im Finanzkasino aber von 50% Renditen ausgehe (ob das tatsächlich realistisch ist sei mal dahin gestellt, letztlich ist Glücksspiel ja ein Nullsummenspiel), dann wird niemand das Start-Up stützen, vollkommen egal wie hoch der staatliche Zuschuss ist. D.h. ein staatlicher Zuschuss ist nett gemeint, bringt aber nichts. Im schlimmsten Fall ist der Verwaltungsaufwand höher als der gesamtwirtschaftliche Nutzen.
    Die eigentliche Aufgabe von Politik wäre, die Rendite-Aussichten von Investoren in Deutschland zu verbessern. Und wo gibt es hohe realwirtschaftliche Rendite? Da gibt es zwei Faktoren: Kosten und Nachfrage. In China zu produzieren macht wegen der niedrigen Lohnstückkosten Sinn – aber auch nur, weil die Menschen im Westen das Geld haben, um die Produkte zu kaufen. Wenn wir alle Löhne wie die Chinesen hätten, könnte sich einfach NIEMAND mehr ein IPhone leisten. Kosten zu sparen, indem man an Löhnen spart, ist also eine Spirale ins Verderben denn damit bricht auch die Nachfrage weg. Ansonsten wären da noch die Energiekosten. Durch das Oligopol der Energieversorger gibt es keinen Wettbewerbsdruck, die Kosten zu senken. Und dank EEG-Umlage kann der Strompreis auch nicht sinken.
    Fazit: Wir brauchen steigende Reallöhne und kein Lohndumping. Außerdem brauchen wir eine Strafsteuer auf den Kohlestrom und nicht feste Preise für Ökostrom. Es soll einen Wettbewerb geben, wer die billigste saubere Energie erzeugt! Nur dann gibt es auch steigende Rendite-Erwartungen, die dann auch wieder Investitionen anziehen. Innovation und ehrliche Arbeit muss belohnt werden, nicht Ausbeutung. Und wenn diese Bedingungen geschaffen sind, dann investiert man auch gern in eine gute Idee von einem Start-Up.

  21. Pingback: Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Crowdfunding im Koalitionsvertrag: was heißt das für die Crowdfunding-Branche in Deutschland?

Aktuelle Meldungen

Alle