Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher tritt ab – Stephen Taylor übernimmt

Zeitenwechsel bei der lokalen Bewertungsplattform Qype (www.qype.de): Gründer und Geschäftsführer Stephan Uhrenbacher räumt den Chefsessel und nimmt künftig im Aufsichtsrat Platz. Sein Nachfolger an der Spitze heißt Stephen Taylor. Der ehemalige Regional Vice […]

Zeitenwechsel bei der lokalen Bewertungsplattform Qype (www.qype.de): Gründer und Geschäftsführer Stephan Uhrenbacher räumt den Chefsessel und nimmt künftig im Aufsichtsrat Platz. Sein Nachfolger an der Spitze heißt Stephen Taylor. Der ehemalige Regional Vice President & Managing Director bei Yahoo sowie Managing Director von Overture Europe wurde der Hamburger Qype-Mannschaft an diesem Montag offiziell vorgestellt. Durch seine Erfahrungen bei den Themen User generated Content (Yahoo Answers) und Sponsored Search Marketing (Overture) passt Taylor optimal zu Qype. Ende Januar soll der Wechsel über die Bühne gehen. Uhrenbacher und Taylor stehen schon eine ganze Weile in Kontakt – ursprünglich redeten die Beiden über die Position des Chief Operating Officers. Diese Funktion übernahm dann aber Stéphanie Delestre aus Frankreich. Uhrenbacher, der von sich selbst sagt, dass er keinen Konzern leiten möchte, behielt Taylor zunächst im Hinterkopf. Bereits damals hatte er seinen Rückzug lose geplant. Nicht, weil er die Lust an Qype verloren hat, sondern weil er sicher ist, dass es Menschen gibt, die die Herausforderungen, die vor Qype stehen besser meistern können. Ähnlich argumentierte auch Xing-Gründer Lars Hinrichs, als er beim Business-Netzwerk den Chefsessel für Stefan Groß-Selbeck, ehemals eBay Deutschland, räumte.

“Wenn man als Unternehmer in einem so engen Markt an Kandidaten so einen Manager für sein Unternehmen gewinnen kann, dann darf man nicht aus irgendwelchen Ego-Gründen zögern”, sagt Uhrenbacher gegenüber deutsche-startups.de. “In Start-up- und Wachstumsunternehmen gibt es unterschiedliche Phasen des Wachstums, in denen der Unternehmer jeweils unterschiedliche Rollen einnimmt. Ich bin zwar Unternehmer, aber auch Investor in meinem Unternehmen. Und ich muss für jede Phase des Wachstums sicherstellen, dass der bestmöglichste Mensch an der Spitze steht. Für die letzten dreieinhalb Jahre war ich das. Früh Trends aufzuspüren, Geschäftsideen entwickeln und bewerten, aus dem Nichts etwas aufbauen, Riskien eingehen, Kapital und Menschen zusammenzubringen sind meine Stärken. Und auch dann durchzuhalten, wenn viele sagen: Das klappt nie.” Dieses Durchhaltevermögen hat Uhrenbacher mit Qype eindrucksvoll bewiesen: Die lokale Bewertungsplattform steht hervorragend da. Seit dem Start im Frühjahr 2006 entwickelte sich Qype vom belächelten Nachzügler zum Branchen- und Szeneliebling. Inzwischen ist das interaktive Stadtmagazin mit seinen 45 Mitarbeitern in neun Ländern aktiv. “Wir haben knapp 30 Wettbewerber in Europa überholt und sind – selten für deutsche Unternehmen – Marktführer in England und Frankreich”, sagt Uhrenbacher.

Nahe am Break-Even in Deutschland

In Deutschland erreicht Qype laut Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) monatlich 1,49 Millionen Unique User. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zählte im Dezember 4,4 Millionen Visits und knapp 14 Millionen Page Impressions. Bei der Premiere im März des vergangenen Jahres waren es nur 2 Millionen Visits und 7,2 Millionen Seitenabrufe. Auch bei Google Trends ist Qype hervorragend vertreten und selbst mit mächtigen Konkurrenten wie GelbeSeiten auf Augenhöhe. Details zum Umsatz nennt Uhrenbacher nicht. Nur so viel: Von Januar bis November 2008 hätte sich der erzielte Umsatz verzehnfacht. In Deutschland sei Qype nahe am Break-Even. Siebenstellig dürfte der erzielte Umsatz somit sein. Über Premiumeinträge in der Datenbank können Werbekunden bei Qype auf sich aufmerksam machen. Bis alle anderen Ableger und damit auch das Gesamtunternehmen im schwarzen Bereich ist, wird es dagegen noch eine Weile dauern. Zumal beispielsweise in Großbritannien mit dem US-Dienst Yelp gerade ein neuer Konkurrent aktiv geworden ist. Uhrenbacher ist sich aber sicher, dass Qype trotz der vielen Konkurrenten “ein extrem profitables Unternehmen wird”. Daran glauben auch die Investoren Wellington Partners, Advent Venture Partners und Partech International, die Qype im Herbst mit stattlichen 8 Millionen Euro ausstatteten.

Im Aufsichsrat von Qype will Uhrenbacher, der Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts für das Medienhaus Gruner + Jahr die Reiseplattform TravelChannel aufbaute, dafür sorgen, dass das vom ihm gegründete Unternehmen weiter in der “richtigen Spur” bleibt und die Produktstrategie aktiv begleiten. Großes Wachstumspotenzial sieht er im mobilen Segment. Die kürzlich gestartete iPhone-Applikation Qype Radar, die die Webszene im Sturm erobert hat, zeigt wo die Reise hingeht. Die neue Qype API, auf der die Anwendung basiert, soll dafür sorgen, dass die Inhalte der Bewertungsplattform nicht mehr nur über die eigene Seite ihren Weg zum Nutzer finden. Dies alles legt der Qype-Gründer in die Hände seines Nachfolgers. Aus dem operativen Geschäft zieht sich Uhrenbacher, der auch weiterhin größter privater Anteilseigner von Qype bleibt, völlig zurück. Daneben will er in junge Unternehmen investieren: “In der Vergangenheit gab es viele Anfragen von Unternehmern und auch Investoren, ob ich mich als Investor oder Aufsichtsrat einbringen kann. Ich habe das abgelehnt, weil ich mich zu 150 % auf Qype konzentrieren wollte. In Zukunft werde ich diese Ideen und Vorschläge wieder genauer sichten können, und mich bei zwei oder drei Unternehmen unternehmerisch einbringen.”

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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  3. jk

    Also bei 45 Mitarbeitern leitet er auch noch keinen Konzern, da fehlen schon noch ein paar Nullen äh ich meinte natürlich Mitarbeiter;)

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  5. mick

    Das passiert wenn man Investoren an Bord hat. Irgendwann bestimmen die wer an der Spitze steht und wen Sie gut im Griff haben.

    Wenn ich nämlich lese dass sich Uhrenbacher zu 150% einsetzen will (s. Text ganz unten) dann steht das irgendwie im krassen Gegensatz zu seinem “Abgang”.

    Ausserdem vermute ich, dass qype lange nicht so gut dasteht wie behauptet. Und bei 45 Mitarbeitern ist alles noch ziemlich überschaubar, da baut man gerade seine 2. Führungsriege auf.

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  7. jan

    Ich persönlich ziehe meinen Hut vor Stephan Uhrenbacher. Er hat aus seiner Vision das mittlerweile größte lokale Bewertungsportal geschaffen. Die Sprachen auf Qype werden ja zusehend mehr… und die Bereitschaft der Investoren spricht für das gute Konzept.
    Außerdem hat Stephan Qype mit der API fit für eine vernetzte Zukunft gemacht. Respekt.

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