Der Ende 2008 gestartete Internetmarktplatz Tamundo (www.tamundo.de) ist am Ende. “Tamundo sagt Lebewohl. Am 30. Januar stellen wir den Betrieb ein”, heißt es ganz lapidar auf der Website des Marktplatzes für Raritäten, Unikate und Sammlerstücke. Ins Leben gerufen wurde Tamundo von Filip Dames und Sebastian von Johnston. Beide sind aber längst nicht mehr an Bord: Mitgründer und Geschäftsführer Dames heuerte bereits vor einem Jahr beim Schuh- und Modeshop Zalando an. Dort wirkt er noch immer als Director New Business. Mitstreiter von Johnston verließ das Start-up bereits vor Dames – er arbeitete bis zum Herbst des vergangenen Jahres als Business Manager bei Condé Nast Digital.

Zuletzt führte Simon Thun vom Tamundo-Investor Noshokaty, Döring & Thun die Geschäfte des Unternehmens. Tosson el Noshokaty von der Unternehmensberatung mit Beteiligungsarm bezeichnet die Abschaltung von Tamundo gegenüber deutsche-startups.de als “geplanten Untergang”. Das Start-up sei nicht pleite, sondern werde ordnungsgemäß abgewickelt. Bereits Ende 2009 wurde bei Tamundo erstmals die Reißleine gezogen: Statt den gigantischen Sammlermarkt auf einmal anzugehen, konzentrierte sich das Start-up auf einige, attraktive Segmente wie Münzen, Briefmarken und Postkarten. Trotz dieser Fokussierung ging es nicht im großen Stil aufwärts bei der angedachten Alternative zu eBay. Dabei konnte es das Angebot in einigen Kategorien durchaus mit dem großen Konkurrenten aufnehmen. Es fehlten aber offenbar Käufer und so machten die Händler weiter bei eBay ihr Geschäft.
Dreimal sammelte Tamundo Kapital ein
“Letztendlich entscheidet das Portemonnaie”, sagt el Noshokaty. Leider habe die Zielgruppe nicht die Geduld mitgebracht, die nötig gewesen wäre, einen neuen Marktplatz aufzubauen. In der Tat beklagten sich in den vergangenen Jahren immer mehr Händler und Käufer über das Dickschiff eBay. “Zu groß, zu unpersönlich” sind nur einige Kritikpunkte an dem Auktionshaus. Deswegen erschien eine Alternative in einem speziellen Segment den Gründern und Investoren durchaus sinnvoll. In insgesamt drei Finanzierungsrunden statteten die Gesellschafter das Start-up mit Kapital aus. Wie viel Geld Tamundo erhalten hat, will el Noshokaty nicht verraten. Es sei aber eine Menge Geld gewesen. Genutzt hat es leider nicht, am Ende muss Tamundo “aus wirtschaftlichen Gründen” für immer die Pforten schließen.
Hausbesuch bei Tamundo
Im Januar 2009 haben wir den damals noch sehr frischen Internetmarktplatz Tamundo besucht. Die Büros waren äußerst einfach zu finden, riesige Schilder wiesen den Weg zum Start-up-Tempel! Alle Eindrücke in unserer kleinen Fotogalerie.
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Kommentare
> “Letztendlich entscheidet das Portemonnaie”, sagt el Noshokaty
Genau das denke ich eben nicht. Mehr Geld hätte in diesem – wie in vielen anderen Fällen – nur dazu geführt, dass an der Strich noch mehr verheizt worden wäre.
Kommentar von Sebastian (naanoo.com) 14. Januar 2011 @ 10:31Der gute Herr Noshokaty hat schon bei eBay nichts gekonnt, darum ist es m.E. auch kein bisschen verwunderlich, dass er abgekupferte Konkurrenz an die Wand fährt…
Kommentar von Andreas S. 14. Januar 2011 @ 11:24Eigentlich ist es schade um die Idee. Ich fand sie eigentlich sehr sympathisch. Ein gezielter Marktplatz für Sammler als Alternative zu Ebay, Amazon und co.
Kommentar von Guntah 14. Januar 2011 @ 12:31@Sebastian
Mit dem Zitat war das Portemonnaie der Verkäufer gemeint. Die haben halt bei ebay mehr Geld verdient…
Kommentar von Alexander Hüsing 14. Januar 2011 @ 13:25Ahhhhh! Jetzt, wenn ich es nochmal lese, macht es auch mehr Sinn.
Kommentar von Sebastian (naanoo.com) 14. Januar 2011 @ 14:53http://www.deutsche-startups.de/fotogalerie/75/?picture=1653
Zitat: “Tamundo goes Uni: Eine Gruppe Studenten der Universität der Künste (UdK) erstellt das Komunikationskonzept des Start-ups.”
Ungelernte und ansonsten künstlerisch tätige Hilfskräfte waren also für die Unternehmens- Kommunikation zuständig. Ohne Worte…
Kommentar von bankerin 14. Januar 2011 @ 16:20Schade! Auch wenn es leider keine starke und daher wirklich direkte Konkurrenz zu ebay ist/war, so belebt welche Art von Konkurrenz auch immer das Geschäft. Freue mich über alles Neue, was den Markt zumindest etwas offener macht und Alternativen bietet.
Kommentar von Lars 14. Januar 2011 @ 21:30Habe auch die verheißungsvollen Anfänge und das traurige Ende von Tamundo miterlebt. Das Haus orientierte sich vielleicht zu sehr an eBay, kupferte zum Beispiel die Kategorienordnung 1:1 ab. Dazu kam, dass leider einige wenige Händler Tamundo mit ihren “Angeboten” geradezu überschütteten. Einstellen kostete ja nichts…
Kommentar von Saffti 15. Januar 2011 @ 00:12Schade um die Idee aber nicht um Tamundo. Das Konzept war von Anfang an falsch, nicht mal das Design passte zum Thema. Den xten Abklatsch von Ebay braucht bestimmt niemand mehr. Es war keine Bereicherung für den Markt. Nicht wirklich etwas Neues. Bei so einem Projekt sollte man sich auch für eine bestimmte Zielgruppe entscheiden. Vom Barock Schrank bis zur Cola Dose sollte man nicht alles mitnehmen. Es wäre sicher von Vorteil, wenn jemand von den Entwicklern mehr in dem Thema drin steckt. Geld allein hilft hier wohl nicht.
Kommentar von AXEL GORGES 15. Januar 2011 @ 15:34Aber vielleicht war es ja eh nicht die vorrangige Absicht den “Sammlern” einen schönen Marktplatz zu bescheren. Wer weiß??
Ich kann mich nur dem Kommentar von Axel Gorges anschließen. Geld ist nicht alles … Fachkompetenz im Produkt, das man verkauft, sollte schon eine Voraussetzung sein ….
Kommentar von webkatalogX 15. Januar 2011 @ 23:23Ich hätte es denen gegönnt, aber das Konzept war schon falsch und es fehlten die Kunden, die auch bieten… da hätte akquiriert werden müssen… die hätten auf Sammlermessen, Briefmarken- und Münzmessen mit Ständen gehen müssen und Flyer verteilen, um Kunden als Bieter zu gewinnen, dann kommen auch die Anbieter…. jetzt gibt es im Münzbereich nur noch http://www.muenzauktion.com als ernstzunehmende Konkurrenz zu ebay, sonst niemanden…
Kommentar von Sabine Koch 16. Januar 2011 @ 15:34Den großen Sammlerkreis für alle Richtungen neu als Kauf- und Tauschbörse zu erschliessen ist sehrs chwer. Das Problem ist einfach, dass Leute die gerade auf Dachböden, Flohmärkten und Kellern etwas finden nur bei ebay einstellen, das macht die Auktionen zum Thema Sammelerstücke und antike Ware ja so interessant. Sammlerseiten gibt es genug, dazu noch die vielen Börsen und realen Auktionen wo sich die Leute austauschen.
Kommentar von Jens 14. September 2011 @ 15:58