Durch BringWasMit Wunsch-Artikel von Reisenden mitgebracht bekommen

Dank des Internets und immer schnellerer Reiseverbindungen wird die Welt immer kleiner. Kein Fernziel, das nicht innerhalb weniger Stunden erreichbar wäre, kein Produkt, das man nicht auch aus den fernsten Ländern innerhalb kurzer […]
Durch BringWasMit Wunsch-Artikel von Reisenden mitgebracht bekommen

Dank des Internets und immer schnellerer Reiseverbindungen wird die Welt immer kleiner. Kein Fernziel, das nicht innerhalb weniger Stunden erreichbar wäre, kein Produkt, das man nicht auch aus den fernsten Ländern innerhalb kurzer Zeit auf dem heimischen Tisch haben könnte. Kein Produkt? Was, wenn man das von der Großmutter geerbte Medaillon auf dem Nachttisch des Hotels in Auckland vergessen hat? Oder wenn man ein Faible für einen ganz bestimmten, leckeren Wein hat, den es nur direkt beim Winzer im fernen Portugal zu kaufen gibt? Dann hat man eben doch ein Problem. Oder man meldet man sich beim neuen Dienst BringWasMit (www.bringwasmit.de) an.

Die Idee des Portals steckt eigentlich schon im Namen: Auf dem Portal treffen sich Menschen, die ein Produkt aus einer bestimmten Region haben möchten mit Leuten, die dorthin reisen und es mitbringen können. Im Prinzip wird durch BringWasMit – international BoxInTheBag (www.boxinthebag.com) – für die Artikel-Wünschenden eigentlich nur der Kreis der Freunde und Bekannten erweitert, die man sonst bitten könnte, ein bestimmtes Produkt mitzubringen.

Das ist zum Beispiel interessant, wenn…

  • man Artikel kaufen will, die man im klassischen E-Commerce und Inlandshandel nicht bekommt, zum Beispiel ein spezielles Produkt, Angebote aus dem Outlet-Center, Sonderverkäufe, ausverkaufte Produkte – zum Beispiel einen iPod touch zu Weihnachten, limitierte Editionen…
  • ein Auslandsprodukt im Internet bedingt durch Transportkosten, Zollgebühren, Steuern, Wechselkurse deutlich teurer ist als vor Ort,
  • man ein Produkt von hohem emotionalen Wert irgendwo vergessen hat,
  • man gern ortstypische Souvenirs, Genussmittel, kunsthandwerkliche Gegenstände… hätte, die nur vor Ort erhältlich sind,
  • die Ungeduld, bis ein ausländisches Produkt in Deutschland erhältlich ist, schier nicht auszuhalten ist,
  • man sich den Besuch beim – vielleicht weit entfernten – Zollamt ersparen möchte, wo man in einer zeitaufwendigen Prozedur sein Produkt auslösen muss.

Reisende können mit BringWasMit ihre Reisekasse ein bisschen aufstocken und werden zu “Mini-Transporteuren” und ergänzen so andere aktuelle Konzepte, wie die der „Mini-Hoteliers“ z. B. bei airbnb.com und der „Mini-Autovermieter“ z. B. über nachbarschaftsauto.de.

Beide Parteien haben das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben, weil sie für den Transport der Produkte Infrastrukturen nutzen, die ohnehin existieren.

So funktioniert BringWasMit

Die an einem bestimmten Produkt Interessierten können es auf ihrer Wunschliste eintragen. Dazu zählen Angaben wie die nähere Produktbeschreibung, dem im jeweiligen Land anfallenden Preis sowie die zu verhandelnde Aufwandsentschädigung.

Reisende, die eine Auslandsreise planen, tragen diese ein und andere Nutzer können sich dann mit Mitbring-Anfragen bei ihnen melden. Zusätzlich benachrichtigt BringWasMit Reisende, wenn sich ein Nutzer anmeldet, dem er was mitbringen könnte.

Sind sich die beiden Parteien über den Preis und die Entschädigung einig, kommt ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag ähnlich wie bei eBay zustande. Nachdem der Käufer den ausgehandelten Preis per PayPal beglichen hat, kann das Mitbringsel nach dem Kauf verschickt oder persönlich übergeben werden.

Bei diesem Deal erhält BringWasMit 10 % des Gesamtpreises vom Produkt-Käufer als Provision. Das gilt für Privatkunden. Preismodelle für gewerbliche Kunden sind noch in Arbeit.

Funktionieren tut BringWasMit natürlich umso besser, je mehr Reisende sich als Mitbringer registrieren und je mehr Produkte mitbgebracht werden sollen. Aber das ist ja bei allen Portalen so, über die innerhalb einer Community etwas ausgetauscht wird.

Ist das Mitbringen von Produkten aus dem Ausland nicht verboten?

Nein, ist es nicht. Entgegen der gängigen Meinung, das entgeltliche Mitbringen von Artikeln sei „illegal“, stimmt dies ganz und gar nicht. Wenn man Artikel aus einem Drittland in die EU für den eigenen Bedarf oder als Geschenk einführt, bleiben diese bis zu einem Warenwert von 430 Euro abgabenfrei.

Bekommt man eine Aufwandsentschädigung für das Mitbringen eines Artikels, muss man den roten Ausgang am Flughafen nehmen und diesen Artikel verzollen.

Interessant zu lesen zu diesem Punkt ist die These von netzwertig, die unbedingtetwas für sich hat: “BringWasMit.de weist in der FAQ auf diesen Sachverhalt hin, lässt aber offen, wie Reisende dies handhaben. Es ist davon auszugehen, dass Zollbeamte in der Regel nicht in der Lage sein dürften, in Frage zu stellen, dass eingeführte Waren (von maximal 430 Euro) entweder für den Eigenbedarf bzw. als Geschenk gedacht sind. BringWasMit.de baut augenscheinlich auf diesen Sachverhalt – denn die wenigsten Reisenden werden Fremden Waren allein aus Nettigkeit mitbringen.”

BringWasMit durfte sich als erstes deutsches Startup auf der weltgrößten Web 2.0-Konferenz in New York City präsentieren

Gegründet wurden BringWasMit und BoxInThe Bag in Wismar von Jennifer Schietzel, Stefan Kalkbrenner, Raik Osiablo Marcus Geißler und Annemarie Zander. Seit Oktober ist ihr Angebot als offene Beta-Version online.

Ihre Geschäftsidee kam so gut an, dass das junge Unternehmen ein EXIST-Gründerstipendium vom BMWi erhielt. Und es durfte sich sogar als erstes deutsches Startup im Oktober 2011 auf der weltweit größten Web 2.0 Konferenz in New York City präsentieren.

Außer über die Provision will BringWasMit zukünftig Einnahmen über die Weiterleitung an Amazon im Rahmen des Partnerprogramms generieren. Und geplant ist, angesichts der vorhandenen, zukünftigen Reisedaten die Zusammenarbeit mit Reiseagenturen und dem dazugehörigen Empfehlungshandel umzusetzen.

Elke Fleing aus Hamburg unterstützt Start-ups und SMB bei Positionierung, Kommunikation und Wachstum. Sie wird gerufen als strategische Sparrings-Partnerin, Business-Coach und Workshop-Leiterin. Folgerichtig widmet sie sich auch hier vor allem Tools und Themen, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen. Außerdem ist sie Texterin und Webdesignerin, Speakerin und Moderatorin bei diversen Business-Events.



  1. Dieter

    Da freuen wir uns doch schon auf die ersten Meldungen zu Test-Bestellungen vom Zoll, die natürlich von keinem Mitbringer verzollt wurden.



  2. Miguel C

    “Ich habe letztens in Afghanistan 5 kg Schokolade liegen lassen – wer bringt mir die mit (ist sauber in Alufolie verpackt und luftdicht eingeschweißt)” – auch wenn ich nicht glaube, dass der Zoll Test-Bestellungen aufgeben darf um die ordentliche Verzollung der Waren zu überprüfen, so gibt es neben Zollbestimmungen weitere gute Gründe, warum ich für FREMDE keine Ware aus Drittländern mitbringe (auch oder gerade nicht das wertvolle Medaillon der Omi). Wie werde ich auf die Frage am Flughafen, ob ich den Koffer alleine gepackt habe und seinen Inhalt kenne, antworten? Was ist, wenn das Gepäckstück abhanden kommt (und damit Omis Amulett)? Was ist, wenn die Schoki keine Schoki ist? Ich finde die Idee nicht schlecht, denke aber: das werden nicht genug nutzen – zumindest nicht genug, dass eine kritische Masse aufgebaut werden kann. Trotzdem gefällt mir der Gedanke des Teilens, drum wünsche ich den Gründern viel Glück!

  3. Wenn es um 5 kg Lebensmittel oder wertvolle Sachen geht, finde ich das Konzept auch eher bedenklich. Meist wollen Freunde, Bekannte etc. doch aber eher besondere (kleine) Schokoriegel, die es in Deutschland nicht gibt, oder eben ein T-Shirt, ein Buch etc.

  4. Richtig, beim geringsten Zweifel würde ich es auch blieben lassen. Und fremde Pakete sollte wirklich niemand mitbringen. Wenn man allerdings selbst die Dinge kauft, hat man dieses Risiko schon mal nicht. Alles weitere ist eine Frage der Verhandlung – bspw. lassen sich für teure Sachen Gepäckversicherungen etc. abschließen, man muss sich nur vorher über die Kosten einigen.



  5. Miguel C

    Okay, Alexander – aber: lohnt sich der Aufwand für eine Packung “Skittles” aus den USA oder ein Tex-Mex-Seasoning von “Taco Bell”, welches in Deutschland nicht verkauft wird – ich glaube nicht. Richtig interessant wird es doch erst bei Artikeln im dreistelligen Eurobereich (für die Reisenden wie die Plattformbetreiber). Aber gehe ICH das Risiko ein, ein so teures Produkt zu kaufen, ehrlich bei der Einreise den roten Zolldurchgang zu wählen, Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen und DANN gefällt oder passt dem Käufer das Produkt nicht (Stichwort Bekleidung: eine Größe M in Europa ist nicht gleich Größe M in den USA usw.)?
    Ein Beispiel am neuen Apple iPad: Verkaufspreis in den USA liegt bei 499 USD. Mache ich mir bei der Ausreise die Mühe, die Tax erstattet zu bekommen, kostet es netto rd. 460 USD. Das sind bei einem derzeitgen Kurs von 1,32 Euro / USD etwa 350 EUR (mit Wechselgebühren). Da dieser Betrag unterhalb der Freigrenze von 430 EUR liegt, brauche ich dafür keine Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen. Macht eine Differenz von 130 Euro zum Verkaufspreis in D (479 Euro). Habe ich in den USA weitere Artikel gekauft (nicht unwahrscheinlich) kommen 19% Einfuhrzoll drauf. Dann liegt die Differenz zum Verkaufspreis in D nur noch bei 65 Euro. Jetzt kann jeder selbst überlegen, ob er A) bei Reisen im Ausland noch “genug” Freimenge bis zur 430-Euro-Grenze hat oder die Waren schmuggelt und B) ob sich der Aufwand, 65 Euro minus Plattformgebühren minus Entschädigung für den Reisenden, beim Einkauf zu sparen, wirklich lohnt (und hier noch auf die 2 Jahre Gewährleistung zu verzichten). Ich glaube, der ehrliche Reisende wird’s nicht machen…



  6. mat

    Sehr gute Idee – das ganze wird ja sowieso schon praktiziert und kann so monetarisiert werden, gepaart mit einem starkem communit gedanken. Natürlich ist die 430€-Grenze ein theoretischer Wert… kann man sich ja wohl denken, dass hier sehr viel Musik im Rahmen des Graumarktes drin ist – ähnlich wie Wimdu, Car sharing, etc. bei denen natürlich nichts gewerblich läuft und schön versteuert wird. Die Zollkontrollquote liegt bei <0,1%

  7. Am iPad-Beispiel sieht man, dass der Wechselkurs viel ausmacht -ich hab deutlich mehr gespart. ;-) Kein Problem ist übrigens die Garantie (bzw. Gewährleistung), denn die gilt bei Apple weltweit, egal wo das Gerät gekauft wurde.
    Das Risiko, dass dem Käufer der Artikel nicht gefällt, ist nicht anders als bspw. bei eBay – die Basis des Kaufvertrages ist nunmal die Produktbeschreibung. Und streitet man sich dennoch, würd ich gleich mal Käufer- bzw. Verkäuferschutz bei paypal beantragen. :-)
    Beim neuen iPad und dem Wechselkurs von heute werden das womöglich nicht viele tun, aber eine Bose Anlage…. Das kann man nochmal durchrechnen. ;-)



  8. Miguel C

    @Stefan: ja, Apples Garantie gilt weltweit – allerdings nur 1 Jahr wenn das Produkt nicht innerhalb der EU erworben wurde. Für Apple-Produkte, die Du innerhalb der EU erwirbst, hat der Gesetzgeber eine Gewährleistung (durch den Händler/Verkäufer) von 2 Jahren ab Kaufdatum vorgesehen… Doch ein kleiner Unterschied, der in meinen Augen die derzeit minimale Preisersparnis bei einem solchen Produkt nicht rechtfertigt.
    @mat: ja, da wird sicherlich ein Graumarkt entstehen. Ich sehe jedoch einen erheblichen Unterschied zwischen privater Wohnungs- oder Autovermietung. Hier toleriert das Finanzamt GEWINNE durch private Vermietungen von ca. 500 bis 1000 Euro pro Jahr. Da Du als Wohnungsmieter bzw. PKW-Eigentümer ja auch Betriebskosten hast, musst Du sehr viel an privat vermieten, um diesen “Freibetrag” von 1000 Euro Gewinn zu erreichen. Beim Einführen von Waren aus Drittländern ist das was anderes. Da werden Deine Aufwändungen nicht gegen Deinen Gewinn verrechnet, es geht einfach nur um die Verzollung eingeführter Waren oberhalb der tatsächlichen Freimenge von 430 Euro. Ja, beides sind Graumärkte, wobei der eine (Privatvermietungen) eher ein hellgrau (#cccccc) ist und die Wareneinfuhr eher ein dunkelgrau (#333333) ist :-)

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  10. Toto

    Finde die Idee vom Prinzip ganz gut, vor allem da es nicht wieder eine stumpfe 1:1 Kopie der Samwers oder TEV ist. Da gehört schon Mut zu und dem gebührt Respekt. Aber das ist eine heikle Sache mit dem Mitbringen. Bei Freunden klar kein Problem. Aber bei Fremden? Hm schwierig. Und für Freunde brauche ich nicht noch ein weiteres Netzwerk. Aber eine Bose Anlage kann man mir auch mal mitbringen ^^

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  12. mat

    @Miguel: macht Sinn soweit, sind ja “on the same page”. ;-)

    Aber: Privatzimmervermietung Jahreseinnahmen von 500-1000€… Das ist wohl eine fromme Vorstellung. Ich kenne einige, alle machen das eher pro Monat, easy. Faustregel sagt dass ein Wochenmiete bei Ferienwohnungen die Monatsmiete deckt. Ok, ein paar Bettlagen und Handtücher kommen dazu…



  13. Miguel C

    @mat Hi, klar, da wird es sicherlich einige geben, die das semi-professionell machen. Nur, ich sprach von Gewinn und nicht Umsatz. Wenn ich ein extra Zimmer habe, was ich tage- oder wochenweise vermiete, dann habe ich ja auch Ausgaben (Miete, Strom, Wasser, Umlage für Mobiliar, Küchenmitbenutzung etc.)… Mag sein, dass bei einigen da ein großer Schein am Monatsende als GEWINN da steht (die werden es aber sicherlich nicht ihrem FA melden :-)) – die Regel ist das sicherlich nicht.

  14. Sehe das wie Toto: Gut, dass mal jemand was neues probiert… Glaube nicht, dass es fliegen wird, aber trotzdem erstmal viel Erfolg! ;)



  15. mat

    @Miguel: doch, ist mit Abstand größter Umsatzanteil, insbesondere outside Germany. Und ich rede auch von Gewinn. die paar Kröten für Strom etc ist unwichtig, größter Kostenanteil sind die Reinigungsservices. Und natürlich meldet das keiner… bis es knallt ;-) gerade gibt es zB erste Staaten in den USA die bei AirBnB angeklopft haben und sich mal nach den Vermietern erkundigt haben. Ist übrigens auch hier in Berlin ein Riesenthema.

    aber ist ja auch wurscht, finde das trotzdem ein super Thema weil disruptive mit ein bisschen legal risk.

    Dem Team viel Erfolg, super idee!

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