Benchmark, ASAP, Core Values – Die 26 nervigsten Worthülsen

Benchmark, Core Values, Fundamental Change – Gründer, Investoren sowie viele Internetkenner und -experten hauen immer wieder mit Buzz-Wörtern und anderen Worthülsen um sich. Joachim Graf vom Branchendienst ibusiness (www.ibusiness.de) nervt diese “kommunikative Flatulenz”. […]

Benchmark, Core Values, Fundamental Change – Gründer, Investoren sowie viele Internetkenner und -experten hauen immer wieder mit Buzz-Wörtern und anderen Worthülsen um sich. Joachim Graf vom Branchendienst ibusiness (www.ibusiness.de) nervt diese “kommunikative Flatulenz”. Deswegen hat er 26 Wort-Hülsenfrüchte aus Internet- und Social-Media-Präsentationen niedergeschrieben, die ihn am meisten nerven.

1. Expertise
Wo es herkommt: Es ist das englische Wort für “Gutachten”
Was der Präsentator eigentlich meint: “Erfahrung”

2. Es macht Sinn
Wo es herkommt: “It make sense”
Was der Präsentator eigentlich meint: “Es ist sinnvoll.”

3. Business Case
Wo es herkommt: Streng genommen bedeutet das Wort “Aktenkoffer”. Auf Consultingisch ist es ein Geschäftsszenario. Oder ein Geschäftsmodell.
Was der Präsentator eigentlich meint: Irgend etwas cooles. Auf keinen Fall ein schlichtes Geschäftsmodell.

4. Success Story
Wo es herkommt: Aus dem Englischen.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Erfolgsgeschichte”. Aber die klingt im Deutschen immer so nach Märchen – was ja ganz oft auch stimmt.

5. Quick wins
Wo es herkommt: Aus dem Englischen.
Was der Präsentator eigentlich meint: Schnell zu erzielende Erfolge. Beispielsweise, wenn die Agentur mal eben die grauenhaftesten Fehler aus dem Webdesign ausbaut.

6. ASAP
Wo es herkommt: SMS-Slang: “As soon as possible”
Was der Präsentator eigentlich meint: “Bringen Sie Ihren verdammten Arsch in Bewegung”. Und genau so klingt es auch.

7. Proaktiv
Wo es herkommt: Englisch für “Eigeninitiative zeigen”
Was der Präsentator eigentlich meint: Normalerweise wird es als Synonym für “irre aktiv” verwendet.

8. Fokussierung auf die Kernkompetenzen
Wo es herkommt: Managementsprech: Ist die Rückseite der Medaillie von “Expansion”. Beide Strategien wechseln sich im Drei-Jahres-Rhythmus im Management ab.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Wir machen jetzt alles dicht, was mein Vorgänger mit viel Geld aufgebaut hat.”

9. Benchmark
Wo es herkommt: Aus der EDV. Dort ist es ein Vergleichsindex von Systemen
Was der Präsentator eigentlich meint: “Wir schauen, was die Konkurrenz macht und kupfern es ab. Ist billiger, als es selbst zu entwickeln.”

10. Zielführend
Wo es herkommt: Aus dem Marketingsprech.
Was der Präsentator eigentlich meint: “sinnvoll”

11. Content is King
Wo es herkommt: Aus US-Technikblogs. Wörtlich: “Inhalte sind wichtig”.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Wir kaufen jetzt PR-Texte ein oder lassen Nutzer selbst irgend etwas schreiben. Das ist billiger.”

12. Momentum
Wo es herkommt: Aus dem englischen. “To gain momentum” heißt “in Fahrt kommen”.
Was der Präsentator eigentlich meint: Irgend etwas mit “Schwung, “Wucht”, “Impuls” oder “Dynamik”.

13. Google Juice
Wo es herkommt: Aus der SEO-Szene. Es meint die Relevanz, die man (beispielsweise durch Back-Links) erhält.
Was der Präsentator eigentlich meint: Links.

14. Core Values
Wo es herkommt: Im Englischen heißt es “Grundwerte”
Was der Präsentator eigentlich meint: “Core Assets”. Und das heisst eigentlich: “Zentrale Werte”.

15. Viral seeden
Wo es herkommt: Marketing-Sprech: Inhaltshappen als Köder in die Szene streuen, damit sie aufgenommen und weiter getragen werden.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Ich habe jetzt viel Geld für die Viral-Agentur ausgegeben. Hoffen wir, dass wir bei den 20% erfolgreichen Kampagnen dabei sind.”

16. Wisdom of the Crowd
Wo es herkommt: Von Blogberatern, die glauben, dass es eine “Weisheit der Massen” gibt
Was der Präsentator eigentlich meint: “Ich weiss auch nicht, warum keiner unsere Website mag”.

17. Branded Entertainment
Wo es herkommt: Aus dem Englischen.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Sponsoring”. Oder Werbespiele.

18. Web 1.0
Wo es herkommt: Aus der Web-2.0-Blase.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Irgendwie uncool”.

19. Old Economy
Wo es herkommt: Aus der Web-1.0-Blase. Meint klassische Unternehmen, die tatsächlich richtige Produkte herstellen.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Irgendwie uncool”.

20. Performance orientiert
Wo es herkommt: Aus der Werber-Sprache. Mein erfolgsabhängige Werbeformen.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Wir wollen nur die Hälfte zahlen”

21. Die Kampagne darf nicht zu aggro sein
Wo es herkommt: Wenn Werber das Adjektiv “aggressiv” verniedlichen.
Was der Präsentator eigentlich meint: “Vielleicht ist das Ganze doch zu plump?”

22. Am Ende des Tages
Wo es herkommt: Übersetzung aus dem Englischen: “At the end of the day”
Was der Präsentator eigentlich meint: “Unterm Strich”. Oder einfach: “Letztlich”

23. Join the conversation
Wo es herkommt: Aus dem Englischen, natürlich (und David Nelles David Nelles auf Xing nachschlagen hats gefunden).
Was der Präsentator eigentlich meint: “Noch Fragen?” Oder: “Kommentare bitte”.

24. Game Changer
Wo es herkommt: Englisch “Spiel Wechsler”
Was der Präsentator eigentlich meint: Etwas Revolutionäres, dass den Markt und seine Mechanismen prinzipiell verändert.

25. Fundamental Change
Wo es herkommt: Englisch “Prinzipielle Änderung”
Was der Präsentator eigentlich meint: “Game Changer”

26. Revolution
Wo es herkommt: Aus der Politik. (und Claudia Sommer Claudia Sommer auf Xing nachschlagen hats gefunden).
Was der Präsentator eigentlich meint: “Was Neues”.

Noch Fragen? Join the conversation! Welche Worthülsen nerven Sie? Diese bitte in den Kommentaren hinterlassen!

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Tom

    Das ist echt das schlimmste – asap “As soon as possible” Gerne mal von Agenturen verwendet, die dann 4 Wochen wieder nicht zu Potte kommen, aber vorher alles asap haben wollen :-)

  2. Also, ich bin ja selbst der Meinung, dass teilweise etwas stark mit englischen Begriffen um sich gehauen wird. Manchmal aber, gibt es für einen bestimmten fremdsprachigen Begriff keine deutsche Entsprechung. Vor allem dann, wenn man bestimmte Nuancen (<- aus dem Französischen übrigens ;)) kommunizieren möchte lohnt sich der Rückgriff auf Fremdwörter durchaus.

    Wenn ich mir aber die Mühe mache, eine solche Liste zusammenzustellen, dann bitte doch auch wenigstens einigermaßen solide recherchiert (<- übrigens auch aus dem Französischen).

    Das der gute Herr Graf auf diese Begriffe so empfindlich reagiert, mag vielleicht einfach daran liegen, dass er offenbar die hälfte nicht versteht. Unwissen ist ja keine Schande, aber dann stelle ich mich nicht hin und verfasse einen Artikel über ein Thema, mit dem ich mich nicht auskenne.

    Nehmen wir doch mal den ersten Begriff "Expertise". Dieser Begriff ist schon sehr viel länger im deutschen Sprachgebrauch als "Social-Media-Präsentationen" überhaupt existieren. Er bedeutet neben der genannten Übersetzung "Gutachten" auch Fachwissen/-Kenntnis und wird in vielen etablierten Branchen täglich verwendet. Zu guter letzt kommt der Begriff so weit ich das beurteilen kann übrigens aus dem Französischen und nicht dem Englischen.
    Ich könnte jetzt noch viel Zeit darauf verwenden jeden weiteren Punkt zu ergänzen, aber das wäre wohl sinnlos.
    Nur eins noch: ASAP kommt NICHT, und ich wiederhole, NICHT aus dem SMS-Slang. Diese Abkürzung ist deutlich älter als Mobiltelefone oder das Internet.

    Ehrlich, wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal die klappe halten. Unfassbar.
    Übrigens Herr Graf: Die Firma für die Sie arbeiten heißt offenbar DAY Networks Marketing GmbH. So viel zum Thema Worthülsen.

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  4. Andreas

    Alternativ zu Quick-Win: low hanging fruit :-)

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  6. Felix Eggbert

    Hm…unter Benchmark im Business Bereich verstehe ich aber tatsächlich den Vergleich mit anderen ähnlichen Modellen, mit Abkupfern hat das meiner Meinung nach wenig zu tun…

  7. Solange die Leute wirklich wissen was gemeint ist / sein könnte, nicht nur mit dem Kopf nicken, und erkennen dass ein weniger an (tollen) Worten manchmal mehr ist (wer wirklich gut ist, gutes hat braucht seine Sache auch nicht mit Worthülsen aufwerten), kann meinetwegen gesprochen werden wie will.



  8. Oskar

    ich muss herrn nutzinger zustimmen. so humorvoll diese liste zu sein versucht, gut recherchiert ist sie nicht. mir ist neben den genannten beispielen vor allem business case aufgefallen. case bedeutet seit jeher fall. so ist beispielsweise eine case study weniger eine samsonitische wissenschaft, sondern viel mehr eine fallstudie. entsprechend könnte man business case wörtlich als geschäftsfall oder eben als geschäftszenario übersetzen. übrigens schon zu old economy zeiten. aktenkoffer nennt man im englischen übrigens briefcase.



  9. Markus Stiefel

    Stimme Bastian zu. Der Artikel ließt sich sehr wie “schnell mal drüber herziehen” und der Autor ließ sich wohl auch teils von Bastian Sick (“Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod”) inspirieren. Ich bin beileibe kein Verfechter (neudeutsch Fan) von unnötigen Anglizismen, genausowenig jedoch davon, fremdsprachliche Einflüsse pauschal zu verteufeln. Und gerade im Start-up-Segment ;-) wurden nun mal diverse Fachbegriffe von angloamerikanischen Risikokapitalgebern (VCs) geprägt.

  10. Die richtige Übersetzung von “It makes sense.” ist eigentlich “Es ergibt Sinn.”.

    Was definitiv noch fehlt:

    – show stopper
    – commitment zeigen/sich commiten
    – ein issue haben



  11. Christian

    „Joachim Graf vom Branchendienst“ — das musste ich gerade mehrmals lesen bis ich’s begriffen hatte :)



  12. michael

    Hi, ich setz noch einen drauf. Hier der Auszug aus dem Impressum von ibusiness.de, dem Verlag des Herrn Graf.
    Kommentare sind da wohl überflüssig, ausser der: Würd sich Mr. Graf bei mir präsenten bräuchte ich ja eine gewisse time um alles zu raffen, aber dann würd ich fett cryen: HÄ?

    Joachim Graf
    Joachim Graf, Herausgeber, Publisher, Dozent, Lehrbeauftragter, Keynote-Speaker, Zukunftsforscher und Future Evangelist für Kommunikations- und Medienkonvergenz



  13. Christian

    Mir fällt noch ein:

    “to be honest” oder “mal ganz ehrlich” als Einleitung eines Satzes.

    Der Rest des Satzes ist dann 100% gelogen.

    :)

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  15. Ich freue mich, dass auf einen halbherzig recherchierten Artikel ein so klares und mit Argumenten unterstütztes Feedback folgt. Da bleibt mir nur, mich den kritischen Stimmen anzuschließen :)



  16. Moritz Meier

    Mit Verlaub: Herr Graf nervt – ähnlich wie Sebastian Sick und andere Klugsch****** dieser Coleur.

    Was an dem Begriff “Expertise” ist denn kritikwürdig? Es ist eben NICHT mit “Erfahrung” gleichzusetzen. Und auch der Begriff “Business Case” ist nicht identisch mit Geschäftsmodell, sondern beschreibt eher die konkrete Ausarbeitung des Geschäftsmodells in Form von Zahlen. Für Begriffe wie “Quick win” gibt es schlicht keinen stehenden deutschen Begriffe.

    Sprache lebt. Dazu gehört auch, dass Begriffe und Formulierungen aus anderen Sprachen übernommen werden. Irgendwann überleben sich diese – oder gehen als fester Bestandteile in den Wortschatz ein. So wie “Computer”, “Internet”, “Browser” und Tausende andere Worte, die auch Herr Graf Tag für Tag ganz selbstverständlich verwendet.

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  18. Sie sollten damit an einem Literaturfestival teilnehmen
    http://www.literaturüpdate.de
    LITERATUR UPDATE BAYERN 2010 ist das neue Literaturfestival des Arbeitskreises für gemeinsame Kulturarbeit bayerischer Städte e.V.
    für http://www.fliesstext10.de kannn ich Ihnen eine “wildcard” besorgen.
    Die nächste Buchmesse kommt bestimmt

    http://www.lettermane.de



  19. Uwe Küll

    Na, da hat er ja wohl voll ins Wespennest gestochen, der Herr Graf.
    Und damit das beste erreicht, was man mit einer solchen Liste erreichen kann: Nachdenken. Diese Hirnaktivität wird m.E. einfach zu oft von zu vielen Menschen eingestellt, bevor die hier angeprangerten Begriffe benutzt werden.
    Dass diese Form des Missbrauchs nicht nur in Präsentationen und erst recht nicht nur in solchen zu den Themen Internet und Social Media vorkommen, wird zu recht angemerkt. Aber mehr als eine Anmerkung ist es denn auch wirklich nicht wert. Und so lässt der hier losgebrochene Proteststurm vermuten, dass sich der eine oder andere Leser vielleicht ertappt fühlt?

    Für alle, denen der Beitrag einfach nur Spaß gemacht hat (wie mir), sei darauf hingewiesen: Mehr davon gibt’s übrigens in seinem Buch “Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu”. http://www.amazon.de/Erst-kein-Gl%C3%BCck-dann-kommt/dp/3453601505 Ich hab’s mit großem Vergnügen gelesen, wenngleich ich nicht jedes seiner Urteile unterschreiben würde. Und dort macht der Autor auch deutlich, dass er nicht aus der Bessermacherperspektive schreibt, sondern aus der des Betroffenen. Der durchaus auch ein Besserwisser sein kann … ;-)

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