“Unser Monetarisierungsansatz ist bereits tragfähiger als das Geschäftsmodell der meisten Social Networks” – Tobias Lampe von WhatsYourPlace im Interview

Im November 2007 ging die Landbesitz-Community WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) an den Start. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer und Geschäftsführer Tobias Lampe über Wertsteigerungen, Eigentumsrechte und Monopoly. Vor rund einem Jahr hatten bei WhatsYourPlace […]

Im November 2007 ging die Landbesitz-Community WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) an den Start. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer und Geschäftsführer Tobias Lampe über Wertsteigerungen, Eigentumsrechte und Monopoly.

Vor rund einem Jahr hatten bei WhatsYourPlace rund 8.000 Hektar virtuelles Land den Besitzer gewechselt. Wie viel Land haben Sie inzwischen verkauft?
Inzwischen sind rund 17.000 Hektar über den Tresen gegangen. Diese Zahl beinhaltet jeweils über 1.000 Hektar aus User-to-User-Verkäufen sowie von inzwischen nicht mehr aktiven Mitgliedern.

Bei WhatsYourPlace gibt es somit keine Immobilienkrise?
Im Vordergrund auf WhatsYourPlace steht die Nutzung der Grundstücke, und nicht die Spekulation. Daher bleiben wir auch von ungesunden Blasen oder darauf folgenden Krisen verschont.

Die entscheidende Frage bleibt: Was machen die Käufer mit ihrem virtuellen Besitz?
Primär nach außen darstellen. Auf WhatsYourPlace entsteht eine erlebbare Weltkarte und jeder Landbesitzer bestimmt für sein Kartenstücke, was Besucher auf diesem Flecken sehen und erleben. Der Landbesitzer entscheidet damit wesentlich über den Internetauftritt seiner Plätze.Zu welchem Zweck das exklusive Darstellungsrecht genutzt wird, hängt allein vom Käufer ab. Die Piratenpartei hatte beispielsweise vor der Bundestagswahl das Innenministerium gekapert und darauf gegen den Überwachungswahn demonstriert, die SPD Steinmeier zumindest virtuell ins Kanzleramt gehievt und so den Sieg im TV-Duell ausgeschlachtet. Ein Grundstück kann also als Demoplattform genutzt werden, aber genauso als Fanseite, virtuelles Urlaubssouvenir, Special Interest Forum oder einfach als persönlicher Lieblingsplatz im Internet.

Wie kann man sein Grundstück präsentieren?
Jedes Grundstück besitzt seine eigene URL mit Grundbucheintrag, über dessen Inhalte der Eigentümer allein entscheidet. Inzwischen sind auch Multimedia-Inhalte möglich, so können neben einfachen Text und Bilddarstellungen auch Videos, Newsticker, Umfragen, Webcams und dynamische Widgets eingebunden werden. So können Urlaubsgrundstücke nun bspw. eine Diashow der Urlaubsfotos anbieten, während auf dem Jack Wolfskin-Firmengelände die letzten Tweets über Wolfskin angezeigt werden.

Landbesitzer bei WhatsYourPlace können ihre Grundstücke auch weiterverkaufen. Wird davon viel Gebrauch gemacht?
Ein virtuelles Grundstück auf WhatsYourPlace ist virtuelles Eigentum mit allen Facetten. Dazu gehört das bereits angesprochene Nutzungsrecht, aber auch das uneingeschränkte Veräußerungsrecht gegen reales Geld. Der Handel zwischen den Mitgliedern ist zwar nicht Kernthema auf WhatsYourPlace, aber er findet statt, im Durchschnitt mit einer Wertsteigerung von über 200 %. Wir empfehlen jedoch, ein Grundstück nicht ausschließlich aus Spekulationsabsicht zu erwerben. Wer einen persönlichen Lieblingsplatz erwirbt und Freude daran hat, von anderen Mitgliedern Feedback darauf zu erhalten, wird mehr von WhatsYourPlace haben als ein Käufer, der seinen Platz innerhalb weniger Tage zum 100fachen Einkaufspreis weiterverkaufen möchte.

Inzwischen verkaufen Sie ihre virtuellen Grundstücken nicht mehr nur über die eigene Plattform, sondern auch bei eBay. Ist dies nur ein neuer Marketingkanal oder steckt da mehr dahinter?
Ein virtuelles Stück Neverland, welches auf WhatsYourPlace ursprünglich unter 30 Euro gekostet hätte, hat auf eBay einen Auktionserlös von über 300 Euro erzielt. Das Beispiel zeigt, wie sich aktuelle Ereignisse, in dem Fall der Tod von Michael Jackson, auf die Bewertung von WhatsYourPlace-Grundstücken niederschlagen. Hinter unserer Testauktionen bei eBay steckt vor allem, den Landbesitzern die Möglichkeit zu geben, ihre Grundstücke auch auf externen Plattformen wie Auktionsportalen anzubieten.

Ein Hektar Land kostet bei WhatsYourPlace knapp zehn Euro. Kann man davon auf Dauer ein Unternehmen finanzieren?
Durch den Fokus auf Transaktionserlöse ist unser Monetarisierungsansatz bereits tragfähiger als das rein auf Werbeerlöse fixierte Geschäftsmodell der meisten Social Networks. Zusätzlich werden wir Institutionen und Unternehmen ein Businesspaket anbieten, welches Grundstücken eine optimale Werbewirkung sicherstellt. Langfristig ist es unser Ziel, eine Dynamik zu erreichen, mit welcher sich das Geschäftsmodell allein über den Provisionsanteil an den Wiederverkäufen rechnet. Rein betriebswirtschaftlich wäre eine Monetarisierung über Abomodelle und Subscriptions sicher einfacher, diese halte ich aber in der Regel nicht für kundenfreundlich.

Was sind die Pläne für die kommenden Monate?
Im Vordergrund steht stets, die Plattform weiterzuentwickeln und die Nutzungsmöglichkeiten der Grundstücke zu erweitern. Gerade im Google Maps Mashup-Bereich gibt es immer wieder technologische Innovationen, von denen wir profitieren. Durch Ausnutzung der neuen Google Maps API v3 wird WhatsYourPlace bald deutlich performanter laufen, eine Integration von Street View-Elementen wird mit zunehmender geografischer Abdeckung bald sinnvoll. Auch die Communityelemente sollen weiter ausgebaut werden, so ist zum Beispiel ein HotorNot für Grundstücke in Planung. Weiterhin werden wir kurzfristig eine Spendensäule einbauen. Von einigen Naturschutzorganisationen ist ja bereits das Konzept bekannt, für einen gewissen Spendenbetrag symbolisch eine bestimmte Fläche Land zu übernehmen und zu schützen. Die virtuellen Grundstücke von WhatsYourPlace stellen zu einem solchen Konzept eine optimale Ergänzung dar, so dass beispielsweise der Landerwerb in bestimmten Gegenden direkt an eine Spende gekoppelt werden könnte. Die Zusammenarbeit mit einer sehr gut zu uns passenden Naturschutzorganisation ist bereits in Planung und sollte bald spruchreif werden.

Kürzlich startete der Spielekonzern Hasbro mit Monopoly City Streets ein ähnliches Konzept, auch wenn man dort die Plätze bzw. Straßen nicht kaufen kann. Ist dies eine Konkurrenz für Sie?
Durch den Eintritt von Hasbro wird das Konzept “virtueller Landbesitz” allgemein bekannter, was uns sehr zu Gute kommt. Im Unterschied zu WhatsYourPlace handelt es sich bei Monopoly aber nicht um tatsächliches virtuelles Eigentum: Straßen auf Monopoly können nicht gegen reales Geld wiederverkauft werden und bieten vor allem keinen Nutzungswert außerhalb der vorgegebenen Spielregeln. Eigentumsrechte gibt es keine, was zahlreiche Monopoly-Spieler schmerzhaft erfahren mussten, die nach vielen Stunden investierter Spielzeit von Hasbro durch einen kurzfristig anberaumten Neustart kurzerhand enteignet wurden.

Was sind die wichtigsten Unterschiede zu WhatsYourPlace?
Im Unterschied dazu erwirbt ein Mitglied auf WhatsYourPlace mit dem Grundstückswerb tatsächliche Eigentumsrechte. Die beiden Angebote sind also völlig unterschiedlich positioniert: Wer einen bestimmten Platz virtuell besitzen möchte, für den ist WhatsYourPlace zweifellos die richtige Wahl. Landbesitz auf WhatsYourPlace hat reale Relevanz, so haben die Medien in der Vergangenheit etwa wiederholt über einzelne WhatsYourPlace-Grundstücke berichtet. Wer dagegen eher daran interessiert ist, durch taktische Landnahme andere Mitspieler in einem ausgeklügelten Punktesystem zu übertrumpfen, der ist mit Monopoly City Streets besser bedient.

Wäre eine solche spielerische Komponente denn nicht auch für WhatsYourPlace interessant?
WhatsYourPlace ist primär ein Unterhaltungsportal, das Spaß macht, ohne Spiel zu sein. Im Vordergrund steht der virtuelle Besitz und die Darstellung der Plätze. Neue Mitglieder finden eine aktive Community vor, deren Mitglieder sich gemeinsam über die Plätze austauschen. Wir sind daher eher das “Facebook für Plätze” als ein Monopoly. Ähnlich wie bei Facebook können spielerische Komponenten natürlich auch für WYP ein optionales Zusatzangebot darstellen, sie sind aber nicht die Hauptsache.

Seit März dieses Jahres gibt es auch eine englischsprachige Version von WhatsYourPlace. Wie kommt ihr Konzept im Ausland an?
Die Übersetzung ermöglicht auch internationalen Mitgliedern, die eigenen Lieblingsplätze virtuell zu besitzen, denn das WhatsYourPlace-Konzept ist weltweit einzigartig. Während die Conversion Rates auch für Kunden aus dem Ausland stimmen, haben wir in der Vergangenheit jedoch noch keinen effektiven und gleichzeitig ökonomischen Weg gefunden, WhatsYourPlace im Ausland bekannt zu machen. Hier sehen wir weiterhin den Schlüssel in der Zusammenarbeit mit starken lokalen Partnern. Mit einigen potenziellen Kooperationspartnern gibt es aktuell Gespräche und ich bin zuversichtlich, dass diese schließlich in einer erfolgreichen Expansion münden werden.

Wo steht WhatsYourPlace in einem Jahr?
In aller Kürze: größer, schneller und bunter!

Zur Person
Tobias Lampe, Jahrgang 1978, gründete die Landbesitz-Community WhatsYourPlace Ende 2007 gemeinsam mit Christian Weese. Zuvor war er unter anderem Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU München und Consultant bei Mercer Management Consulting.

Artikel zum Thema
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* Fragestunde mit Tobias Lampe von WhatsYourPlace – die Antworten
* Bei WhatsYourPlace wird Deutschland verkauft

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. bernd

    Gibts da Thesen im Tresen ?

  2. @bernd
    Jetzt nicht mehr. Danke für den Hinweis.

  3. Pingback: Tweets die “Unser Monetarisierungsansatz ist bereits tragfähiger als das Geschäftsmodell der meisten Social Networks” – Tobias Lampe von WhatsYourPlace im Interview :: deutsche-startups.de erwähnt -- Topsy.com



  4. tina Obermeier

    Sorry aber was hab ich davon
    und wer hält mich ab das zu kopieren und ebenfalls die gleichen Grundstücke zu verscherbeln…

    Ich hab den Gag noch nicht verstanden!?



  5. Hendrik

    @Tina, jeder kann das kopieren, aber jeder kann auch Amazon oder eBay oder Facebook kopieren (haben ja manche auch erfolgreich gemacht).

    Das schmälert aber nicht den Wert des Konzepts. “Item selling” funktioniert super, virtuelles Land gehört auch in diese Kategorie. Es funktioniert auf Second Life, auf Entropia Universe, warum nicht auch auf Whatsyourplace?

    Und hier kommt noch das Gefühl dazu, “Besitzer” des Brandenburger Tors zu sein.



  6. Anja

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was Leute dazu bringt virtuelle Grundstücke zu kaufen und dann auch noch Zeit auf dem Portal zu verbringen.

    Es ist nicht böse gemeint, aber ich glaube das Geschäftsmodell ist nicht wirklich nachhaltig.

    Wie viele Mitarbeiter müssen eigentlich in der Firma bezahlt werden?

  7. Wo hat man schon die Möglichkeit, einen Teil des Marienplatz in München exklusiv zu besitzen? Mit der Möglichkeit des Pro-Status wird bei mir jetzt auch alles größer, schneller und bunter.



  8. tina Obermeier

    Hi
    “Und hier kommt noch das Gefühl dazu, “Besitzer” des Brandenburger Tors zu sein.”

    ja das mag schon sein… aber sind die Leute dann stolz drauf..?
    Im Endeffekt zahlt man ja dann 30 Euro für nix.
    Naja, wenns klappt, dann viel Spass ;)

    Wobei: Vielleicht stell ich mich mal vors echte und verkauf Besitzurkunden..



  9. Tom

    Wir haben z.B. Unis gesichert als permanente werbeplätze für uns :-)
    Und das funktioniert !

  10. ich habe mir auch gerade etwas gekauft… coole Sache…!

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