Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Der Reiz liegt in der hundertprozentigen Verantwortung für Erfolg und Misserfolg. Der Begriff “eigener Chef” ist übrigens recht dehnbar. Das FWnetz ist zu 100 % selbst finanziert, also muss ich mich eigentlich nur vor mir selbst rechtfertigen. Hat Vor- und Nachteile. Klappt das Businessmodell nicht, kann ich’s immer noch um 180 Grad drehen, wie Mitte letzten Jahres geschehen. Ich kann meine volle Energie der Plattform widmen, anstatt Reports zu schreiben.
Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Der erste Businessplan wurde bereits zu besten New Economy-Zeiten geschrieben, 1999. Das FWnetz heute entspricht im Wesentliche dem, was ich damals heruntergeschrieben hatte.
Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Finanzielle Mittel zu 100 % selbst eingesetzt, hinzu Reinvest der Einnahmen. Hinzu kommt sehr viel Humankapital von Freunden und Familie, ohne die es nie im Leben geklappt hätte.
Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Gründung war recht simpel. Größter Stolperstein war sicher die Bereitstellung des nötigen Kapitals um eine GmbH zu gründen.
Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Das mit dem “Social Network” war eine Schnapsidee. Aber jetzt weiss ich’s. Die typischen “social”-Elemente wie Gruppen, Blogs usw. können nichts anderes als ein Mehrwert sein, ein nice-to-have. Ein funktionierendes Businessmodell ist das nicht.
Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Mundpropaganda, die sich aus der Qualität ergibt. Das FWnetz ist inzwischen primär eine Ausbildungsplattform, bringt also auch Nutzen, für den User bereit sind zu zahlen. Und anderen davon zu erzählen. Der Markt ist recht überschaubar, mit einer besseren Kapitalausstattung könnte man sicher mit klassischen Mitteln an Multiplikatoren herankommen. Aber das Kapital ist nun mal nicht da, dennoch sehen die Indikatoren nicht schlecht aus.
Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Das sind einige. Müsste ich eine besonders hervorheben, ist das logischerweise meine Frau. Wir haben drei Kinder, und ich bin viel zu wenig bei der Familie wenn auch die Arbeitszeit recht flexibel ist.
Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich denke, man muss an die Idee glauben, für die man sich aufarbeitet. Und sie muss originell sein, und jemandem einen Nutzen bringen, immer wieder. Nur für Geld, und/oder ein Me-Too hinzustellen, das kann nicht befriedigend sein.
Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Er soll bitteschön der Bildungsministerin übermitteln, sie möge ihre Länderkollegen dazu bringen, gemeinsam dieses unsägliche Schulmodell zu kappen. Ein Schulsystem wie in den skandinavischen Ländern kann langfristig nur von Vorteil sein. Deutschland hätte enormes Potenzial. Einziger Trost: die meisten anderen Länder haben ein noch schlechteres Bildungssystem.
Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Das ist kaum zu beantworten. Ich denke, Konzeption in einer Internetagentur war schon, und wird weiter mein Ding bleiben. Vielleicht kommt Community Management auch hin, denn Unternehmen sollten den Dialog selbst führen – nicht durch ihre PR Agentur – und qualitativ wertvolle Informationen aufsammeln und verarbeiten, mehr aus dem Bauch entscheiden anstatt alles mit einem ROI zu belegen, der sowieso auf einer Humbug-basierten Kalkulation beruht.
Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Vielleicht bei Plazes, auch wenn der Zug für sie abgefahren sein dürfte. Ich glaube, damals ist viel Potenzial nicht gehoben worden – womöglich wäre daraus sogar ein Twitter inklusive Location geworden. Wobei Plazes inzwischen nicht mehr als Start-up gelten dürfte. Ansonsten: keine Ahnung.
Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Europa in den 30ern würde mich schon sehr reizen. Dann würde ich vielleicht eher verstehen, warum es zum Weltkrieg gekommen ist, übrigens ein Interesse von mir.
Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Den größten Teil festverzinst auf die hohe Kante legen und ansonsten normal weitermachen. Mit dem Liquiden würde ich meine Familie, auch in Georgien, unterstützen. Und einen Jeep aus dem Weltkrieg (siehe 12.) kaufen. Das ist mein Lebenstraum.
Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit Frau, Kindern und Eltern. Nachmittags um 3 ist auch immer Kaffee und Kuchen auf der Wache. Passt.
Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit meinen Kindern in 10 Jahren, darauf freue ich mich jetzt schon.
Zur Person:
Irakli West ist seit 1985 bei der Feuerwehr. Der 40-jährige Däne ist verheiratet und hat drei Kinder. Er absolvierte eine Ausbildung in London zum Videografen und gründete 1995 eine Internetagentur. West verbrachte die New Economy bei einer Agentur in London und wurde danach im Innovationsmanagement einer Großbank in München tätig. Seit 2006 ist er als Berater selbstständig, Ende 2007 launchte er FWnetz (www.fwnetz.de), eine Plattform für deutschsprachige Feuerwehrleute.

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Kommentare
Gute Gschäftsidee mit einer interessanten Zielgruppe – die den Aspekt Web mit Vernetzung in der Organisationsstruktur schon immer mit am besten verstanden und genutzt hat.
Antworten mit realistischer Bodenhaftung. Spricht an. Viel Erfolg mit fwnetz.de, Irakli!
Kommentar von Klaus Wolfrum 06. März 2009 @ 08:17naja. vielleicht sollte er sich erst mal die domain sichern. wenn ich feuerwehrnetz.de eingebe komme ich da raus: http://www.rettungsdienst-interaktiv.de/
Kommentar von Hui 06. März 2009 @ 08:51Bei DS wird ja jeder Mist hervorgehoben.. das Ding sieht wie ein kurz zusammengeschustertes Hobbyprojekt aus.. mit dem Revolution Theme von der Stange und nehm Namen wo ausgeschrieben nichtmal dem Projekt gehört.. gibts keine richtigen Startups mehr über die man berichten kann?
Kommentar von phil 06. März 2009 @ 09:20@Klaus danke! Wird noch eine Weile dauern bis es 100% tragfähig ist. Proof of concept gegeben, da die Ausbildungsmaterialien guten Umsatz generieren. Etwas überraschend, aber angenehm :)
@Hui die Unterstellung, ich hätte nicht auf die Domain geschielt, kann ich entkräften. Viel zu teuer. Übrigens ist deutsche-startups irgendwie der Meinung, es sei das “feuerwehrnetz”. Stimmt nicht ganz, wir sind “FWnetz – Feuerwehr im Netz”. Kleiner, aber wichtiger Unterschied.
Kommentar von Irakli West 06. März 2009 @ 09:23@phil:
Zeigt, dass Du keine Ahnung hast. Auf den Inhalt (Content) kommt es an, denn damit macht man das Geld. Die Programmierung ist nichts wert, ob’s nun der studivz-Code ist oder der vom FWNetz.
Hier wurde Bezug auf eine Zielgruppe genommen, die hohen Wert auf Netzwerke legt, und die für Ausrüstung, etc. viel Geld ausgibt. Der Altersdurchschnitt der Mitglieder ist hoch, darum wären blinkende Buttons vielleicht auch fehl am Platz.
Die Idee ist gut, die Zielgruppe stimmt.
Kommentar von Jakob 06. März 2009 @ 09:59Ich stimme Jakobs letzter Aussage zu.
Allerdings zu behaupten die Technik wäre irrelevant, nur weil ein Startup wie studiVZ damit “Millionen verdient hat” zeugt auch nicht grad von Verständnis.
Insbesondere, wenn sich hier Leute, die nichtmal ne Website haben, gegenseitig vorwerfen, keine Ahnung von der Branche zu haben ;-)
René / http://twitter.com/rrrene
Kommentar von René 06. März 2009 @ 10:31Naja, man muss schon zugeben, dass die Seite noch ein wenig billig und zusammengeschustert aussieht, hier könnte man auf jeden Fall noch etwas machen. Eigentlich ist es auch nicht wirklich ein Internet-Startup im klassischen Sinne, da die Seite für mich eigentlich nur ein bißchen Feuerwehrmagazin + Shop ist. Das bedeutet nicht, dass es objektiv schlecht wäre, im Gegenteil 95% der Startups besitzen ein schlechteres Geschäftsmodell. Aber quasi jeden Onlineshop hier vorzustellen hielte ich auch für übertrieben.
Dennoch viel Glück für FWnetz.de
Kommentar von Matthias Heppner 06. März 2009 @ 12:58Danke für die Kommentare. Revolution ist sicher nicht das nonplusultra, allerdings bei nullbudget eine durchaus akzeptable alternative.
Richtig ist, dass das FWnetz ganz ordentlichen Umsatz generiert, und der nicht mal von der Werbung kommt.
Insofern die Entwicklung sich fortsetzt, kommen dann Elemente hinzu, die im Auge der Kommentiere eher als “Internetwürdig” zu sehen sind. Umgekehrt: der Shop läuft nur, weil ich mir den Markt quasi selbst geschaffen habe – im Internet :)
Kommentar von Irakli West 06. März 2009 @ 14:25@phil
heutztage gilt immer noch content is king – und rechtschreibung auch “…wo ausgeschrieben nichtmal dem Projekt”
Kommentar von Sascha 06. März 2009 @ 15:48Hallo zusammen,
Irakli hatte diese Geschäftsidee, dann vor zwei Jahren umgesetzt, und verdient damit jetzt sein Geld.
Er bietet eine Special Interest Angebot für Feuerwehrleute. Das ist nichts für die Masse aber so möchte sich Irakli auch nicht positionieren.
Für mich ist das allemal ein Startup und nebenbei auch ein Innovator in dem Bereich. Für viele Internetfreaks ist sein Angebot sicherlich nichts weltbewegendes. Wenn man aber bedenkt wie langsam manchmal die Mühlen im Bereich Feuerwehr mahlen ist FWnetz in diesem Segment sicherlich ein Vorreiter.
Weiterhin viel Glück
Florian
Kommentar von Florian 09. März 2009 @ 22:06Hi,
Irakli macht mit seinem FWNetz.de super arbeit. Auch ich konnte aus seinem, mittlerweile riesen großen Sammlung an fachspezifischen Artikel bereits fünig werden.
Irakli mach weiter so, das ist prima!
Kommentar von Feuerwehr Vierkirchen 16. April 2010 @ 23:51