Amazon Web Services übernimmt Berliner Start-up peritor – Aus Scalarium wird AWS Opsworks

Unglaublich, aber wahr: Es passieren tatsächlich noch Dinge in der deutschen Gründerszene, die (fast) niemand mitbekommt – auch wenn sie dicht und fett auf der Website des Unternehmens stehen. So geschehen im Fall […]
Amazon Web Services übernimmt Berliner Start-up peritor – Aus Scalarium wird AWS Opsworks
  • Von Alexander Hüsing
    Freitag, 8. März 2013
  • 10 Kommentare
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Unglaublich, aber wahr: Es passieren tatsächlich noch Dinge in der deutschen Gründerszene, die (fast) niemand mitbekommt – auch wenn sie dicht und fett auf der Website des Unternehmens stehen. So geschehen im Fall von Scalarium (www.scalarium.com), einer Cloud Management Software des Berliner Unternehmens peritor. Das junge Start-up, welches von Jonathan Weiss aus der Taufe gehoben hat, wurde gerade von Amazon Web Services übernommen. Da wird tatsächlich ein kleines Berliner Start-up von Amazon übernommen und keiner berichtet drüber! Selbst Amazon schweigt dazu – weitgehend. Ende Februar verkündete Amazon lediglich den Start von AWS OpsWorks.

Unter der Überschrift “Amazon ergänzt seinen Cloud-Hosting-Dienst EC2 um AWS Opsworks, eine auf Chef basierende Lösung zur Applikationsverwaltung” berichtete beispielsweise golem.de über AWS OpsWorks. Stunden, nachdem der Artikel online war, ergänzte der Autor dann den Hinweis: “AWS Opsworks basiert auf Scalarium, einem Produkt des Berliner Unternehmens Peritor, das Amazon 2012 übernommen hat. Scalarium selbst wird zum 31. August 2013 eingestellt. Neue Anmeldungen für Scalarium sind ab sofort nicht mehr möglich”. Damit ist die Katze aus dem Sack: Der Gigant Amazon hat ein kleines deutsches Start-up übernommen. Dies ist auf jeden Fall mehr wert, als eine kleine Randnotiz (deswegen auch dieser verstätete Artikel).

deutsche-startups.de berichtete Anfang 2010 zum ersten Mal über Scalarium: Damals schrieben wir: Mit der Cloud Management Software wollen Thomas Metschke und sein Team aus der “dummen eine smarte Cloud machen”. Scalarium besteht aus den vier Komponenten: Auto Configuration Auto Healing, Auto Scaling und One Click Deploy. Mit One-Click-Deploy sei es beispielsweise möglich, Änderungen am Quellcode direkt auf den Cluster zu deployen. “Sprich ich kann mit einem Klick alle Konfigurationen und Anpassungen auf allen meinen Servern lostreten und die Maschinen besorgen sich die aktuelle Version vom Quellcode und richten sich entsprechend neu ein”, sagt Metschke. Somit werde es zum Beispiel möglich, seine Infrastruktur für den Test einer neuen Revision zu klonen, dort die neue Version aufzuspielen und zu testen. Passend dazu noch zwei alte Präsentation von den Scalarium-Machern Metschke (siehe oben) Weiss (siehe unten). Zudem noch ein Hinweis auf den Gastbeitrag “Cloud Computing: 7 Versprechen und was sie Wert sind” von Metschke.

Auf der Scalarium-Website heißt es zur Übernahme: “Why did AWS acquire Peritor? AWS recognized that Scalarium has strong capabilities that are broadly useful to many AWS customers. We are committed to making OpsWorks a great application management solution”. Klingt nach einer guten Zukunft für das Scalarium-Team. Jetzt haben sie sich aber ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient; immerhin übernimmt Amazon nicht oft ein deutsches Start-up. Ein gutes Zeichen für die deutsche Gründerszene.

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Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  1. Wenn das gleichzeitig bedeutet, dass Amazon in Zukunft einen (signifikanten) Entwicklerstandort in Berlin haben wird, dann ist das eine sehr wichtige Sache.

  2. Wenn wir mehr clevere Lösungen, wie Scalarium hervorbringen würden, wäre es eine gute Nachricht für die Deutsche Gründerszene. Diese besteht im Augenblick, aber leider aus vielen Angeboten, für die nur kleine bis gar keine Zielgruppen existieren.

    Das über den Verkauf hier erst so spät berichtet wird zeigt, dass die falschen Themen zu viel Aufmerksamkeit bekommen.

    Trotzdem: Danke für den guten Artikel.



  3. Subm

    Tja so ist das meistens, das schlechteste Rad am Wagen macht den meisten Lärm…

    Da das Produkt von Scalarium wirklich den Namen Produkt verdient hat und kein Pseudo-Social-Schrott von irgendwelchen Hippstern ist, haben sie es eben nicht notwendig “Lärm” zu machen. Das Produkt spricht eben für sich…

    Freut mich wirklich für die Gründer.



  4. Mark

    @Andreas

    Ich stimme Dir voll und ganz zu! Das das Problem ist eben, dass man für “clevere Lösungen” eben clever sein muss!
    Und hier haben wir auch schon das Problem. Cooles “Business-Gelaber” von sich zu geben ist eben um Längen einfacher, da es wenig bis keine Fachkenntnisse voraussetzt und man so ganz leicht uuuunglaublich kompetent wirken kann. Dagegen werden technische Ideen/Vorträge ganz schnell in die Schublade “Nerdkram den keinen interessiert” geschoben. Aber Leute: Internet, Web uvm. war bzw. ist nach wie vor “Nerdkram”…

  5. Pingback: Berliner Start-up peritor von Amazon übernommen - Medistus Live

  6. Wie schon von anderen geschrieben, zeigt das doch ganz deutlich, wie oberflächlich die Berichterstattung über Startups in Deutschland (nicht nur hier) ist.

    Chef und Ruby sind ja nicht Dinge von gestern, sondern in innovativen Kreisen schon seit Jahren erfolgreich im Einsatz.

    Dass nun Amazon die exzellente Arbeit von Peritor zu würdigen gewusst hat, lässt andere Cloud/Hosting-Unternehmen in Deutschland (Telekom/Strato, 1&1, HostEurope etc) natürlich vollkommen düpiert dastehen. Aber wer selbst noch nicht einmal eine API für seine “Pseudo-Cloud”-Produkte hinbekommt, wird das wahrscheinlich nicht selbst erkennen können…

    Derweil werden hier in Deutschland noch am laufenden Band technisch fragwürdige Systeme auf PHP oder Java und meist ohne jeden Qualitätsgedanken (z.B. TDD) für die Mülltonne gebaut. Davon kann man sich täglich auf DS und co einen Überblick verschaffen…



  7. Steve

    Endlich!!

    Während alle Welt von kostenlosen To-Do Managern in Holz-Optik, “Best/Worst” Web-Experimenten und von Pizza-Bestellseiten schreibt machen echte Technologie-Startups das Rennen im Hintergrund.

    Berlin ist nicht overhyped – nur die Startups, die es regelmäßig in die News machen, sind es.

    Freue mich, wenn der Hype vorbei ist und die vielen eigentlichen Talente für vom Produkt her vernünftig aufgestellte Firmen arbeiten. Minus die ganzen b2c “Seriengründer” natürlich :)



  8. MH

    JMCQ87, falls es dich interessiert: Amazon wird in der Tat weitere Entwickler in Berlin einstellen, siehe z.B. http://aws.typepad.com/aws/2013/03/aws-special-hiring-event-in-berlin.html



  9. Peter

    Da die meisten hier wohl keine Ahnung von dem Thema haben, hier ein kleine Idee warum Amazon scallarium gekauft hat: Die eindeutige Nr.1 im Cloud Management ist RightScale. Gefüllt 1 von 2 AWS Instanzen laufen mit RightScale. Kaum einer kann mit der API von Amazon verteilte Architekturen aufsetzen und betreiben. Nicht mal Netflix. Deshalb ist RightScale sehr mächtig. Jetzt hat RightScale aber RackSpace zum Haupthoster ernannt (http://www.rightscale.com/news_events/press_releases/2012/rightscale-recommends-rackspace-to-customers-for-openstack-powered-clouds.php) und man kann in Zukunft innerhalb den Sekunden einen anderen Anbieter wählen – prompt muss Amazon handeln und etwas eigenes anbieten, was nur auf Amazon läuft. Da kommt eine kleines günstiges und unbekanntes Startup aus Deutschland ganz Recht. Das scallarium aber schon seit etwa einem Jahr vor sich hindümpelt, und es da kaum eine Entwicklung gibt, glaub ich nicht das Amazon damit noch das Ruder rumreisen kann. RightScale ist hier absolut dominat und anbieterunabhängig. Ob OpsWorks jetzt erfolgreich wird – mal schauen – Amazon kann aufjedenfall eine grosses Team aufstellen und es weiterentwickeln. Das es kostenlos angeboten wird, sag schon einiges. scalarium ist da nur ein kleiner Bauer in einem grossen Spiel. (BTW: Die Referenzkunden auf Folie 3 nutzen nicht alle Scallarium!!)

  10. @MH: Werde es weitergeben, an “potentiell interessierte”. ;)

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