Gastbeitrag von Prof. Hendrik Speck: “Mehr Profildaten verfügbar als zu Stasi-Zeiten”
deutsche-startups.de öffnet sich ab sofort für Expertenbeiträge. Den Auftakt macht Professor Hendrik Speck, Lehrender an der Fachhochschule Kaiserslautern im Bereich Informatik/Interaktive Medien. Er schreibt über die Datenflut auf Social Networks und beleuchtet die Vor- und Nachteile für User und Werbungtreibende.
Unsere Gesellschaft durchläuft momentan einen mediendemografischen Wandel, bei dem sich breite Teile der Bevölkerung und insbesondere jüngere Zielgruppen vollständig von verschiedenen Medien und Medieninhalten verabschieden. Der Trend hin zur computervermittelten Kommunikation wird unterstützt durch den technischen Fortschritt, den preislichen Verfall entsprechender Technologien, die Reduktion der Einstiegsschwellen und die Omnipräsenz der Medien. Durch diesen Rückzug vom Gedruckten verlieren Bevölkerungsschichten nicht nur dauerhaft den Anschluß an unsere bisherigen Lern- und Wissensvermittlungssysteme. Mit dem Verlust der entsprechenden Leserschaften verändern sich auch die Geschäftsmodelle für Verlage und Redaktionen. Dies gilt auch für andere Medienkonzerne die wie im Suchmaschinenmarkt eine Stagnation der Marktanteile beobachten.
Insbesondere die internetbasierten Videoportale und sozialen Netzwerke erreichen Zielgruppen, die die klassischen Massenmedien zum Teil um ein Mehrfaches übertreffen. Die teilweise zweistelligen Abonnentenverluste und sinkenden Aktienkurse zwingen auch die Dinosaurier der Medienlandschaften zum Nachvollziehen des Populären – entsprechende Investitionen von deutschen und ausländischen Medienkonzernen in Soziale Netzwerke erscheinen dabei logisch konsequent.
Zur Motivation von Sozialen Netzwerken
Bei diesen Sozialen Netzwerken handelt es sich um eine Mischung von Demokratisierungsmodellen der Teilhabe, Gemeinschaften von Amateuren verbunden mit einem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Weltweit verlagern Millionen junger Erwachsener einen Großteil ihrer sozialen Teilhabe in diese virtuellen Gemeinschaften und tauschen darin Nachrichten, Wünsche, und Neigungen, aber auch Musik, Bilder, Videos und Aufmerksamkeit aus.
Analysen des Nutzerverhaltens sagen: Die hauptsächlich benutzten Dienste dienen zur Pflege sozialer Kontakte und zum Aufbau der eigenen Reputation – bei den Inhalten dominieren vor allem unterhaltende Inhalte aus den Bereichen Stars, Musik, und Sport; ergänzt durch die digitalen Versionen der gesellschaftlich geteilten Schadenfreude in der klassischen Form von Pleiten, Pech und Pannen; kompensiert durch mehr oder weniger direkte Formen der Kontaktanbahnung.
Kaum Riskobewusstsein beim Bereitstellen der eigenen Daten
Die dabei von den Nutzern zur Verfügung gestellten Daten schaffen eine Profilierungsdichte, die die von Einwohnermeldeämtern oder der Stasi, dem Staatssicherheitsaparat der Deutschen Demokratischen Republik, insbesondere in der Profilierungstiefe breiter Bevölkerungsschichten bei weitem überschreiten. Bei einer Analyse der zur Verfügung gestellten Profildaten fällt auf, dass der Großteil der Teilnehmer sich des entsprechenden Risikos nicht bewußt ist, beziehungsweise dieses falsch einschätzt. Die überwältigende Mehrheit betreibt kein überzeugendes Privacymanagement mit einer Differenzierung von Privatssphäre und Öffentlichkeit. Von der Providerseite wird leider versäumt, darauf durch die Standardeinstellungen zu reagieren.
Erosion der Bürgerrechte
Generell handelt es sich um einen Strukturwandel der Öffentlichkeit; das gesellschaftliche Verständnis und die Differenzierung von Privatsphäre und Öffentlichkeit wird dabei zunehmend durch eine Scheinöffentlichkeit, ein Versprechen von Teilhabe ersetzt. Verbunden mit einer fröhlichen Entblößung der Spassgesellschaft entstehen darin durchaus legitime Geschäftsmodelle. Flankiert von staatlicher Seite erfolgt im Rahmen der Terrorbekämpfung zum selben Zeitpunkt eine Erosion der Bürgerrechte.
Ungeklärt erscheint auch die gesellschaftliche und presserechtliche Einordnung dieser neuen Massenmedien einschließlich ihrer Datensammlungen. Nicht überzeugend ist das Abschieben der Verantwortung auf die anonymen Quellen der nutzergenerierten Inhalte im Zusammenhang mit der kommerziellen Ausbeutung der Beiträge und Inhalte durch die Plattformprovider. Die presserechtliche Einordnung von Verletzungen der Privatsphäre erscheint innerhalb des durch Urteilsjustiz gekennzeichneten Rechtssystems Deutschlands als fragwürdig.
Werbung als Finanzierungsmittel
Bis auf wenige Ausnahmen setzt die Mehrheit der Social Networks auf Banner- und Kontextwerbung zur Finanzierung ihrer Plattformen. Diese einseitige Ausrichtung erweist sich für die Verwertung als Nachteil, da die beworbene Zielgruppe erst am Anfang ihrer Erwerbsexistenz steht, zunehmend werberesistent auftritt und eine erhöhte Klickmüdigkeit aufweist. Gleichzeitig weist die Zielgruppe eine im Vergleich überdurchschnittliche Medienkompetenz im Werbebereich aus; es steht deshalb zu erwarten, dass dieses Geschäftsmodell in naher Zukunft unter massiven Druck kommen wird, ein Großteil der Werbetreibenden hat die Evolution von Adblockern noch nicht realisiert. Ein Ausweichen auf andere Auslieferungsmethoden führt dabei nur zur Verlagerung des Schlachtfeldes und langfristig zu einer Verschlechterung der Marktposition. Sämtliche Versuche der Plattformbetreiber zur horizontalen Expansion der Werbefläche und Werbemedien haben in den letzten Monaten zu einer deutlichen Erhöhung des organisierten Widerstandes durch die Nutzer geführt. Die teilweise taktisch unglücklich gewählten Methoden der Markteinführung äußern sich möglicherweise noch nicht direkt in einem Sinken der Nutzerzahlen, haben jedoch den Markenwert der Plattformen dauerhaft beschädigt.
Erwartungen werden nicht erfüllt
Der Druck auf die Betreiber der sozialen Netzwerke erhöht sich von mehreren Seiten, da die relativ teuer erworbenen Plattformen momentan mehrheitlich nicht in der Lage sind, die Erwartungen der Investoren zu erfüllen. Selbst Google bezeichnet die Verwertung des Social Network Inventory als nicht zufriedenstellend. Beachtenswert erscheint auch das Phänomen des sozialen Verfallsdatums der einzelnen Plattformen, welches insbesondere durch die Plattformmigration zu einer Entwertung der Datenbasis und zu einer Zunahme wertloser Datenleichen führen wird. Gemeint ist damit das biographisch bedingte Durchwandern und Verlassen einzelner Plattformen – SchülerVZ ist für Jugendliche sicher faszinierend, spätestens mit der ersten Hochschulvorlesung kommt Facebook, um dann beim Eintritt ins Berufsleben von LinkedIn oder Xing ersetzt zu werden. Es steht zu erwarten, dass die biografisch früher angesiedelten Plattformen stärker unter dieser Erscheinung leiden werden.
Die Ausübung der informationellen Selbstbestimmung durch die Nutzer wird auch durch den von den Plattformen angestrebten Wandel vom Opt-In zum Opt-Out behindert – Plattformen setzen dabei auf die Trägheit und auf die Unkenntnis der Nutzer um ohne explizite Zustimmung, quasi durch die Hintertür, erweiterte Vermarktungsrechte durchzuführen. Plattformen führen dabei einseitig neue Verwertungsformen ein und verweisen auf die in diversen Menüs versteckten Ab/Einstellmöglichkeiten für die Nutzer, in Wirklichkeit geht es jedoch um eine zielgerichtete Aushöhlung eines Grundpfeilers der informationellen Selbstbestimmung. Dieser Trend steht somit dem klassischen Verständnis des Datenschutzes diametral entgegen und kann sich bei einer erhöhten Sensibilität der Nutzer als Boomerang erweisen.
Der Widerspruch zwischen den sich weiterentwickelnden Modellen des Datenschutzes und der informationellen Selbstbestimmung einerseits, und der den durchaus auch berechtigten Vermarktungsansprüchen der profitorientierten Betreiber andererseits, äußert sich auch in weiteren Aspekten. Dazu gehört das bedingungslose Anerkennen der Privatsphäre und Urheberschaft der Nutzer für die von ihnen bereitgestellten Netzwerkinhalte, verbunden mit den daran gekoppelten Rechten zur Anspruchswahrung. Soziale Netzwerke versuchen bis zum jetzigen Zeitpunkt, den Nutzer an der Ausübung dieser Rechte zu behindern: Plattformen versuchen beispielsweise durch emotionale Ansprachen die Abmeldung der Nutzer zu verhindern beziehungsweise zu Verzögern, für diese Ansprachen werden auch persönliche Daten und Darstellungen anderer Nutzer verwendet. Nutzer die sich von einzelnen Plattformen abmelden, können die von Ihnen ursprünglich bereitgestellten Daten wie im Falle von Facebook praktisch nicht mehr löschen oder erhalten wie im Fall von Xing nur eine teilweise Kontrolle – Artikel in den Foren der Gruppen, Gästebucheinträge und persönliche Nachrichten können bis jetzt nicht entfernt werden.
Aufgrund der Länge des Beitrages geht es morgen an gleicher Stelle zu gleicher Uhrzeit mit Teil 2 weiter.
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Danke für diese extrem gute Zusammenfassung und vor allem dafür, dass man sie hier öffentlich stellt. Die Fakten dürften alle antreiben realistische neue Geschäftsmodelle zu suchen und zu finden.
Kommentar von uerdmann — 27. Februar 2008 @ 09:14
Bin gespannt auf Teil 2.
Was die Werbung angeht: Die Werbetreibenden (Agenturen und Auftraggeber) können natürlich gar nicht so schnell umdenken, wie sie umdenken müssten. Für die klassische Werbung und ihre Unterformate gilt ein Sender – Empfänger – MOdell, das den Empfängern zum einen immer schon auf den Zeiger gegangen ist, zum anderen haben sie auch nie einfach auf Empfang gestellt. Die meisten Botschaften wurden überhört oder interpretiert. In diesen neuen “public-private”-Zwischengeschossen – man könnte es Mezzanine-Öffentlichkeit nennen – muss Werbung anders funktionieren. “Werbung muss höflich sein”, das fällt den Kreativen schwer, aber darauf wird es ankommen. Gilt für Ton, Verbreitungsweise, Struktur. Sobald die Veranstalter der Communities die Samthandschuhe ausziehen, kriegen sie massive Schwierigkeiten mit dem selbst veranstalteten Netz, weil die Leute ja nicht mehr isolierte Empfänger sind. Die Menschen hätten sich auch bei der Einführung der Werbepausen in Spielfilme massiv gewehrt – aber damals hatten sie keinen Rückkanal, keinen Kommentar-Button. Mit Sicherheit kann man soziale Netzwerke profitabel veranstalten – man muss alerdings wesentlich mehr Fingerspitzengefühl und Grips aufwenden als beim früheren Sender-Empfänger-Modell (sternförmiges Netz!).
Kommentar von Fritz Brett — 27. Februar 2008 @ 09:20
“Business Intelligence, Data Warehouse, Data Mining”
Wenn sich die Nutzer von Social Networks nur ansatzweise darüber im klaren wären, was diese Begriffe bedeuten, sähe ihr Nutzerverhalten wohl anders aus.
Facebook scheint schon sehr aktiv zu sein:
http://www.facebook.com/jobs/#Data%20Analyst
Kommentar von RB — 27. Februar 2008 @ 09:21
aufgrund der Vernetzung mit Freunden könnte die Eigenschaft (TopUser = mehr als 150 Freunde ersten Grades) neue Effekte entstehen lassen:
Wenn jene im NW etwas sagen, wird es gehört.
Wenn jene sich ein Cashualgame in kompletter Markenumgebung in Ihr Profil einbauen, werden virale Effekte für Verbreitung sorgen.
Wenn jene in irgendeiner Art und Weise eng mit einem Produkt verknüpft sind (Fan), liegt sehr nahe, dass die NWs dieser TopUsers ähnliche Tendenzen dieser Identifikation mit dem Produkt aufweisen (Adidas, oder anders: Motorradfahrer) Motorradfahrer sehen sich als wilde verschworene Typen. Adidas-Fans gehen gerne in Clubs. Hier könnte die Mundpropaganda funktionieren und zwar ohne das klassische Verständnis von Werbung. Hier ist man bidirektional mit großer Nähe zum Produkt.
Wollen die unternehmen Produkte initiieren, haben sie zB die Möglichkeit, über Video-Plattformen, Shortys zu streuen (Werbefilme in cool), oder über EmailAdressen-Pools freiwillige gegen Belohnung dazu aufzufordern, selber Videos zum ThemaXY zu drehen. Dann gibt es plötzlich 20 oder 50 oder 100 VERSCHIEDENE Werbefilmchen
Wenn diese in die NW gelangen we5rden sie aufgenommen
- und ab gehts
Kommentar von Kai — 27. Februar 2008 @ 09:58
Sehr interessanter Kommentar, der zum Ausdruck bringt, was ich mich schon lange frage: Wo ist der wirtschaftliche Erfolg bei diesen ganzen Netzwerken??? Wo also wird Geld verdient um eine Wertsteigerung des Unternehmens zu erreichen um dann auch profitabel zu arbeiten? Auch ein Investor macht das nicht nur um zu sagen dass es ein tolles Projekt ist, er möchte Geld verdienen, nichts anderes…Aber nur mit Werbung in Newslettern wird das ganze nicht funktionieren…
Kommentar von markus zähringer — 27. Februar 2008 @ 10:45
Ich habe gerade VERSUCHT, meinen Account bei Facebook zu löschen.
Nach langem Rumsuchen habe ich herausgefunden, dass ich ihn gar nicht löschen kann, durfte ihn aber immerhin deaktivieren, d.h. die Daten sind alle noch da.
In einer Textbox darf man dann darum betteln, dass das Facebook-Team sich erbarmt und den Account auch wirklich löscht.
Kommentar von Peter — 27. Februar 2008 @ 11:27
hi,
mal eine ganz andere Frage: weiß jemand wer der Ansprechpartner für Deutschland be Facebook ist?
Kommentar von Big B — 27. Februar 2008 @ 11:53
(ironie) Evtl. mit Werbung für individuell gestaltbare Mousepads?
(/ironie)
Kommentar von Michael — 27. Februar 2008 @ 11:55
Pimp mymousepad.de
)
Kommentar von John — 27. Februar 2008 @ 12:00
@Kai Vorsicht! Es ist nicht so, dass die Menschen mit dem größten Netzwerk gleichzeitig auch die “thought leader” sein muessen.
Im schlimmsten Falle passiert sogar so etwas wie anti-evangelism wenn die “falsche” Person etwas einbindet oder empfiehlt. Dann wird die Marke nachhaltig geschädigt, da ich dieser Person vllt nicht traue bzw. sie nicht mag.
Es gilt also die Meinungsmacher, die zudem noch ein großes Netzwerk haben, herauszufiltern. In der Praxis zum Beispiel Gruppengründer bei Xing oder StudiVZ. Für seinen jeweiligen Interessenbereich sollte man diese Meinungsmacher hegen und pflegen, egal was es kostet.
wer tiefer einsteigen möchte: “the tipping point” und “crossing the chasm”.
lg, philipp
Kommentar von phlipster — 27. Februar 2008 @ 12:00
oki…
link ist raus. den hatte ich bei einem anderen post eingefügt
Kommentar von markus zähringer — 27. Februar 2008 @ 12:05
Sehr schöner Artikel. Endlich mal jemand der die Fakten kritisch durchleutet und die schlüssig argumentiert.
Kommentar von Eugen — 27. Februar 2008 @ 12:10
@markus, von mir aus hätteste den Link drinlassen können. Wenigstens habt ihr ein Geschäftsmodel, das direkte Einkünfte generiert und nachvollziehbar sinnvoll ist.
Kommentar von Michael — 27. Februar 2008 @ 12:30
Da versucht sich jemand mal wieder wichtig zu machen. Hätte er selber ein Startup, würde er schön schweigen. Neider überall.
Kommentar von gott — 27. Februar 2008 @ 12:51
GEKAUFT: Sorry, aber wurde der Artikel von Facebook-Investoren co-finanziert?
“spätestens mit der ersten Hochschulvorlesung kommt Facebook,”
Also so dumm schätze ich den Herrn Experten nicht ein, dass er nicht weiß, dass die Lebensrealität eines Studenten derzeit immer noch studivz einschließt.
Kommentar von Lance — 27. Februar 2008 @ 13:06
Bevor der letzte Post gelöscht wird, hinter dem GEKAUFT soll natürlich ein Fragezeichen stehen.. also GEKAUFT?
Kommentar von Lance — 27. Februar 2008 @ 13:07
und natürlich muss es heißen, “Also als so dumm”
Kommentar von Lance — 27. Februar 2008 @ 13:07
Neee. Klug.
Bald sagen die User zu StudiVZ lebewohl.
Kommentar von biernot — 27. Februar 2008 @ 13:43
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,537622,00.html
“Gott sei Dank dürfen wir Kiffer-Fotos jetzt den Behörden geben”
[Beleidigung gelöscht - Alexander]
Kommentar von biernot — 27. Februar 2008 @ 13:44
es ist auf jeden fall äusserst schwierig an kapital zu kommen, wenn man expandieren möchte und auch noch ein geschäftsmodell hat, dass Geld verdient…
Kommentar von markus zähringer — 27. Februar 2008 @ 13:57
gerade der Bereich Videogames in Kombination mit Merchandising bietet ungeahnte Möglichkeiten und vor allem nachhaltiges Wachstum.
Wir erweitern gerade unser Geschäftsfeld und suchen noch Investoren bzw. Private Equity. Stellt sich aber als äusserst schwierig dar….
Kommentar von markus zähringer — 27. Februar 2008 @ 14:01
Interessantester Satz:
“da die relativ teuer erworbenen Plattformen momentan mehrheitlich nicht in der Lage sind, die Erwartungen der Investoren zu erfüllen. Selbst Google bezeichnet die Verwertung des Social Network Inventory als nicht zufriedenstellend.”
Tja da bin ich ja mal gespannt was sich die Plattformen so einfallen lassen… wird spannend.
Kommentar von Peter R. — 27. Februar 2008 @ 14:04
“Gott sei Dank dürfen wir Kiffer-Daten jetzt herausgeben”
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,537622-2,00.html
Kommentar von jenz — 27. Februar 2008 @ 14:10
Vergleiche von social networks in deren Betreiber zur Stasi sind immer fehl am Platz.
Ersten geschieht hier die Freigabe der Daten durch den Nutzer freiwillig (Wer AGB nicht liest ist selber schuld.) und zweitens wird dadurch verharmlost was die Stasi gemacht hat.
So viel Zeit muss sein.
Kommentar von Till Klampäckel — 27. Februar 2008 @ 14:14
danke fuer die hinweise -
die ueberschrift stammt jedoch nicht von mir – sie entstand vielmehr durch die verknappung des inhaltes durch die redaktion – mal sehen, ob ich diese zur korrektur der ueberschrift bewegen kann. im artikel selbst spielt dieser bezug eine untergeordnete rolle.
@till: ihre einschaetzung der staatssicherheit und der noetigen profilierung teile ich – der artikel bezieht sich jedoch nur auf profilierungsdichte und tiefe und den transfer von staatlichen und privaten datensammlungen. im original ist dieser vergleich detaillierter begruendet, fuer den vergleich mit den einwohnermeldeaemtern empfehle ich den referentenentwurf des neuen meldegesetzes http://philipbanse.de/docs/Referenenentwurf_Meldegesetz.pdf
bzw. fuer die profilierungstiefe der staatssicherheit:
Wegmann, Bodo und Monika Tantzscher. Soud. Das Geheimdienstliche Datennetz des östlichen Bündnissystemes. Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes. Reihe B, Nr. 1/1996.
Kommentar von Hendrik Speck — 27. Februar 2008 @ 14:31
Die Überschrift und der Inhalt des Artikels beziehen sich nicht darauf, das Social Networks Stasi-Methoden verwenden, sondern dass durch die freiwillige Herausgabe der Daten durch die Nutzer selbst und durch die Verknüpfung eine sehr umfassende Profilanalyse einzelner Personen möglich ist.
Nichts anderes wird behauptet.
Kommentar von Christina Cassala — 27. Februar 2008 @ 14:53
Gefahren für den Datenschutz gehen nicht von Social Networks aus, in denen die User FREIWILLIG ihre Daten preisgeben, sondern von einem Staat, der in seinen Bürgern eine Gefahr für seine Existenz sieht. Ein erstes Anzeichen dafür ist, daß Geheimdienste gegen die eigenen Bürger eingesetzt werden.
Das ist in Deutschland bislang zweimal passiert. Beim ersten Mal hatten wir danach Auschwitz, beim zweiten Mal einen Todesstreifen quer durch Deutschland.
Jetzt sind wir schon wieder soweit, wenn der BND die eigenen Bürger bespitzelt und erstmal alle unter Generalverdacht stellt. Der Zweck heiligt NICHT die Mittel. Erzwingungshaft für Verdächtige (!) haben wir ja schon, Folter und Straflager sind da nicht mehr weit.
Die “Gefahren” durch Social Networks sind da wohl in Relation zu sehen.
Kommentar von Cheater — 27. Februar 2008 @ 15:01
Ok, es war nicht sonderlich nett den CEO von StudiVZ einen “****” zu nennen.
Aber warum machen die Herren dort immer solche groben Fehler: “Gott sei Dank dürfen wir Kiffer-Fotos jetzt den Behörden geben” Das geht jetzt einmal quer durch die Medien…
Das ist doch nur ein Fehler-Beispiel von vielen! Ich wuerde mich freuen, wenn eine Deutsche Firma in Deutschland die Nummer 1 bleibt bei sozialen Netzwerken.
Aber warum machen die Leute bei StudiVZ sowas? Warum wird die Seite so langsam weiter entwickelt? *kopfschuettel*
Kommentar von biernot — 27. Februar 2008 @ 15:16
Die STASI hätte man überhaupt nicht erwähnen müssen, da diese in diesem Fall rein aus journalistischer Skandalmache erwähnt wurden.
Kommentar von gott — 27. Februar 2008 @ 15:24
StudiVZ hat 70 Werksstudenten welche den ganzen Tag nach Verstoessen suchen.
Hahaha… Es ist herrlich!
Kommentar von biernot — 27. Februar 2008 @ 15:40
@biernot: die plattformbetreiber befinden sich in der zwickmuehle gegensaetzlicher interessen: von staatlicher seite erhoehen sich die anforderungen der vorratsspeicherung (verbindungsdaten), werbetreibende erwarten passende zielgruppeneinteilungen, die investoren kaempfen mit erhoehter klickresistenz und automatisierten werbeblockern, die nutzer reagieren teilweise unberechenbar im hinblick auf die bereitwilligkeit zur datenherausgabe, und daten/verbraucherschuetzer bemaengeln ausufernde profilierungsbestrebungen. bei den sozialen netzwerken als solchen handelt es sich offensichtlich um massenmedien, die ihre rollenbildung noch nicht abgeschlossen haben – dies fuehrt zu reibungsverlusten.
grundsaetzlich begruesse ich auch die marktfuehrerschaft deutscher netzwerke (in deutschland), sind diese doch eher in das gesellschaftliche beziehungsgeflecht zu integrieren. die initiative vom ceo von studivz beim 2. europaeischen datenschutztag ist dabei ausdruecklich hervorzuheben. bei diesen netzwerken stellt sich jedoch auch die frage, wie sie neben den offenen fragen der verwertung die aspekte der internationalisierung, oeffnung der plattform fuer externe entwickler/apis, schnittstellen fuer mobile geraete/location based services und plattform portability angehen werden – dies sind in meinen augen die wesentlichen schwerpunkte fuer die naechsten monate.
Kommentar von Hendrik Speck — 27. Februar 2008 @ 15:57
werden in Teil 2 auch noch Handlungsempfehlungen ausgesprochen?
Kommentar von der Troll — 27. Februar 2008 @ 16:04
Schon in deinem Bericht dachte ich, dass du die Verbreitung von AdBlock Plus ueberschaetzt. Oder liegen hier konkrete Zahlen vor?
Aber natuerlich werden sich das BKA und andere bei StudiVZ melden um an persoenliche Daten zu kommen. Aber es bleibt die Frage ob es klug ist es derart offensiv zu erwaehnen bereitwillig Daten zu verteilen. Und dann auch noch von Kiffern… Auch wenn selbstverstaendlich nur Daten an Behoerden weitergegeben werden entsteht beim User der Eindruck die Daten seien nicht mehr sicher.
Die fallenden clickrates werden frueher oder spaeter durch effektivere Werbung kompensiert werden. Wichtig ist hier das Stichwort Video kombiniert mit Interaktion. Ggf. personalisiert.
Die Bereitwilligkeit der Datenherausgabe ist uebrigens eindeutig zurueck gegangen. U.a. dank StudiVZ. Man hat sich durch dumme Kommunikationspolitik selber den Weg verbaut. Gratulation!
Neben dem schlechten Management scheinen auch die Programmierer nicht die besten zu sein. Ich haette mit meinen Mathematikern/Informatikern in kurzer Zeit die Seite auf Vordermann gebracht.
Kommentar von biernot — 27. Februar 2008 @ 16:18
Das war wohl ein Schuss in den Ofen. Und zwar vom feinsten… Oder ein PR-Gag…
http://derstandard.at/?url=/?id=3242432
“Laut einer Meldung des Spiegel will das soziale Netzwerk StudiVZ nun Nutzerdaten zu “Kifferbildern” herausgeben.”
Kommentar von jenz — 27. Februar 2008 @ 16:21
Die Oeffnung fuer externe Entwickler haette schon vor ein paar Monaten in Angriff genommen werden muessen.
Aber scheinbar ist sich StudiVZ immer noch nicht sicher ob man das ueberhaupt moechte.
Kommentar von biernot — 27. Februar 2008 @ 16:23
@biernot: ja und nein. absolute zahlen zum einsatz von adblockplus und co liegen nicht vor, diese sind durch die verteilten downloads auch nur schwierig zu erhalten. fuer die abschaetzung geeignet sind deshalb die nutzungszahlen der automatischen blocklisten beziehungsweise die (relativen) steigerungsraten von adblockplus auf mozilla.
die letzten zahlen sind vom 13. februar und bescheinigen adblockplus eine reichweitenerhoehung (active daily users) von 10.4% in der woche vom 6. bis zum 13. februar. http://adblockplus.org/blog/statistics-statistics-statistics
nun handelt es sich hier sicher nicht um eine geradlinige entwicklung, der trend der letzten jahre ist allerdings offensichtlich – die bedrohungen fuer die rein werbebasierten businessmodelle liegen damit auf der hand. von 10% reichweitensteigerung pro woche kann ein grossteil der plattformen nur traeumen – wenn die reichweite der plattform langsamer steigt als die der adblocker verringern sich die erzielbaren werbeeinkommen.
Kommentar von Hendrik Speck — 27. Februar 2008 @ 16:59
Der Unterschied im Vergleich mit den Stasi-Akten (Profilen) liegt aber ganz klar in der *Systematik* der Erhebung, Verwendung und letzlich Überwachung. Während die Stasi die Privatsphäre verletzt hat entscheidet sich der Nutzer hier (auch wenn ihm die Konsequenzen nicht klar sein könnten) wenn nicht bewusst so zumindest selber.
Kommentar von Yella — 27. Februar 2008 @ 17:28
Zunächst einmal ein Lob für den Artikel. Schön, dass diese längst überfällige Diskussion inzwischen auch auf breiterer gesellschaftlicher Ebene betrieben wird (nicht nur hier). Allerdings lag die Frage eigentlich schon im Sommer 2006 völlig unbeantwortet herum und wurde zumindestens unter Studenten “auf der Strasse” schon längst geführt:
1. Niemand kennt jemanden, der je auf Werbung geklickt hat.
2. Warum verhalten sich die Studenten im studivz total irrational? Sind jetzt auf einmal alle doof oder naiv? Schwer vorstellbar.
3. Wie kann man unter diesen Voraussetzungen ernsthaft probieren aus dem ursprünglichen Spassprojekt eine echte Firma zu entwickeln?
Ich hätte gedacht, dass studivz nach spätestens 6 Monaten einfach zu macht, weil sich der Aufwand nicht lohnt und der Traffic viel zu teuer ist. Aber dann kam Holtzbrinck und seitdem versteh ich das Spiel nicht mehr…;)
Es gibt meiner Meinung nach einen Riesenbedarf nach Facebook/studivz/XING als Applikation. Daher wäre es vielleicht geschickter, ein Social Network auch so zu behandeln und es wie Photoshop oder MS-Word über Lizenzen zu verkaufen.
Dennoch werden Social Networks oft als Konkurrenz zu etablierten Medien gesehen und konkurrieren mit diesen ja auch um Werbebudgets. Analog dazu wird der Inhalt eines SN als UserGeneratedContent bezeichnet und damit dem Content einer Redaktion gegenübergestellt. Dabei kann es doch gar keine Redaktion für Content in Social Networks geben.
Daher ist meine Frage an Prof. Speck:
Wieso werden Social Networks als Medien bezeichnet? Würde eine Betrachtung von SNs als “Tool” nicht viel realistischer sein? Könnten daraus nicht auch eher gewinnversprechene Erlösmodelle entstehen?
ICQ wird doch auch nicht als Medium bezeichnet oder mit Krisen im Zeitungsgeschäft in Zusammenhang gebracht, oder?
Kommentar von dsp — 27. Februar 2008 @ 21:13
Hier auch nochmal meinen Dank an Prof. Hendrik Speck und vor allem seinem Team auf der letzten Cebit! Die Ideen zur sozialen Netzwerkanalyse und die Softwaretips haben mich gut vorangebracht.
Kommentar von Norman Nielsen — 28. Februar 2008 @ 00:34
@Hendrik Speck: Danke für die ausführliche Antwort.
@Christina Cassala: Wenn das so eindeutig ist, dann braucht es auch keine polemischen Überschriften, die sowieso nichts mit dem Inhalt des Beitrags zu tun haben.
Kommentar von Till Klampäckel — 28. Februar 2008 @ 10:49