Das iPhone revolutionierte bereits vor wenigen Jahren das Verhalten einer ganzen Generation. Durch ausgereifte Technologie gepaart mit innovativem Design setzte Apple einen bedeutenden Meilenstein in der Smartphone-Welt. Der Erfolg des iPhones resultiert aber auch aus dem für Apple eher untypischen, aber genialen Zug den App Store öffentlich zu machen. Über das von Apple zur Verfügung gestellte Software Development Kit (SDK) konnten Entwickler fortan ihrer Kreativität in der Gestaltung eigener Apps freien Lauf lassen. Waren es im Juli 2008 erst 500 Apps, darunter hauptsächlich einfache Spiele, so sind dies heute nur 1,5 Jahre später bereits über 140.000 Apps im App Store. Von Spielen bis hin zu Business-Anwendungen, von einfach bis komplex. Kurzum: der AppStore lässt kaum mehr Wünsche offen.
Wenn es schon alles gibt, warum wächst der App Store exponentiell weiter und was macht künftig den Erfolg einer App aus? Auf den M-Days in München wurde ein wesentlicher Trend deutlich: Immer mehr Dienstleister haben sich “im Markt gefunden” und buhlen nun darum Großaufträge zu gewinnen. Daraus folgt, dass vor allem immer mehr große, namhafte Firmen reagieren und den Trend nicht verschlafen wollen. Derzeit also ein lukrativer Markt für Dienstleister im App-Umfeld.
Gleichzeitig lässt sich über den Sinn und Unsinn der nun wachsenden App-Flut philosophieren. Ein paar Beispiele zeigen vielleicht, warum: Becks, Zara, Philadelphia oder Porsche. Alles namhafte und starke Marken, und alle mit einer eigenen kostenlosen Apps im App Store vertreten. Was sie tun? Bilder, Produktinformationen oder abgezweigte Drittinformationen wie Events bei Becks anzeigen. Die Frage nach dem Sinn dieser Apps kann letztlich jeder für sich selbst beantworten. Ob sie den App Store jedoch langfristig dominieren werden, wage ich zu bezweifeln.
Aufgrund der wachsenden Vielfalt an Apps wird besonders die Frage nach dem Nutzen der hinzukommenden Apps interessant. Der Mehrwert durch neue Apps für die iPhone-Gemeinde wird vermutlich abnehmen. Hauptgrund dafür ist mittlerweile erreichte Reife des App Stores, die defacto die meisten, wenn nicht alle, Bedürfnisse erfüllt. Natürlich ermöglichen technologische Innovationen immer wieder neue Nischen aus denen neue Bedarfe entstehen. Auf die “zu füllenden Bedarfslücken” reagieren jedoch i.d.R. viele mehr Entwickler mit Apps, als es nötig ist um den Bedarf zu stillen. Das bedeutet nicht, dass der Nutzen ausschließlich bei Marken-Apps zu hinterfragen ist. Das Ziel vieler Auftraggeber liegt jedoch aktuell eher darin Präsenz zu zeigen als eine wirklich “coole, für den Nutzer mehrwertbringende Applikation” zu zeigen. Mit anderen Worten: es geht um Werbung!
Zwar ist der AppStore offen, langfristig wird er aber von den Nutzern gesteuert. Ein Beispiel: Die Porsche-App registriert ein Marken-affiner Nutzer z.B. im Store, schaut sich die Screenshots an und lädt sie ggf. auf sein iPhone. Nach nur einer Benutzung erscheint der Inhalt langweilig und die App wird wieder gelöscht. Ist das das Ziel, was die Porsche-Marketingabteilung angestrebt hat? Vielleicht! Präsenz zeigen ist das Ziel! Habe ich den langfristigen Anspruch der Nutzer erfüllt? Eher nicht!
Nutzer haben andere Ansprüche! Damit eine App langfristig auf dem iPhone bleibt muss sie folgende Kriterien erfüllen:
1. Sie muss einen erkennbaren Mehrwert liefern. Meist bestätigt durch den”Wow-Effekt”, also etwas Unerwartetem. Beispiele sind z.B. Apps zum Auto finden oder eine App, die mir den Busfahrplan aktuell auf mein Handy zaubert. Dinge, die meinen Alltag erleichtern.
2. Usabilty: es geht darum, schnell, einfach und gezielt bestimmte Informationen zeitgenau abrufen zu können. Umständliches Weiterleiten wirkt hier z.B. eher unattraktiv.
3. Sie muss fokussierte Informationen liefern: eine App sollte idealerweise schon im Namen verraten, was sie tut. Dass ich z.B. bei Becks auch Events finden kann wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Ob es Gutscheine, Fahrkarten oder Sehenswürdigkeiten sind, zu jedem Bedürfnis habe ich (in der Zukunft) die richtige App parat.
Fazit
Aktuell ist die Werbewirksamkeit der starken Marken vielleicht noch ausreichend stark, sodass ein abnehmender Trend in der Entwicklung vermeintlich nutzenbefreiter Apps erst mittel bis langfristig zu erwarten sein wird. Für die Zukunft gilt jedoch ganz klar: Nutzen und Qualität wird sich unter den Apps durchsetzen! Nutzer werden “sinnlose” Apps seltener bis gar nicht mehr laden und damit die Attraktivität für Auftraggeber solcher Apps nehmen. Ob es sich für die Firmen dann noch lohnt wird sich zeigen. Ein gegenläufiger Trend könnte jedoch auch durch die technologischen Entwicklungs-Kits für Apps sein, die die aktuelle Flutwelle erst noch einmal richtig groß werden lässt.
Zur Person
Christian Häfner arbeitet seit 2008 im IT-Projektmanagement für die Otto Group. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Location based Services, Mobile und Software as a Service. Christian ist Entrepreneur aus Leidenschaft und aktiv in online Unternehmungen wie Fastbill (www.fastbill.com) involviert. Zudem arbeitet er aktuell an einem Start-up im mobilen Umfeld. Über die Fortschritte und Erfahrungen bloggt er regelmäßig auf StartUpTank.de. Christian freut sich jederzeit über Inspiration und Denkanstöße sowie Austausch zu Theorien und Erfahrungen.
Artikel zum Thema
* iStartup: Von 0 bis iPhone – Gastbeitrag von Sascha Konietzke

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Kommentare
So wirklich “neu” und bahnbrechend sind diese Erkenntnisse ja nun nicht und mit der Bemerkung, dass der Wert von Apps eher abnehmend ist gehe ich auch dacore. Das es bei “medial” gemachten “kurzweiligen” Hypes immer einen Schuss in den Ofen gibt liegt primär auch an der schlechten Beratung von Agenturen, die Versicherungsvertreterlike Ihren Kunden den letzten Mist verkaufen wollen (da man anscheinend sonst auch nichts hat), da der nominelle Bedarf im Grunde längst gedeckt ist (auf jeden Deutschen kommen im Schnitt 6 Versicherungen).
Becks und Porsche werden sicherlich auch ohne Apps weiter überleben und auch ein signifikante Umsatz- und Gewinnsteigerung werden durch eine App nicht erreicht. Über eine Wertsteigerung der Marke durch diverse Spamprodukte auf allen Kanälen das kann langfristig eher nach hinten losgehen.
Mir sind die Firmen und Produkte lieber, die auf einem gewissen Level einen Reiz ausüben sich vllt. auch eher etwas “Rar” machen und damit ein wenig unique oder individuell wirken. Ich muss keine App, Facebook Events oder Getwitter haben das endet eher im Informationsoverflow und generve. Einen Versicherungsmakler der mich dreimal die Woche belästigt den rufe ich nich wieder an geschweige denn kaufe etwas bei dem.
Kurzum über Sinn und Unsinn kann gestritten werden meinetwegen mögt ihr die neue Informationswelt für ne riesen tolle Sache halten um die Menschen mit Null-Informatioen zu zu ballern und aus jeden Klobesuch eine Marketingevent zu veranstalten. Mir geht das zunehmend nur noch auf die Nerven.
Kommentar von theRiddler 03. März 2010 @ 09:05Eine schöne Zusammenfassung! Tatsächlich ist es so, dass Agenturen ihren Kunden derzeit oft Apps aufschwatzen, auf die niemand gewartet hat und die niemand braucht – und die sich sogar negativ auf die Marke auswirken können.
Ich bin aber sicher, dass ein Ende der Kreativität noch lange nicht erreicht ist, ganz im Gegenteil: allein schon der technische Fortschritt der Hardware und SDKs wird völlig neue Apps herausbringen. Vor allem in Bezug auf das iPad sage ich: you ain´t seen nothing yet…
Kommentar von Josef 03. März 2010 @ 10:21Es gibt nach Schätzungen mehrere MILLIONEN von Desktop Programmen. Dem entgegen stehen 140.000 Apps.
Bei diesen 140.000 Apps sind 20% veraltet und werden nicht mehr weiterentwickelt. Ca. 10% der Apps funktionieren nicht sauber. Dann sind nicht einmal 35% der Apps in Deutsch.
Jetzt erkläre mir mal einer was das: “Es gibt für alles ein App” soll. Glaubt Ihr wirklich das es für alles ein App gibt?
Glaubt Ihe wirklich das es sich nur um einen Hype handelt?
Ich will Euch ein Geheimnis verraten…
Diese Smartphones sind die ersten MOBILE PERSONAL COMPUTER. Fast alles aus dem Desktop-Bereich kann auf diese kleine Computer übertragen werden.
Es gibt also eine Menge zu tun.
Apro pos – ich muß weiter an meinen Apps entwickeln…
Kommentar von Kevin 03. März 2010 @ 10:47_Es gibt nach Schätzungen mehrere MILLIONEN von Desktop Programmen. Dem entgegen stehen 140.000 Apps.
Bei diesen 140.000 Apps sind 20% veraltet und werden nicht mehr weiterentwickelt. Ca. 10% der Apps funktionieren nicht sauber. Dann sind nicht einmal 35% der Apps in Deutsch_
Das ist doch ein Vergleich Äpfel mit Birnen. Oder willst Du Videoschnitt, 3D-Editing usw. auf nem aktuellen Smartphone machen?
Das sich der Bereiche “Mobile” ausbauen wird ist ja nicht bestritten und das es dort weitere kreative Entwicklungen geben wird auch nicht. Ja es ist ein momentaner Hype wenn man sich die Vermarktung anschaut wenn es Alltag wird ist es kein Hype mehr. Ferner befinden wir uns noch immer auf der Durchreise bis es wirklich “mobile” Killerapplikationen nebst Hardware gibt, die einen deutlischen Mehrwert hervorrufen. Vllt. wird es in Europa aufgrund der guten Infrakstruktur etwas länger dauern als in strukturschwachen Regionen der restlichen Welt. Es ist doch Fakt, dass es sich auch ohne mobile Computer sehr gut leben lässt ohne das man auf das Internet verzichten muss.
Kommentar von theRiddler 03. März 2010 @ 11:19Und wenn man ehrlich ist, könnten locker 50% der Apps einfache Links auf eine Website sein.
80% aller Apps sind ehr nur Jux und Spassprogramme die man einmal benutzt und das wars dann.
Apps sind nur eine schöne Möglichkeit für Apple, google, Nokia & Co. die Kunden und Entwickler mit aller Gewalt an sich zu binden.
Das große Erwachen beim Endkunden wird in 1 oder 2 Jahren erfolgen, wenn man dann mal den Anbieter wechseln möchte, was dank einiger Apps nicht einfach so funktioniert.
Im Moment ist es ein Hype, es wird nach jedem Strohhalm gegriffen ein App zu erstellen. Aber jeder Hype geht vorrüber und am Ende bleiben wirklich sinnvolle Anwendungen.
Was dank Apps leider im Moment viel zu kurz kommt, ist die perfekte integration des Internets in ein Smartphone, da läuft meiner Meinung nach eine vollkommen falsche Entwicklung ab (was aus Sicht der App-Store-Betreiber aber verständlich ist, was verdient Apple schon mit meiner Website oder den Tools meiner Website? Richtig, nichts… im App-Store 30%).
Kommentar von Dieter Müller 03. März 2010 @ 11:50