Samwer-Brüder wollen laut vertraulichen Unterlagen H&M “in die zweite Reihe drängen” und Ikea “abhängen”

Das Manager Magazin enthüllt sich seiner neuesten Ausgabe (ab Freitag am Kiosk) streng vertrauliche Papiere aus dem Hause Rocket Internet. Kern dieser Geheimpapiere, bei denen es sich um banale Investorenunterlagen handelt, sind die […]
Samwer-Brüder wollen laut vertraulichen Unterlagen H&M “in die zweite Reihe drängen” und Ikea “abhängen”
  • Von Alexander Hüsing
    Donnerstag, 18. April 2013
  • 21 Kommentare
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Das Manager Magazin enthüllt sich seiner neuesten Ausgabe (ab Freitag am Kiosk) streng vertrauliche Papiere aus dem Hause Rocket Internet. Kern dieser Geheimpapiere, bei denen es sich um banale Investorenunterlagen handelt, sind die unglaublichen Wachstumsfantasien des Berliner Inkubators, der seit einigen Jahren weltweit dutzende E-Commerce-Projekte hochzieht und mit viel viel Kohle ausstattet.

Binnen drei bis fünf Jahren sollen die Samwer-Brüder, auch an ds beteiligt, demnach “mit fast jedem ihrer zahlreichen internationalen E-Commerce-Start-ups in die Milliardenumsatzliga vorzustoßen und dann zweistellige Umsatzrenditen zu erwirtschaften”. Der südamerikanische Online-Shop dafiti (www.dafiti.com.br) soll laut dem Bericht im Jahr 2016 schon rund zwei Milliarden Euro Erlöse (2012: 91 Millionen) einspielen. Die russische Zalando-Version Lamoda (www.lamoda.ru) wiederum soll 2016 rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz (2012: 45 Millionen) einspielen. Die lateinamerikanische Amazon-Kopie Linio (www.linio.com) schließlich soll 2017 einen Ertrag von 281 Millionen Euro einfahren.

“Milliardenumsatzliga” ist das Ziel

“Eine angenommene Umsatzrendite von 12 %. Zum Vergleich: Das amerikanische Original Amazon brachte es im vergangenen Jahr auf gut 1,1 %”, schreibt das Manager Magazin. Zum Vergleich noch einmal ein Blick auf zalando (www.zalando.de): Der deutsche Schuh- und Modeshop erwirtschaftete 2012: 1,15 Milliarden Euro Umsatz; der Verlust summierte sich auf 90 Millionen Euro – siehe “Zalando steigert Umsatz auf 1,15 Milliarden Euro; Break-Even in DACH-Region“.

Wie immer finden Oliver, Marc und Alexander Samwer in ihren Investorenunterlagen markige Worte für ihre Pläne: Die erfolgreichen Modeketten Zara und H&M wolle man in die zweite Reihe drängen, den Möbelgiganten Ikea gar “abhängen”, schreiben die Samwers laut Wirtschaftsblatt an ihre potentielle Geldgeber. Zumindest sind keine “Blitzkrieg” und Blutmetaphern unter den Ausführungen. Oliver Samwer ist bekanntlich der “aggressivste Typ auf der Welt”. “Ich würde sterben, um zu gewinnen, und ich erwarte dasselbe von euch!”, schrieb er 2011 in einer E-Mail.

Neue Investoren für das Rocket-Reich

Das Manager Magazin liefert abschließend noch eine Liste mit zahlreichen Investoren, die “dem Ruf der Samwers bereits gefolgt seien”. Der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal investierte demnach fünf Millionen Euro in die Zalando-Ableger in Lateinamerika, Indien, Russland und Nahost. Kurt-Rudolf Schwarz, der Erbe der deutschen Pharmadynastie Schwarz, investierte 10 Millionen Euro. Und der ukrainische Milliardär Victor Pinchuk 15 Millionen Euro.
Der kolumbianische Finanzmanager und Biermagnat Alejandro Santo Domingo zu guter letzt investierte 25 Millionen Euro in Dafiti. Für Rocket-Verhältnisse alles eher kleinere Investments, immerhin investierte alleine Kinnevik in den vergangenen Jahren 1,1 Milliarden Euro in das weltweite Rocket Internet-Imperium. Auf dem IdeaLab rühmte sich Oliver Samwer im vergangenen Jahr damit, dass er 2012 satte 750 Millionen US-Dollar eingesammelt habe. Und wie zu sehen ist, haben die drei Brüder noch immer Hunger auf mehr.

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Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Matthias

    Ich habe vor kurzem mal aus Interesse bei H&M Online bestellt. Der Service ist für ein Unternehmen dieser Größe schon irgendwie mies. Wenn der Offline-Markt nicht wäre…

    Ob man Ikea mit einem Onlineshop abhängen kann glaube ich aber kaum… Große Möbel möchte ich jedenfalls nicht kaufen ohne das Teil vorher gesehen zu haben…



  2. Sebastian

    Ich möchte auch die Weltherrschaft, aber das ist nicht vertraulich.



  3. Hubertchen

    Höchste Zeit für eine Köttbullar Kopie.



  4. Risikor

    @Peter M.: Die Samwers sind dabei, die weltgrößten E-Commerce Unternehmer zu werden. Klar, da man diesen Erfolg gar nicht sachlich (!) kritisieren kann, kommen so kindische Kommentare. DAS ist süß :)
    @Matthias: IKEA ist ein etwas besserer Showroom wo eine (von 20) Variante(n) eines Produkts ausgestellt wird und ich mir meine Möbel selbst aus dem Regal holen muss.
    Oder Versandkosten von 70 € für ein Billy-Regal.
    Es gibt wahrlich keinen Grund, IKEA Möbel nicht online zu bestellen.
    Ein Rolf Benz Sofa für 6 tausend will ich schon Probesitzen, aber ein Billyregal kauf ich auch so.



  5. Toto

    Geld verbrennen kann jeder. Die Frage ist, wenn denen mal das Fremdgeld ausgeht. Bisher haben die zwar ein gutes Umsatzwachstum, aber die Kosten sind ja noch Höher für Werbung usw. Die Frage ist, wie hoch ist der Umsatz ohne diese. Ich denke der wird radikal zusammenschmelzen.



  6. Matthias

    Ich glaube das den Samwers. Dass die “Märchen erzählen” ist nicht bekannt und die Investoren rennen denen sowieso die Bude ein. Geld ist genug vorhanden und Erfolg haben sie zur Genüge gehabt.

    Das schaffen die.



  7. Mr. West

    je nachdem wie sich der erfolg der samwers weiter entwickelt, werden sie wahrscheinlich früher oder später plätze in bwl lehrbüchern einnehmen, bzw. die “samwer art” wird teil von uni bwl vorlesungen.



  8. Bernd

    Die Samwers sind schon genial. Sie lassen IKEA erst einmal richtig fett werden, um dann zu attackieren.

  9. Die Frage ist ob sie mit den anderen Projekten auch so “erfolgreich” sein werden wie mit Zalando. Klar fahren sie aktuell kein oder wenig Gewinn ein, es geht ihnen doch auch um Wachstum noch nicht ums Geld verdienen. Wachstum kostet immer Geld!
    Die Frage wird sein, wie viel Gewinn bleibt übrig wenn sie die Werbekosten etc. runterfahren und wie gut werden dann die schwarzen Zahlen sein und ob sie genau das gleiche Modell auch auf andere Projekte kopieren können.



  10. Zwergnase

    Mir würde es ja schon reichen, so groß wie z.B. Dirk Nowitzki zu sein.



  11. Dieter

    Da kann sich Toyota schonmal warm anziehen, sobald die Samwers den Automobilmarkt als Zukunftsmarkt auswählen, hui, dann gehts rund.



  12. Hubertchen

    Das beste an der ganzen Meldung ist der Vertraulichkeitshinweis. Das ist ja an Slapstick nicht mehr zu überbieten.



  13. Julien

    Dass sie Investoren von Weltrang (z.B. Mittal) im Rücken haben, ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen.
    Zwar hat er bislang nur Peanuts reingesteckt, aber unterschätzt nicht die Macht eines solchen Players. Mit ihm im Rücken können Sie locker den Möbelmarkt in Indien plattmachen.
    Zieht euch warm an, ihr kleinen Würstchen, so erfolgreich wie die Samwers werdet ihr in 100 Leben nicht :-)



  14. TheRiddler

    @Hubertchen
    bitte nicht weiter sagen…!

  15. Pingback: Rocket Internet: Die größten Geldgeber der Samwer-Brüder :: deutsche-startups.de

  16. Pingback: Oliver Samwer: “We are indeed very innovative when it comes to the execution” :: deutsche-startups.de

  17. eins muss man Ihnen ja lassen..die bisherigen Projekte waren ja meist erfolgreich. Trotzdem ist das ne Ansage die irgendwie an den Turmbau zu Babel erinnert…wenn Sie sich da mal nicht verheben…

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