Deutschland im Recycling-Fieber: Aufstieg der ReCommerce-Plattformen

Ein Ökothema der etwas anderen Art ist der aktuelle ReCommerce-Boom: Plattformen, die gebrauchte und zum Teil defekte Produkte und Geräte ankaufen, wieder aufbereiten und weiterverkaufen. Die Wiederverwertung vermindert den Bedarf an Rohstoffen und […]
Deutschland im Recycling-Fieber: Aufstieg der ReCommerce-Plattformen

Ein Ökothema der etwas anderen Art ist der aktuelle ReCommerce-Boom: Plattformen, die gebrauchte und zum Teil defekte Produkte und Geräte ankaufen, wieder aufbereiten und weiterverkaufen. Die Wiederverwertung vermindert den Bedarf an Rohstoffen und defekte Geräte landen nicht im Hausmüll sondern werden an entsprechende Recycling-Unternehmen weitergegeben. Obwohl das Thema noch nicht Mainstream ist, zeigt sich anhand der beachtlichen Investorenliste, wie stark das Thema im Kommen ist (siehe PDF Übersichtstabelle). Kein Wunder: Die Vorteile gegenüber dem Verkauf auf anderen Plattformen wie Ebay und Amazon sind beachtlich. Aufwändige Registrierungen, Gebühren, Auktions-Wartezeiten und das Kümmern um Produktbeschreibungen und Fotos fallen weg. Manche Plattformen bieten nicht nur den Ankauf sondern auch den Verkauf gebrauchter Ware an. Im Gegensatz zu Privatauktionen haben Käufer dann 12monatige Garantie, Widerrufsrecht und bezahlen auch für verschiedene Produkte nur einmal Porto. Ein genauerer Blick auf die aktuellen Rebuying-Plattformen lohnt also!

ReBuy.de: iPhone-Reparaturservice
Die An- und Verkaufsplattform reBuy.de (www.rebuy.de) existiert bereits seit 2006. Bis 2009 agierte sie unter dem Namen trade-a-game, weitete ihr Sortiment dann aber sukzessive aus. Gründer Lawrence Leuschner und seine Mitstreiter verzeichnen über 200.000 registrierte Nutzer und peilen für 2011 den Rekordumsatz von 30 Millionen Euro an. Angefangen mit Spielen ist das Sortiment heute breit und beinhaltet auch gebrauchte DVDs, CDs, Lego, Bücher, Filme, Software und Handys – weitere Elektronikware soll folgen. Während der Zustand von Büchern, CDs, DVDs und Spielen mindestens “gut” sein muss, kauft reBuy.de im elektronischen Bereich auch defekte Ware an. Eine Besonderheit ist der iPhone-Reparaturservice, der ebenfalls bald das Licht der Welt erblicken soll. Wermutstropfen: Bei reBuy.de tragen Verkäufer die Versandkosten für ihr eingeschicktes Produkt bis zu einem Warenwert von 30 Euro selbst. Nutzer können sich aussuchen, ob das Geld für den eingeschickten Artikel auf dem Konto landet oder das Produkt gegen andere Gebrauchtware eingetauscht wird.

Momox: Ware kostenlos abholen lassen
Die Ankauf-Plattform momox.de (www.momox.de) zählt ebenfalls zu den älteren Start-ups im Bereich ReCommerce (gegründet 2006). Das Geschäfte läuft: Gründer Christian Wegner erzielte 2010 einen Umsatz von 20 Millionen Euro. Im Sortiment befinden sich Bücher, CDs, DVDs und seit Kurzem auch Spiele. Kunden können ihre Waren kostenlos einschicken, müssen aber einen Mindestwarenwert von zehn Euro erreichen. Einmalig unter den Anbietern ist die Möglichkeit, seine Artikel kostenlos von DHL abholen zu lassen. Ebenfalls ein toller Service: Mit einer kostenlosen App können Nutzer die Barcodes ihrer ausgedienten Produkte einscannen und mobil den Preis ermitteln. Für nicht funktionierende Geräte gibt es kein Geld. Wer aber defekte Geräte loswerden und umweltbewusst entsorgen will, ist explizit aufgefordert, diese ebenfalls dem Paket beizulegen. Momox.de verkauft die angekauften Artikel unter anderem im eigenen Onlineshop Medimops.de weiter, aber auch an Antiquariate und stationäre Händler. Nutzer können bis zu 50 Artikel auf einmal einschicken.

Zonzoo: 40 % für defekte Geräte
Ein echtes Internet-Urgestein ist das Handy-Recyclingunternehmen Zonzoo Group (www.zonzoo.de), das von München aus europaweit agiert. In Spanien ist es seit 2001 aktiv – damals noch unter dem Namen Greener Solutions – , in Deutschland seit 2009. Gründer Colin Armstrong-Bell beschränkt und spezialisiert sich bis heute auf die Kategorie “Handy”. Zonzoo nimmt auch defekte Geräte an und hat eine transparente und einheitliche Preisstruktur entwickelt: Für nicht mehr funktionierende Artikel gibt es noch 40 Prozent des Gerätepreises. Ebenso unkompliziert sind die Angaben zum Zustand der Ware: Nutzer klicken lediglich “funktionsfähig” oder “nicht funktionsfähig” an, schon kommt der Preisvorschlag. In puncto Kundenansprache setzt das Unternehmen einen Schwerpunkt auf ökologische und soziale Aspekte des Recycelns. Die wieder aufbereiteten Artikel werden in Entwicklungsländer verkauft und von jedem Ankauf spendet die Firma fünf Prozent an eine wohltätige Organisation, die sich User aussuchen können.

Wirkaufens: Ankauf von 2000 Produkten monatlich
Im Sommer 2008 startete das Unternehmen WirKaufens (www.wirkaufens.de) unter dem Namen asgoodas.nu. Um das Geschäftsmodell zu verdeutlichen, kam es zum Namenswechsel. 2010 machte das Unternehmen bereits einen Umsatz von einer Million Euro und kauft aktuell monatlich 2000 Produkte an. Neben Handys sind mittlerweile auch Konsolen, Digicams, Mp3-Player, Navis, Tablets und Objektive willkommen. In der Verkaufsmaske fragt WirKaufens den Artikelzustand ab und ermittelt daraufhin den Ankaufpreis. Die Firma von Christian Wolf kauft auch sehr in Anspruch genommene Ware an und spendiert wie die meisten Anbieter einen kostenlosen Versandaufkleber. Das Geld landet auf dem Konto, Austauschware gibt es nicht. Statt dessen verkauft der Anbieter die Artikel über verschiedene Vertriebskanäle wie Ebay, Amazon und die polnische Plattform Allegro weiter.

Screenshot flip4new

Flip4new: Bargeld, Gutschein oder Neuprodukt
Relativ frisch, nämlich seit Oktober 2009, bewegt sich flip4new (www.flip4new.de) im Pool der Ankaufsdienste. Entsprechend gibt es noch keine Umsatzzahlen für 2010, Gründer Michael Sauer verweist aber auf mehrere tausend Besucher pro Tag. Dank einer Kooperation mit Apple befinden sich auch iPods, Macs und viele andere Apple Produkte im Sortiment. Auch Digicams, Konsolen, Mp3-Player, Navis, Notebooks und Tablets kauft das Start-up an. Kunden können zwischen Bargeld, Gutschein und einem Neuprodukt wählen, das von einem der zahlreichen Kooperationspartner angeboten wird. Flip4new kauft nicht nur funktionierende Geräte an sondern alle gelisteten Produkte – egal in welchem Zustand. Der Preis ermittelt sich aufgrund der Angaben, die Kunden zum Gerät machen. Die aufbereiteten Produkte landen auf anderen Handelsplattformnen wie Ebay oder Amazon. Als erster Anbieter wagt flip4new den Sprung in den stationären Handel: In einer Testphase können Kunden bei Saturn bestimmte ausgediente Produkte wie iPods in Zahlung geben und erhalten im Gegenzug einen Saturngutschein, den sie beim Kauf eines Neuproduktes einlösen können.

VerkaufsUns.de: Massenankauf möglich
Der wohl neueste Anbieter im Recommerce-Markt ist VerkaufsUns.de (www.verkaufsuns.de), dessen Name Ähnlichkeiten mit einem bereits genannten Start-up aufweist. Hinter dem Unternehmen steht Dennis Hirth. Für die kurze Zeitspanne, die VerkaufsUns.de erst am Markt ist, gibt es schon zahlreiche Artikel im Sortiment: Spiele, Konsolen, CDs, DVDs, Digicams, Mp3-Player, Handys, Tablets – und sogar Beamer und Fernseher. Auch der jüngste Mitbewerber kauft neben gebrauchter auch defekte Ware an, deren Zustand und Zubehör Verkäufer mit einigen Klicks beschreiben. Ist man mit dem ermittelten Preis einverstanden, kann man die Ware kostenlos einschicken und erhält Bargeld überwiesen. Verkäufer können so viele Artikel einschicken, wie sie möchten.

Fazit: Für viele Nutzer sind die zahlreichen Rebuying-Plattformen eine tolle Alternative zum Flohmarktverkauf Samstag Morgen um 6Uhr geworden. Und auch wer defekte Geräte umweltbewusst entsorgen will und sie nicht gedankenlos in den Hausmüll wirft, ist hier richtig. Beim Einschicken gebrauchter Gegenstände sollte man auf jeden Fall die Preise auf den unterschiedlichen Plattformen vergleichen, wie die Tabelle unten zeigt. Grundsätzlich gilt: Bei sehr neuen Geräten erzielt man auf den üblichen Online-Auktionsplattformen oft bessere Preise als bei den Rebuying-Plattformen. Bei etwas älteren oder defekten Geräten sieht das aber anders aus.

Eine Übersichtstabelle über die verschiedenen ReCommerce-Anbieter können Sie hier als PDF herunterladen.

Tipp: Weitere lesenswerte Artikel zum Thema ReCommerce gibt es in unserem ReCommerce-Special.

Foto: Hanspeter Bolliger / pixelio.de

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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  2. Max

    Sehr schöne Zusammenfassung. Mich würde aber mal interessieren wieviel Manpower benötigt wird um die 20.000 Artikel im Monat über die Vetriebsplattformen wie Ebay oder Amazon zu hinterlegen. Schließlich sollte gerade bei gebrauchten Artikeln der Zustand möglichst Wirklichkeitsgetreu in der Artikelbeschreibung erscheinen.

  3. @Max: Hab irgendwo mal gelesen, dass die Artikel in den Nahen Osten verkauft werden.

    Für alle Momox und Rebuy User: Vergesst nicht die verfügbaren Gutscheine!

    http://www.gutscheinsammler.de/tag/ankauf



  4. Henning

    Mag sein, dass sich solche Plattformen aus Nutzersicht bei defekten Geräten, vielleicht auch bei Büchern und Software lohnen – funktionierende Handys aber würde ich jederzeit selber über Ebay verkaufen. Dort werden immer noch ziemlich gute Preise gezahlt, mit denen Wirkaufens & Co. meiner Erfahrung nach nicht mithalten können…



  5. ben

    Wer die Zeit nicht hat seine Artikel bei eBay etc einzustellen und abzuwickeln für den kann das eine gute Alternative sein, dauerhaft würde ich meine Sachen aber einzeln und selbst verkaufen, sehe das “ReCommerce” eher als Pfandhäuser im Netz (nur eben ohne Pfand ;)
    Wer es trotzdem nutzen möchte findet auf wer-zahlt-mehr.de den spendabelsten Anbieter ;)

    • @ben: Leider kann man bei wer-zahlt-mehr.de nur den spendabelsten Anbieter für DVDs, Bücher und Videospiele finden… Bei elektronischen Artikeln kommt man hier nicht weiter. Dabei würde sich so eine Vergleichsplattform mittlerweile wirklich lohnen!

  6. wer seine Sachen selbst bei ebay verkauft bekommt nach wie vor mehr dafür, meist auch für Defektes Gerät. Wenn man viel schnell los werde möchte oder keine Ahnung von ebay hat aber sicher eine gute Alternative.

  7. @Yvonne: momentan stimmt das. wir arbeiten aber mit Hochdruck an der Öffnung der Plattform hinsichtlich elektronischer Artikel.



  8. Knutfinke

    Super Überblick, aber hinsichtlich Zonzoo nicht ganz korrekt. Das Unternehmen gab es in Deutschland schon seit 2001, hat zunächst als Recyclingdienstleister für Mobilfunknetzwerke agiert und hat mit der Uraltplattform handy2cash.de den Handyankauf schon vor einigen Jahren nach Deutschland gebracht.
    In Spanien ist Zonzoo erst seit 2009 aktiv.



  9. Klaus D.

    Also die Frage die ich mir jetzt mal so stelle ist doch, ob es sich hierbei hauptsächlich um Nachhaltigkeit handelt oder einfach um Profit? Ich meine der Markt wird doch echt immer kreativer um aus allem Geld zu machen was nur möglich ist. Das fängt an bei Altmetall und geht über Handys bis zu Biomüll aus Rrestaurants den später Schweine als Futter bekommen. Und jetzt ist es soweit, du hast ein Handy ohne Vertrag und brauchst es nicht mehr, also wird die Entsorgung vergütet….ich finds einfach nur wahnsinn!



  10. Thomas

    zu-geld.de ist ein weitere Anbieter, der auch recht hohe Ankaufspreise hat.

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  12. Pingback: Spiele und Bücher ankaufen: 10 Fragen an GeldgegenWare | Medien-Ökonomie-Blog

  13. …und an uns ösis hat wieder keiner gedacht …dann muss ich halt weiterhin bei http://www.seller.at meine dvds verkaufen , denn das porto nach deutschland rechnet sich nicht :-(

    lg

    alexandre



  14. Peter

    Der Recommerce geht noch weiter. Nehmen Sie http://www.goldankauf123.de – ein klassisches Beispiel auch für die neue Branche. Nicht nur Elektronik sondern auch Edelmetalle werden jetzt im großen Stil von Internetfirmen angekauft. Ich finde die Entwicklung gut: schont die Umwelt :)

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  18. Klingt alles sehr interessant, bin mal gespannt wie sich das so weiterentwickelt.

    Grüße

  19. Pingback: Soziopod #018: Schlag zu mit Marx | SozioPod

  20. Es wäre mal jetzt ein Artikel interessant, der aufzeigt wie sich die “Recommerce”-Plattformen entwickelt haben.

  21. VerkaufsUns war insolvent, aber dem Rest geht’s recht gut, soweit ich weiß.



  22. brigitte

    im Bericht oben wird geschrieben das rebuy unter anderem auch lego spielzeug ankauft …. dies ist leider NICHT (mer)richtig , man kann bei rebuy kein lego mehr verkaufen …somit gbt es meines wissens nur mehr eine einzige firma die online lego spielwaren im konvolut und einzeln ankauft …leider hat diese firma seller.at ihren sitz in österreich , habe aber erfreulicherweise gerade gesehen das die seit neuen auch eine logistikcenter in deutschland haben und man nun unter andren die Spielwaren direkt in deutschland verkaufen kann , das ist super und der support ist ultra freundlich .. natürlich kaufen die auch cds , dvds spiele usw…aber das machen eh die anderen auch ..

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