“Wir haben im Wein-Bereich eher Partner als Mitbewerber” – Jan Bechler von Navinos

Navinos (www.navinos.de) tritt an, um den Weinkauf im Internet zu ändern. Statt endloser Listen mit tausenden Weinen bietet das Hamburger Start-up Empfehlungen zu jeder Gelegenheit. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Jan Bechler […]

Navinos (www.navinos.de) tritt an, um den Weinkauf im Internet zu ändern. Statt endloser Listen mit tausenden Weinen bietet das Hamburger Start-up Empfehlungen zu jeder Gelegenheit. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Jan Bechler über Empfehlungsalgorithmen, Sommelier-Wissen und Internationalisierung.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Der Wein-Markt ist riesig, alleine in den Top-20-Weinmärkten sind es über 80 Milliarden Euro. Offensichtlich trinken also viele Menschen gerne Wein – aber die meisten von ihnen kennen sich nur wenig mit Wein aus und scheuen die anstrengende Lernkurve, selbst zum Experten zu werden. Sie wissen alle nicht, welche Rebsorte aus welchem Gebiet und von welchem Winzer ihnen schmeckt. Navinos macht den Weinkauf einfach und genussvoll. Auf Basis ihres Geschmacksprofils empfehlen wir unseren Nutzern zuverlässig Weine, die ihnen schmecken. Dazu aggregieren wir die Sortimente zahlreicher Fachhändler und legen unsere Empfehlungsalgorithmen über tausende von Weinen. Im Ergebnis sind wir für den Nutzer eine Art last.fm für Wein – und für Händler wollen wir perspektivisch der wichtigste Performance-Marketing-Kanal sein, genauso wie HRS oder booking.com für den Travel-Bereich.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Eine Idee braucht ja immer eine gewisse Zeit, um zu reifen. Wir waren sehr früh, als wir alle noch in unseren alten Jobs steckten, fasziniert vom Wein-Markt. Neben Möbeln ist der Weinmarkt wahrscheinlich der letzte Milliarden-Markt, der sein Wachstum im E-Commerce noch vor sich hat. Gleichzeitig ist es so, dass wir drei Gründer alle sehr gerne Wein trinken – jedoch ohne wirkliches Sommelier-Wissen zu haben. Wir fanden den Wein-Kauf im Internet zu kompliziert und haben lange überlegt, wie man hier ein massentaugliches und international skalierbares Angebot schaffen kann. Daraus ist dann Navinos entstanden.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Wir haben im Wein-Bereich eher Partner als Mitbewerber. Egal ob Wein-Online-Shop wie Hawesko oder Shopping-Clubs à la Wine in black – wir helfen ihnen dabei, mehr Kunden zu gewinnen. Grundsätzlich ist es so, dass wir der einzige Marktteilnehmer sind, der komplett ohne ein eigenes Sortiment und Logistik-Prozesse auskommt. Während andere Merchants immer darauf angewiesen sind, ihr eigenes Sortiment abzuverkaufen, können wir den Kunden und seinen Geschmack in den Mittelpunkt aller Marketing- und CRM-Aktivitäten stellen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Auf der Ebene unserer Partner müssen wir Wein-Shops davon begeistern, über Navinos risikolos neue Kunden auf Performancebasis zu gewinnen. Unsere Nutzer müssen wir überzeugen, dass persönliche Weinempfehlungen schöner sind, als unübersichtliche Listen mit hunderten von Weinen, in denen man sich schnell verliert.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Für unsere Kunden ist die Nutzung von Navinos kostenlos – wir finanzieren uns durch Provisionen von unseren Partner-Händlern, die für jede vermittelte Bestellung anfallen. Unsere Provisionen bewegen sich dabei dank der auf dem Niveau anderer Marktplätze.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Das Gründerteam hat viel Erfahrung mit der Internationalisierung von Geschäftsmodellen. Wir haben schon Marketing in mehr als 30 Ländern verantwortet und Produkte erfolgreich internationalisiert. Auch Navinos ist ein internationales Konzept: Die Unternehmenssprache ist Englisch, das Produkt auf die Internationalisierung ausgerichtet. Weil wir sortimentsunabhängig sind, können wir unseren Partnerhändlern dabei helfen, in neue Märkte zu versenden – ohne Übersetzungsaufwand. Und wir können in Zielmärkten einfach neue Partnershops an unsere Recommendationtechnologie anbinden und so international skalieren.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
In der Produktentwicklung haben wir eine Reihe von Features, die für die kommenden Wochen und Monate geplant ist, da Navinos heute natürlich noch lange nicht alle geplanten Funktionen bietet. Grundsätzlich ist es das Ziel, innerhalb der nächsten zwölf Monate die entsprechenden KPI bewiesen zu haben, die zeigen, dass das Modell profitabel sein kann. Auf dieser Basis ist es das Ziel, Navinos im nächsten Schritt zügig zu internationalisieren. Wo genau wir diesbezüglich in zwölf Monaten stehen werden, ist heute aber noch ein wenig schwierig zu prognostizieren.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person
Jan Bechler gründete Navinos gemeinsam mit Tim Nedden und Bjoern Sjut. Bechler war zuletzt bei Axel Springer im Venture-Bereich beschäftigt verantwortete dort unter anderem das Media Entrepreneurs Programm. Nedden war zuletzt Projektleiter im Produktmanagement bei stern.de und Senior Manager im Digital Center von Gruner+Jahr. Sjut wiederum war zuletzt Marketing Director für be2 und C-date und hat dort das Marketing in mehr als 30 Ländern geleitet.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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