Die Jury hat entschieden. Statista wurde zum Start-up des Jahres 2008 gewählt: Welche Bedeutung hat der Gewinn des Titels für Sie?
Stellen Sie sich vor, Sie laufen regelmäßig um die Hamburger Außenalster; exakt 7,5 km, nicht mehr und nicht weniger. Dann beschließen Sie kurzfristig einen Marathon zu laufen. Am Tage des Laufes brennt die Sonne besonders heiß. Bei Kilometer 15 reicht Ihnen jemand eine Flasche Wasser. Sie sind unglaublich glücklich – wissen aber, dass es bis zum Ziel noch etwas dauert. Der Preis zum “Start-up des Jahres” ist die Flasche Wasser. Wir sind unglaublich durstig, aber auf dem richtigen Weg und haben das Ziel immer vor Augen.
Ihnen ist es innerhalb kurzer Zeit gelungen, den Statistik-Dienst fest in den Köpfen der Web-Welt zu etablieren. Wie lautet Ihr persönliches Erfolgsrezept?
- Mache etwas mit Freunden und nicht allein. Allein wäre ich vermutlich schon oft gescheitert.
- Mache nur etwas, was du liebst und verstehst. Beides muss nicht immer zusammenfallen – ich liebe zum Beispiel meine Frau sehr innig…
Was waren die größten Herausforderungen, die in den letzten Monaten überwunden werden mussten?
- Menschen davon zu überzeugen, dass Statistiken spannend und interessant sind.
- Datenpartner davon zu überzeugen, dass wir ihnen nutzen, nicht schaden.
- Die Daten, die in den unterschiedlichsten Formaten vorliegen, davon zu überzeugen, dass sie in eine einheitliche Datenbank gehören.
Erfolgreiche Konzepte werden gerne kopiert. Mit welcher Strategie versuchen Sie, immer eine Nasenlänge voraus zu sein?
Statista aufzubauen und zu betreiben ist sehr anspruchsvoll, kompliziert und nicht “mal eben so” zu kopieren:
- Alle Daten, die wir veröffentlichen, sind in vielen Gesprächen und Verhandlungen erworben worden.
- Alle Daten liegen in sehr unterschiedlichen Formaten vor und müssen in einheitliche Formate überführt werden.
- Jede Statistik wird vor ihrer Veröffentlichung mehrfach kontrolliert.
Auf den Punkt gebracht: Wer wird noch so verrückt sein, das kopieren zu versuchen? Dennoch gehen wir unseren Weg zügig weiter – aber ohne Hast.
Welche Neuerungen und Erweiterungen dürfen wir im kommenden Jahr von Statista erwarten?
Für Statista haben wir die Vision, das “Google der Zahlen” zu werden; “denkt man an Zahlen, dann soll man an Statista denken”. Für Privatkunden haben wir jetzt schon ein attraktives Angebot auf dem Markt; in 2009 wollen wir unsere kostenpflichtigen Produkte für Geschäftskunden starten. Im Idealfall kommt vierteljährlich ein neues Produkt auf dem Markt.
In welchen Bereichen wünschen Sie sich weitere Kooperationen, um Statista mit anderen Angeboten zu verknüpfen?
Statista muss sein Angebot an Daten und Studien weiter ausbauen. Hier stehen wir wirklich erst am Anfang. Für alle Unternehmen, die Daten erheben oder Studien verfassen, soll Statista eine Vertriebsplattform werden. Hier werden noch einige Kooperationen folgen – wir freuen uns über Anrufe!
Ansonsten kann ich nur sagen, dass in Nachbarschaft von nur 100 Metern Xing sein Büro in Hamburg hat; vielleicht wäre es sinnvoll Herrn Gross-Selbeck zu besuchen, sobald er nach Hamburg umgezogen ist.
Zahlen sind für viele ja ein rotes Tuch – wie versuchen Sie diese Menschen von der Sinnhaftigkeit der Zahlen zu überzeugen?
Für die Philosophen unter den deutsche-startups-Lesern eine Gegenfrage: “Gibt es eine Hypothese, die ohne Zahlen belegt oder falsifiziert werden kann?”
Wie oft müssen Sie sich eigentlich den Vorwurf gefallen lassen, dass Statistiken ohnehin gelogen sind?
In nur knapp 10 % aller Artikel über Statista ist das Churchill-Zitat “Traue keiner Statistik…..” als Aufmacher oder Schlagwort genannt worden. Ich finde, das spricht sehr für die deutschen Journalisten. 90 % haben das Klischee vermieden.
Träumen Sie und Ihre Mitarbeitern eigentlich schon in Zahlen?
Leider ja, passend zur Jahreszeit ein Beispiel. Wenn ein Statista-Mitarbeiter an Weihnachten denkt, dann träumt er:
- 11 % der Deutschen kaufen ihre Geschenke erst eine Woche vor Heiligabend.
- 28 Millionen Weihnachtsbäume schmücken Deutschlands Wohnzimmer.
- 50 % der Deutschen werden dieses Jahr Bücher verschenken.
- 70 % der Deutschen wünschen sich weiße Weihnachten.
Können Sie von Statista eigentlich schon leben?
Und hier träume ich weiter und wünsche allen Lesern von deutsche-startups.de 100 % besinnliche Feiertage.
Artikel zum Thema:
* Statista ist das Start-up des Jahres 2008
* Gesucht: Start-up des Jahres 2008
* Gesucht: Das Start-up des Jahres 2008 – die finale Nominierungsliste
* Gesucht: Start-up des Jahres 2008 – die Jury

Fragen










Kommentare
In 99% der Fälle, vergesse ich Statista irgendwie wieder, nach dem ich davon gelesen habe. ;-) Aber es macht jedes mal wieder Spass einige Statistiken durch zusehen. Ich finde Statista ist eine gute Wahl als Start-up des Jahre.
Kommentar von dani schenker 15. Dezember 2008 @ 17:43Sehr smarte Antworten :-)
Kommentar von Andreas Kleinschmidt 15. Dezember 2008 @ 17:54Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung!
STATISTA hat das Zeug die >>Sozialberichterstattung<< weiter zu entwickeln. Im Moment bieten die STATISTA-Seiten einen sehr guten Einstieg in statistische Ergebnisse. Und man kann als Internet-Nutzer Gesamt-Ergebnise z. B. nach Geschlecht und Alter selbst differezieren. Ich wuensche mir, dass die Weiterentwicklung von STATISTA noch flexiblere Moeglichkeiten fuer tiefergehende Ergebnisse bieten wird. Statistische Informatonen, die ja ein “oeffentliches Gut” sind, privatwirtschaftlich zu verbreiten ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Aber einen Versuch wert ! Je mehr Leute bereits jetzt STATISTA nutzen, um so wahrscheinlicher ist es, dass das Start-Up Unternehmen auch die finanzielle Kraft fuer derartige Weiterentwicklungen haben wird.
Kommentar von Gert G. Wagner, Berlin 15. Dezember 2008 @ 19:56Tolle Antworten, genau die richtige Mischung aus Charme, Intelligenz, Selbstbewusstsein und -ironie.
Kommentar von Tobias Worzyk 15. Dezember 2008 @ 20:08Tolles Startup, ein schönes Interview und eine wirklich berichtigte Wahl zum Startup des Jahres. Da stimmt einfach Idee, Umsetzung und vor allem auch die weitere Planung!
Kommentar von Medienflackern 15. Dezember 2008 @ 22:00Statista ist ein sinnvolle Sache. Und je nachdem, welche Stats dort gezeigt werden auch eine coole Sache für Terminvorbereitungen aller Art.
Ich bin gespannt, wie das Erlösmodell funktioniert.
Was das kopieren des Geschäftskonzeptes angeht, habe ich meine Zweifel, dass das so schwierig sein soll. Abgesehen vom Zeitvorsprung…
Kommentar von Andreas Huesch 16. Dezember 2008 @ 09:12Es ist schon irgendwie typisch “deutsch”, dass ein Start-Up wie Statista zum Start-up des Jahres gewählt wurde :)
Kommentar von Daniel 16. Dezember 2008 @ 09:57