Steuervergünstigungen für Business Angels sollen fallen: Die Gründerszene läuft Sturm

Schlechte Nachrichten für deutsche Business Angels: Der Bundesrat hat kürzlich einen Änderungsvorschlag zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung für das Jahressteuergesetz 2013 aufgenommen, der die Steuervergünstigungen für Holding-Gesellschaften einschränken soll. Bei einer Umsetzung wurde sich […]
Steuervergünstigungen für Business Angels sollen fallen: Die Gründerszene läuft Sturm

Schlechte Nachrichten für deutsche Business Angels: Der Bundesrat hat kürzlich einen Änderungsvorschlag zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung für das Jahressteuergesetz 2013 aufgenommen, der die Steuervergünstigungen für Holding-Gesellschaften einschränken soll. Bei einer Umsetzung wurde sich die Steuerlast von Wirtschaftsengeln deutlich erhöhen. Die geplante Änderung führte in der deutschen Gründer- und Business-Angel-Szene zu erheblicher Verunsicherung. deutsche-startups.de hörte sich in der Szene um, was die Menschen, die die Änderung betrifft, von dem Vorschlag halten. Der Tenor ist eindeutig: Dieses Gesetz darf so nicht in Kraft treten, wenn Schaden von Gründern, Investoren und der gesamten deutschen Gründerszene abgewendet werden soll!

Hintergrund für die Änderung ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EUGH), wonach es gegen EU–Recht verstößt, wenn ausländische Kapitalgesellschaften nur dann in den Genuss einer Steuervergünstigung kommen, wenn sie mit mindestens zu 10 % an einer deutschen Kapitalgesellschaft beteiligt sind. Erhalten nun weiter deutsche Kapitalgesellschaften ohne jegliche Mindestbeteiligungsgrenze steuerliche Vergünstigungen, stellt dies eine Diskriminierung für EU-Ausländer dar. “Das Urteil des EUGH wäre eine Chance, um auch ausländischen Gründern, Business Angels und Investoren einen höheren Anreiz zu geben, in deutsche Unternehmen zu investieren: Wenn man die 10%-Grenze für sie abschafft, anstatt sie für die Deutschen einzuführen”, sagt Robert Maier, Gründer von Ladenzeile und Business Angel. Nachfolgend einige Statements von bekannten Gründern und Start-up-Unterstützern.

“Start-up-Szene in Deutschland gefährdet”

ds_svenschmidt “In Deutschland ist in den letzten Jahren eine sehr aktive Business Angel-Szene entstanden; unter anderem aufgrund der Möglichkeit, Erlöse bei dem Verkauf von Anteilen ohne größere Steuerlast direkt wieder in neue Firmen investieren zu können. So sind erfolgreiche Gründer zu Business Angels geworden und haben wiederum neuen Gründern den Erfolg ermöglicht. Auch dadurch ist Berlin zu dem Standort der Internet-Industrie in Europa geworden. Business Angels sind in Deutschland so wichtig, weil wir vergleichsweise wenig Risikokapitalgeber-Firmen in Deutschland haben. Die neue mögliche Gesetzgebung macht Business Angel-Investments relevant unattraktiver und gefährdet damit die Start-up-Szene in Deutschland. Auch erscheint mir die 10-%-Hürde komplett willkürlich – wenn überhaupt sollte man kleine Anteilseigner bevorteilen und nicht große. Die mögliche Gesetzgebung würde meines Erachtens zudem die Bemühungen des HTGF oder der European Angel Fund-Initiative konterkarieren.”
Sven Schmidt, Geschäftsführer, ICS Internet Consumer Services

“Regelung wird Deutschland zurückwerfen”

ds_ferry_heilemann “Seit der Übernahme von DailyDeal durch Google im Herbst 2011 haben mein Bruder Fabian und ich bereits mehr als sieben Start-ups aus Berlin mit Kapital und know-how unterstützt. Bei keiner unserer Beteiligungen halten wir als Seed Investor mehr als 10 %, wodurch die neue Regelung uns maßgeblich betreffen würde. Die deutsche Start-up-Szene ist in den letzten Jahren stark gewachsen, nicht zuletzt weil die Erlöse von erfolgreichen Gründungen problemlos wieder in das Start-up-Ökosystem reinvestiert werden konnten. Die neue Regelung wird einen relevanten Anteil dieser Investments verhindern und somit die deutsche Start-up-Szene stark beeinträchtigen und Deutschland als Land der Innovation zurückwerfen.”
Ferry Heilemann, Gründer von DailyDeal und Business Angel

“Business-Angel-Szene wird geschwächt”

ds_Delius_panfu“Zahlreiche Business Angels und ehemalige Gründer unterstützen Unternehmer und Gründer der Internetszene, die weder Bankkredite noch andere Finanzierungen erhalten würden. Dadurch ist eine lebhafte Start-up-Branche entstanden, die internationale Anziehungskraft hat und für Deutschland ein wichtiger Treiber für Innovation und Zukunftsfähigkeit ist. Dieser Aufschwung wird nun durch eine Gesetzesänderung bedroht, welche die lebhafte Business-Angel-Szene schwächt, die großen Investoren stärkt und am Ende nur dazu führt, das viel Zeit und Geld von Gründern und Business Angels in die Optimierung und Umstrukturierung gesellschaftsrechtlicher Konstruktionen fließt, statt diese Zeit und dieses Geld dem Auf- und Ausbau ihrer Startups zu widmen, welche für Deutschland so wichtig sind.”
Verena Delius, Geschäftsführerin goodbeans

“Der begonnene Aufschwung wird bedroht”

Robert Maier “Investitionen in junge und innovative Start-ups werden durch die im Jahressteuergesetz 2013 vorgesehene Gesetzesänderung deutlich unattraktiver. Als Business Angel unterstütze ich junge Gründer, die weder Bankkredite noch andere Finanzierungen erhalten. Dabei liegen die Beteiligungen fast ausnahmslos unter 10 %. Die Start-up-Branche erlebt gerade in Berlin, aber auch in vielen anderen Regionen Deutschlands einen Aufschwung, der nun durch dieses Gesetz bedroht wird. Im internationalen Vergleich hat die Gründer- und Risikokapitalbranche in Deutschland viel Nachholbedarf. Der begonnene Aufschwung wird nun bedroht. Das Gesetz soll faktisch rückwirkend gelten: So habe ich selber im Dezember 2011 Anteile, über eine Holding gehalten, an einer Gesellschaft auf 9,5 % reduziert. Das hätte ich natürlich nie gemacht, wenn damals das Gesetz bekannt gewesen wäre. Und ich bin kein Einzelfall. Große Kapitalgesellschaften werden deutlich besser gestellt als die Kleingesellschafter. Aber gerade die Kleingesellschafter – die eigentlichen Unternehmer – sind häufig diejenigen, die das operative Geschäft leiten. Genau die würden durch das Gesetz aber massiv benachteiligt.”
Robert Maier, Gründer von Ladenzeile und Business Angel

“Gesetzesentwurf wirft uns Jahrzehnte zurück”

ds_vollmann “Die bisherige Regelung wurde damals extra eingeführt, damit Exiterlöse reinvestiert werden und somit wieder im Wirtschaftskreislauf landen. Nur dort ist Geld produktiv. Die neue Regelung würde dafür sorgen, dass Exiterlöse auf den Privatkonten der Investoren landen und dort versauern. Nach vielen Jahren ist in Deutschland endlich eine Art Business Angel-Community aus ehemaligen Gründern entstanden, die ihre Gewinne unter hohem Risiko in junge Nachwuchsgründer reinvestieren. Alle reden davon, wie man in Deutschland mehr Innovation und mehr Gründungen fördern kann. Dieser Gesetzesentwurf wirft uns um Jahrzehnte zurück. Der neue Gesetzesentwurf ist de facto rückwirkend und würde einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Warum nicht andersrum denken? Anstatt die Situation für deutsche Investoren zu verschlechtern lieber Anreize für ausländische Investoren setzen, in Deutschland zu investieren!”
Christian Vollmann, Gründer von eDarling und Business Angel

“10-%-Hürde ist komplett zusammengewürfelt”

max_thyssen “Die Willkür mit welcher der deutsche Fiskus versucht die Steuereinnahmen irgendwo in die Nähe der Ausgaben zu hieven sucht seines gleichen. Nicht nur, dass im Vorstoß des Bundesrates eine faktische Rückwirkung für 2012 vorgesehen ist, auch die 10-%-Hürde ist komplett zusammengewürfelt. Die Re-Investitionsfreundichkeit von erfolgreichen Unternehmern nach einem Exit in neue und innovative Modelle, sowie die Schaffung von gut bezahlten Arbeitsplätzen würde mit solch einem Gesetz komplett torpediert. Für mich persönlich stellt sich die Frage ob Deutschland noch ein Land ist, in welchem man mit einer gewissen Rechtssicherheit seinen Aktivitäten – das Gründen von und Investieren in neue Firmen und Arbeitsplätze – langfristig nachkommen kann, oder ob es nicht bessere Optionen dafür gibt, beispielsweise in der Schweiz, auf Zypern oder Malta. Weder ich noch einer meiner befreundeten Investoren haben Probleme ihren Beitrag zu unserer Gemeinschaft zu leisten: Ich lebe gerne in Deutschland und zahlen hier auch alle meine Steuern. Jedoch muss es eine gewisse Planungssicherheit und Sicherheit vor Willkür des deutschen Fiskus geben.”
Maximilian Thyssen, Founding Partner Family’s Venture Capital

“Ein Schlag ins Gesicht von Gründern”

ds_Gerald_Schoenbucher “Die geplante Gesetzesänderung ist ein Schlag ins Gesicht von Gründern und privaten Frühphaseninvestoren. Die beiden Gruppen tragen die größten Risiken und reinvestieren Erlöse aus Beteiligungsverkäufen meist direkt wieder in neue Start-ups. Privatentnahmen müssen sie auch jetzt schon mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Das mit der Änderung zu erzielende zusätzliche Steueraufkommen ist minimal. Der Gesetzesentwurf ist eher als Maßnahme zur Verteidigung in der typisch deutschen Neiddebatte zu sehen. Unsere Politiker ziehen es vor, alte Industrien künstlich am Leben zu halten, statt dort die richtigen Anreize zu schaffen, wo die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen – beschämend.”
Gerald Schönbucher, Gründer von Hitmeister und Business Angel

“Ein falsches Signal!”

Kollmann “Wenn man bedenkt, dass wir im internationalen Vergleich als Standort für die Net Economy in den letzten Jahren digital abgehängt worden sind, dann sollten wir eigentlich alles dafür tun, um ein positives Umfeld für Gründer und Investoren in dieser Branche schaffen. Die aktuellen Überlegungen zur vorgesehenen Gesetzesänderung in Bezug auf Steuervergünstigungen für Holding-Gesellschaften sind daher ein falsches Signal! Es müsste vielmehr darüber nachgedacht werden, wie man positive Anreize für mehr Investitionen setzen könnte, denn mehr Investitionen bedeuten am Ende auch mehr Unternehmen und damit auch mehr Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Die Net Economy ist und bleibt eine der wichtigsten Schlüsselbranchen für die Gegenwart und Zukunft und wir wären gut beraten endlich einmal darüber nachzudenken, wie wir die Investitionen in diesem Bereich sinnvoll steigern und nicht regulativ reduzieren können.”
Univ.-Prof. Dr. Tobias Kollmann (Duisburg-Essen), Geschäftsführer netStart Venture

“Konsequenzen sind wohl nicht klar”

Samuli-Siren “Ich mache mir Sorgen um die Signalwirkung solcher Entscheidungen. Die Konsequenzen sind den Entscheidern wohl nicht klar. Es ist bemerkenswert, wie viel Innovation und Unternehmertum inzwischen in der Start-up-Szene vorhanden ist. Nur sind die Gründer am Anfang auf Risikokapitalgeber angewiesen und es gibt eine erfreulich aktive Business Angels-Szene in Deutschland. Ein Investor denkt aber immer auch über Alternativen nach und vergleicht Immobilien, Aktien und Start-up-Investments miteinander. Wenn man durch ein Steuergesetz besonders die Beteiligungen unter 10 % schlechter stellt, sind die Start-ups durchaus einer der unattraktiveren Investmentziele. Wenn diese kleinen Frühphaseninvestoren künftig die Lust in Start-ups zu investieren verlieren, verlieren alle – auch die Finanzämter.”
Samuli Sirén, Manager Business Development and Investments von K – New Media

“Regelung wird sich negativ auswirken”

ds_felix_haas “Deutschland hat die Chance, in den kommenden Jahren das nächste Facebook, Google oder eBay hervorzubringen. Seed-Finanzierungen sind eine wichtige Grundlage für die Gründung und spätere Wachstumsphasen von Internetunternehmen. Gerade in frühen Firmenphasen sind Investments allerdings mit sehr hohen Risiko verbunden. Die finanzpolitischen Rahmenbedingungen müssen entsprechendes Unternehmertum fördern und unterstützen. Die vorgeschlagene Regelung wirkt dem völlig konträr und wird sich Regelung auf die Investitionskultur und damit das Wachstum von jungen Internetunternehmen in Deutschland auswirken. Die erfolgreichen ersten Schritte der vergangenen Jahre dürfen nicht zunichte gemacht werden!
Felix Haas, Gründer von amiando und Business Angel

“Neue Ideen brauchen nun einmal auch Geld”

Henning Kosmack“Das ist absoluter Schmarr’n, wie wir hier in ‘Silicon Isar’ sagen würden. Deutschland hat lange warten müssen, bis wir endlich etwas haben, was die USA schon lange vor uns hatte, nämlich erfolgreiche Gründer, die als Angels tätig werden und Geld aus Exits wieder reinvestieren. Klar, know-how ist etwas sehr wichtiges, was diese Gründer weitergeben können, aber neue Ideen brauchen nun einmal auch Geld. Gerade in dieser ersten Zeit, wo einen viele noch für verrückt halten, da braucht es Entrepreneur-Angels, die einfach ein gutes Bauchgefühl haben und einsteigen. Wenn diesen aber die Grundlage genommen wird, genau das zu machen, dann machen wir etwas kaputt was über Jahre gewachsen ist, um das uns viele andere Länder schon beneiden, und was jetzt erst anfängt, so richtig zu rocken.”
Henning Kosmack, Gründer von MegaZebra

“Ich zahle gerne mehr”

“Aussagen wie „Schlag ins Gesicht von Gründern“, „Gesetzesentwurf wirft uns Jahrzehnte zurück“ (was war die Internetszene damals eigentlich: Die Fax-Szene?), „Exiterlöse auf den Privatkonten der Investoren landen und dort versauern“ sind blanker Zynismus” – Ein offener Brief von Ehssan Dariani zum Anti-Angel-Gesetz

Was sagen Sie zur geplanten Änderung? Meinungen bitte in den Kommentaren hinterlassen.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Stefan

    Lars (Hinrichs), ruf doch mal die Merkel an! Danke!

  2. Wem schadet es wenn die 10%-Grenze für ausländische Kapitalgesellschaften abgeschafft wird? Niemanden, im Gegenteil, es fließen mehr kleinere Investitionen in unser Land. Aber da Politiker von der realen Wirtschaft auf Grund ihrer Ausbildung nur sehr selten eine Ahnung haben, schreien sie bei dem Wort/Gedanken Steuererleichterung gleich hektisch auf.

  3. In DE gibt es sowieso schon sehr wenige Steueranreize für Biz Angels / Direktinvestments in Start-Ups. Sowohl Frankreich als auch UK ist da wesentlich weiter, was in Frankreich z.B. dazu führt, dass jeder Steuerberater einem Zahnarzt am Jahresende rät: “pack ein paar tausend EUR in einen VC Fonds”, mit dem Ergebnis, dass französische VCs oft über deutlich mehr Kapital verfügen (und BTW die Franzosen auch fröhlich in DE investieren).

    Das einzig bestehenden kleine Goodie in DE jetzt auch zu kassieren wäre wirklich ein Schritt in die falsche Richtung, insbesondere, da der Steuervorteil ja nur für Kapitalgesellschaften gilt (ein Angel macht seine privaten Minifonds in seiner GmbH), die Ausschüttung von seiner GmbH in das Privatvermögen aber wieder besteuert ist, hat das bisherige System sogar den klaren Effekt, dass Reinvestments aus der GmbH in neue Projekt forciert werden.

    Ich hoffe, dass BAND, Presse, Szene und Co. hier genug Lobby machen können.

  4. Ich würde Steuervergünstigungen immer an die Nachhaltigkeit von Investments koppeln.

    Sprich: Haltefristen festlegen.

    Das fördert nachhaltiges Denken.

    Insofern finde ich es auch schade, dass die Spekulationsfrist bei Aktien der Abgeltungssteuer weichen musste. Ich hätte die Spekulationsfrist auf 5 oder 10 Jahre angehoben.

    Wenn man dazu die Angels fragt, ist klar was heraus kommt: Finden sie doof.

    Aber das war auch bei dieser “Umfrage” vorher klar. Wer zahlt schon gerne mehr Steuern bzw. beachtet Auflagen?



  5. dora

    Ich frage mich immer noch, was eigentlich Gesprächsthema beim Angel- Gipfel im Kanzleramt vor einigen Wochen war. Ganz offensichtlich war es nicht dieses Thema – und zumindest bei den gut Informierten war es schon lange bekannt. Entweder der Gipfel war eine reine Bullshit-Show von Selbstverkäufern oder Merkel und Co. haben diese Angel verarscht!

  6. @Sebastian Fiebieger: Haltefristen sind völlig unnötig bei Angel Investments, da diese Investments in den allermeisten Fällen extrem illiquide sind.

    Versuch mal, Deine Anteile an einem StartUp als Business Angel zu verkaufen, bevor es einen Gesamt-Exit gibt. Viel Spaß dabei.

    Natürlich finden wir Business Angels das neue Gesetzt doof. Ist auch unser gutes Recht. Davon abgesehen bleibt die Tatsache, dass es Investitionsfeindlich ist und den Startups schadet, die dadurch weniger Seed Finanzierung bekommen werden.

    Und noch was: ich zahle Steuern in diesem Land, und tue das auch gerne weil ich etwas dafür zurückbekomme. Aber Regeln NACHTRÄGLICH zu ändern, ist ein Unding. Wenn das zur Routine wird, kann man nicht mehr planen und keine zukunftsgerichteten Entscheidungen mehr treffen. Eine Katastrophe für jeden Wirtschaftsstandort, egal ob DE oder woanders.



  7. Sascha

    Am Ende wird vermutlich wieder eine Regelung nachgeschoben, die die Auswirkung der ersten Regel für bestimmte mindern soll, die man aber nur findet wenn man seinem Steuerberater noch 2000€ gibt und noch eine landwirtschaftlich geprägte Organschaft in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft auf Aktien in den neuen Bundesländern mit West Berlin zwischenschaltet um das erweitert begrenzte Schachtelprivilig zu nutzen.

    Ich bin, wenn ich sowas lese schon gar nicht mehr zu ernsthaften Antworten fähig, ich hab Gesetzgeber Burn Out.

  8. @christian

    Ich habe ja nicht von den Verkaufsmöglichkeiten VOR dem Exit gesprochen. Mit Haltefristen würde man aber der aktuellen Lotto-Mentalität bei außerbörslichen Internetinvestments entgegenwirken. Die Spekulation auf den schnellen Exit zieht eben einen Rattenschwanz an negativen Konsequenzen nach sich. Die Geschäftsentwicklung ist dann nicht auf Nachhaltigkeit, sondern den schnellen Verkauf ausgerichtet. Wie das in den meisten Fällen dann aussieht, wissen wir alle.

    > die dadurch weniger Seed Finanzierung bekommen werden

    Das ist pure Spekulation. Und imho keine besonders gute.

    Die USA sind uns 2-5 Jahre voraus. Dort haben wir schon eine klare Angel-Blase. Eine ähnliche Entwicklung erwarte – ich Steuerbegünstigung hin oder her – hier auch.

    > Aber Regeln NACHTRÄGLICH zu ändern, ist ein Unding

    Da gibt es keine zwei Meinungen. Und das wäre klar verfassungswidrig.



  9. Sascha

    @ Sebastian
    sowas nennet das Verfassungsgericht unechte Rückwirkung, d.h. alle Vorgänge die in der Vergangenheit begonnen haben aber heute noch nicht abgschlossen sind.
    Da hat das Verfassungsgericht nichts daegegen, bzw. verlangt eine Güterabwegung. Da es aber bei der Verlängerung der Spekulationsfristen für Immobilien schon einen ähnlichen Fall unkritisch gesehen hat, sollte man sich nicht so viel Hoffnung machen.

  10. Nach meinen Informationen ist hier koalitionsseitig noch überhaupt nichts beschlossen. Das BMWi prüft das Thema gerade erst.

    Die aktuelle PR-Welle durch die Szene ist definitiv sinnvoll und richtig, aber noch ist nichts entschieden und noch gibt es keine Stellungnahmen relevanter Entscheidungsträger.



  11. Goran

    Steuerhölle Deutschland! Einmal mehr…

  12. @Sascha

    Diese Immobiliengeschichte kenne ich nicht. Da war es wirklich so, dass die Frist für Immobilien gesenkt wurde, die schon gekauft waren?



  13. Martin

    Wahrscheinlich bin ich der einzige hier, aber ich finde die Steuervergünstigen quatsch und freue mich, dass hier etwas getan wird.

    Eine Beteiligung an einem Unternehmen ist ein Investment – ob das ganze nur unter dem Label “Business Angel” läuft oder nicht. Und warum bitte soll man dann auf den Gewinn (!!) aus diesem Investment (der übrigends mit ggf. Verlusten verrechnet werden kann!) keine Steuern zahlen? Würden die Business Angels Ihre Beratungsleistung per Rechnung machen müssten Sie das naütrlich auch versteuern.

    Und nein, es wir die Kultur sicher nicht zerstören. Es ist einfach eine Sache der Gerechtigkeit, dass jeder auf Kapitalgewinne Steuern zahlt – genauso wie es jede GmbH auch tun muss. Und nochmal: Selbst mit Steuern bleibt noch genug von dem Gewinn übrig – nur gerecht!

  14. In Großbritannien können Business Angel 50% ihrer Investments, bis zu 100 000 Pfund, jährlich von der Einkommenssteuer abziehen und in Deutschland machen wir private Eigenkapitalinvestitionen noch ein Stück unattraktiver.

    Dabei darf man davon ausgehen, dass den Machern dieser Änderung die Steuerungswirkung auf die Startup-Welt u.U. gar nicht bewusst ist. In den Parlamenten und Ministerien sitzen schlicht weg keine Unternehmer.

    Der deutschen Gründerszene fehlt eine gemeinsamme Stimme. Ein medienwirksamer Termin bei der Kanzlerin kann unterstützen, aber ohne den intensiven Dialog mit Berufspolitkern, Abteilungsleitern und Referenten in BMWi, BMF und Co werden auch in Zukunft Entscheidungen an uns Gründern vorbei getroffen.

    Einige politikinteressierte Gründer und Unternehmer wollen das ändern. Wer mitwirken möchte trägt sich auf gruendungspolitik.de ein. Die Einladung zur Gründungsveranstaltung wird in den nächsten Tagen verschickt.

  15. > In Großbritannien können Business Angel 50% ihrer Investments

    Ja. Aber seit wann ist UK ein Vorbild für Irgendwas?

    Wenn ich mir die Entwicklungen der Volkswirtschaften anschaue, schießt sich Großbritannien seit einiger Zeit mit Anlauf ins Aus.

    Wenn eine Gesellschaft (sprich wir alle) etwas finanziell fördern soll, müssen schon handfeste Gründe dafür her.

    Die Schaffung von Arbeitsplätzen durch nachhaltige Unternehmen wäre so ein Grund.

    Aber was in DE am Fließband mit VC/Angel-Geld aufgepumpt wird, löst doch dieses Versprechen in den aller seltesten Fällen ein.



  16. Realistiker

    @dora:
    >> Ich frage mich immer noch, was eigentlich Gesprächsthema beim Angel-Gipfel im Kanzleramt vor einigen Wochen war.
    Vielleicht genau das, was wir hier jetzt lesen. Denn die Besucher sind ja alle schon multi-multi-millionäre, also ein paar kleine Hürden einbauen sodass nicht zu viel Konkurrenz nachkommt!?

  17. @Realistiker

    Damit rufst Du bei den Betroffenen allenfalls den Textbaustein:

    “Mir geht es um die Förderung von Unternehmertum als Ganzes … junge Menschen im Internet … Startups eine Chance … Deutschland … Standort …”

    ab ;-)



  18. Sascha

    @ Martin du hast natürlich unrecht, es wird so keine Steuergerechtigkeit hergestellt, sondern in erster Linie Scheingewinne besteuert durch die unterschiedliche Fristigkeit von Investments.
    In der Regel werden “tolle” Investments schneller verkauft und weniger gute länger gehalten, dadurch wird es passieren, dass ebend keine Verrechnungen mit Verlusten möglich sind.

    Neben wir an der Angel A macht mit seiner GMBH 5 Investments a 20k€ davon läuft eins gut und wird nach 2 Jahren für 100t€ verkauft. Eins läuft ganz schlecht und geht nach 2 Jahren Pleite, dann hat die A GMBH im zweiten Jahr 80t€ Gewinn gemacht, die versteuert werden.
    Die anderen drei Investments sind weder geil noch pleite.
    Im dritten und vierten Jahr passiert wiederum nichts mit den anderen Investment. Im fünften Jahr verkauft der Angel A seine drei Beteiligungen zum Nennwert an die Gründer (1000€) und erleidet ein Verlust von 59.000€.
    Insgesamt hat der Angel A also 100.000€ investiert und 101.000€ zurück bekommen. Trotzdem hat er auf 80k Steuern von 30% also ca. 24.000€ gezahlt, weil die Verluste nicht soweit Rücktragsfähig sind. Aus einer Vorsteuerrendite von unter 1% ist eine Nachsteuerrendite von -23% geworden.
    Das ist Suboptimal.
    Unter anderem aus genau dem Grund wurde das Gesetz ja mal erlassen.

    @ Sebastian bei der “unechten” Rückwirkung wurde die Spekualitionsgrenze von 2 Jahren auf 10 Jahr verlängert und zwar auch für Immobilien die vor z.B. 5 Jahren gekauft wurden. D.h. die waren schon aus der alten Friest raus und in der neuen dann wieder drin.
    @ Sebastian, wer soll den beurteilen ob “etwas” ökonmisch nachhaltig ist und wie lange? 100 Jahre, 10 Jahre 3, Jahre. Die Forderung ist doch überhaupt nicht operativ umsetzbar. Waren Quelle, Neckermann, AEG, Grundig, Karstadt, Holzmann, Borgwardm der ganze Solarkram nachaltig, die größten Insolvenz Deutschlands?



  19. Martin

    Sascha:
    Deine Rechnung gehe ich so nicht mit – du rechnest du Steuerlast ausschließlich auf das Jahr, in dem bei einem Invest Gewinn erwirtschaftet wurde. Natürlich kann die GmbH A den Verlust im Jahr 2 gegen den Gewinn rechen – zur Not mit einem Verlustvortrag. Und dann kann Steuerlich auch über mehrere Jahre mitgeführt werden. Der zeitliche Abstand ist daher nicht relevant!

    Außerdem, wenn ich deine Rechnung richtig lese: Wenn GmbH A seine Anteile zum Nennwert verkauft entstehte kein Verlust sondern eine Bilanzverkürzung – auch das ist steuerlich nicht relevant.

    Ohne jetzt zu sehr in das HGB/Steuerrecht abzudriften, bleibe ich bei der Meinung – wer Gewinn aus einem Invest schöpft muss diesen Versteuern. Genauso wie es jeder andere auch machen muss, wenn er beispielsweise eine Aktie kauft.

  20. Alles was Startups das Leben schwer macht führt zu einer Verschlechertung der Gesellschaft. Wie sollen neue Arbeitsplätze entstehen wenn innovative Ideen und Unternehmensgründungen durch dumme Politik blockiert werden? Dann haben Startups in USA und Asien einen enormen Wettbewerbsvorteil und dann wächst die Wirtschaft dort anstelle hier.



  21. Johannes

    Es ist meines Erachtens wichtig, dass die Politik versteht, dass es sich bei der Regelung nicht einfach nur um ein Steuerschlupfloch handelt, dass es zu schließen gilt, sondern dass eine wichtige Zukunftsbranche maßgeblich damit arbeitet und diese somit fördert.

    Man kann sich nicht mehr IT Innovationen wünschen und neidisch ins Valley oder nach Asien schauen und gleichzeitig der hiesigen Start-Up Branche das Leben schwer machen.

    Es ist ferner nicht zu verstehen, warum Beteiligungen über 10% Steuerfrei bleiben, aber unter 10% besteuert werden. Das heißt, dass große Sharedholder weiterhin profitieren, wohingegen die Kleinen mal wieder das Nachsehen haben. Das ist meines Erachtens genauso unfair die der Ausbleibende “Vorteil” gegenüber Ausländischen Shareholdern.



  22. Rotes Kliff

    Pfäffikon, Baby!! 16,5%!
    Ciao Germany!

  23. > wer soll den beurteilen ob “etwas”
    > ökonmisch nachhaltig

    Das muss im Einzelfall ja gar nicht beurteilt werden.

    Mit Rahmenbedingungen kann man aber die gewünschte Kultur fördern. Und exit-getriebene Gründungen finde ICH nicht förderungswürdig.

    Keine Steuersubventionen für Lotto-Gründungen.

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  26. Sascha

    @Martin
    meine Rechnung wird aber für viele Angel richtig sein, es geht schließlich um Vermögen aus dem Exit eines Unternehmens (Einmalgewinn) und nicht um die laufende Anlage von Gewinnen.

    @Sebastian
    Dazu müssen die Rahmenbedingungen aber unterscheiden können. Es Unternehmen wird nicht dadurch nachhaltig das man es 8 Jahre behält, das wollte ich eigentlich mit meinen Beispielen zeigen.
    Ein Verkauf nach 2 Jahren kann genauso richtig sein, wie einer nach 7 Jahren.

    Und wer in Deutschland eine Eigenkapital Kultur will (und das wollen die meisten, inzwischen sogar die Politik) der muss sich Gedanken machen wie er Eigenkapitalfinanzierungen nach vorne bringt.

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