Disruptive Innovations – MyTaxi tötet den Taxifunk

„Disruptive technologies“ verändern Industrien radikal. Die etablierten und erfolgreich tätigen Unternehmen in diesen klassischen Industrien sind besonders bedroht. Das spannende daran: Sie können sich nicht wehren. Dadurch, dass sie alles richtig machen, werden […]
Disruptive Innovations – MyTaxi tötet den Taxifunk

„Disruptive technologies“ verändern Industrien radikal. Die etablierten und erfolgreich tätigen Unternehmen in diesen klassischen Industrien sind besonders bedroht. Das spannende daran: Sie können sich nicht wehren. Dadurch, dass sie alles richtig machen, werden sie untergehen. deutsche-startups.de berichtete gerade erst über die Definition „disruptive“. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, wer tatsächlich „disruptive“ ist. Dazu untersuchten wir den Markt für Taxibestellung bzw. Taxifunk. Ergebnis: MyTaxi (www.mytaxi.net) ist „disruptive“!

Prolog

Um „disruptive“ zu verstehen, muss zunächst ein Produktmerkmal definiert werden, anhand dessen eine Produktperformance beschrieben werden kann. Im betrachteten Markt geht es um das Produktmerkmal Fahrgastvermittlung. Die Produktperformance ergibt sich z.B. aus Anzahl und Zuverlässigkeit von Fahrgastvermittlungen.
Um die Performance dieses Produktes stetig zu verbessern, wurden in der Geschichte des Taxi zahlreiche innovative Ansätze entwickelt und eingeführt (sustaining innovations). Dazu gehören u.a.:
* 1907: telefonische Taxibestellung in München
* 1925: Inbetriebnahme Autorufzentrale in Leipzig
* 1953: erste Funktaxen in München
* 1994: erste Computerarbeitsplätze in München
* Ende 2000er: Kienzle Argo baut Komplettsystem T21 (erstmalige Integration von Datenfunkdisplay, Taxameter und Drucker in einem einzigen DIN-Schacht-Gerät)
* Ende 2000er: GeFoS entwickelt com4cab als vollautomatisches Fahrtenvermittlungssystem
* 2011: Wuppertaler Taxizentrale erprobt automatische Anrufbearbeitung

Gewünschte Produktperformances des Marktes

Diese Entwicklung hat zwar den Prozess der Fahrgastvermittlung verbessert und optimiert. Diese wurde jedoch über den eigentlichen, gewünschten Bedarf hinausgetrieben. deutsche-startups.de sprach mit Taxifahrern und hat in Foren recherchiert:
„Bei dem Geschäft kann auch ein neuer Funk keine neuen bzw. mehr Fahrgäste herbeizaubern!“
“aber auch ein neuer Funk kann keine Wunder vollbringen, neue Kunden herbeizaubern oder Aufträge zum Diskontpreis vermitteln”
“Kurve jetzt seit einem knappen halben Jahr funklos herum und mir bleibt in der Relation zur Kostenersparnis das gleiche über wie vorher, aber mit wesentlich weniger Stress”
Eine Google-Recherche zu den Kosten für den klassischen Taxifunk ergab einen monatlichen Fixbetrag von circa 200 Euro. Das sind die Kosten, die ein Taxiunternehmen an eine Funkzentrale zahlt, um über diese Fahrgäste vermittelt zu bekommen.

Disruptive Technologies im Taxifunk

Disruptive Innovations: Taxibestellung über (mobile) App

Anfang 2010 startete die MyTaxi App. Das Geschäftsmodell baut auf einer rein leistungsbezogenen Fahrgastvermittlung auf: pro vermittelten Fahrer wurde damals eine Provision von 99 Cent fällig. In der Regel beginnen „disruptive technologies“ im unteren Level der Produktperformance. D.h. sie sind zunächst von minderer Qualität im Vergleich zur bestehenden (sustaining) Lösung. Dies zeigt sich auch in den Kommentaren der MyTaxi Driver App bei iTunes:
* 20.03.2010 = “Bei der hier läuft der Stromverbrauch auf Hochtouren”
* 01.04.2010 = “hoher Stromverbrauch”
* 15.04.2010 = “Was ist wenn der Kunde verschwindet?”

Doch auch diese „disruptive technology“ entwickelt sich weiter, wie spätere Kommentare und schließlich die Gesamtbewertung zeigen. Aus den Kommentaren liest sich zudem eine weitere Entwicklung ab. Die Wertschätzung der Produktperformance ändert sich:
* 15.01.2011 = “Kunde mit Name und Telefonnummer”
* 01.06.2012 = “Bald kann ich die arrogante Funk Zentrale abschalten”

Die klassische Entwicklung (sustaining) der Fahrgastvermittlung konzentrierte sich auf Volumen und Zuverlässigkeit. Attribute, wie z.B. Fahrgast-Fahrer-Beziehung und Transparenz blieben unberücksichtigt. Jetzt erkennt der Taxifahrer, dass er einen Kunden aufbauen und halten kann.

Tod

Die klassischen Anbieter erkennen die Gefahr durch mobile Apps zur Taxibestellung. Sie versuchen, sich dagegen zu wehren und treten mit eigenen Lösungen am Markt an. Allerdings sind sie in ihrer klassischen (sustaining) Geisteshaltung gefangen. Ihre mobilen App-Lösungen performen nicht. Ein Vergleich von vier Taxibestell-Apps:

* MyTaxi = 4,5 Sterne mit 3.629 Bewertungen
* Dein Taxi (von GeFos) = 2,5 Sterne mit 38 Bewertungen
* Taxi Berlin 202020 (Berliner Taxifunk) = 3,5 Sterne mit 65 Bewertungen
* Taxi Ruf Münster = “Wir haben noch nicht genügend Bewertungen erhalten, um einen Durchschnittswert für die aktuelle Version dieses Artikels anzeigen zu können.”

Die neuen Anbieter im Markt für Taxibestellungen verändern diesen Markt radikal. Das Prinzip der „disruptive innovation“ lässt sich an diesem Beispiel schön erklären. MyTaxi und Co. haben den Zeitgeist verstanden und sind hochgradig „disruptive“. Die klassischen Anbieter hingegen sind in ihrer alten Geisteshaltung gefangen und werden bald vom Markt verdrängt. RIP!

Artikel zum Thema
* Was ist disruptive? – Strategien und Denkansätze für Start-ups
* 10 Millionen Euro: Daimler-Tochter Car2go investiert in myTaxi



  1. Homer

    hehe, “revolutioniert das Taxigewerbe / den Taxifunk” konntet ihr ja jetzt nicht mehr schreiben! ;-)



  2. Jan

    “…können sich nicht währen”
    Wenn daraus noch ein “wehren” wird, sieht der Satz besser aus.



  3. Caesar

    Sicher ein spannender Artikel, wenn nicht schon im ersten Absatz vier Rechtschreibfehler wären und ich dann schon aus Prinzip nicht weiterlese!



  4. gunnar

    währen mit ä.
    für wahr, disruptiv.

  5. Währet den Anfängen: währe doch gelacht, wenn der Rechtschreibfehler im ersten Absatz nicht korrigiert würde…

  6. Danke für die Rückmeldung, ist behoben!



  7. Dennis

    Weiter unten gehts grad weiter. Beispiel:

    “994: erste Computerarbeitsplätze in München”

    Macht keinen sehr guten Eindruck.



  8. Ralf

    Hmm, ich bezweifle, das 1994 ERSTMALS Computersysteme in der Branche eingesetzt wurden. Auf der Seite steht ja nur, das es NEUE Arbeitsplätze gibt. Also gab es vorher auch schon welche. PCs waren auch schon in dieser Zeit sehr etabliert. Kann mir nicht vorstellen, das die 21 Millionen Aufträge mit Zettel+Stift abgearbeitet haben.

  9. Pingback: Pinterest, Orderbird, Wooga. — mobilbranche.de

  10. Pingback: Eine App und die Taxen « stohl.de

  11. Wer in Hamburg schon einmal Taxi gefahren ist, vor allem vom Flughafen in die Stadt, oder der regelmäßig Taxi fahren MUSS, der ist Fan vom Hansa-Funk.

    Und das ist kein disruptiver Dienst, sondern der einzige, der mir in Deutschland untergekommen ist, der das Thema “Service” versteht. Dagegen ist mytaxi in meiner Wahrnehmung eine schöne App, die Taxi-Fahrer-Attitude dahinter aber nicht konkurrenzfähig.

    Imho ist das nicht disruptiv, sondern zwingt die Funkunternehmen zu etwas, was sie schon längst hätten bieten müssen: Service.

    Das kann mytaxi nämlich bisher nicht einheitlich bieten. Jede Fahrt ist da anders – bisher für mich eine “Graupen-App” ;)

  12. Kriterien gegen das App- Gedöns:

    -Bestimmt 80% der Taxigäste haben keine App, oder kein App- fähiges Gerät.

    -Die Funkzentralen müssen immer noch zusätzlich bestehen, um die 80% Bestellungen ohne App zu bedienen. Appgedöns kostet zusätzliches Geld.

    -Auch durch die schönste App steigt die Anzahl der Fahrgäste nicht.

    Und: Mit taxi.de ist ein Wettbewerber mit sinnvollem Domainname angetreten. Wenn einer überlebt, dann dieser.



  13. Kilian

    Ja, wobei Hansa hier definitiv eine Ausnahme ist. Ich habe in Europa mittlerweile einige Taxen (und Taxizentralen) durch und keine ist annähernd vergleichbar.
    Hansa hat auch den Marktvorteil des vereinfachten Systems für Hotelbestellungen und somit fast alle Hotels in HH für sich gewonnen.
    Die haben übrigens auch eine (recht gute) App.



  14. Hamid Aslami

    Einer der spannendsten Artikel überhaupt hier bei deutsche-startups.de!!! Dieser tolle Artikel verdient natürlich auch ein ausführlichen Kommentar:
    Eine disruptive Technologie ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt (Quelle:Wikipedia). Dies ist zumindest eine grob zutreffende Beschreibung für diesen Begriff. Detailreicher und umfassender wird dieser Begriff auch in diesem Artikel (http://www.deutsche-startups.de/2012/08/14/was-ist-disruptive-strategien-und-denkansaetze-fuer-start-ups/) beschrieben, der mindestens genauso interessant ist. Auch das dort beschriebene Dilemma (“Das Dilemma beschreibt die Situation erfolgreicher und etablierter Unternehmen, die alles richtig machen und trotzdem an disruptive technologies scheitern und vom Markt verschwinden.”)zeigt schon, wie extrem stark und zugleich tötlich disruptive technologies sein können.
    Die Behauptung, “MyTaxi (www.mytaxi.net) ist disruptive” kann ich nur bestätigen und dies ist nicht zuletzt durch die enstandene Kritik schon befürchtet gewesen. Siehe in diesem Zusammenhang den von Taxiverbänden veröffentlichten Brief an Vorstandschef Daimler, der “mit seiner Mietwagentochter Car2Go an einer Investitionsrunde beteiligt gewesen ist, die [..] 10 Millionen Euro in das Startup MyTaxi investiert hat” (http://www.basicthinking.de/blog/2012/01/30/mytaxi-investition-taxiverband-schaumt-vor-enttauschung-und-wut/).

  15. Ich kann mich daran erinnern, dass es mal über 140 Mitfahrzentralen Büros gab. Komplett ins Web verlagert?



  16. Marcus

    Sehr guter Artikel!!! Thumbs up… Ich nutze in Berlin nur noch myTaxi und kenne viele die es genau so handhaben. Auch alle Taxi Fahrer die man hier interviewt sind mit der App zufrieden und fahren sogar kostenlos Werbung für diese.
    Welche Funk Zentrale bietet den Service den Pres vorher zu berechnen, per iPhone zahlen zu können, genau zu sehen welches Taxi in der Nähe ist und wie lange es noch braucht. Bewertungen der Fahrer, des Autos etc. Einfach TOP

  17. Pingback: Disruptive Innovations: MyTaxi tötet den Taxifunk | Innovation & Zukunft | Scoop.it

  18. Die hier gegebene Definition von “disruptive” halte ich für wesentlich zu unscharf.

    Disruptive bedeutet m. E. mit Blick auf ein bestimmtes Produkt, dass alle Akteure auf EINER bestimmten Stufe der Wertkette durch das disruptive Angebot ausgeschaltet werden.

    Dell > Hardware-Retailer
    Amazon > Buchhandel, neuerdings auch Medien-Retailer
    Apple > Hardware-Retailer + Software-Hersteller + Medien-Retailer
    MyTaxi > “Taxivertrieb”

    Und aus dem anderen Artikel: dass disruptive zwangsläufig technologie bedeutet, halte ich auch für eine Legende. Die modernen Technologien ermöglichen den disruptiven Charakter oft, sind aber grundsätzlich nicht zwangsläufig. Dell z.B. war und ist immer noch disruptiv und hätte theoretisch auch mit Prospekten und Akten-Logistik erfolgreich sein können…

  19. Pingback: Kommunikation im Social Enterprise: Offener Dialog zwischen Unternehmen, Kunde und Mitarbeiter | Prof. Dr. Heike Simmet



  20. Greta

    Ein spannendes und interessantes Thema, aber – mit Verlaub – “grottenschlecht” geschrieben: Es wimmelt von Rechtschreibfehlern und ist furchtbar unbeholfen und ungeschickt formuliert. Du meine Güte …

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