Kazzong am Ende

Die Musik verstummt beim dezentralen Downloaddienst Kazzong (www.kazzong.com). Die beiden Gründer Matthias Riedl und Martin Simma mussten den Gang zum Amtsgericht antreten und das Insolvenzverfahren beantragen. Das bittere Aus für die Münchner war […]
Kazzong am Ende

Die Musik verstummt beim dezentralen Downloaddienst Kazzong (www.kazzong.com). Die beiden Gründer Matthias Riedl und Martin Simma mussten den Gang zum Amtsgericht antreten und das Insolvenzverfahren beantragen. Das bittere Aus für die Münchner war nach dem Absprung eines Investors, der das musikalische Start-up mit frischem Kapital ausstatten wollte, nicht mehr abzuwenden. Der nichtgenannte Geldgeber zog seine Zusage offenbar mit Bezug auf die anhaltende Finanzkrise zurück. Für das Musikvertriebssystem bedeutet dies das Aus, denn Alternativen zur erneuten Finanzspritze waren nicht in Sicht. Noch auf der Popkomm waren die Bajuwaren zuversichtlich, in wenigen Wochen die nächste Entwicklungsstufe von Kazzong zu zünden. Ein neuer Player und ein Widget, welches Riedl im Videointerview mit deutsche-startups.de bereits ankündigte, waren bereits in Arbeit, Verträge für die Einbindung von Kazzong in verschiedene Social Networks bereits unterschrieben.

Kazzong ging im vergangenen Jahr an den Start. Mit dem Dienst konnten Künstler und Websitebetreiber ihre Plattform um einen eigenen Downloadshop erweitern und sich auf diese Weise eine neue Umsatzquelle erschließen. Jeder Vertriebspartner erhielt eine Provision auf den Verkaufspreis. Anfangs setzte Kazzong auf kleinere Bands und Küstler. Zuletzt waren dank eines Vertrages mit dem Digitalvertrieb Zebralution aber auch Künstler wie Arctic Monkeys, Carla Bruni, Einstürzende Neubauten, Fettes Brot, Franz Ferdinand und Xavier Naidoo über Kazzong erhältlich. “Dadurch gingen unsere Zahlen zuletzt deutlich nach oben”, sagt Gründer Riedl. Auf rund 17 Millionen Page Impressions brachte es Kazzong nach eigenen Angaben zuletzt.

“Es wird hart”

Über Verkäufe und Umsätze macht Riedl keine Angaben. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass Kazzong unzählige Songs hätte verkaufen müssen, um von selbst den Sprung in die Gewinnzone zu schaffen. Über seine weitere Zukunft hat sich Riedl, der bereits im Alter von 18 Jahren seine erste Internetfirma gegründet hat, noch keine Gedanken gemacht. Zunächst ist er sowieso mit der Abwicklung von Kazzong beschäftigt. “Es wird hart, aber da müssen wir durch”, sagt Riedl. Insgesamt sieben Leute waren zuletzt für Kazzong unterwegs.

Hausbesuch bei Kazzong

In einem kleinen Knusperhäuschen in München sitzt Kazzong. Wir haben den Musikdownloaddienst im Sommer dieses Jahres besucht und die Räumlichkeiten fotografiert. Alle Bilder in unserer Fotogalerie.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Christoph

    Das tut mir echt leid für euch, Jungs! Hoffe ihr findet den white knight…

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  6. Kopf hoch Jungs, und immer an den “Olli” denken, weiter, weiter, weiter! Dann kommt das nächste Ding!
    Gruss Thomas

  7. Ich komme auch immer mit meinem “Widjet” angeflogen :)

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  9. Ich fand die Idee immer Klasse, schade, dass das so zu Ende geht…



  10. Günter

    Wenn ich das hier lese, muss ich laut lachen. Aufgrund der Finanzkrise?? Die Investoren haben endlich gemerkt, dass dieses Modell nie funktionieren kann. Das hat uns bereits die SNOCAP-Geschichte gezeigt. Wenn man in Traumschlösser investiert, ohne sich mit der Musikbranche zu beschäftigen und auszukennen, dann kommt einem so ne Finanzkrise doch ganz recht. So kann man wenigstens halbwegs erhobenen Hauptes aus der Sache aussteigen. Dass an diesr naiven Investition mittlerweile Arbeitsplätze und Schicksale hängen, regt mich am meisten auf. Die Herren sollen endlich mal von Ihrem hohen Ross runterkommen und sich Businesspläne genauer ansehen, bevor so arrogant mit Geld um sich werfen und “normalen” Angestellten den glauben schenken, für eine solide Firma zu arbeiten.

    Um die Gründer selbst tut es mir da nicht leid. Die wissen ja, wie es hinter den Kulissen aussieht und verfolgen ihren eigenen Traum. Ein Traum irgendwann mal, wenn es gut läuft, 17 Mio Page Impression zu generieren. Offesichtlich hat Herr Riedl diesen Traum mit der Realität vermischt.

    Meine abschließende Meinung: Geklautes Konzept, gut umgesetzt. ROI-Aussichten = 0. Diese Formel gilt übrigens noch für einige weitere auf dieser Seite vorgestellten Projekte ; ))

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  12. David

    Von “seinem” Investor – aus welchem Grund auch immer – hängengelassen zu werden, ist in der Tat sehr bitter. Insbesondere, wenn es sich nicht nur um eine Interessensbekundung, sondern um eine “sichere” Zusage handelt.
    Evtl. hätte es bei genauer Beobachtung der Rahmenbedingungen Möglichkeiten gegeben, sich Gedanken über einen Plan B oder C zu machen und mit diesem im Fall der Fälle um die Ecke zu kommen? Aber erst mal breit (?) nach Kapital anzufragen und sich dann auf mehrmalige Rückfrage hin nicht mehr zu melden, macht aus meiner Sicht halt auch alles andere als einen professionellen Eindruck…
    Dennoch: Sehr schade drum!

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