
Der Meilenstein ist erreicht: Die Plattform Seedmatch (www.seedmatch.de) hat als erste deutsche Crowdinvestment-Plattform eine Million Euro von Privatinvestoren zusammengetragen. Damit dürfte nun endgültig der Beweis vorliegen, dass sich das Prinzip Crowdinvesting zu einer wichtigen Geldbeschaffungsquelle für Start-ups entwickelt und neben die klassischen Finanzierungsformen tritt. Mittlerweile müssen Privatinvestoren früh aufstehen, um sich überhaupt noch an den vorgestellten Projekten beteiligen zu können, denn die Deckung des Kapitalbedarfs geht rasend schnell – so auch beim neuesten Projekt Larovo.
1640 Investments mit durchschnittlich 609,76 Euro
Elf Unternehmen dürfen sich bisher über ihre erfolgreiche Finanzierung durch die von Seedmatch zusammengetrommelten 822 Privatinvestoren freuen, wie das Dresdner Start-up vermeldet. Insgesamt wurden 1640 Investments getätigt, deren durchschnittliche Summe bei 609,76 Euro lag (Mindestbetrag: 250 Euro). „Das Erreichen dieser Marke in so kurzer Zeit beweist, dass Crowdfunding auf dem besten Weg ist, sich als Finanzierungsmodell für Startups zu etablieren“, ist auch Jens-Uwe Sauer, Gründer und Geschäftsführer von Seedmatch, überzeugt.
Etwas verwirrend ist, dass Seedmatch selbst von „Crowdfunding“ spricht, womit normalerweise eher Plattformen bezeichnet werden, die im kulturellen Bereich Geld einsammeln. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei Seedmatch und Mitbewerber Innovestment nicht um ideelle Geldgaben, sondern um echte Investments, auch wenn die Geldgeber als stille Beteiligten im Hintergrund bleiben.
Prognose für 2012: vier bis fünf Millionen Euro für Startup-Finanzierung
Wie dem auch sei: Sowohl Crowdfunding als auch Crowdinvesting sind ein boomender Markt und René Klein, der regelmäßig den Crowdfunding-Monitor herausbringt, geht für 2012 von vier bis fünf Millionen Euro für Startup-Finanzierungen aus. Angesichts der letzten Turbo-Finanzierungen – Lingoking (www.lingoking.com) erreichte die maximale Finanzierungssume von 100.000 Euro in gerade einmal fünfeinhalb Stunden – dürfte die Einschätzung realistisch sein. Am 24. Mai eröffnete Seedmatch die Finanzierungsrunde für das Larovo (www.larovo.com), eine intelligente Kaufberatungs-Plattform. Auch dieses Start-up wurde wieder in Rekordzeit finanziert.
Im Fokus: Weitere Artikel über die Crowdinvestment-Szene in unserem Special Crowdinvesting
Artikel zum Thema
* “Der Frühphasenmarkt in Deutschland hat Nachholbedarf” – Jens-Uwe Sauer von Seedmatch im Interview
* Die Demokratisierung des Finanzierungsmarktes: Neue Rekordsummen im Bereich Crowdfunding
* Mehr als nur ein weiterer Produktvergleich: Larovo berät beim Kauf von Elektronikprodukten


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Kommentare
Komischer Journalismus! Das erwähnen von “in so kurzer Zeit beweist” und “wurde wieder in Rekordzeit” ohne Angaben von Zeit, oder einer Gegenüberstellung, bzw. Einordnung ist entweder schlampig vom Praktikanten geschreiben oder reine Werbung von Seedmatch.
Comment by Peter Shaw 30. Mai 2012 @ 08:33Warum ist Seedmatch eigentlich so dermaßen erfolglos?
1 Million Außenumsatz in den bisherigen gefühlten 3 Jahren entspricht vielleicht 40.000€ Provision insgesamt für 3 Jahre. Das reicht doch bei den vielen Leuten, die laut Homepage damit zu tun haben, gerade so für die Miete für je ein WG- Zimmer.
Was ist der Grund für das Scheitern?
Oder glaubt jemand, daß in absehbarer Zeit so viel Kapital vermittelt wird, daß Seedmatch Gewinn macht?
Comment by Wilco 30. Mai 2012 @ 09:28@Wilco: Die großen Jungs investieren nicht über solche Seiten, und bei den kleinen Maxis schwellen gerade noch die blauen Augen ab, die sie sich in der Finanzkrise 2008/09 mit Lehman-Zertifikaten geholt haben.
Comment by E-Commerce Fan 30. Mai 2012 @ 11:01@Wilco, ich denke mal erfolglos (für deutsche Verhältnisse) sind sie nicht, der Knaller ist es aber auch “noch” nicht.
Das Problem ist wohl, dass Konzepte wie Kickstarter im Moment populärer sind, diese aber in Deutschland nicht funktionieren bzw. zulässig sind.
Der Ansatz mit Investieren wird bei uns eh immer etwas kritischer gesehen. Die Menschen haben kein Problem damit ein paar Euro zu spenden oder kleinere Projekte zu unterstützen, aber 250 Euro investieren, dass wird sehr genau überlegt. Und da überlegen anstrengend ist und nicht cool oder hipp, ist Seedmatch halt kein Projekt für die Masse.
Und wenn nunmal nur ein kleiner Teil die Möglichkeit nutzt, fallen viele interessante kleine Projekte (z. B. Games) aus dem Rahmen und erscheinen dort erst garnicht. Was wieder einiges an publicity kostet…. wieder Beispiel Kickstarter: durch einige Spiele die Millionen einsammelten gab das einen großen Bekanntheitsschub.
Comment by Dieter 30. Mai 2012 @ 11:44Ich weiss nicht so recht. Wie hoch ist den die Chance das man (Total)Verlust erleidet? Vermutlich muss man wie bei Aktien seine Investitionen streien, weil man weiss nie wo sich die Rakete versteckt hält. Hoffentlich berichten die dann auch mal, was aus den Start-Ups für die Geld gesammelt wurde geworden ist.
Comment by Rainer Safferthal 30. Mai 2012 @ 12:11@Rainer: Man muss schon genau hinsehen, die guten Projekte werden von professionellen Investoren finanziert. Was bei Plattformen wie Seedmatch landet dürfte eben der Rest sein, der dem kleinen Maxi übrigbleibt – da wird auch nicht viel verdient.
Comment by E-Commerce Fan 30. Mai 2012 @ 12:20Mit kickstarter würde ich das gar nicht vergleichen, dort werden ja eher so “Ein-Produkt-Ideen” gefördert, die dann auch konkret abverkauft werden können – wie z.B. diese Bluetooth-Uhr – bei Seedmatch investiert man in irgendwelche Businesspläne.
Stimme “E-Commerce Fan” zu und wollte einen ähnlichen Beitrag schreiben. Die Chance auf ein “Facebook” unter den crowdfunding gefundeten Start-Ups ist eher gering… Das ist aber glaube ich die Phantasie vieler “Anleger” dort. Ich sehe Crowdfunding bedenklich, denn zur Jahrtausendwende haben auch massenhaft Privatanleger (damals eben an der Börse) investiert obwohl a) kaum Ahnung und b) viele Modelle damals noch nicht bereit waren (und heute funktionieren). Ich habe etwas Sorge, dass sich getrieben vom Ausblick auf das schnelle Geld und Erfolgsmeldungen (allerdings ganz anderer Unternehmen!) ein vergleichbares Phänomen auftritt.
Crowdfunding löst im Prinzip nur ein Marktproblem, nämlich die Beschaffung von Kapital. Hat das bisher über Investoren und anschliessend Friends Fools und Family nicht funktioniert, wurden die Ideen nicht umgesetzt. Volkswirtschaftlich IMO besser wenn man sich anschaut, was da für Ressourcen (vor allem der Gründer) reingehen. Crowdfunding hebelt leider diesen Marktmechanismus aus und ist (im Regelfall, will nicht verallgemeinern!) weder für die Investoren sinnvoll noch für die Gründer, die a) ein falsches Signal erhalten und b) außer Kapital eigentlich keine nennenswerten Mehrwerte wie Netzwerke, Zugang zu Wissen etc. welches die Investoren mitbringen. Das ist in meinen Augen adverse Selektion an sich.
Welchen Grund habe ich Crowdfunding zu suchen wenn ich es nicht mal schaffe mein Umfeld oder andere, inzwischen reichlich vorhandene, Businessangels oder (evtl. später) VCs zu überzeugen?
Comment by Toni L. 30. Mai 2012 @ 13:22Hallo, mein Name ist Florian. Ich arbeite bei Seedmatch als Analyst. Zunächst einmal Danke für die kritische Auseinandersetzung und das Feedback. Es gibt allerdings einige Punkte in dieser Diskussion, die schlicht falsch sind, und die ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte:
Comment by Florian 30. Mai 2012 @ 14:52@Wilco: Es sollte bedacht werden, dass wir erst seit August 2011 am Markt sind und wie jedes Startup nicht von Anfang an Cash Flow positiv sind. Weiterhin haben wir uns mit Crowdfunding ein sehr kompliziertes Thema ausgesucht, das eine lange Vorbereitungsphase nötig gemacht hat.
@E-Commerce Fan: Natürlich haben professionelle Investoren andere Zugänge und Möglichkeiten, als die Menschen, die auf Seedmatch investieren. Aber genau dafür haben wir Seedmatch gemacht: damit jeder an spannenden Startups teilhaben kann. Ich kann auch deiner Aussage nicht zustimmen, dass auf CF Plattformen nur “der Rest” landet. Das sind alles hoch ambitionierte Entrepreneure, die alle auch andere Kapitalquellen, wie BA Investments hätten haben können oder diese sogar gleichzeitig genutzt haben.Teilweise haben die Gründer sogar ein Crowdfunding vorgezogen, gerade weil sie den Value Add dieser Finanzierungsform erkannt haben.
@Toni L.: Wir sind der Meinung, dass die Crowd sehr wohl Mehrwerte bieten kann und haben dieses Feedback auch von allen Startups auf Seedmatch bekommen. Deine Aussage, dass es reichlich BAs in Deutschland gibt, ist schlicht und ergreifend falsch. Es gibt in Deutschland eine signifikante Finanzierungslücke im Bereich 50-200K. Wenn du willst, kann ich dir dazu auch gerne ein bisschen wissenschaftliche Literatur schicken.
Der Aussage “der Rest landet dort” kann ich auch nicht zustimmen.
Comment by Dieter 30. Mai 2012 @ 15:59Es gibt viele kleine Startups die schwierigkeiten haben von der Hausbank Geld zu bekommen, entweder ist das was sie machen zu modern (versteht die klassiche Hausbank nicht) oder die Bank verlangt entsprechende Sicherheiten (die ein Startup nicht hat).
VC investieren i.d.R. in größere Projekte oder die entsprechend schnell hochskaliert werden können.
Von daher ist zwischen Hausbank und VC eine große Lücke, die mit Crowdfunding ganz gut gefüllt werden kann.
Der Begriff “Crowdfunding” ist für Seedmatch keineswegs falsch, weil “Funding” nur “Finanzierung” bedeutet – also eine Finanzierung durch die Crowd.
Ich würde Seedmatch als Erfolg werten, weil es bislang alle vorgestellten Startups finanziert bekam, manche innerhalb von wenigen Stunden. Leider hat der Gesetzgeber bei 100.000 Euro einen Riegel vorgeschoben, sonst wären bestimmt noch größere Finanzierungen möglich. Das schränkt das Geschäftsmodell von Seedmatch natürlich etwas ein.
Meine persönliche Kritik bezieht sich auf den Status als stiller Gesellschafter, der nur an Gewinnausschüttungen partizipiert, nicht aber am Unternehmenswert beim Exit. Ich kenne aber keine Startups, die Gewinne erwirtschaften, von daher dürfte in einigen Jahren die Enttäuschung vorprogrammiert sein. Die eigentliche Feuertaufe für Seedmatch kommt also erst, wenn die ersten Gewinne ausgeschüttet werden müßten.
Außerdem würde ich mir wünschen, daß man auch über GmbHs Anteile an den Startups erwerben kann. Dann wären auch die “echten” Investoren an Bord und Seedmatch würde so richtig abheben.
Bis dahin hat ein Investment über Seedmatch schon eher den Charakter einer Spende, weil das Verlustrisiko einfach zu hoch ist.
Comment by Hendrik 30. Mai 2012 @ 16:49@Florian:
> Es sollte bedacht werden, dass wir erst seit August 2011 am Markt sind
Im Bundesanzeiger steht 06.05.2009 als Gründungsdatum von Seedmatch. Ich dachte eigentlich, daß Du als “Analyst” von Seedmatch diese triviale Sache weißt oder wenigstens nachlesen kannst.
>und wie jedes Startup nicht von Anfang an Cash Flow positiv sind.
Sehr viele Startups machen innerhalb des ersten Jahres Gewinn. Seedmatch selber verbrennt laut Bundesanzeiger seit 2009 jetzt im 4.Jahr Geld!
Comment by Wilco 30. Mai 2012 @ 19:16“Meine persönliche Kritik bezieht sich auf den Status als stiller Gesellschafter, der nur an Gewinnausschüttungen partizipiert, nicht aber am Unternehmenswert beim Exit.”
Du kannst doch deine Beteilung angeblich selber kündigen. Oder wie muss man das heir deuten: “Der Wert ihrer Beteiligung am Startup steigt mit dem Wachstum des Unternehmenswertes. Angenommen Sie haben 250 Euro investiert und der Unternehmenswert verfünffacht sich bis Ende der Mindestlaufzeit. Folglich können sie das fünffache Ihres Investments – in diesem Fall 1.250 Euro – nach Ablauf der Mindestlaufzeit erhalten, wenn sie ihre Beteiligung zu diesem Zeitpunkt kündigen.”
Man muss das wohl mal beobachten. Nicht das dort wie um die Jahrtausendwende am Neuen Markt lauter Luftblasen unterwegs sind. Den Crash an NM habe ich damals vorhergesehen. Nur hat man mich damals deswegen in den Börsenforen etwas ausgelacht oder nicht für ernst genommen.
Comment by Rainer Safferthal 30. Mai 2012 @ 22:52@Wilco, auch wenn Seedmatch 2009 gegründet wurde, ist es erst seit August 2011 operativ tätig. Die 2 Jahre gingen für die Vorbereitung drauf. Das zeigt aber auch, daß es eine Weile dauert, bis ein Startup ein EBIT erwirtschaftet. Das ist ja auch meine Kritik an dem Modell. Wenn der ROI der Investoren nur vom EBIT abhängig ist, dann wird sich da in den ersten 5 Jahren wenig an der Bewertung tun. Außerdem läßt sich ein EBIT manipulieren, das ist keine eindeutige Kenngröße. Als stiller Gesellschafter hat man da kein Mitspracherecht. Und last but not least können die Gründer einfach die Beteiligungsverträge kündigen und die stillen Gesellschafter auszahlen, bevor das Unternehmen so richtig durchstartet. Die Investoren können dann vom eigentlichen Wachstum nicht mehr profitieren, obwohl sie anfangs als Seed-Finanzierer die größten Risiken eingegangen sind.
Comment by Hendrik 31. Mai 2012 @ 09:16@Wilko: Bei Startups gibt es bekanntlich einen Unterschied zwischen Gründung und Markteintritt. Vor dem Markteintritt braucht man je nach Geschäftsmodell eine gewisse Zeit, um alles (rechtssicher) vorzubereiten. Je nach Kapitalausstattung geht das mal schneller und mal langsamer. Bei weiteren Unklarheiten helfe ich dir natürlich gerne weiter.
Comment by Florian 31. Mai 2012 @ 09:40@Rainer: Danke für deinen Kommentar. Es gibt sicherlich Risiken bei Investments in Startups, insbesondere in frühen Phasen. Diese stehen aber auch immer hohen potentiellen Renditen gegenüber.
Im Gegensatz zu vielen Firmen am neuen Markt haben die Startups auf Seedmatch alle ein klares Geschäftsmodell. Weiterhin hat der Großteil zum Zeitpunkt des Fundings bereits einen Proof of Concept erbracht. Außerdem sollte beachtet werden, dass es sich beim Crowdfunding nicht ansatzweise um die selben Summen handelt. Der Vergleich mit dem neuen Markt hinkt daher meiner Meinung nach.
Das Funding von Euro 1 Mio innerhalb von ca 10 Monaten ist eine respektable Leistung. Das herumnoergeln der Kommentatoren an Detailfragen erscheint mir wie die paranoide Suche nach den Haaren in der Suppe…wenig hilfreich aber typisch deutsch.Ohne Frage gibt es noch viel Arbeit die rechtlichen Stellschrauben oberhalb des Limits von Euro 100K einzurichten…ich hoffe die Zeit wird’s bringen.
Kommentar von Klaus Kramer 03. Juni 2012 @ 14:14Way to go, Seedmatch !
Mit den besten Wuenschen.
Klaus Kramer
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