Gründerinnen. “Man muss sich vom Sicherheitsbedürfnis lösen” – Ann Marisa Freese von kisju
Die deutsche Online-Gründerszene ist ein Männerverein. Auf Kongressen, Tagungen und sonstigen Branchenhöhepunkten sind Frauen die große Ausnahme. Aber es gibt sie! Jeden Mittwoch stellt deutsche-startups.de in der neuen Reihe “Gründerinnen” eine interessante, wichtige oder erfolgreiche Web-Unternehmerin vor.
Alles fing mit einem Urlaub auf Rügen an: Ann Marisa Freese verliebte sich in Sanddornsaft. Zurück in Berlin suchte sie verzweifelt nach diesem Produkt, wurde aber nicht fündig. Also gründete sie zusammen mit Mirko Riedl kisju (www.kisju.de), einen Marktplatz für regionale und besondere Lebensmittel. Denn es sei doch schade, dass man auf regionale Spezialitäten entweder gar nicht oder nur nach langer Suche zurückgreifen könne. “Bei meiner Recherche merkte ich: Es gibt viele kleine Lebensmittelmanufakturen in Deutschland, aber man findet sie kaum!”, sagt Freese.

Die Unternehmerin, die schon Werksstudentin bei Expedia war und Business Analyst bei Axel Springer, ist selbst auf einem dörflichen Hof aufgewachsen. Die Lebensmittel kamen aus dem Garten oder dem Stall. Ein gesundes Dreierspiel zwischen Verbraucher, Lebensmittel und Produzent ist ihr bis heute wichtig: “Ich möchte wissen, was auf meinem Teller liegt und woher es kommt.” Deswegen dürfen bei kisju nur kleine, zertifizierte Erzeuger ihre lokalen Spezialitäten anbieten. Aktuell sind ungefähr 150 Produzenten in der Datenbank, davon sind allerdings noch nicht alle online. Der Mehrwert für sie ist groß: “Kleine Produzenten können oftmals nicht in den Einzelhandel gehen, da dort Masse verlangt wird”, erklärt Freese. Das Leben als Kleinproduzent sei schwierig: Von Montag bis Freitag werde produziert, Samstag und Sonntag auf Messen und Märkten verkauft. Eigene Onlineshops stellten für viele einen zu großen finanziellen und technischen Aufwand dar. Diesen Part übernimmt nun kisju, die Einzelhändler sind im Prinzip nur noch für den Versand der Produkte zuständig. Kosten entstehen für die Anbieter nur, wenn sie Umsatz machen, denn dann bekommt kisju eine Provision.
“Mein Herz hängt an kisju”
Konkurrent in diesem Segment ist vor allem lokalgold (www.lokalgold.de). “Wir sehen darin allerdings keinen direkten Konkurrenten, da lokalgold mehr ein Shop für ausgewählte Kleinkost ist. Kisju hingegen ist ein Marktplatz, auf dem der Kunde die Vielfalt aller Produzenten entdecken kann und selbst entscheidet, was gut ist und was nicht.” Damit die Anbauprozesse, Verarbeitung und die Menschen hinter den Produkten sichtbar werden, stellt kisju alle Anbieter ausführlich vor. Freese schwärmt besonders für einen Riegel aus “handgeschöpfter” Schokolade: “Man futtert ihn nicht so einfach weg sondern nimmt die Leidenschaft dahinter wahr.”

Freese liebt ihre Tätigkeit als Unternehmerin. Sie weiß, dass manche Frauen sich von diesem Schritt abhalten lassen, weil sie naturgemäß etwas sicherheitsbedürftiger seien: “Davon muss man sich als Selbständige tatsächlich lösen.” Auch wenn sie wie viele Gründerinnen für das Geschäftsmännische des Unternehmens zuständig ist, interessiert sie der technische Hintergrund ebenso. Manchmal hat sie das Gefühl, dass Männer ihr gegenüber in diesem Bereich etwas überheblich auftreten: “Dabei verstehe ich die Dinge, wenn man sie mir erklärt. Ich habe während meiner Zeit bei kisju schon sehr viel über Programmierung und Softwareentwicklung gelernt.” Denn wenn Kunden mit Anfragen kommen, ob man nicht noch diese oder jene Funktion einführen könne, will sie kompetent mitreden können. Wichtig ist ihr, auch als Unternehmerin ganz “Frau” zu bleiben: Nichts sei nerviger als Frauen, die Männer in deren Art kopieren, um seriös und professionell zu wirken. Bei kisju will sie jedenfalls noch lange bleiben: “Mein Herz hängt daran, ich denke von morgens bis abends daran, auch im Urlaub.”
Zur Person:
Ann Marisa Freese, Diplom Betriebswirtin und geschäftsführende Gesellschafterin von Kisju leitet seit Oktober 2008 zusammen mit Mirko Riedel die Konzeption und Entwicklung des Online Marktplatzes für Lebensmittel von Kleinproduzenten und -Manufakturen. Sie ist maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung des Bereiches Geschäftskunden. Zuvor arbeitete sie als Business Analyst im Geschäftsbereich Elektronische Medien der Axel Springer AG.
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Tolle Idee! Darüber hatte ich mir auch schonmal Gedanken gemacht. Weiter so!
Kommentar von Roland Waedt — 09. September 2009 @ 10:44
Hübsche Frau – nette Idee
aber: “Man muss sich vom Sicherheitsbedürfnis lösen” – Ann Marisa Freese von kisju
Dieser Satz ist totaler Schwachsinn, denn diesem Sicherheitsbedürfnis verdanken wir meißt, dass wir fatale Fehler verhindern. Ich behaupte dreist das es meißt besser solch ein Bedürfnis zu haben.
Erfahrung ist ein Euphemismus für gemachte Fehler hat Kafka glaub ich mal gesagt, aber ohne Erfahrungen sind kommende Fallen eben fast nicht zu erkennen.
Wenn ich oben genanntes Zitat im falschen Kontext aufgenommen habe, dann bitte ich meinen Beitrag zu ignorieren.
Einen schönen Arbeitstag wünsche ich euch.
Kommentar von Lui — 09. September 2009 @ 12:08
@Lui
Es geht hier um ein Sicherheitsbedürfnis, das viele in Form eines Angestelltenverhältnisses suchen – und davon muss man sich tatsächlich lösen, wenn man sich selbständig macht, oder?
Kommentar von Yvonne Ortmann — 09. September 2009 @ 12:29
Da haben Sie selbstverständlich recht.
Kommentar von Lui — 09. September 2009 @ 12:46
@ Yvonne.. seh ich auch so.. die Risiken der Selbständigkeit sind ja nicht unerheblich und wenn die Sicherheit im Vordergrund steht, geht man den Schritt meistens gar nicht.
Kommentar von Christiane — 09. September 2009 @ 12:58
Sehr schöne Sache!
Dachte gleich an einen bestimmten Ziegenkäse, den ich vermisse, schaue mir also die Seite gleich an, klicke auf “Käse” und da ist er! Habe noch nie Lebensmittel über’s Netz bestellt, aber das probiere ich dann jetzt vielleicht mal…
Kommentar von erwin — 09. September 2009 @ 13:18
Sicherheit sollte meiner Meinung an erster Stelle stehen. Sprich vor der Gründung absichern!!
Hat man nicht genügend Rücklagen/Kapital zur Verfügung dann bitte erstmal Nebenberuflich starten.
Funktioniert das Geschäftsmodell nicht innerhalb einer gewissen Zeit sollte man auch in der Lage das Projekt einzustellen und andere Dinge auszuprobieren. Blind gründen ohne Absicherung ob das jetzt Fremd oder Eigenkapital ist endet häufig in der Schuldenfalle…
Vom Sicherheitsbedürfniss lösen muss man sich also ganz und gar nicht, man muss nur gut planen können und in der Lage sein auf Gewisse Dinge zu verzichten (und eben das fällt den meisten Menschen schwer – Urlaub, Parties, Essen gehen, etc.).
Kommentar von Maik — 09. September 2009 @ 13:35
Interessante Geschäftsidee und ein wirklich hübsches Mädel
Kommentar von John — 09. September 2009 @ 16:53
Ihr Machos…..das Mädel ist doch nur Durchschnitt aber der Hund ist wirklich niedlich
Kommentar von Cisco — 09. September 2009 @ 17:27
Dass ihr Baumaffen bei Frauen nicht auf der fachlichen Ebene bleiben könnt…
Kommentar von Sebastian — 10. September 2009 @ 00:39
Kiss you, kiss you, kiss you
Kommentar von Tobias — 10. September 2009 @ 01:50
Ich finde es persönlich gut, dass hier auf DS dem Thema Gründerinnen Raum gegeben wird. Aus meiner langjährigen Gründererfahrung heraus kann ich sagen, dass Frauen Gründerteams sehr bereichern. Sie besitzen wichtige Skills, die Männern oft fehlen. Bei Neugründungen sollten die Teams immer darauf achten, dass auch Frauen verantwortlich an Bord sind.
Kommentar von Mirko Riedel — 10. September 2009 @ 09:47