Suchst du noch oder verdienst du schon? Affiliates und Merchants grübeln gleichermaßen über die Wahl des richtigen Affiliate Netzwerks. Aus der Perspektive eines Partnerprogrammbetreibers spielen andere Anforderungen eine Rolle als aus Affiliate-Sicht. Aus diesem Grund bleibt es nicht aus, sich zunächst zu Gemüte zu führen, welche Rolle und insbesondere welche Funktionen Affiliate Netzwerke einnehmen. Dabei wollen wir Vor- und Nachteile von Affiliate Netzwerken ebenso aufzeigen wie die Unterschiede zwischen den bekanntesten Anbietern.
Affiliate Netzwerke als Vermittler zwischen Merchant und Affiliates
Die Funktion eines Netzwerks besteht darin, verschiedene Parteien – in diesem Fall die Betreiber von Partnerprogrammen und die Blog- bzw. Webseitenbetreiber – auf einer zentralen Plattform zusammen zu bringen. Dabei nimmt ein Affiliate Netzwerk die Rolle des Vermittlers zwischen beiden Seiten ein und bietet verschiedene Dienste und Funktionen. Mit Hilfe dieser können Partnerprogramm-Betreiber ihr Programm verwalten und Affiliates erhalten Zugriff auf die verschiedenen Programme und Werbemittel. Der wesentliche Punkt liegt jedoch in der Abwicklung der Zahlungen untereinander.
Vor- und Nachteile von Affiliate Netzwerken
Die Vorteile solcher Netzwerke liegen aus Merchant-Sicht darin, dass bereits viele potentielle Affiliates für das eigene Partnerprogramm im Netzwerk angemeldet sind. Daher werden diese eher auf das Programm aufmerksam, als würde man es mit Hilfe einer Affiliate Software außerhalb eines Netzwerks betreiben. In Bezug auf die Erstakquise von Affiliates können Sie dadurch als Merchant eine Menge Zeit sparen und auf vorhandene Ressourcen zurückgreifen. Auch für Affiliates ist diese Bündelung der unterschiedlichen Partnerprogramme auf einer einzelnen Plattform sinnvoll, da man seine Aktivitäten somit über einen einzigen Account im jeweiligen Netzwerk abwickeln kann.
Oftmals sind Affiliates auch in mehreren Netzwerken gleichzeitig angemeldet. Dies ergibt sich aus den unterschiedlichen Größen, thematischen Ausrichtungen und Funktionalitäten der einzelnen Anbieter.
Doch die Netzwerke erheben für Ihre Dienstleistung auch entsprechende Gebühren. In der Regel werden die Netzwerke mit 30 % der an die Affiliates ausgezahlten Provisionen vergütet. Darüber hinaus erheben einige zudem eine Setup-Gebühr von bis zu 4.800 Euro für die Einrichtung des Partnerprogramms sowie monatliche Fix- oder Mindestgebühren von bis zu 500 Euro.
Welche Affiliate Netzwerke gibt es?
Im Laufe der letzten Jahre haben sich einige Affiliate Netzwerke in Deutschland etabliert. Aufgrund der Vielzahl an verfügbaren Partnerprogrammen und angemeldeten Affiliates zählen dabei Zanox und affilinet zu den größten Netzwerken. Aber auch kleinere Anbieter wie Webgains, Belboon, Superclix, Adcell, Tradedoubler oder Commission Junction konnten sich aufgrund gewisser Alleinstellungsmerkmale wie gutem Support oder einer Spezialisierung auf bestimmte Nischen einen Namen machen. Wir wollen zunächst die wichtigsten Netzwerke kurz vorstellen.
Zanox (www.zanox.de)
Zanox ist eines der größten Netzwerke in Deutschland und kann eine sehr hohe Reichweite durch über 1.000.000 Affiliates vorweisen. Es sind viele bekannte Partnerprogramme großer Marken vertreten. Aufgrund der Größe kann der Support mit anderen Netzwerken jedoch nicht ganz mithalten. Zudem fallen Setupgebühren von bis zu 4.800 Euro, sowie monatliche Fixgebühren in Höhe von 300 Euro an und aus Merchant-Sicht fehlt die nötige Transparenz gegenüber den Affiliates.
affilinet (www.affili.net)
Auch affilinet bietet seinen Kunden eine große Basis an bekannten Partnerprogrammen. Mit über 500.000 Affiliates zählt das Netzwerk ebenfalls zu den größten in Deutschland. Im Vergleich zu Zanox fallen zwar keine monatlichen Gebühren an, jedoch kostet das Programm-Setup bis zu 3.000 Euro. Der Support ist ebenfalls ausbaufähig, doch vom technischen Aspekt her bietet das Netzwerk viele nützliche Tools sowohl für Affiliates als auch Merchants.
Belboon (www.belboon.de) & Webgains (www.webgains.de)
Im Schatten der beiden großen Netzwerke bieten Belboon und Webgains Programmbetreibern die Möglichkeit, ihr Programm kostenfrei im Netzwerk zu betreiben, wobei Webgains gegen Aufpreis weitere Supportleistungen anbietet. Doch auch ohne hinzugebuchte Leistungen besticht Webgains durch einen sehr guten Support und in Sachen Reichweite können beide Netzwerke mit 130.000 Affiliate Webseiten bei Webgains bzw. über 65.000 Affiliates bei Belboon eine solide Basis bieten.
Superclix (www.superclix.de) & Adcell (www.adcell.de)
Adcell und Superclix bieten vor allem viele Nischenprogramme an. Superclix wirkt nach außen hin oftmals unscheinbar. Auch die Usability lässt mitunter zu wünschen übrig, doch aufgrund der Fixierung auf viele Nischenprogramme konnte sich Superclix bereits seit Ende der 90er Jahre etablieren. Daher sind auch viele Affiliates in diesem Netzwerk vertreten und wissen das Nischenportfolio zu schätzen. Es fallen ebenfalls keine Setupkosten an und der Support ist gut. Jedoch fehlt aus Merchant-Sicht jegliche Transparenz, da Programmbetreiber keine Möglichkeit haben, eine Partnerschaft zu beenden bzw. mit den Partnern Kontakt aufzunehmen. Adcell hat seinen Schwerpunkt auf die Themen Erotik, Finanzen und Gewinnspiele gelegt, betreibt darüber hinaus aber auch viele „normale“ Partnerprogramme.
Tradedoubler (www.tradedoubler.de) & Commission Junction (www.cj.com)
Beide Netzwerke sind vielmehr international, als explizit auf den deutschen Markt ausgerichtet. Die Reichweite ist daher vor allem für international aufgestellte Partnerprogramme interessant. Als Affiliate kann man daher auf viele ausländische Programme zugreifen. In beiden Netzwerken fallen zudem Einrichtungs- und monatliche Mindestgebühren für Programmbetreiber an.
Darüber hinaus existieren noch zahlreiche kleinere Affiliate Netzwerke, bei denen die Reichweite jedoch oftmals sehr gering ist. Aus diesem Grund lohnt es sich trotz kostenlosem Setup und ohne monatliche Gebühren kaum, ein größeres Programm dort zu betreiben. Jedoch können Nischenprogramme gerade in diesen Netzwerken gut performen.
Welche Netzwerke sollte ich als Merchant nutzen?
Als Betreiber eines größeren Partnerprogramms bietet es sich an, das Programm in einem oder sogar in den beiden großen Netzwerken Zanox und affilinet zu starten. Häufig laufen Partnerprogramme auch parallel in verschiedenen Netzwerken. Zwar sind auch Affiliates oftmals in mehreren Netzwerken zugleich aktiv, doch es gibt immer eine Schnittmenge, die nur in einem der beiden Netzwerke zugegen ist oder ein Netzwerk gegenüber dem anderen bevorzugt.
Im Gegenzug hat es sich für kleinere Partnerprogramme bewährt, in einem oder mehreren der kleinen, kostenfreien Netzwerke zu starten. Aufgrund der fälligen Setup- und monatlichen Gebühren in den größeren Netzwerken, ist es oftmals schwierig kleine Programme rentabel zu gestalten. Sowohl Webgains als auch Belboon und Superclix bieten dennoch eine große Reichweite und als Merchant hat man daher ein geringeres Risiko.
Der Erfolg eines Partnerprogramms hängt allerdings nicht nur von der Wahl des oder der richtigen Netzwerke ab, sondern wird wesentlich von anderen Faktoren wie hohen Provisionen oder einem guten Support beeinflusst. Vor allem kann man sich auf dieser Basis gegenüber der Konkurrenz abheben. Interessierte Affiliates scheuen sich in der Regel auch nicht davor, sich in einem weiteren Netzwerk anzumelden, um Ihr Programm zu bewerben.
Welche Netzwerke sollte ich als Affiliate nutzen?
Auch aus Affiliate-Sicht lässt sich nicht explizit sagen, welches Netzwerk das Beste ist. Jedoch bieten größere Netzwerke bereits eine breitere Palette an Partnerprogrammen an. In kleineren Netzwerken hingegen findet man oftmals attraktive Nischenprogramme. Hier liegt es also an Ihren Präferenzen, welche Art von Programmen für Sie relevant ist. Daher ist auch ein Großteil der Affiliates in mehreren Netzwerken gleichzeitig aktiv.
Fazit: Der Mix macht´s und das perfekte Netzwerk gibt es nicht!
Wie die vorherige Betrachtung zeigt, gibt es kein Netzwerk, das sowohl aus Merchant- als auch als Affiliate-Sicht alle wichtigen Bereiche und Funktionen abdeckt. Die Strategie, in mehreren Netzwerken aktiv zu sein, hat sich aus beiden Sichtweisen bewährt. Einige Netzwerke versuchen bestimmte Programme exklusiv zu betreuen und bieten in diesem Rahmen z.B. vergünstigte Konditionen an. Bei den beiden größeren Anbietern Zanox und affilinet könnten Sie dies durchaus in Erwägung ziehen, da ein Großteil der Affiliates ohnehin in diesen Netzwerken angemeldet ist.
Affiliates entwickeln im Laufe der Zeit auch eigene Präferenzen in Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit oder den Support eines Netzwerks. Sofern ein bestimmtes Partnerprogramm jedoch in einem Netzwerk vertreten ist, in welchem man nicht aktiv ist, so kommt man kaum darum herum, sich dort anzumelden. Flexibilität gehört daher zweifelsohne zum Affiliate-Dasein dazu.
Zur Person
Patrick Hundt ist Gründer und Geschäftsführer der Online Marketing Agentur Projecter (www.projecter.de). Nach seinem BWL-Studium in Berlin arbeitete er zwei Jahre im Affiliate Marketing und Keyword Marketing des Internetunternehmens Spreadshirt. Währenddessen entwickelte er eigene Affiliate-Projekte und zusammen mit Katja von der Burg die Idee zu Projecter. Er ist Experte in den Bereichen SEM und Affiliate Marketing.
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Kommentare
“Der Erfolg eines Partnerprogramms hängt allerdings nicht nur von der Wahl des oder der richtigen Netzwerke ab, sondern wird wesentlich von anderen Faktoren wie hohen Provisionen oder einem guten Support beeinflusst.”
Klickstarke Werbemittel sollte man aber auch haben :P
Kommentar von Julian 08. Juni 2011 @ 11:14Hallo Julian,
am Ende ist es eine Mischung aus vielen Faktoren. Grundsätzlich glaube ich aber, dass zumindest Banner als Werbemittel im Affiliate Marketing überschätzt werden. Man muss sie haben und sie sollten auch gut sein, aber der Anteil am Umsatz, der letztendlich über Banner generiert wird, ist doch sehr gering (es sei denn Advertiser nehmen an den Hype-Themen Post View Marketing und Retargeting teil, wobei die Publisher dann häufig selbst Werbemittel erstellen).
Kommentar von Patrick 08. Juni 2011 @ 12:35Hallo Patrick,
guter Artikel, vieles hier von Dir Gesagte und recherchierte ist absolut richtig.
Leider muss ich kurz das ADCELL Porträt etwas gerade rücken:
Wir sehen uns mit ADCELL nicht mehr nur als reiner Nischenanbieter – sondern eher als Netzwerk für den mit den Schwerpunkten eCommerce, Games, und Mittelstand und natürlich einige andere.
Um das mit Zahlen zu untermauern: die aktuell über 600 Partnerprogramme bei uns beinhalten 278 Shops gegenüber 32 Kampagnen aus der Kategorie “Erotik”, 31 Programmen aus der Kategorie “Gewinnspiele” und 19 aus der Kategorie “Finanzen”.
Wir bietet zudem über 70 Partnerprogramme aus dem Bereich “Games” .
Es ist also recht einfach zu sehen, dass die Schwerpunkte bei ADCELL keinesfalls auf den Themen Erotik, Finanzen und Gewinnspiele liegen.
Ich hoffe, ich konnte das ADCELL Bild etwas schärfen und wünsche Euch mit Projector weiterhin viel Erfolg.
Marcus
Kommentar von Marcus Seidel 08. Juni 2011 @ 12:58Hi Marcus,
danke für Dein Feedback. Das geht auch an Deine Kollegen, die mich schon auf anderen Kanälen erreicht haben ;-)
OK, die Programme zeigen, dass ihr breit aufgestellt seid. Aber darauf basierend mal eine Gegenfrage, die sich nicht nur an Euch richtet, denn mir ist das öfter aufgefallen: Könnte es für kleinere und mittlere Affiliate Netzwerke nicht auch ein Vorteil sein, ein Profil zu haben anstatt zu sagen “Wir machen auch alles”?
Kommentar von Patrick 08. Juni 2011 @ 20:16Selbst bei den Neueinsteigern im Markt (in dem Artikel gar nicht erwähnt) sehe ich sowas nicht und frage mich, wie sie in einem eigentlich gesättigten Markt ohne Alleinstellungsmerkmale einen Fuß in die Tür bekommen wollen.
Hallo!
Ich persönlich finde die Einrichtung von solchen Netzwerken sehr praktisch. Natürlich geht auch ein bisschen was von der Provision verloren. Aber ok, dafür hat man als Affiliate auch einen gewissen Schutz. z.B. Sieht man die Stornoquoten etc.
Kommentar von Philipp Hirzberger 09. Juni 2011 @ 18:22Gut recherchiert – besser als die Liste gefallen mir die Kommentare. Das erspart eine Menge eigener Fehler und Vorarbeit. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der Anbieter recht begrenzt, das könnte ja auch für startups interessant sein. Statt als Kunde ein Konkurrent?
Kommentar von First 14. Juni 2011 @ 08:46Am Ende ist es so wie beschrieben,
nicht auf ein Netzwerk konzentrieren. Streuung hilft.
Achso, natürlich aus Sicht eines Affiliates. Als Merchant – ich verkaufe Nischen-Informationsprodukte, macht für mich eines der hier beschriebenen Netzwerke wenig Sinn.
Da schwöre ich auf Clickbank, da hier Zahlungsanbieter, Partnerprogramm und Geld zurück Garantie in einem angeboten wird.
Ansonsten finde ich Superclix als Affiliate eine gute Wahl, da es gerade für kleinere Affiliates wie ich einer bin, viele interessante Nischen bietet, sich leichter bewerben lassen.
Kommentar von Mario 16. September 2011 @ 10:29@mario Gerade Nischenprodukte sollte man über mehrere Netzwerke streuen, um die chance auf Erfolge zu erhöhen.
Schöner Artikel, Generell gibt es einige gute und große Netzwerke, aber auch die kleinen Affiliatenetzwerk, bieten viel Service und den einen oder anderen Vorteil. Man muss also die Augen offen haben und darf sich nicht nur auf einen Anbieter versteifen ;)
Kommentar von Steffen 29. März 2012 @ 16:46