“Ich werde keine UG mehr gründen” – 15 Fragen an Coskun Tuna von rankseller

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ich will nicht mit banalen Antworten kommen wie: weil es mir wichtig ist, Verantwortung für Kunden und Mitarbeiter zu tragen, für die Gesellschaft einen […]
“Ich werde keine UG mehr gründen” – 15 Fragen an Coskun Tuna von rankseller

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich will nicht mit banalen Antworten kommen wie: weil es mir wichtig ist, Verantwortung für Kunden und Mitarbeiter zu tragen, für die Gesellschaft einen Beitrag zu leisten, Vorbild zu sein und so weiter. Das sind Dinge, die ich als Unternehmer voraussetze und sie daher nicht als elementar für mein Chef-Sein ansehe. Für mich ist es zum Beispiel wichtig, Zeit zu haben.

Das ist nicht nur gut für mein Privatleben, sondern auch für meine unternehmerischen Aktivitäten. Außerdem schätze ich es, Entscheidungen fällen zu können. Als Polizeibeamter, noch vor 13 Jahren, durfte ich mich nur in festen Strukturen bewegen. Das kann ich mit meinen eigenen Unternehmungen anders handhaben. So kann ich auch mal Grenzen überschreiten und aus dem Rahmen fallen. Letztendlich begeistert es mich am meisten, einfach machen zu können, ohne mir vorher eine Erlaubnis dafür einholen zu müssen. Dadurch entsteht großes Potenzial, überraschende Ideen umzusetzen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Seit 2007 vermarkte ich über meine beUnity GmbH Blogs und konnte in diesem Umfeld jede Menge Erfahrungen sammeln. Mein Gründungspartner Cevahir Ejder suchte für seine eigenen Projekte Blogs, fand aber den Rechercheaufwand dafür viel zu hoch. Dabei stieß er auf mich und fragte 2011 ganz spontan, was ich davon halte, einen Marktplatz zu schaffen, der Blogger und Advertiser zusammenbringt und die Abwicklung automatisiert. Anfänglich war ich noch etwas zögerlich, aber seine Begeisterung und der Glaube daran, dass wir mit dieser Idee etwas „Großes“ entwickeln können, überzeugten mich. Und so machten wir uns an die Arbeit. Im Januar 2012 ist der Marktplatz dann an den Start gegangen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Ich selbst hatte durch den Verkauf von Mitfahrzentrale.de etwas Geld verdient und Cevahir Ejder brachte private Mittel ein, so dass wir den Launch von rankseller mit unserem eigenen Geld finanzieren konnten. Im Juli sammelten wir über Seedmatch 100.000 Euro ein und seit Februar ist ein Finanzier mit an Bord.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Vor allem die räumliche Distanz. Cevahir lebt und arbeitet in Düsseldorf und ich in Berlin. Wir hatten uns in den acht Monaten bis zum Kick-Off nur ein paar Mal persönlich getroffen und kannten uns vorher nicht. Die Kommunikation fand fast ausschließlich per Telefon und Skype statt. Zudem war er in einem anderen Unternehmen fest angestellt und ich mit der Geschäftsführung meiner eigenen Firma beschäftigt. Wir verwirklichten rankseller also mehr oder weniger nebenbei. Das lief so von Mai 2011 bis Ende Februar dieses Jahres.

Erst seit März sind wir tatsächlich zu 100 % aktiv in unserem Startup und beschäftigen aktuell – uns eingerechnet – 13 Leute. Der Vorteil der Zusammenarbeit auf Distanz war, dass wir nur wenig Zeit hatten und immer gleich zur Sache kommen mussten, wenn wir uns trafen oder telefonierten. Das machte die Zusammenarbeit wahnsinnig effizient.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Nicht viel, das meiste hat glücklicherweise gepasst. Bis auf, dass ich keine UG mehr gründen werde. Das ist im Nachhinein nervig, weil die Umwandlung in eine GmbH nicht einfach mal ohne unnötige Kosten mitten im Geschäftsjahr erfolgen kann. Wir hätten diesen Schritt gerne schon viel früher gemacht.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Ganz klar: Content-Marketing und Netzwerkarbeit. Wir konnten mit Maren Fliegner von m3 PR eine gute PR lancieren, wodurch wir im Startmonat hohe Zugriffszahlen erzielten. Zudem hatten wir bereits durch unsere Xing-Gruppe und mein Unternehmen Kunden sowie ein Blogportfolio, so dass wir gleich kurz nach dem Launch den ersten Umsatz erzielen konnten.

Bei der Entwicklung des Marktplatzes haben wir den Bedürfnissen der Advertiser und Blogger oberste Priorität eingeräumt. Wir reagierten umgehend auf Kritiken und Anregungen, indem wir diese beim nächsten Update in die Tat umsetzten. So gelang es uns, durch den guten Support und die Reaktionsschnelligkeit in beiden Zielgruppen Empfehlungen zu generieren und die Aufmerksamkeit dadurch früh auf unser Produkt zu richten. Vor allem profitieren wir aber von dem Umstand, dass der Bereich der Blog Vermarktung noch in den Kinderschuhen steckt und die Bloggerszene sich über Neuigkeiten freut und darüber berichtet.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Wir haben in unserem Umfeld Geschäftspartner und Freunde zum Texting, zur Usability und zur Netzwerkarbeit befragt. An dieser Stelle jemanden herauszugreifen, würde anderen Unterstützern nicht gerecht werden, da sie alle ihren Anteil am Erfolg von rankseller haben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
1. Mach´s am Anfang mit deinem eigenen Geld!
2. Mach nicht alles selbst – kaufe dir Leistungen extern günstig ein.
3. Mach einfach.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Wünschen? Ich fordere vom Bundesminister, dass Existenzgründer die ersten drei Jahre vom Finanzamt verschont bleiben. Dass jeder, der Geld verdient, auch Steuern zahlen soll, ist ja klar. Aber wenn ich sehe, wie global agierende Unternehmen zum Teil Ministeuern zahlen, obwohl sie Milliarden umsetzen, finde ich das nicht fair.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich glaube ich wäre nach wie vor Polizeibeamter in Bonn. Der Job war schon geil und hat richtig Spaß gemacht. Vor allem als Personenschützer in einem Panzerwagen mit der Schutzperson durch ganz Deutschland zu fahren, war etwas Besonderes. Das vermisse ich manchmal.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Schwierige Frage. Ich hatte gehofft, nur 14 Fragen gestellt zu bekommen. Es gibt so einige, die ich spannend finde, wüsste aber nicht, wo ich mal Mäuschen spielen wollen würde. Mir wäre es lieber, in etablierte Unternehmen reinzuschnuppern, da ich das Startup-Flair ja täglich erlebe.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Anfang 1900 zu Henry Ford. Das muss eine unglaublich verrückte Zeit gewesen sein. Es ratterte, knatterte und stank vermutlich überall nach Öl. Hektisches Treiben und Aufbruchstimmung. Außerdem finde ich die Mode dieser Zeit cool.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Gut, dass es persönlich zur Verfügung steht. Deshalb gehe ich damit auch ganz persönlich um.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Später aufstehen, lange frühstücken und mit meinem kleinen Sohn Kräfte messen. Mit meiner Frau werden Ausflugspläne geschmiedet, umgesetzt und danach ganz gemütlich ein Film geguckt.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Frau Merkel auf ein oder zwei Kaffee und mit Herrn Döpfner auf ein Bier. Wenn einer von beiden meine Antworten liest: Ich habe Zeit.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Coskun Tuna, vormals Polizist, ist seit Ende 1999 als Gründer unterwegs. Neben eigenen Gründungen ist er mit kleineren Beteiligungen als Business-Angel aktiv. rankseller International UG (www.rankseller.de) ist seine aktuellste Gründung mit Cevahir Ejder zusammen, die innerhalb eines Jahres eine erfolgreiche Entwicklung hinlegte und sich nun zur Internationalisierung anschickt.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.



  1. hahaha

    > fordere, dass Existenzgründer die ersten drei Jahre vom Finanzamt verschont bleiben.

    …was soll die dumme Polemik? Möchte mal ein Berliner Startup sehen, was in den ersten drei Jahren profitabel ist. Steuern sind in Deutschland in % vom Ergebnis nach Zinsen. Wer wenig verdient zahlt wenig, wer nichts verdient zahlt nichts. Aber ist wohl so eine Gemeinsamkeit vieler Berliner Gründer, dass sie mit Prozentzahlen nicht so gut umgehen können (sei es beim zu frühen Verkauf von Anteilen an Investoren bis zur Steuerberechnung).

  2. Es gibt genügend Startups die in den ersten Jahren Geld verdienen – vielleicht nicht gerade Internet Startups die irgendeine Idee aus den USA kopieren – genügend gibt es trotzdem. Für diese ist das sicherlich eine Belastung und genau diese hat Coskun gemeint.

  3. Aber so ganz unrecht hat er mit seiner Aussage im Grundsatz auch nicht. Wenn man sieht wie Global operierende Unternehmen sich ihre Gewinne kleinrechnen, dann treibt es einem normalen Mittelständler schon die Tränen in die Augen. Der Mittelständler bleibt auf seinen Steuern zum Teil 1 zu 1 sitzen und kann sich nicht Arm rechnen wie gewisse Dax-Unternehmen. Das ist dann schon nicht Fair, aber in der Wirtschaft geht es halt leider selten Fair zu, es gilt halt, wer das Geld hat, hat auch die Macht Dinge zu tun die andere nicht können. Das sollte von der Politik viel mehr verhindert werden, dann hätten wir auch weniger finanzielle Sorgen in Europa.

  4. @hahaha Das Thema Finanzamt ist keine dumme Polemik. Coskun will damit sicher nicht zum Ausdruck bringen, dass er keine Steuern bezahlen will. Es geht hier vielmehr um den üblichen Terror. Das fängt bei der Vergabe einer Steuernummer an und hört bei etlichen verlangten Nachweisen (Gewerbemietvertrag, Handelsregisterauszug beim Umzug, etc) noch längt nicht auf.

    Polemisch ist da schon eher der Titel des Beitrags. Er zieht das Thema UG durchaus runter und wird einem reichweitenstarken Medium wie deutsche-startups nicht wirklich gerecht. Dadurch wird der durchaus interessante Beitrag auf einen der unwichtigsten Punkte reduziert. Denn so aufwändig ist die Umfirmierung nicht, oder um auf die Gängelei mit dem Finanzamt zurückzukommen: Ich muss schon bei einem einfachen Umzug zum Notar zum Handelsregister und zum Gewerbeamt. Bei der Umwandlung verhält es sich ähnlich. Die Kosten bei der Umfirmierung richten sich nach der Erhöhung des Stammkapitals, wären also ohnehin fällig geworden, wenn man direkt eine GmbH gegründet hätte.

  5. Selbst wenn ein Satzzeichen im Gesellschaftervertrag geändert wird, ist der Gang zum Notar fällig ;).

    Zur UG/GmbH Umwandlung: Die Kosten für einen Wirtschaftsprüfer sind eigentlich überschaubar. Ansonsten einfach privat das EK erhöhen oder wenn das steuerlich zu weh tut dem eigenen Unternehmen ein Darlehen gewähren.

  6. Stimme Cos da komplett zu. Wenn das Stammkapital durch Rücklagen gebildet wurde (wie es ja auch eigentlich Sinn und Zweck ist) dann ist die Prüfung der Bilanz schon ein finanzieller Aufwand der an anderer Stelle besser verwendet werden könnte.

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