Bei Debitos verkaufen KMUs ihre Forderungen

Für mehr Liquidität: Über Debitos (www.debitos.de), eine Börse für offene Rechnungen, können kleine und mittlere Unternehmen ihre Forderungen zum Verkauf anbieten. Firmen, die ihr Geld sofort benötigen statt das Ende der Zahlungsfristen abzuwarten, […]
Bei Debitos verkaufen KMUs ihre Forderungen

Für mehr Liquidität: Über Debitos (www.debitos.de), eine Börse für offene Rechnungen, können kleine und mittlere Unternehmen ihre Forderungen zum Verkauf anbieten. Firmen, die ihr Geld sofort benötigen statt das Ende der Zahlungsfristen abzuwarten, profitieren genauso wie KMUs, die bereits munter Mahnungen verschicken oder seit Jahren auf ihr Geld warten. Das Prinzip ist ähnlich wie bei eBay: Forderungen werden per Auktion, Festpreis oder einer Kombination aus beidem verkauft. Welches Potential in der Idee steckt, zeigt ein Blick in die USA.

Bei Debitos spielt die Bonität keine Rolle

Gerade für kleine Unternehmen wird es schnell problematisch, wenn mehrere Rechnungen auf sich warten lassen. Neben der akuten Geldnot wirkt sich dies auf die Bonität aus, Kredite zu bekommen wird schwierig. Bei Debitos hingegen spielt die Bonität des Geldnehmers keine Rolle. Es geht allein um den Wert der Forderung.

Das Konzept lässt sich am besten anhand von Anwendungsbeispielen erklären: So hat ein Maschinenbauer beispielsweise eine Zahlungsfrist von 180 Tagen vereinbart und muss dementsprechend lange auf sein Geld warten. Bei Debitos kann er diese „frische Forderung“ für 95 % des Wertes verkaufen und bekommt das Geld sofort.

Ein anderer Anwendungsfall ist der Selbstständige, der auch nach Ablaufen der Zahlungsfrist sein Geld nicht erhält und seine Arbeitszeit in Mahnungen und Anrufe investiert. Das kostet Geld und Nerven – sinnvoller kann es da sein, auf einen Teil des Betrages zu verzichten und die Forderung los zu sein. „Momentan halten sich die zwei Forderungsarten bei uns die Waage. Wir hoffen aber, dass der Bereich ‘frische Forderungen’ noch zulegt – das Transaktionsvolumen ist hier einfach größer als bei ausgefallenen Forderungen“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Timur Peters. Bei erfolgreichem Verkauf erhalten die Plattformbetreiber ein bis 3,5 % der Transaktionssumme.

Ziel für 2012: Transaktionsvolumen von 50 Millionen Euro

Zu den Käufergruppen zählen Factoring-Unternehmen, Inkassounternehmen, spezialisierte Fonds, Banken und Rechtsanwälte. Meist kaufen sie ganze Pakete an offenen Rechnungen. Fälle, die nicht zum Erfolg führen, werden so durch Forderungen mit positivem Ausgang ausgeglichen. Seit dem Start im Sommer 2011 hat Debitos bereits 300 Firmenkunden an Land gezogen, die regelmäßig ihre Forderungen verkaufen. Auf der anderen Seite stehen 60 regelmäßige Käufer. „Unser Ziel für 2012 sind 1.500 Verkäufer und über 100 Käufer. Wir erwarten, dass das Transaktionsvolumen die 50 Millionen Euro-Grenze zu überschreiten wird.“

Auf die Idee zu Debitos kam Peters während seiner Arbeit bei einer dänischen Privatkreditvergabe-Plattform. „Ich habe festgestellt, dass viele Unternehmen große Probleme bei der Liquiditätsbeschaffung haben. So entstand die Idee, die Forderungen kleiner Unternehmen in Liquidität umzuwandeln.“ Unterstützt wird Debitos von Paua Ventures. Während das Konzept hierzulande noch neu sein dürfte, gibt es in den USA seit mehreren Jahren die Plattform „The Receivable Exchange“ (www.receivablesxchange.com). Die Zahlen sprechen für sich: Über eine Milliarde US-Dollar wurde über das Unternehmen bereits an die rund 2.000 registrierten KMUs vermittelt. Der kleinste Verkauf lag eigenen Angaben zufolge bei 30 US-Cents, der größte in Millionenhöhe.

Das Potential ist also gigantisch. Noch ist das Prozedere bei Debitos nicht komplett ausgereift: Die Auktionen haben aktuell eine Mindestlaufzeit von zwei Wochen. Bei frischen Forderungen ist es für Kunden aber entscheidend, innerhalb von wenigen Tagen an das Geld zu kommen – Debitos will diesen Punkt baldmöglichst ändern. Dann dürfte dem schnellen Erfolg nichts mehr im Wege stehen.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. Jan

    Sehr schön, das Prinzip das zur Banken-/Finanzkrise dank Debitos gebündelt für KMUs. Ganz große Erfolgsaussichten…



  2. Mike

    Oh, Amateur factoring. Die Schulden kleiner Leute werden nun weiterverkauft, zu einem sinnlosen Investitionsmittel zusammengeschnürt, um das Gesamtrisiko eines Pakets künstlich zu senken um es am Ende auf den Aktienmarkt zuverkaufen. Das ist so schlecht, das es schon wieder gut ist! Denn wenn ich eine Anleihe von General Motors, mit einer Griechenlandsanleihe und sie mit der ausgefallenden Handyrechnung eines Harz IV Empfängers kombiniere, dann vermische ich hochriskante, mit riskanten mit minderwertigen Papieren und erhalte am Ende ein gesamt minderwertiges Papier mit Risiken.



  3. Anwalt

    Was ist mit der Due Diligence? Wer in Gottes Namen will einen sicher vollstreckbaren Titel zu einem Spottpreis verkaufen?…Da vollstrecke ich doch lieber selber, oder? Sowas mache ich doch nur, wenn ich weiß, dass bei dem Schuldner nichts zu bekommen ist. Bei dieser Plattform sehe ich jede Menge Spielraum für Betrüger. Wie kann man sich vor Scheinrechnungen/ Dokumenten schützen? Was ist mit dem Datenschutz in Bezug auf die Namen der Schuldner? Ich denke, die Möglichkeit zur Dokumenteneinsicht erst nach Login reicht keinesfalls aus…mannomann! Schön, dass eine Anwaltskanzlei als Partner auf der Internetseite angegeben ist ;)Konzept bitte dringend auf rechtliche Fallstricke überprüfen…im jetzigen Zustand für den Betreiber sehr gefährlich.



  4. Jeanne

    Das Konzept ist gar nicht neu: http://www.smart-collect.de/
    Vor Betrug schützt die Steuerung und Kontrolle durch eine WP Gesellschaft bzw. einen Treuhändler!



  5. Anwalt

    Die Unternehmer scheinen von der Idee fasziniert zu sein, ein Ebay für Forderungen zu schaffen. Das ist hierzulande aber keinesfalls so einfach. Welche Garantie bekommt der Käufer, wenn er auf eine faule Forderung hereinfällt? Wo bleibt der Käuferschutz? Das Thema “Forderungsverkauf im Internet” ist äußerst sensibel. Größtenteils wird dort nur Ramsch angeboten werden. Außerdem ist das Projekt rechtlich noch nicht ausreichend durchdrungen worden (Thema: Datenschutz des Schuldners). Wer eine Forderung zum Verkauf anbietet weiß, dass kein Geld zu bekommen sein wird. Wie Jeanne schon geschrieben hat: Das Konzept ist keineswegs neu und bisweilen von anderen wenig erfolgreich umgesetzt worden.

  6. Jetzt ist erstmal die Website down.

    http://www.downforeveryoneorjustme.com/www.debitos.de meldet: It’s not just you! http://www.debitos.de looks down from here.

  7. Pingback: Deutsche-Startups porträtiert Debitos Forderungsbörse

  8. Vielen Dank an Deutsche Startups für die ausführliche Vorstellung von Debitos. Die Kommentare zeigen allerdings, dass unser Geschäftsmodell nicht ganz trivial ist und weiterer Erläuterungen bedarf.

    @Jan und Mike: Die Finanzkrise wurde unter anderem durch einen Mangel an Transparenz der Mortgage Backed Securities (MBS), falschen Anreizsystemen der Bankberater und einem Mangel an Wissen der Privatinvestoren verursacht. Debitos schafft durch den Verkauf von Forderungen im Auktionsprinzip eine bisher nicht vorhandene Transparenz. Darüber hinaus sind als Käufer auf Debitos ausschließlich Banken, Fonds, Inkasso- & Factoring-Unternehmen sowie Rechtsanwälte zugelassen, die sich Subjekt strenger Zulassungskriterien
    sind. Da sämtliche dieser Käufer über detaillierte Bewertungssystem für den Kauf von Forderungen verfügen, wird auf diese Weise die Professionalität der Investoren sichergestellt. @Mike: das Beipielportfolio ließe sich theoretisch auf Debitos anbieten – Sie haben aber ebenso wie unsere Investoren auch erkannt, dass es sich um ein “minderwertiges Papier mit Risiken” handelt. Der Preis würde dies dann auch reflektieren.

    @Anwalt: Ein Titel ist in den seltensten Fällen “sicher vollstreckbar”, denn schließlich gibt es einen Grund, dass es zu dem Vollstreckungstitel gekommen ist. Viele unserer Kunden haben ihre Titel seit einigen Jahren im Regal stehen und nicht die Ressourcen, sich mit der Vollstreckung zu befassen. Somit bietet der regresslose Verkauf eine hervorragende Möglichkeit, mit geringem administrativen Aufwand die Bilanz zu bereinigen und die “Sorge” der Titel nicht mehr tragen zu müssen. Im Hinblick auf den Datenschutz des Schuldners haben wir unsere Plattform in enger Abstimmung mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten entwickelt. Genau aus diesem Grund dürfen Forderungen gegen Privatpersonen ausschließlich bei Vorlage eines Titels angeboten werden, und Investoren (s.o. zu zugelassenen Käufern) müssen ein berechtigtes Interesse nachweisen. Darüber hinaus haben wir uns auch eng mit der BaFin koordiniert. Last but not least gibt es für sämtliche Forderungen Käufer – es regelt sich aber über den Preis, der selbstverständliche das Risiko der jeweiligen Forderung reflektiert.

    @Jeanne: Smart-Collect hat ein gutes Modell, unterscheidet sich jedoch grundsätzlich von Debitos. Bei S-C geht es darum, dass Personen, die ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung kaufen wollen, in einer Datenbank suchen können, ob es einen Verkäufer gibt, der eine Forderung gegen ein diese Leistung anbietendes Unternehmen hat. Diese Forderung kann dann für einen Abschlag gekauft werden, so dass der Käufer an das Unternehmen herantreten und die Forderung mit einer neuen Leistung verrechnen kann. Dies erfordert natürlich in der Konsequenz eine sehr umfangreiche Abdeckung der deutschen Unternehmenslandschaft.

    @Julian: Debitos is alive & kickin’!

  9. Pingback: Debitos: “Offener Sekundärmarkt” für Forderungsverkauf etabliert « Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie



  10. Mitch

    @Anwalt: An welche “erfolglosen Umsetzungen” denken sie konkret?

  11. Pingback: Kurzmitteilungen: Debitos, Online Solutions Ventures, Glossybox, MeinGutscheincode :: deutsche-startups.de

Aktuelle Meldungen

Alle