15 Fragen an Alexander Kluge von contractix

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Vermutlich ist mir die Selbständigkeit in die Wiege gelegt. Meinen Vater kannte ich nur als „seinen eigenen Chef“. Schon als Student gründete ich mit […]
  • Von Christina Cassala
    Freitag, 16. November 2012
  • 3 Kommentare

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Vermutlich ist mir die Selbständigkeit in die Wiege gelegt. Meinen Vater kannte ich nur als „seinen eigenen Chef“. Schon als Student gründete ich mit Kommilitonen eine Veranstaltungsagentur und verdiente mein Geld mit einem eigenen Unternehmen. Unternehmertum heißt Unabhängigkeit, eigenverantwortliches Handeln, Spielräume nutzen, Risiken selber einschätzen und tragen – ohne einen Chef fragen zu müssen. Vermutlich wäre ich daher auch kein guter Angestellter.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu contractix ist tatsächlich aus einem eigenen Bedarf geboren. Ich wusste einfach nicht mehr, welche Verträge ich habe, hatte keine Übersicht und war nicht mehr in der Lage, schnell und einfach festzustellen, wann ich aus welchem Vertrag herauskomme. Als Familienvater und Hausbesitzer sammeln sich in einem halben Leben unglaublich viele Verträge an. Meine Gründerkollegen Harald Fett ging es genauso. Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht, Recherchen angestellt, Freunde befragt und schließlich eine Lösung gebaut.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das Kapital stammt bisher ausschließlich aus Friends&Family Quellen. Wir haben daher auch eine extrem schlanke Kostenstruktur. Unser Ziel war es, nicht zu früh fremdes Geld und damit Fremdbestimmung einzukaufen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Steuerung des Software-Entwicklungsprozess war die größte Herausforderung. Das Abwägen von Funktionen und Features, die Festlegung des „Minimal Viable Produkts“, mit dem man an den Markt geht. Große Pflichtenhefte können nicht geschrieben werden, ständig ändern sich Rahmenbedingungen und Erkenntnisse über Nutzerverhalten. Und so mussten wir schon frühzeitig erkennen, dass wir in einige Bereiche zu viel Zeit und Aufwand gesteckt hatten – und andere quick wins zunächst übersehen hatten.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase andersmachen?
Ich würde das Kernprodukt noch stärker vereinfachen und noch schneller in die Öffentlichkeit gehen. Wir hatten am Anfang ein zu komplexes Produkt und haben zu lange gezögert, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir setzen auf Suchmaschinenoptimierung und verzichten auf kostspielige Werbefeldzüge. Wir haben Geld für AdWords ausgegeben und gelernt: In unserem Segment konkurrieren wir bei zentralen Keywords mit einem finanzstarken Wettbewerb. Hier entsteht keine nachhaltige Wirkung für uns. Daneben setzen wir auch auf Social Media – aber sind hier noch zurückhaltend.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Friends & Family. Freunde als Kritiker und Ideengeber. Und ohne die Unterstützung meiner Frau hätte ich mich nicht wieder in so ein Abenteuer gestürzt. Die Aufbauphase bedeutet: Wenig Zeit für die Familie, wenig Geld in der Kasse. Ohne volle private Rückendeckung geht das nicht.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Kennzahlen ermitteln und verstehen. Aber auch auf den Bauch vertrauen. Inspiration suchen – vor allem außerhalb der ausgetretenen Pfade. Von anderen lernen. Über die Idee reden. Daher schnell raus mit dem Prototypen. Feedback erfahren und ertragen. Und: Mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten. Spaß haben. Erfolge feiern.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Neue Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten ohne absurde Hürden. Massiver Abbau von Bürokratie. Entrümpelung des Steuerrechts. Sofortige Abschaffung aller Zwangsmitgliedschaften wie IHK. Darüberhinaus sollte mehr Gründergeist bereits in Schulen und Universitäten gefördert werden. Ich hätte da schon einen längeren Forderungskatalog. Auf der anderen Seite nehme ich aber auch wahr, dass man seit dem Berlin Startup Hype doch viel Aufmerksamkeit auf die Gründerszene lenkt und bin guter Dinge, dass sich der Tanker langsam in die richtige Richtung bewegt.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Mit meinen Kindern Drachen steigen lassen. Spielzeug-Hubschrauber steigen lassen. Dabei neue tolle Ideen entwickeln. Und dann doch wieder ein Startup gründen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
In der Berliner Szene findet ja bereits ein interessanter Austausch statt. Ich würde mir als Maus eher die kleinen stillen Startups suchen. Die großen lauten Startups sind ja schon omnipräsent in Berlin.
Bei einigen Startups spiele ich derzeit sogar Mäuschen, z.B. bei XOYA, die den Videoschnitt intelligent automatisieren. So etwas mag ich.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Als großer Potsdam-Fan würde ich schon mal gerne mit Voltaire durch den Park spazieren und zum Dinner beim alten Fritz aufschlagen. Bis dahin müßte dann mein Französisch besser werden.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Eine große Spende. Eine Kapitalspritze für das beschleunigte Wachstum von contractix. Dann eine Investition in ein vielversprechendes Startup. Eine Rücklage für extravagante Ausbildungswünsche der Kinder. Ein neuer Aussenborder für das alte Boot am Wannsee. Der alte SAAB in der Garage bekommt neues Leder und darf bleiben. Und jeden Tag gibt’s Jakobsmuscheln, Trüffel und richtig guten Wein. Also alles wie immer.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Segel setzen. Kühlen Weißburgunder an Bord. Ankern. Mit den Kindern an Land schwimmen. Sonnenuntergang genießen. Fertig.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit alten Freunden, die ich lange nicht gesehen haben.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwepunkt 15 Fragen an

Zur Person
Alexander Kluge ist Gründer und Geschäftsführer des Vertragsoptimierers contractix (www.contractix.de). Er hat mehrere Unternehmen im Softwareentwicklungs- und Consulting-Bereich gegründet und verkauft. Wenn er nicht das Leben eines Gründers lebt, begleitet er Unternehmen bei strategischen Neuausrichtungen und berät bei IT Strategie-Themen.
Alexander Kluge ist studierter Betriebswirt (Dipl. Kfm.) mit Schwerpunkt Unternehmensführung, Marketing und Organisation.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.



  1. Huibuh

    Hallo Alexander,

    checkt doch mal bitte eure Seite im Chrome durch. Da schein einiges nicht zu funktionieren. z.B. der Stromvergleich wird nicht richtig dargestellt.

  2. Hallo Huibuh, danke für den Hinweis. Prüfen wir sofort. Danke und Gruß.

  3. Der Link zu contractix.de funktioniert nicht.

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