secure.me insolvent – Sicherheitsdienst für Facebook steht vor dem Aus

EXKLUSIV Seit dem Start im Jahre 2007 wandelte sich das Münchner Unternehmen myON-ID vom gleichnamigen Reputationsdienst, der 2012 eingestellt wurde, zum Sicherheitsexperten secure.me (www.secure.me), einer Plattform, mit der Nutzer ihre Privatsphäre auf Facebook […]
secure.me insolvent – Sicherheitsdienst für Facebook steht vor dem Aus

EXKLUSIV Seit dem Start im Jahre 2007 wandelte sich das Münchner Unternehmen myON-ID vom gleichnamigen Reputationsdienst, der 2012 eingestellt wurde, zum Sicherheitsexperten secure.me (www.secure.me), einer Plattform, mit der Nutzer ihre Privatsphäre auf Facebook schützen können. Nun steht das Unternehmen vor dem Aus: Mitgründer Mario Grobholz musste einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen.

Wie aus dem Umfeld des Unternehmen zu hören ist, befand sich das Start-up seit knapp einem halben Jahr in “intensiven Verkaufsgesprächen mit einigen renommierten, internationalen Securityanbietern”. Leider konnten diese Verhandlungen bisher nicht zum Abschluss gebracht werden. Weswegen Grobholz und Co. nichts weiter übrig blieb, als den Umweg über ein Insolvenzverfahren zu suchen – unter anderem, um Liquiditätsprobleme erst gar nicht entstehen zu lassen. Und auch “aus Verantwortung gegenüber Gläubigern, Investoren und Mitarbeitern” – wie secure.me-Macher Grobholz gegenüber deutsche-startups.de sagt. Nun hoffen die Bajuwaren, dass die Verkaufsgespräche trotz der neuen Lage bald zum Abschluss gebracht werden können. Zu wünschen wäre es, eine Insolvenz ist schließlich kein Fiasko, eher eine Chance zum Neuanfang, die in letzter Zeit auch einige Start-ups genutzt haben.

T-Venture, Bayern Kapital und Co. investierten in secure.me

Der myON-ID-Nachfolger secure.me ging im November 2011 in zehn Sprachen an den Start. “Welcher globale Bedarf sich in den vergangenen beiden Jahren für die Überwachung der eigenen Reputation und Privatsphäre – insbesondere bei Facebook – ergeben hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt”, schrieb myON-ID-Mitgründer Grobholz damals im Unternehmensblog. Mit myON-ID konnten Nutzer zuvor ihre persönlichen Online-Inhalte und -Aktivitäten sammeln und verwalten. “Mit myON-ID setzten wir uns das Ziel, unter einem Dach eine professionelle Möglichkeit zur Überwachung sowie zur Präsentation der eigenen Personenmarke anzubieten. Wir haben dabei erkannt, dass die meisten Nutzer verstärkt an der Funktion zur Überwachung des Internets interessiert waren”, teilte das Unternehmen den Nutzern der Plattform zur Abschaltung des Dienstes in einer Mail mit.

Nach dem Aus von myON-ID setzte die Jungfirma komplett auf secure.me, ehemals Ruflotse genannt. Zu guter Letzt betrieb die Jungfirma in der Vergangenheit mit imedialounge.de auch ein Content Management-System für Social Media-Inhalte, welches aber offenbar schon längere Zeit nicht mehr existiert. Mit dem Insolvenzverfahren steht nun das komplette Unternehmen vor dem Aus. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Bauer bestellt. Zu den Investoren von secure.me bzw. myON-ID gehörten unter anderem T-Venture, Bayern Kapital und die Unternehmensgruppe Pironet. Einige Millionen dürften in all den Jahren in das Start-up geflossen sein, welches sich über einen Premium-Service von secure.me (ab 1,99 pro Monat) finanzieren sollte. Laut Jahresabschluss erwirtschaftete die Jungfirma 2011 einen Jahresfehlbetrag in Höhe von rund 760.000 Euro (2010: 385.408 Euro). Zahlen für 2012 liegen leider noch nicht vor. Rosig dürften diese aber nicht sein. Am finanziellen Abgrund dürfte secure.me aber ebenfalls nicht gestanden haben. Zumal sich offenbar “mehrere Unternehmen” für eine Übernahme des Unternehmens interessiert haben.

Hausbesuch bei myON-ID

Im Sommer 2009 besuchte deutsche-startups.de den damaligen Reputationsdienst myON-ID. Beim Münchner Start-up ging es damals äußerst blau zur Sache. Eine beeindruckende blaue Wand dominierte das schicke Büro. Einige Eindrücke in unserer Fotogalerie.

Artikel zum Thema
* myON-ID wird eingestellt
* Finanzierungsrunde: myON-ID sammelt erneut Kapital ein
* Zehn Fragen an Mario Grobholz von myON-ID
* myON-ID kümmert sich um das digitale Image

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. steve

    Welcher globale Bedarf sich in den vergangenen beiden Jahren für die Überwachung der eigenen Reputation und Privatsphäre – insbesondere bei Facebook – ergeben hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt”, schrieb myON-ID-Mitgründer

    jedes buch,blog,artikel etc über unternehmensgründung beginnt mit marktFORSCHUNG und nicht mit thesen…



  2. xbbg

    “den Umweg über ein Insolvenzverfahren zu suchen – unter anderem, um Liquiditätsprobleme erst gar nicht entstehen zu lassen.”
    -> Interessant.

    “Am finanziellen Abgrund dürfte secure.me aber ebenfalls nicht gestanden haben.”
    -> Auch interessant.

    Wenn es keine Liquiditätprobleme gibt und die Firma nicht am finanziellen Abgrund steht, warum geht man dann den Weg in die Insolvenz und wirft einen Teil des Restvermögens der Gesellschaft freiwillig dem Insolvenzverwalter in den Rachen? Das macht wenig Sinn…

  3. @xbbg

    Gemeint ist die Situation vor etlichen Monaten, also damals, vor oder zur Aufnahme der Exitgespräche. Seitdem ist über ein halbes Jahr gegangen, viel zeit für ein Start-up, welches in M&A-Gesprächen feststeckt…

  4. Schade darum, da hat man schonmal die Top Investoren an Bord und doch wird es nix, weil die Produkte halt doch nicht den “viralen” Effekt haben, den man ihnen angedacht hat! Wünsche den Mitarbeitern alles Gute!



  5. Tom

    Habe von diesem Unternehmen noch nie etwas gehört, und ich arbeite schon seit über 15 Jahren auf dem Sicherheitsmarkt, bei einem der Mutterkonzerne der Investoren. Daher muss ich leider in die selbe Kerbe hauen wie Steve, wenn man es noch nicht einmal schafft genug Awareness selber zu generieren und glaubt das alles schon längst bekannt sei, der macht seinen Job nicht richtig.

    “Welcher globale Bedarf sich in den vergangenen beiden Jahren für die Überwachung der eigenen Reputation und Privatsphäre – insbesondere bei Facebook – ergeben hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt”, schrieb myON-ID-Mitgründer -> Fehleinschätzung. Die Menschen haben eben noch andere Themen auf dem Tisch, und wenn man sein Agenda Thema setzen will, geht das meistens nur über Awareness steigende Maßnahmen und nicht damit zu glauben die anderen würden dies tun.

  6. Da hat man wohl auf eine Panik bzw. Monetarisierung der (deutschen) “Paranoia” zu persönlichen Daten gerechnet, aber der Markt hat sich wohl nicht entwickelt. Zumindest nicht als kommerzieller Markt, für die Masse.



  7. Fred Bunsen

    Ach, halb so wild. München hat noch soooooo viele geile, innovationssimulierende Unternehmen:

    http://vimeo.com/62323335

  8. Schade um jedes Startup, denn es steht ja (fast) immer der feste Glaube an das Geschäftsmodell mit viel Arbeit und langen Nächten dahinter. Aber hier frage ich mich schon, möchte das denn irgendjemand haben? Egal wie sinnvoll deren Produkt sein mag, ist die Zielgruppe bereit, sich damit zu beschäftigen und dafür Geld zu bezahlen? Wurde denn im Vorfeld ganz banal mal die “Strasse” befragt?

  9. Anscheinend sind die Leute, die sich für den Schutz ihrer Privatshäre interessieren, auch in der Lage, ihre FB-Einstellungen selbst zu überprüfen. Dem Rest ist es eh egal.



  10. SM

    Hinterher ist man natürlich immer schlauer, aber gerade Facebook-Nutzer sind doch eigentlich dafür bekannt, sich nur wenig um ihre persönlichen Daten zu scheren. Ansonsten wären sie doch gar nicht erst auf Facebook vertreten.

  11. Nun, eine Insolvenz muss auch dann angemeldet werden, wenn ein Unternehmen bilanziell überschuldet ist, und KEINE positive Fortführungsprognose erstellt werden kann. Bei einem Startup das noch keine nennenswerten Umsätze fährt, und eine nicht gesicherte Investitions- oder Verkaufssituation hat ist das z.B. der Fall selbst wenn noch ausreichend Liquidität auf dem Konto steht.

    Stellt ein GF bei einer solchen Konstellation keinen Insolvenzantrag macht er sich im Zweifel einer Insolvenzverschleppung schuldig, und wir damit strafrechtlich angreifbar bzw. kann privat zur Haftung herangezogen werden.

    Insofern kann ich den Schritt schon nachvollziehen -> Leider ist die Rechtslage eben so!

  12. Ich war auch der Idee gegenüber sehr skeptisch eingestellt. Nachdem ich von der XING Kooperation erfuhr, dachte ich, dass sie vielleicht doch noch einen Funken Hoffnung haben, aber das hat sich scheinbar auch nicht bewährt.

  13. Pingback: Avast übernimmt secure.me :: deutsche-startups.de

Aktuelle Meldungen

Alle