
Zweistelliger Millionenexit in Bamberg: Der japanische E-Commerce-Gigant Rakuten (www.rakuten.com), der weltweit über 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, übernimmt die Mehrheit an Tradoria (www.tradoria.de), einer E-Commerce-Plattform für Klein- und Kleinsthändler. Das stattliche Internet-Unternehmen aus Japan, welches bereits für 250 Millionen US-Dollar Buy.com kaufte, sichert sich im Zuge der Übernahme stattliche 80 % an der Jungfirma aus dem beschaulichen Bamberg. Bei Tradoria waren zuletzt der französische Risikokapitalgeber Seventure Partners (24 %), DuMont Venture (19 %) und der European Founders Fund (11 %) der Samwer-Brüder (auch an deutsche-startups.de beteiligt) an Bord.
Die beiden Tradoria-Gründer Tobias Kobier und Beate Rank (siehe oben) hielten zuletzt jeweils rund 20 % an ihrem Unternehmen. Die restlichen Anteile entfielen auf diverse Business Angels wie Christian Vollmann, Florian Heinemann und Christian Weiss. Wenn alle Investoren ausgestiegen sind, liegt die Vermutung nah, dass die Gründer nach dieser Übernahme noch jeweils 10 % an Tradoria halten. Was Rakuten für Tradoria auf den Tisch legte ist nicht bekannt. Ein mittlerer zweistelliger Millionen-Exit scheint jedoch realistisch. Das Mietshop-System Tradoria ging 2007 an den Start. Nach Unternehmensangaben bieten vier Jahre nach dem Start 4.400 Anbieter fast 8 Millionen Artikel bei Tradoria an. Bei der letzten verkündeten Finanzierungsrunde sammelte das Start-up zwei Millionen Euro ein.

“Als einer der ersten Investoren und engen Wegbegleiter von Tradoria freuen wir uns, gemeinsam mit dem Management und den Co-Investoren in Rakuten den optimalen Partner für den Onlineshopping-Anbieter gefunden zu haben. Rakuten verfügt über das ideale Netzwerk, um die führende Marktposition von Tradoria im E-Commerce-Segment nachhaltig zu stärken. Unsere Investmentphilosophie, die frühe Phase eng mit zu begleiten und in voller Höhe am Wachstum zu partizipieren, wird mit dieser Transaktion vollkommen bestätigt”, sagt Jörg Binnenbrücker von DuMont Venture. Die Beteiligungsgesellschaft des Verlages M. DuMont Schauberg stieg 2008 bei Tradoria ein. In selter Offenheit spricht die Beteiligungsgsellschaft davon, dass sich Kapitaleinsatz seit dem Einstieg bei Tradoria “mehr als versiebenfacht hat”. Genaue Zahlen nennen die Rheinländer leider nicht.
Für den japanischen Internet-Giganten Rakuten, quasi das Amazon Asiens, bedeutet die Übernahme von Tradoria den Einstieg in den deutschen Markt. Auch andere Mietshop-System sollen sich die Japaner zuletzt angesehen haben. Das Unternehmen ist ansonsten weltweit in Sachen “E-commerce, Travel, Banking, Securities, Credit Cards, E-Money, Portal & Media, Online Marketing and Professional Sports” unterwegs. Bisher war Rakuten, nach eigenen Angaben “one of the world’s leading Internet service companies”, vor allem über Priceminister (www.priceminister.com) einer französischen E-Commerce Plattform, die das Unternehmen im vergangenen Jahr für 200 Millionen Euro kaufte, in Europa vertreten.
Erster Fußabdruck in Deutschland
Bereits im Frühjahr dieses Jahres verkündete Rakuten seine Expansionspläne nach Deutschland. Mit Tradoria hat Rakuten hierzulande nun endlich einen ersten Fußabdruck hinterlassen. Weitere Fußabdrücke werden sicherlich folgen, die Japaner sind es schließlich gewohnt, in ganz anderen Dimensionen zu denken. “Tradoria ist ein schnell wachsendes Unternehmen, welches dieselbe Philosophie verfolgt wie Rakuten”, sagt Hiroshi Mikitani, Gründer von Rakuten. “Unser unverwechselbares B2B2C Geschäftsmodell wird die Zukunft des globalen E-Commerce prägen und wir freuen uns, mit gleichgesinnten Unternehmen wie Tradoria zusammenzuarbeiten. Gemeinsam werden wir in Europa wachsen und den uns angeschlossenen Händlern Zugang zu neuen Märkten weltweit eröffnen.” Auch Tradoria-Gründer Kobier ist begeistert: “Mit jahrelanger Erfahrung und einer sich schnell ausdehnenden globalen Präsenz zählt Rakuten zu den Global Players im E-Commerce. Aufgrund der gemeinsamen Philosophie und ähnlicher Geschäftsmodelle werden wir in der Lage sein, künftig neue Möglichkeiten für unsere Händler und Kunden anbieten zu können.”
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Kommentare
Ich bin priceminister.com und buy.com-Kunde. Das die Schuppen den Rakuten gehört war mir seither nicht bekannt. Kannte den Giganten seither nicht. Willkommen im deutschen Markt.
Comment by Stefan 28. Juli 2011 @ 09:35Glückwunsch an Beate und Tobias! Tolle unternehmerische Leistung! Ich wünsche Euch viel Erfolg für die Zukunft mit Tradoria.
Kommentar von Christian Vollmann 28. Juli 2011 @ 09:57Ich habe oft die Angebote von tradoria beworben und mich manchmal gefragt, ob sich das jemals rechnet. Offenbar ist die Rechnung, zumindest vorerst, aufgegangen. Durch die tradoria Gutscheine war es echt ein Paradies für Schnäppchenjäger.
Comment by Leo 28. Juli 2011 @ 09:59Super Super Super!!!
Comment by Christoph 28. Juli 2011 @ 10:30Gratulation an Tobias und Beate. Schönes Ding. Freu mich für euch!
Comment by Niko 28. Juli 2011 @ 11:13Hm, letztlich ist für die Gründer also nicht viel rumgekommen, oder? Verdienen tun nur die Investoren gut, oder sehe ich das zu eng?
Comment by joko 28. Juli 2011 @ 12:56@ joko
Ich sehe das genau so. Alle Investoren steigen aus, weil sies erst mit viel Geld hochgezüchtet haben und nun das Spielzeug an den nächst größeren Fisch verhökern konnten. So funktioniert das Investorengeschäft eben – dessen sollte man sich bewusst sein.
Kritisch wirds nur, wenn man keinen nächsten, größeren (Dummen) findet, um die tolle Exit Story auch “rund” zu bekommen :-)
Für die Gründer werden auch n paar Euro hängen geblieben sein – so als “Schmerzensgeld” aber reich werden in diesem Spiel zu aller erst mal die anderen…..
Comment by Frank Z 28. Juli 2011 @ 13:34Glückwunsch nach Bamberg. Ich freue mich für die Gründer, auch wenn ich es ähnlich wie @joko und @Frank Z sehe.
Comment by Sven 28. Juli 2011 @ 15:44Etwas dürfte trotzdem übergeblieben sein, da bin ich mir sicher.
Wer reich werden will, der sollte Investmentbanking machen – nicht Unternehmen gründen ;)
Comment by JMCQ87 28. Juli 2011 @ 16:38Weiß einer, was tradoria so für einen Umsatz einfährt und ob die bereits profitabel sind? Das würde mich mal hinsichtlich der Bewertung von 17 Mio. € interessieren.
Comment by Jan 29. Juli 2011 @ 09:24@Jan: Wie kommst du auf 17 Millionen?
Comment by Thomas Oponeo 29. Juli 2011 @ 10:47Ich meine im Gründerszene Interview gestern hat der VC gesagt, sie haben ihren Umsatz vervierfacht auf einen immer noch einstelligen Mio. Betrag.
also ich hab das mal rückgerechnet und denke, Tradoria wurde für ca. 40-60 Mio verkauft. Genauer gehts leider nicht.
Comment by c 29. Juli 2011 @ 16:59@c: Diese Zahlen halte ich ebenfalls für realistisch.
Comment by Thomas Oponeo 29. Juli 2011 @ 17:37@joko / Frank Z: Gründerszene Datenbank weist die beiden Gründer mit je 20% aus, das wären € 8 – 12 Mio. vom Kaufpreis cash. Also wem das nicht reicht, na bitte.
@JMCQ: Soviel machst du auch im IB niemals in knapp 4 Jahren, sondern nach vllt. 10 Jahren und das mit einem ganz anderen Workload.
@C/jokko/JMCQ
Comment by Nikkki 31. Juli 2011 @ 17:38Glaub nie Zahlen, welche in Presse-Interviews von Start-ups und VCs herausgegeben werden. Die Wahrheit sieht in der Realität anders aus.
Aber ist das wirklich profitabel für die Händler?Gibt es da Beispiele?
Comment by Ibi 20. September 2012 @ 17:13Finger weg davon die machen ein vertrag sie sind dann 2 jahre gebunden und viele besucher sind da nicht fangen sie erst garnicht an!!!!!
Comment by Alex 19. November 2012 @ 13:22