Lycos Europe gibt auf

Das Ende des erfolglosen Internetriesen Lycos Europe wurde schon oft vorhergesagt. Seit Jahren dümpelt das Webunternehmen, welches seit 1997 von Christoph Mohn, dem Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn, geführt wird vor sich hin […]

Das Ende des erfolglosen Internetriesen Lycos Europe wurde schon oft vorhergesagt. Seit Jahren dümpelt das Webunternehmen, welches seit 1997 von Christoph Mohn, dem Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn, geführt wird vor sich hin und verkündete trotz aller Sparmaßnahmen, Umstrukturierungen und Neuausrichtungen immer wieder schlechte Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei -19,9 Millionen Euro (2007: -12,9 Millionen Euro). Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr von 58,4 Millionen auf 46,9 Millionen Euro zurück. So konnte es nicht weitergehen – dies haben auch Management und Aufsichtsrat nach Jahren des Siechtums und Hinterherrennens erkannt und vor Monaten eine “strategische Prüfung mit dem Ziel durchgeführt zu entscheiden, welches der beste Weg vorwärts für die Gesellschaft und ihre Aktionäre sei”.

Und dieser Weg vorwärts sieht so aus: Der Bertelsmann-Ableger hat als “beste zur Verfügung stehende Option für die Gesellschaft” den Verkauf der Geschäftsbereiche Domain, Shopping und der dänischen Portalaktivitäten sowie eine Beendigung der Portal- und Webhostingaktivitäten beschlossen. “Die Analyse der Zukunftsperspektiven von Lycos Europe war notwendig geworden, weil es trotz umfassender Restrukturierungsmaßnahmen nicht möglich war, mit dem bestehenden Geschäft auf absehbare Zeit profitabel zu werden. Zudem setzt sich die Branchenkonsolidierung zügig fort”, sagt Vorstandschef Mohn. Mit dem zum Verkauf stehenden Domaingeschäft (united-domains), dem Shoppinggeschäft (Pangora) und den Aktivitäten in Dänemark (Jubii) erwirtschaftet Lycos “etwa zwei Drittel des gesamten Umsatzvolumens”. Zuvor hatten die Großaktionäre Bertelsmann und Telefónica mehrmals versucht, das defizitäre Unternehmen als Ganzes zu verkaufen – ohne Erfolg. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die voraussichtlich Anfang Dezember stattfindet, wollen Vorstand und Aufsichtsrat die Pläne den Aktionären vorstellen.

50 Millionen Euro für die Aktionäre

Im Zuge der Abwicklung der Geschäftsfelder Webhosting und Portal inklusive Sales verlieren rund 500 von zuletzt 700 Mitarbeitern ihren Job – davon rund 230 bei Lycos in Gütersloh. Bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz will Lycos seine Mitarbeiter “aktiv unterstützen”. Vorstandschef Mohn zieht ein bitteres Fazit: “Obwohl Lycos Europe – gemessen an der Reichweite – zwischenzeitlich größtes europäisches Internet-Portal war, ist es uns nicht gelungen, unsere Geschäftsmodelle in steigendem Maße zu monetarisieren”. Er bedaure diese Entwicklung sehr, “da von den Konsequenzen sowohl Mitarbeiter als auch Aktionäre negativ betroffen sind”. Bitter in diesem Zusammenhang ist der Hinweis von Lycos, dass auf der Hauptversammlung zudem vorgeschlagen werden soll, “aus verbliebenen liquiden Mitteln Ende Dezember 2008 an die Aktionäre 50 Millionen Euro” auszuzahlen. Rund 12 % der Lycos-Anteile gehören Lycos-Chef Mohn und 20 % Bertelsmann.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Denis Klug

    Warum ist dieses Unternehmen so tief gesunken? Wenn ein man in so ein Unternehmen mal junge Unternehmer rein stecken würden, die da mal richtig aufräumen dürften, denke ich auf jeden Fall, dass diese Schritte überflüssig wären. Aber leider ist dies nicht so einfach denn auf kleinere Unternehmer will ja keiner hören. Ich denke mal jeder Gründer eines Startups wird mir zustimmen, dass mit den Mitteln die man bei Lycos hat, das Unternehmen in 2 Jahren wieder oben währe. Ich sag nur 50 Mio. Euro was man mit diesem Betrag alles machen kann. Naja das kann sich jeder selber ausrechnen.

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  3. Jan

    “oben währe”

    Vielleicht könnte man mit 50 Millionen mal einen Rechtschreib-Kurs für Startup-Gründer finanzieren.

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  5. Peter R.

    Lycos ist Meilenweit von sogenannten StartUps entfernt, sie sind auch weit von Yahoo entfernt und selbst Yahoo ist schon nicht mehr der Hit. Ist wahrscheinlich wirklich das Beste was sie tun können, dichtmachen.

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  7. Endlich hat das Leiden ein Ende. Das war ja echt nicht mehr mit anzusehen. Ganz schön traurig, wie man die schöne Ausgangsposition nach dem Börsengang durch Unfähigkeit “geadelt” hat.

    @Peter

    Lycos ist zwar nicht mehr taufrisch. Aber sie sind über den Status eines defizitären Startups nie hinaus gekommen. Ausserdem wäre DS wohl ziemlich unvollständig, wenn man auf solche Nachrichten verzichten würde.



  8. Roland

    tiscali.de – q.e.d.
    lycos.de – q.e.d.
    web.de – ?
    yahoo.de – ?
    aol.de – ?

  9. @ Roland Moriz

    Wobei das Thema Web.de eigentlich doch auch schon beendet ist – seitdem das Unternehmen von United Internet gekauft wurde. Zumindest sind sie nicht mehr eigenständig…

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  12. Was mich ja eigentlich wundert ist, dass der Vorstand bereits seit 1997 am Ruder ist… 11 Jahren in denen Lycos nie auch nur annähernd erfolgreich war – und jeder im Unternehmen das gewusst haben dürfte.



  13. Tobias

    Ich habe noch 2 Mailadressen bei lycos.de
    Sind die jetzt in Gefahr?

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