Wie sich Daimler mit Hilfe von Start-ups wie Tiramizoo, carpooling und myTaxi zum Mobilitätskonzern wandelt

In den vergangenen Monaten tauchte im Zusammenhang mit Start-ups, die sich im weitesten Sinne um das Thema Mobilität kümmern, immer wieder der Name Daimler auf. So erwarb der bekannte deutsche Fahrzeugbauer zuletzt einen […]
Wie sich Daimler mit Hilfe von Start-ups wie Tiramizoo, carpooling und myTaxi zum Mobilitätskonzern wandelt

In den vergangenen Monaten tauchte im Zusammenhang mit Start-ups, die sich im weitesten Sinne um das Thema Mobilität kümmern, immer wieder der Name Daimler auf. So erwarb der bekannte deutsche Fahrzeugbauer zuletzt einen Minderheitsanteil am Münchner Start-up Tiramizoo (www.tiramizoo.com), das Stadtkuriere vermittelt, investierte in das Mitfahrnetzwerk carpooling.com (www.carpooling.com) und stieg über seine Carsharing-Tochter Car2go bei der Taxiruf-Applikation myTaxi (www.mytaxi.net) ein. Im Interview mit Internet World Business gewährte Wilfried Steffen, Leiter der Abteilung Business Innovation, kürzlich einen tieferen und spannenden Einblick in die Strategie von Daimler.

“Wir setzen auf Technologien und Dienstleistungen, die einen Mehrwert bringen, und analysieren, was sich zu einem profitablen Geschäft entwickeln könnte”, erklärt Steffen die Strategie des Fahrzeugbauers. Das beträfe jedoch nicht nur Online-Projekte: “Wir haben uns auch damit befasst, Motoren von Nutzfahrzeugen in nicht automobilen Anwendungen, beispielsweise Kränen, einzusetzen”. Längst interessiert sich Daimler nicht mehr – wie noch vor zwei Jahren – nur für Projekte, die ein weltweites Marktpotenzial von einer Milliarde Euro und ein Umsatzpotenzial von 100 Millionen Euro haben. “Wir haben gelernt, dass es sich auch lohnt, in Ideen zu investieren, die nicht gleich so ein großes Umsatzpotenzial erkennen lassen”, sagt Steffen. Eine weise Entscheidung!

moovel geht auch in Berlin an den Start

Zur Beteiligung an carpooling.com sagt der Daimler-Mann: “Mitfahrgelegenheiten sind aus unserer Sicht ein elementarer Teil einer geschlossenen Mobilitätskette. Diesen Ansatz hatten wir mit unserem Pilotprojekt Car2gether bereits aufgegriffen. Die Partnerschaft mit Carpooling.com ermöglicht es uns, den Car2gether-Ansatz auf eine wesentlich breitere Basis zu stellen und Mitfahren als Kernelement in unserer neuen Mobilitätsplattform Moovel anzubieten. Das Daimler-Projekt moovel (www.moovel.com), welches kürzlich startete, bündelt Fahrtoptionen und zeigt Preise und Fahrtdauer an. Sogar E-Tickets für Bus, U- und S-Bahn können Nutzer über die moovel-App inzwischen kaufen. Zum Start waren in Stuttgart die Stuttgarter Straßenbahn AG sowie der Verkehrs- und Tarifbund Stuttgart, eine Taxiruf-Funktion sowie mitfahrgelegenheit.de, die deutsche Marke von Carpooling.com, integriert. Noch in diesem Jahr soll moovel auch in Berlin an den Start gehen. Für den Einstieg bei carpooling.com soll Daimler “mehrere Millionen Euro” locker gemacht haben.

Zur Beteiligung an mytaxi berichtet Steffen: “Wie bei Moovel ist hier die Überlegung, dass ein Taxi eine gute Alternative ist, wenn über Car2go gerade kein Fahrzeug verfügbar ist. Das Modell von Mytaxi ist eine interessante Ergänzung zur konventionellen Taxibuchung. Es ist sehr nutzerfreundlich und transparent. Die App teilt beispielsweise schon vor Fahrtantritt die wahrscheinliche Höhe des Fahrpreises mit”. Die Daimler-Tochter pumpte stattliche 10 Millionen Euro in myTaxi. “mytaxi passt gut zu unserer Strategie, mit Onlinediensten zu wachsen – zum Beispiel durch Partnerschaften mit innovativen Start-ups. Wir freuen uns, dass die Daimler AG in das Unternehmen investiert – gemeinsam haben wir damit eine gute Basis für weiteres Wachstum von mytaxi gelegt”, sagte Thomas Kiessling, Chief Product and Innovation Officer der Deutschen Telekom, Anfang dieses Jahres zum Einstieg bei mytaxi.

“Intelligente Vernetzung von Mobilität”

Mit der Beteiligung an tiramizoo wiederum will Daimler-Innovationstreiber Steffen “die intelligente Vernetzung von Mobilität im urbanen Raum vorantreiben”. Und weiter: “Wir wollen die Auslastung von Transportkapazitäten optimieren und ein weiteres Angebot mit hohem Kundennutzen schaffen”. tiramizoo vermittelt Stadtkuriere, die in Minutenschnelle vor der Haustür stehen und Botengänge erledigen. “Wir freuen uns sehr, dass wir Daimler als Investor für tiramizoo gewinnen konnten. Mit dem Automobilunternehmen haben wir einen starken Partner rund um das Thema Mobilität. Wir werden das neue Kapital nutzen, um die Vertriebsaktivitäten zu intensivieren und unsere Technologie weiter zu entwickeln“, sagt Michael Löhr, Gründer und Geschäftsführer von tiramizoo. Der Großkonzern Daimler wandelt sich somit mit seinen eigenen Ideen und Projekten sowie mit tatkräftiger Unterstützung von diversen Start-ups vom reinen, langweiligen Fahrzeuganbieter zum umtriebigen Mobilitätskonzern.

Der Daimler-Crew gehen dabei die Ideen noch lange nicht aus: “Wir betrachten Mobilität im Wohnumfeld und wie es gelingt, dafür spezifische Angebote zu machen. Dabei geht es zum Beispiel um eine geschlossene, auf die Nachbarschaft begrenzte Plattform für Carsharing-Fahrzeuge. Des Weiteren testen wir, wie wir unsere Patente besser vermarkten können, indem wir die Community bei der Verwertung mit einbinden. Wir wollen die Driving Academy, eine Fahrschule von Mercedes-Benz, voranbringen und Chauffeurservices anbieten. Mit unserem Partner Carpooling.com arbeiten wir an einer Unternehmenslösung für Daimler-Standorte, um auch firmenintern Mitfahrgelegenheiten zu vermitteln”, sagte Steffen dem Münchner Fachblatt. Bei der Suche nach neuen Ideen setzt Steffen auf eine “gute Vernetzung” mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und mit Venture-Capital-Unternehmen.

Foto: Daimler

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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  2. Ulf

    Ich finde den Ansatz der Strategie sehr gelungen. Vor allem im Zusammenhang mit den historischen Umstrukturierungsversuchen bei Daimler wie beispielsweise deren Versuch in das Weltraumbusiness einzusteigen. Ganz nach dem Sprichwort “Klein Vieh macht auch Mist” haben sie sich erfolgsversprechende kleinere Projekte gesucht, die auf den ersten Blick einen brauchbaren Eindruck machen.

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