Gründerinnen ‘Bitte keine Schokolade’ – Corinna Powalla von Modomoto

Als die Frau, die Männer anzieht, muss man Corinna Powalla wohl bezeichnen. Denn nicht weniger als das macht die Gründerin von Modomoto Tag für Tag. Entstanden sei die Idee zum Curated Shopping Dienst für […]
‘Bitte keine Schokolade’ – Corinna Powalla von Modomoto

Als die Frau, die Männer anzieht, muss man Corinna Powalla wohl bezeichnen. Denn nicht weniger als das macht die Gründerin von Modomoto Tag für Tag. Entstanden sei die Idee zum Curated Shopping Dienst für den Mann nicht zuletzt wegen ihrer Erfahrung in den Herrenabteilungen. „Männer haben einfach keine Lust, zig Hosen, Hemden und Sakkos anzuprobieren“, sagt sie.

Einmal zu oft schon musste sie ihren Partner auf erfolglosen Shoppingtouren begleiten. Mit Modomoto hat Powalla den richtigen Riecher gehabt. Das Unternehmen floriert, täglich wenden sich hilfesuchend Männer an das Designerteam von Modomoto. Ihre Bitte: „Zieht mich endlich gescheit an!“

Corinna Powalla liebt selbst eher den Casual-Look. Schick, aber gemütlich. So lange ihre Lippen knallrot geschminkt sind, fühlt sie sich wohl und hebt daher mit ihrem Style auch nicht aus der Menge der Mitarbeiter heraus. Ein eigenes Büro hat sie nicht und vermisst es auch nicht. Sie sitzt liebe unter all den Angestellten ihrer Firma in einem Großraumbüro und schnackt mal in die eine, mal in die andere Richtung. „Der Austausch mit den Mitarbeitern ist unglaublich wichtig. Auch für das Betriebsklima“, sagt sie. Viel wird dabei natürlich über Mode und die neuesten Trends undAccessoires gequatscht, aber davon verstünden andere mehr als sie, behauptet sie.

Erst einmal ab in die weite Welt

Die studierte Betriebswirtschaftlerin aus Freiburg hat ihren Berufsweg im Eildurchgang absolviert. So würde sie das zwar niemals sehen, aber wer bedenkt, dass Powalla gerade erst in den 30ern angekommen ist, staunt. Selbst aus einem Bänkerhaushalt kommend kam es ihr zunächst gar nicht in den Sinn, etwas mit Rechnen zu machen. Und das, obwohl sie sagt: „Ja, mit Zahlen hatte ich es irgendwie schon immer“. Sie lacht und datiert mal eben so nebenbei die wichtigsten Stationen ihres Lebens aus dem Kopf: Abitur, Abgabe der Diplomarbeit und weitere erstaunliche Hürden. Alle hat sie bislang mit Leichtigkeit gemeistert. So wirkt es jedenfalls.

Nur als sie den Brief der Vergabestelle ihres Studienplatzes erhielt, musste sie schlucken. „Berlin wäre meine Traumstadt gewesen.“ Sie war eben aus Australien zurückgekommen, hatte ein Jahr lang Down Under bereist, dort gelebt, gearbeitet und einfach genossen. „Und dann das“, sagt sie noch heute fast erschrocken. Statt großer, weiter Welt plötzlich Provinz. Universität Freiberg. „Da habe ich mir erst einmal einen Atlas besorgt und geschaut, wo das überhaupt ist“, sagt Powalla.

Eine schöne Zeit sei es dennoch dann irgendwie geworden. „Ist halt überschaubar dort“, sagt sie, „aber für eine kurze Zeit kann das ja auch mal ganz lustig sein“ und lacht ihr Lachen, die Lippen noch immer rot geschminkt. „War ja nicht für immer!“ Der Umzug kam dann schnell. Ab nach Berlin, endlich. Die Technische Universität ist stolz auf ihre Absolventin, auf die Gründerin, die es geschafft hat. Denn, so bemängelt sie, noch immer würden Studenten für das Angestelltenverhältnis ausgebildet, nicht für die Gründung.

Powallas Lebensplan sah die Festanstellung nie vor. Sie habe immer gewusst, sich irgendwann einmal selbstständig machen zu wollen. „Mir war immer klar, dass ich mein eigenes Ding machen und nicht in starren Hierarchien versacken wollte“, sagt sie rückblickend. Doch obwohl sie bereits eine ganze Weile mit ihrer Gründungsidee schwanger ging, schnupperte Powalla zunächst brav Unternehmerluft bei Coca-Cola, bewarb sich dann aber bei MisterSpex als Praktikantin und wurde im Eilverfahren eingestellt. „Dieses unkomplizierte Unternehmerdenken hat mir unglaublich imponiert und mich sehr beeinflusst“, sagt sie und blickt immer noch gerne an ihre ersten Schritte in der Start-up Welt zurück. Flache Strukturen, die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen und schnell nach oben zu kommen – das ist ihr Ding!

“Männer sind eitel, aber Frauen zu eigen”

Mit dem Chefposten bei Modomoto ist ihr das auch gut gelungen. Zum Preis, dass sie viel arbeitet, sehr viel arbeitet. Vor allem wieder einmal jetzt, denn das Unternehmen wächst und gedeiht. Erst im Winter wurden neue Räumlichkeiten angemietet, die zunächst riesig wirkten. Aber bereits nach wenigen Wochen zeigte sich, dass der Umzug eine gute Entscheidung gewesen war. Über die genaue Anzahl der täglich verschickten Kleiderpakete schweigt sich die Unternehmensgründerin aus. Lächelt dabei allerdings so viel sagend, dass sie nicht unzufrieden damit sein kann.

Und wer ist denn jetzt eigentlich so der typische Modomoto-Mann? Etwa der athletische Typ, Sixpack Marke Profisportler? „Ja, das wird zwar gerne behauptet, aber die Körpermaßen sprechen dabei eine andere Sprache“, weiß sie. Da würde aus einer erwünschten Hosengröße L gerne eine XL oder XXL – vorrätig haben die Einkäufer von Modomoto jedenfalls alle Größen. „Und das danken uns die Männer wirklich sehr“ und Powalla erzählt von den oftmals sehr persönlichen Dankesbriefen und Sympathiebekundungen der Herren.

Fotos im neuen Styling seien das, Bilder mit dem Nachwuchs oder mit schnuckligen Haustierchen in der Modomoto-Kiste. Gerne auch einmal Schokolade, aber das sei „im Sommer wirklich keine gute Idee“, sagt die Gründerin. Denn nach der Retoure wird die Kleidung umverpackt, weitergeschickt oder geht an die Händler zurück.

„Wir wollen, dass der Kunde zufrieden ist“, sagt Powalla und es scheint ihr zu gelingen, „das zeigt sich vor allem doch daran, dass viele Männer immer wieder bestellen und ihre persönliche Modeberaterin einfordern.“ Eine Übertragung des Curated-Shopping-Konzeptes von Modomoto für die Frau ist aber dennoch vorerst nicht geplant. „Für die Frauen stelle ich mir dieses Modell höchst komplex vor, dafür muss man ganz viele Nerven haben. Männer sind eitel, aber Frauen sind in Sachen Mode einfach zu eigen.“

Im Fokus: Weitere Porträts über Netzmenschen gibt es in unserem Special Gründer-Porträts

Hausbesuch bei Modomoto

Auf vielen Quadratmetern stapeln sich im Berliner Trendbezirk Kreuzberg Regalmeter um Regalmeter Jeans, Pullis und Hemden namhafter Markenhersteller für all jene Herren, denen Einkleiden in den engen Umkleidekabinen einfach keinen Spaß mehr macht. deutsche-startups.de sammelte in seiner Fotogalerie einige Eindrücke bei Modomoto.

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* 15 Fragen an Corinna Powalla von Modomoto

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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