twago-Gründer Gunnar Berning tritt nach Streit über geplante Expansionspolitik ab

Überraschender Personalwechsel bei twago (www.twago.de): Gunnar Berning (siehe oben), Geschäftsführer und Gründer “wechselt in den Beirat des Unternehmens”. Die Mitgründer und Co-Geschäftsführer Maria Lindinger und Thomas Jajeh führen das Start-up künftig ohne Berning […]
twago-Gründer Gunnar Berning tritt nach Streit über geplante Expansionspolitik ab

Überraschender Personalwechsel bei twago (www.twago.de): Gunnar Berning (siehe oben), Geschäftsführer und Gründer “wechselt in den Beirat des Unternehmens”. Die Mitgründer und Co-Geschäftsführer Maria Lindinger und Thomas Jajeh führen das Start-up künftig ohne Berning weiter. Mit dem Mitgründer geht auch Kommunikationschef Christoph Burbes, der erst Ende des vergangenen Jahres bei twago anheuerte.

“Wir respektieren die Entscheidung von Gunnar Berning, auch wenn wir diese sehr bedauern. twago war Gunnar Berning – er steht für eine zuletzt sehr erfolgreiche Entwicklung mit dem besten Geschäftsjahr in 2012 seit dem Launch”, lassen sich die Mitgründer Lindinger und Jajeh zitieren. Über die Hintergründe des überraschenden Doppelabgangs und vor allem den Abgang von Berning verrät die offizielle Presseaussendung rein gar nichts. Was nicht anders zu erwarten war, aber angebracht gewesen wäre, immerhin war Berning der Kopf des Unternehmens. Zumindest geben die Mitstreiter noch einmal die Richtung vor: “twago war Gunnar Berning”.

“twago war Gunnar Berning”

Interessant ist dabei vielmehr, was nicht in der Presseaussendung steht: Keiner der twago-Investoren, zu denen der Gelbe Seiten-Verlag Euro Serve Media und der Media-for-Equity-Dienst GMPVC German Media Pool gehören, äußert sich zum Abgang. “Nachtigall ick hör dir trapsen”, wird jetzt der ein oder andere denken. Nach Informationen von deutsche-startups.de erfolgte die Trennung wegen “unterschiedlicher Auffassungen” über den Kurs des Unternehmens. Treibende Kraft war dabei Investor Euro Serve Media, der rund 40 % der twago-Anteile hält. Berning wollte die “weitere Expansion” von twago vorantreiben und auch Länder wie Brasilien angehen, Euro Serve Media dagegen lieber die “europäischen Kernmärkte” bearbeiten.

Was verwunderlich ist, immerhin dürfte schon beim Einstieg der weitere Kurs des Unternehmens besprochen worden sein. Immerhin wollte Berning die Millionenspritze aus dem vergangenen Jahr unter anderem in die “weitere Expansion” stecken. Auch Silicon Allee berichtet von diesen Unstimmigkeiten für den Abgang von Berning: “Silicon Allee understands that the move was sparked by a change of tack from investor and shareholder Euro Serve Media, which wants the company to focus its efforts on Europe rather than seek aggressive expansion into emerging markets, something Berning had been pushing for. Unseren Informationen zufolge geht diesem investorengetriebenen Strategiewechsel auch eine Entlassungswelle auf twago nieder: Zwischen 20 und 30 Mitarbeiter müssen das Unternehmen demnach verlassen. Zuletzt beschäftigte twago rund 60 Mitarbeiter. Die Zielsetzung dieser Schrumpfkur ist eindeutig: twago soll in seinen Kernmärkten profitabel werden.

Tüpfelchen auf dem I

Momentan ist twago in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Spanien vertreten. “Wir entwickeln uns in unseren Kernmärkten deutlich schneller als alle US-Wettbewerber und wollen diese gute Marktposition weiter ausbauen“, sagte Berning im vergangenen JAhr. Das Start-up vermittelt Dienstleistungen an deutsche und internationale Experten. Firmen stellen bei twago Projekte ein, Dienstleister auf der ganzen Welt geben Angebote ab. Am Ende entscheidet sich der Kunde für einen Anbieter. Zu den Experten, die twago vermittelt, gehören Programmierer, Designer und Unternehmensdienstleister. Ein Modell auf das beispielsweise auch Elance (www.elance.com) setzt.

Dass auch Christoph Burbes, Director PR & Communications bei twago, geht, ist quasi das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem I. Sein Ausstieg hängt komplett mit Bernings Abgang und der Abkehr von der Expansionsstrategie zusammen. Seine Jobbeschreibung sah offenbar vor wenigen Wochen noch komplett anders aus, als es die Investoren nun vorschreiben. Bitter ist in diesem Zusammenhang für Berning sicherlich, dass er sich die Zukunft für twago nach der überstandenen Insolvenz sicherlich ganz anders vorgestellt hatte – und dachte die passenden Investoren für diese Strategie gefunden zu haben.

Hausbesuch bei twago

ds_twago

ds-Haus- und Hoffotograf Andreas Lukoschek durfte sich im Sommer des vergangenen Jahres beim Berliner Start-up twago einmal ganz genau umsehen. Er fand Firmengründer, die ihre Mitarbeiter füttern, Anti-Zickenspray und mehrere dicke Autos. Einige Eindrücke der twago-Welt gibt es in unserer kleinen, aber feinen Fotogalerie.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  1. Wichtiges Update eingefügt:

    Unseren Informationen zufolge geht diesem investorengetriebenen Strategiewechsel auch eine Entlassungswelle auf twago nieder: Zwischen 20 und 30 Mitarbeiter müssen das Unternehmen demnach verlassen. Zuletzt beschäftigte twago rund 60 Mitarbeiter.



  2. Petra Panther

    Euphemisms rock!
    Lieber Alexander: wäre es nach der Nachrichtenergänzung nicht besser und angebrachter, den Titel zu ändern?

    Die Formulierung “tritt nach Streit über geplante Expansionspolitik ab” verklärt ja die Lage etwas. Grund des Rücktritts wird nicht die Expansionspolitik sein, sondern die harte Konsolidierung, die damit verbundenen Einschnitte und Kündigungen. Man kann zwar alles durch das Gegenteil ausdrücken, aber trifft damit nicht den Punkt.

  3. Pingback: Twago-Gründer vor dem Exit: Geld und Geist gehen getrennte Wege | Crosswater Job Guide



  4. Tom

    Absolut nachvollziehbar, dass bei Twago mal ne Konsolidierung fällig ist. Wer weiter ständig auf Gelder von Gesellschaftern, trotz ordentlichen Funding, angewiesen ist, sollte sich mal fragen, ob man mit seinen 60!!!!!! Mitarbeitern wirklich das richtige tut. Zumal die goldenen Positionen in dem Markt bereits mit lokalen und vorallem internationalen Playern gut besetzt sind.

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